Oh Gott, wo ist mein Gottesteilchen?

Cern. LHC. Sie haben es wieder getan. Arme kleine Teilchen mit Highspeed aufeinander gejagt. Physiker sind und bleiben kleine Jungs. Matchbox-Autos mit Vollspeed aufeinander knallen lassen und gucken, was passiert. Boah, ey! Krass, Alter!

Und dann geht’s los. Talk about Chaos. Hasse gesehn, voll der Scheinwerfer gesplittert und die Frontscheibe. Tür rausgeflogen, Rad ab, Dach eingedrückt, Frontsitze zur Heckscheibe raus. Jetzt ist es also geschehen. Die CERN-Nerds haben es gefunden in all dem Teilchenchaos, dass sie in ihren Mikroexplosionen-Kollisionen erzeugen. Higgs-Boson ist erkannt. Da bist du ja endlich. Wo warst du denn die ganze Zeit?

Worum geht es eigentlich?

Habe mal recherchiert.

Es geht um nicht weniger als die Zusammensetzung des Universum und letztlich die Frage, was nach dem Urknall eigentlich so passiert ist. Wie kam die Masse in die Teilchen, die Butter aufs Brot, die Mutter zum Kind? Bislang haben wir einen netten Baukasten aus 12 Elementarteilchen, die alle uns bekannten Atome zusammensetzen. So weit, so gut. Dieses Modell passt bislang, wir leben gut damit und wir könnten Ruhe geben, würde das Modell halt immer stimmen. Tut es nicht, Physiker müssen ja auch Jobs haben. Es gibt Erklärungslücken. „So spricht es Teilchen beispielsweise keine Masse zu, obwohl ohne Masse alle Partikel schnell wie das Licht wären. Es gäbe keine Zusammenballungen – keine Atome, keine Sterne, Planeten oder Menschen.“ Spiegel Online.

Das erstaunt ein wenig. Wir haben ein funktionierendes Modell, das aber weder Atome, noch Sterne noch Planeten noch Menschen beinhaltet? Huhu. Hallo? Standardmodell. Eben nur Standard. Da würde ich ja mal nicht von kleinen Lücken sprechen, weil ich mich persönlich über die physikalischen Maße hinaus in Frage gestellt sehe. Ich existiere nicht, weil meine Teilchen keine Masse haben? Klingt nach Theorie-Diät.

1964 hat sich Mister Higgs von der königlichen Insel gedacht: Nicht mit dem Commander. Er hat sich ein DIN-A4-Blatt geschnappt und darauf gepinnt: GOTTESTEILCHEN. Erklärt wird es so. Das Teilchen ist unheimlich sexy. Angelina Jolie betritt den Raum und löst was aus? Anziehung. Sie ist das Boson-Teilchen. Wenn ich richtig mitgezählt und verstanden habe: Die 13. Oh, oh.

Der Tumult um sie herum ist das Higgs-Feld, das sich an ihre Fersen heftet und ihren Gang durch den Raum erschwert, weil sie plötzlich Masse hat. Schwer wird. All die Leute um sie herum.

Nun haben die Cernis in zwei Versuchen von zwei Gruppen ein und das selbe Ergebnis erzielt: Es gibt diese Angelina Jolie, das Gottesteilchen, das Boson. Yippie-Yeah! Also die Wahrscheinlichkeit der Richtigkeit der Annahme liegt bei 1 zu 1,6 Millionen. Kann man schon mal drauf wetten. Und worüber freuen sich die Physiker am meisten? Es könnte sein, dass dieses Teilchen eine Physik jeseits des bisherigen Standard-Elementarsystems begründet, was vieles mehr erklären dürfte. Da sind noch eine ganze Reihe Fragen um Galaxien und Dunkle Materie und Dunkle Energie offen. Draußen. Richtung Sonne und Mars und weiter. Science Fiction. Lässt sich bisher alles nicht erklären mit dem Standardmodell. Ist halt Standard und nicht Business-Class.

Wir leben in aufregenden Zeiten. So ganz nebenbei, während die Welt sich dreht und Deutschland sich nach einem schönen Sommer sehnt, finden die Jungs und Mädels mit ihrem Future-LHC das, was alles zusammenhält. Oder nicht? Jetzt brauchen sie erst einmal ein neues Spielzeug, weil das LHC Teilchen im Kreis beschleunigt und eher dazu dient, Teilchen zu entdecken. Um sie nun näher kennenzulernen, braucht es einen Linearbeschleuniger. Kostet 10 Milliarden, weil er 30 Kilometer lang sein muss und wahrscheinlich ziemlich gerade. Das wird dauern. Es bleibt also spannend und die Physiker haben noch lange zu tun.

