Neutrinos, Einstein, Aliens, CERN

Wie immer kommt alles zusammen, wenn man sich erst einmal auf ein Thema ausgerichtet hat. Eingeschossen hat. Am Freitag ging die Nachricht über den Ticker, Albert Einstein sei widerlegt. Hey! Albert Einstein, der Albert Einstein. Die Physik-Ikone, das Mega-Hirn, die Top-Marke in Sachen Wissenschaft. Hallo! Mal eben Weltbilder zerstören? Den Glauben in die Wissenschaft?

Also ganz ehrlich, eigentlich verstehe ich rund um die Experimente des CERNs nur Weltraumbahnhof. Bislang dachte ich, die Jungs und Mädels mit den Karohemden und Nickelbrillen würden da in ihren unterirdischen Spacelabors bei Genf sitzen und irgendwelche Teilchen (Puddingteilchen) durch so ein riesiges Karussel beamen, um sie aufeinandertreffen zu lassen und zu schauen, was passiert. Crash, Bumm, Beng, Spratz. Also quasi wie früher im Kinderzimmer. Carrerar-Rennbahn aufbauen, zwei Fahrer, zwei Autos, eine Bahn – Geisterfahrer-Simulation. BAUTZ! Spoiler weg, Riss in der Karosserie, Scheibe geborsten. Tatsächlich war die Erkenntnis: Desto schneller, desto heftiger.

Nun aber die Meldung am Freitag. Die Jungs und Mädels im CERN haben ein Problem. Die haben mit Neutrinos, das sind allerallerallerkleinste Teilchen, rumgemacht. Bislang nimmt man an, dass die keine bis fast keine Masse haben. Ob das so ist, damit beaschäftigen sich gerade Jungs und Mädels in Karlsruhe. Von Genf aus haben die CERNis Neutrinos nach Italien in die Abbruzzen geschickt. Unterirdisch. Einfach so durch alles durch. Kein Thema. Ohne Straßen, ohne Röhren, ohne alles. Das geht Ratzifatzi. In den Abbruzzen kann das Eintreffen gemessen werden. Kann mir mal einer sagen, wie das funktionieren soll? Neutrinokanone, Neutrinotorpedo. Und das alles ohne Masse. Da schießt man die Teilchen per Neutrino-Pistole einfach irgendwo durch die Kellerwand des CERNs und empfängt die dann in Italien? O.K. – die werden schon wissen, was sie tun.

Wenn man nun also weiß, wie lange die Neutrinos für die 732 Kilometer gebraucht haben, kann man ausrechnen, wie schnell die waren. Der Tacho blieb bei 26.800 km/h stehen. Mehr als Lichtgeschwindigkeit. Überlichtgeschwindigkeit. Das dürfte nicht sein, weil Einstein gesagt hat, dass dann die Masse gegen unendlich gehen würde. Die Forscher/innen sind ratlos. Haben alles gecheckt, durchgerechnet, kontrolliert, kontrolliert, kontrolliert und das Ergebnis bleibt. Hier die CERN Pressemeldung.

Wikipedia: “2011 wurden Messdaten dieses Experiments publiziert, denen zufolge die vom CERN gesendeten Neutrinos ca. 60 ns zu schnell ankommen und damit mit 26.800 km/h über der Lichtgrenze faktisch Überlichtgeschwindigkeit zu erreichen scheinen. Dies steht allerdings im Widerspruch zu anderen Geschwindigkeitsmessungen, und eine Untersuchung durch die wissenschaftliche Gemeinschaft steht noch aus.”

Widerspruch zu anderen Messungen – zum Beispiel hier beschrieben (Danke für den Link, Jürgen Messing). Was die ganze Sache relativiert. Mich hat das Ganze so fasziniert, weil ich gerade Jan Brandt “Gegen die Welt” lese und es dort unter anderem um Außerirdische geht. Plutonier. Mir kommen diese CERN-Experimente auch irgendwie außerirdisch vor, als würden wir am Fuße neuer Erkenntnisse stehen, die die Welt verändern. Was wird da entdeckt werden? In zehn, zwanzig Jahren? Oder schon jetzt gerade?

On the top lag dann noch gestern ein Alien bei uns im Garten. So merkwürdig grau grün. Gut getarnt. Das Vieh tut so, als wäre es ein Muskatkürbis, der bei uns im Garten gewachsen ist. Ne, ne. Das ist ‘nen mutuierter Plutonier nach Jan Brandt. Den holen wir uns nicht als trojanisches Pferd ins Haus. Nachher übernehmen die bei uns die Kontrolle im Haushalt. Ist zu zweit ja schon schwierig genug, sich da immer so einig zu sein. Und dann noch Außerirdische in der Küche. Lass mal. Sollen die mal schön draußen puppenlustig weitermutieren oder sich einen anderen Planeten suchen. Was für eine Welt… Oder muss ich sagen: Galaxie?

  6 comments for “Neutrinos, Einstein, Aliens, CERN

  1. Annegret
    26. September 2011 at 08:54

    Hallo Jens,

    ja, ich glaube, jetzt wird es allmählich außerirdisch. Einstein, Alliens, CERN und Muskatkürbis.Nein, nein, mein Ex-Mann spricht schon von Käse-Kürbis. Wo kommen wir denn da hin? Herr Einstein, wenn Sie solche Apparate wie CERN gehabt hätten, dann wäre Ihre Rechnung vielleicht auch ein paar Kommastellen anders gewesen. Aber das ist doch Fliegendreck! Forschung und Technik entwickelt sich und dann setzen wir eben andere Zahlen an. Was soll’s?! Ehrlich gesagt, nein, ehrlich gefragt: Haben wir keine anderen Probleme?

    Dir, Jens, wünsche ich einen guten, sonnigen Wochenstart. Verheddere Dich nicht im Wortsalat. Achtung: Planzenalliens!

    • Jens
      26. September 2011 at 09:19

      Hi Annegret,

      beim CERN geht es weiter, als wir denken können. es geht nicht nur um reine Technik. Es bleibt die Frage: Was ist da, wenn wir alles auflösen? Der Übergang von Materie zu was? Ich wünsche mir, dass die CERNis da Antworten finden. Bin gespannt.

      Liebe Grüße

      Jens

  2. 26. September 2011 at 11:21

    Oho! “Scotty beam me up from CERN” rückt näher lieber Jens ;o)
    