P.S. Wer mehr erfahren möchte, kann mal versuchen, den Wikipedia-Artikel zu verstehen. Elmentar-Physik. Ein Vergnügen…

Dem Ziel näher gekommen – Happy Birthday, ERASMUS!

Heute fahre ich nach Bonn Bad Godesberg, um den 25. Geburtstag des europäischen Hochschulprogramms ERASMUS zu feiern. Dort findet die Jahrestagung statt und wir sind eingeladen, dabei zu sein. Ela kann nicht, aber ich werde hinfahren. Was macht sku:l communication dort?

Wir haben im letzten Jahr die ERASMUS-Geburtstagsbroschüre entwickelt. Wir hatten uns gegen Agenturen durchsetzen können und haben den Auftrag erhalten. Das bedeutete letztlich, wir durften das Konzept erstellen, die Grafik entwerfen, mit 29 Alumni sprechen, den Text entwickeln und den Druck koordinieren. Ein wunderbares, aufregendes, rundes, gelungenes Projekt. Deshalb fahre ich gerne nach Bonn, um ein wenig Hochschulluft zu atmen und mitzufeiern.

Denn: Dieser 96-seiter war für mich als Texter ein absolutes Highlight. Ich durfte 29 Menschen interviewen, die während ihres Studiums mit ERASMUS-Unterstützung im Ausland waren. Das war einerseits sehr spannend, weil so viel Freude, Begeisterung und Erinnerung hoch kam. Ich hätte direkt losreisen können… Andererseits konnte ich mit zahlreichen bekannten Persönlichkeiten sprechen, was nicht gerade Texteralltag ist.

Béla Anda, der ehemalige Regierungssprecher der Schröder-Regierung, hat mir zum Beispiel erzählt, wie ihm sein London-Aufenthalt geholfen hat, in harten Auseinandersetzungen Haltung zu bewahren. Konkret ging es um die Situation während der Vorbereitung des Irakkrieges, das deutsche Nein, sowie die Durchsetzung der Agenda 2010. Mit Prof. Dr. h. c. Gordon Wagener, Leiter des Designbereichs der Daimler AG, Mercedes-Benz Cars, Vans & Daimler Truck, konnte ich über aktuelles Automobildesign und die Neuauflage des Flügeltürers SLS sprechen. Im Interview mit dem Filmregisseur Hannes Stöhr (u.a. One Day in Europe und Berlin Calling) ging es um Film und das Zusammenwachsen Europas bzw. die Utopie der Vereinigten Staaten von Europa.

Mit den Interviews bin ich – zumindest im Kopf – quer durch die Welt gereist. Ich habe mit Dorothea Noack, der Solo-Cellistin der New York Metropolitan Opera morgens vor den Proben gesprochen. Oder mit Bettina Schulte, die im größten Flüchtlingslager der Welt in Dahaab (Kenia) Pressesprecherin des UNHCR ist, in einer heißen Phase, als gerade ein regionaler Krieg an der Grenze zu Somalia ausgebrochen war und Entführungsversuche stattgefunden hatten. Ich sprach mit einer Entwicklungshelferin in Australien, einer Pianistin in Norwegen und dem ständigen Vertreter des Botschafters an der Deutschen Botschaft in Chişinău, Republik Moldau.

Es war beeindruckend zu hören, wie ERASMUS die Biografien beeinflusst und befördert hat. Wie die jeweiligen Auslandsaufenthalte Wendepunkte markierten. Fast immer habe ich den Satz gehört: „Der ERASMUS-Aufenthalt hat meine Sicht auf Deutschland verändert.“ und „Der ERASMUS-Aufenthalt hat mir gezeigt, was für mich wichtig ist und was ich will.“ Alle sind im positiven Sinne verändert zurückgekommen und haben letztlich, auf unterschiedlichste Art und Weise, profitiert. Weil der Blick geweitet wurde, Kontakte entstanden sind oder Auslandsaufenthalte mit den entsprechenden erworbenen Sprachfähigkeiten wichtig für das folgende Berufsleben waren.

Um die Interviews zu konzentrieren, haben wir sie in Fließtexte gepackt, weil wir sonst den Seitenrahmen gesprengt hätten. Es kam uns darauf an, möglichst dicht zu erzählen, welche Bedeutung ERASMUS in der jeweiligen Biographie hatte und hat. Die Texte habe ich mit den Interviewpartnern/partnerinnen sowie den Projektverantwortlichen in Bonn abgestimmt. Das das war eine sehr gute, intensive und konstruktive Zusammenarbeit. Aufregend war es, mit den Fotos der Alumni ein Bildkonzept zu entwickeln, das den Alumni und ERASMUS gerecht wird und eine Grafik zu schaffen, die trotz hohem Informationsgehalt lesefreundlich und ästhetisch ist.

Mittlerweile ist das Werk veröffentlicht und steht online zur Verfügung. Hier im Blog ist das Projekt eine schöne Gelegenheit zu zeigen, was ich mache, wenn ich nicht blogge:)

Living in this new Facebook world.

Old school. New school. Old world. New world. Die eine Welt. Die andere. Die dritte. Die neue. Parallelwelt?

Die Welt ändert sich gerade. Radikal. Im Netz. Wie ihr wisst, ist das hier seit geraumer Zeit ein Thema. Zum einen, weil ich mit dem fiftyfiftyblog und all seine Satelliten (Twitter, Facebook, Google+, Tumblr, Pinterest…) das Netz lebe und auch für Kunden nutze, zum anderen, weil mich Gesellschaft interessiert. Einmal Gesellschaftswissenschaftler, immer Gesellschaftswissenschaftler.

Auf meinen Streifzügen durchs Netz treffe ich zunehmend auf Menschen, die sich mit dem Netz intensiv beschäftigen. Allmählich wird sichtbar, was sich entwickelt. Eine neue Sicht. War lange Zeit noch nach Entstehung des Web 2.0 (Austausch in den Social Media) die Auffassung omnipräsent, man könne es nur belächeln und es wäre etwas für verquere Selbstdarsteller, entsteht nun Zugzwang. Plötzlich gibt es eine erfolgreiche politische Partei, die das Themna besetzt und zeigt, welche Wichtigkeit das Netz hat. Auf Google+ habe ich kürzlich einen sehr interessanten Menschen „kennengelernt“. Mirko Lange aus München. Einer der vielen Netzvisionäre und -beobachter. Er hat ein Video gepostet, in dem der Systemtheoretiker Professor Peter Kruse vor der Enquetekommission des Deutschen Bundestages zum Thema Internet spricht. Müsst ihr euch ansehen, um im Weiteren mitzukommen. Heute einmal ein Guckbefehl:) Here we go!

Ups! Web 2.0. Spontanaktivität in einem hoch vernetzten System. Machtverschiebung. Zusammenführung von Menschen gleicher Interessen. Könnte sich theoretisch, systemtheoretisch anhören. Wenn es nicht nachvollziehbar wäre. Ein weiterer Bericht. Spiegel online. „Was ist Heimat? Unser Zuhause ist das Internet Von Günter Hack“ Er schreibt zum Beispiel: „Web-Skeptiker sprechen von „Sucht“, für viele Nutzer ist der permanente Austausch im Internet ein Gefühl von Heimat. Dort treffen Menschen aufeinander, im besten Fall entsteht daraus Wunderbares. Deswegen muss das Netz als kommunikativer Raum unbedingt bewahrt werden.“

Das Netz als Heimat? Als realer Raum? Jetzt wird es spannend. This is the edge. Der Übergang: Real, virtuell. Wo fängt virtuell an, wo hört real auf. Meine These. Virtuell wird real. Die Trennung hebt sich auf. Stück für Stück. Schritt für Schritt. Wir werden in Zukunft verstärkt real im Netz leben. Das Netz zieht. Aus einem einzigen Grund. Aus dem Grund, der immer zählt: Es hat etwas zu bieten. Es hat eine hohe Attraktivität. Es begeistert, reißt mit. Es ist ein schöner, verheißungsvoller Ort ohne Grenzen. Es ist eine Welt, die sich formen lässt, in der Freundschaften schnell geschlossen sind, getestet werden und dann wachsen. Aus Flüchtigem, Oberflächlichem wird Festes.

In den letzen beiden Wochen bin ich den Schritt in diese Welt gegangen. Ich habe nachts gelebt, war auf Facebook, habe Menschen kennengelernt, Musik gehört, Kunst betrachtet, mich mit Künstlern, Schreibern, netten Menschen ausgetauscht. „Spontanaktivität in einem hoch vernetzten System“ wie Professor Peter Kruse das nennt. Ich habe viel gepostet, Fotos von mir ins Netz gesetzt, Texte. Neue „Freunde“ in Facebook geladen, meine fiftyfiftyblog-Page aufgepeppt. Und ich bekam Unterstützung. Web-Power. Da war eine Netzspezialistin, die hat meine Seite an die Hand genommen. Hat sie in interessanten Kreisen vorgestellt. Hat sich für mich, für den fiftyfiftyblog eingesetzt. Plötzlich hatte ich 200 statt 50 Leute auf der Seite. Plötzlich gingen die Besucherzahlen im Blog hoch. Plötzlich war vermehrtes Interesse da. Veränderung. Real, virtuell.

Wenn ich jetzt hier sitze und schreibe, was ist das? Real, virtuell? Die Unterscheidung löst sich auf und taugt nicht mehr. Denn letztlich laufen sie in mir zusammen, im User, im lebenden Menschen. Ich bin nicht schizophren und nicht gesplittet zwischen den Welten. Beides ist da und zählt. Die Wertung löst sich auf. Noch ist „virtuell“ verschrien, gilt als Nerd-Paradies, hat den Gestus von Subkultur. Ein Treffen zwischen „echten“ Menschen wird höher eingeschätzt. Noch. Die Veränderung läuft. Der Prozess ist längst gestartet und wirkt. Wie werden wir in 10 Jahren, in 20 Jahren leben? Klar. Vernetzt. Intensiv vernetzt mit den Menschen, die wir irgendwo auf der Welt finden, die zu uns passen. Die wir nett finden. Eine Mrs. Swallow in China oder wen auch immer.

Diese Revolution läuft ohne Utopie ab, ohne Vision. Sie ist schleichend und kommt aus den Sehnsüchten der Menschen, die im Netz das machen, was sie wollen. Vordenker wie Zuckerberg & Co. liefern die Technik, die Inhalte werden in jeder Millisekunde von den Menschen generiert. Und was da generiert wird ist oft so faszinierend, dass ich dort sitze und staune. In einem kleinen Büro auf dem Land die große, weite Welt voller Wunder und wunderbarer Menschen. Und: Wenn man jemanden im Netz nett findet, kann man den anrufen und treffen. Kein Problem. Alles ist eins. Alles kann, nichts muss. Das ist eine neue Seite von Gesellschaft. Selbstbestimmender, demokratischer. Wir werden in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten, Jahren noch einiges an Veränderung erleben. Ich freue mich drauf. Und ja, ich weiß, man muss „kritisch bleiben“ und „vorsichtig“ und sich nicht „verlieren“. Wisst ihr was: Manchmal kann ichs nicht mehr hören. Manchmal möchte ich einfach nur tun und sehen, was passiert. Das Abenteuer nicht schon am Anfang mit Skepsis erwürgen. Scheiß drauf.

Neutrinos, Einstein, Aliens, CERN

Wie immer kommt alles zusammen, wenn man sich erst einmal auf ein Thema ausgerichtet hat. Eingeschossen hat. Am Freitag ging die Nachricht über den Ticker, Albert Einstein sei widerlegt. Hey! Albert Einstein, der Albert Einstein. Die Physik-Ikone, das Mega-Hirn, die Top-Marke in Sachen Wissenschaft. Hallo! Mal eben Weltbilder zerstören? Den Glauben in die Wissenschaft?

Also ganz ehrlich, eigentlich verstehe ich rund um die Experimente des CERNs nur Weltraumbahnhof. Bislang dachte ich, die Jungs und Mädels mit den Karohemden und Nickelbrillen würden da in ihren unterirdischen Spacelabors bei Genf sitzen und irgendwelche Teilchen (Puddingteilchen) durch so ein riesiges Karussel beamen, um sie aufeinandertreffen zu lassen und zu schauen, was passiert. Crash, Bumm, Beng, Spratz. Also quasi wie früher im Kinderzimmer. Carrerar-Rennbahn aufbauen, zwei Fahrer, zwei Autos, eine Bahn – Geisterfahrer-Simulation. BAUTZ! Spoiler weg, Riss in der Karosserie, Scheibe geborsten. Tatsächlich war die Erkenntnis: Desto schneller, desto heftiger.

Nun aber die Meldung am Freitag. Die Jungs und Mädels im CERN haben ein Problem. Die haben mit Neutrinos, das sind allerallerallerkleinste Teilchen, rumgemacht. Bislang nimmt man an, dass die keine bis fast keine Masse haben. Ob das so ist, damit beaschäftigen sich gerade Jungs und Mädels in Karlsruhe. Von Genf aus haben die CERNis Neutrinos nach Italien in die Abbruzzen geschickt. Unterirdisch. Einfach so durch alles durch. Kein Thema. Ohne Straßen, ohne Röhren, ohne alles. Das geht Ratzifatzi. In den Abbruzzen kann das Eintreffen gemessen werden. Kann mir mal einer sagen, wie das funktionieren soll? Neutrinokanone, Neutrinotorpedo. Und das alles ohne Masse. Da schießt man die Teilchen per Neutrino-Pistole einfach irgendwo durch die Kellerwand des CERNs und empfängt die dann in Italien? O.K. – die werden schon wissen, was sie tun.

Wenn man nun also weiß, wie lange die Neutrinos für die 732 Kilometer gebraucht haben, kann man ausrechnen, wie schnell die waren. Der Tacho blieb bei 26.800 km/h stehen. Mehr als Lichtgeschwindigkeit. Überlichtgeschwindigkeit. Das dürfte nicht sein, weil Einstein gesagt hat, dass dann die Masse gegen unendlich gehen würde. Die Forscher/innen sind ratlos. Haben alles gecheckt, durchgerechnet, kontrolliert, kontrolliert, kontrolliert und das Ergebnis bleibt. Hier die CERN Pressemeldung.

Wikipedia: „2011 wurden Messdaten dieses Experiments publiziert, denen zufolge die vom CERN gesendeten Neutrinos ca. 60 ns zu schnell ankommen und damit mit 26.800 km/h über der Lichtgrenze faktisch Überlichtgeschwindigkeit zu erreichen scheinen. Dies steht allerdings im Widerspruch zu anderen Geschwindigkeitsmessungen, und eine Untersuchung durch die wissenschaftliche Gemeinschaft steht noch aus.“

Widerspruch zu anderen Messungen – zum Beispiel hier beschrieben (Danke für den Link, Jürgen Messing). Was die ganze Sache relativiert. Mich hat das Ganze so fasziniert, weil ich gerade Jan Brandt „Gegen die Welt“ lese und es dort unter anderem um Außerirdische geht. Plutonier. Mir kommen diese CERN-Experimente auch irgendwie außerirdisch vor, als würden wir am Fuße neuer Erkenntnisse stehen, die die Welt verändern. Was wird da entdeckt werden? In zehn, zwanzig Jahren? Oder schon jetzt gerade?

On the top lag dann noch gestern ein Alien bei uns im Garten. So merkwürdig grau grün. Gut getarnt. Das Vieh tut so, als wäre es ein Muskatkürbis, der bei uns im Garten gewachsen ist. Ne, ne. Das ist ’nen mutuierter Plutonier nach Jan Brandt. Den holen wir uns nicht als trojanisches Pferd ins Haus. Nachher übernehmen die bei uns die Kontrolle im Haushalt. Ist zu zweit ja schon schwierig genug, sich da immer so einig zu sein. Und dann noch Außerirdische in der Küche. Lass mal. Sollen die mal schön draußen puppenlustig weitermutieren oder sich einen anderen Planeten suchen. Was für eine Welt… Oder muss ich sagen: Galaxie?

Jean Paul Sartre: Der Mensch ist zur Freiheit verdammt.

Punkt. Doppelte Unterstreichung. Wir befinden uns mitten im Philosophieunterricht der neunten Klasse meines Sohnes Jim. Gestern holte ich ihn nach dem Gitarrenunterricht – den er wegen eines Spaziergangs mit einer Freundin und ihres Hundes verpasst hatte – von der Schule ab. Wir beiden neigen dann dazu, zu diskutieren. Letzte Woche hatte er mir eine Predigt gehalten, weil ich über einen Autofahrer geschimpft hatte, der auf der Autobahn schon in der Auffahrt gedrängelt hatte. „Papa, du machst es nur schlimmer. Du setzt nur Aggressionen in die Welt.“ Danke.

Nun also der Satz von Jean Paul Sartre, der als Symbol des Existenzialismusses in die Geschichtsbücher eingegangen ist: „Der Mensch ist zur Freiheit verdammt.“ Jim ist jetzt in der neunten Klasse, wird bald 15. Nach antroposophischer Denkart hat sein drittes Lebens-Jahrsiebt begonnen und damit die Phase der Ich-Ausrichtung. Wer bin ich? Was will ich? Er ist jetzt kein Kind mehr, sie sind keine Kinder mehr. Junge Frauen und junge Männer mit zunehmend eigener Weltsicht. Deshalb haben sie nun auch keinen Klassenlehrer mehr, sondern einen Betreuungslehrer und eine Betreuungslehrerin. Neues Personal. Und jetzt geht es plötzlich ans Eingemachte. Jim fliegt die Welt um die Ohren. Dauernd so Fragen, die im Raum stehen, die aus dem Hintergrund kommen: Wer sind wir? Woher kommen wir? Kunstgeschichte: In einer der ersten Stunden haben sie Höhlenmalerei betrieben. Mit selbst hergestellten Farben auf Tonflächen gemalt. Lascaux. Die Anfänge. Nachfühlbar. Wie haben die Höhlenmenschen gedacht, weshalb haben sie gemalt? Was wollten sie ausdrücken? Jetzt sind sie über Ägypten in Griechenland gelandet. Ontogenese und Phylogenese – die Entwicklung des einzelnen Menschen enthalten in der Entwicklung der gesamten Menschheit.

Wir saßen im Auto und er sagte mir, dass es um Entscheidungen gehen würde. Wir hätten im Grunde nicht die Freiheit zu entscheiden, wir müssten entscheiden. In jeder Sekunde. Stehe ich auf? Bleibe ich liegen? Nehme ich den Zug? Lasse ich ihn fahren? Existenzialismus.Entscheiden wir nicht, wird für uns entschieden. Kant: „Der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ Mein Innerstes wehrte sich, empfand es als unschön, vielleicht unromantisch, die Freiheit über einen Entscheidungszwang zu definieren. Jim ließ nicht los. Ich wollte in eine andere Richtung. Ins Politische. Rosa Luxemburg: „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden, sich zu äußern.“

Jim ließ sich nicht drauf ein. Blieb bei Sartre und dem Satz. Recht hatte er. Denn: Die Message ist so zentral. Wir entscheiden! Aktiv. Kein Passiv. Nicht: Ich werde gegangen, sondern ich gehe. Das macht Jim gerade. Er geht. In sein Leben. Gestaltet sein Denken, entwickelt seine Ansichten, sein Fundament, seine Individualität. Entscheidet, was er mit seinem Leben anfangen möchte. Schritt für Schritt. Er leuchtet. Ist von diesen Ideen fasziniert, energetisiert. Wir bogen von der Landstraße ab in Richtung unseres Dorfes. Ich neckte ihn: Wir können nun entscheiden – geradeaus den verbotenen Weg hoch, rechts um die Kurve die erlaubte Strecke oder runter ins Nachbardorf zum Bäcker. Er lächelte und sagte: Tja, da sind wir wohl zur Freiheit verdammt. Also nehmen wir den Bäcker. Ich glaube, der Junge hat den Existenzialismus schon verinnerlicht.

P.S. Beim Bäcker stand unser anderes Auto und Ela und Zoe kamen raus. Sie hatten Brot für das Abendessen gekauft. Und Kuchen! Nur für sich! Erwischt! Jim und ich wollten selbstverständlich Teilchen für alle kaufen. Ela und Zoe meinten, das wäre ja nur für unterwegs gewesen. So! Die Bäckersfrau fragte dann, als Jim und ich reinkamen, ob wir jetzt getrennt einkaufen würden – wir mussten dann petzen, dass die Mädels uns schlicht vergessen haben, weshalb wir das eben selbst in die Hand nehmen mussten. Zwei fette Teilchen. Jim hat Kakao gemacht, Teller hingestellt. Wir saßen am Tisch, aßen Kuchen und sprachen über die Freiheit… Jean-Jacques Rousseau: „Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern dass er nicht tun muss, was er nicht will.“

Möchtet ihr in das Thema weiter eintauchen, findet ihr hierf Infos: Sarte und Rosa Luxemburg.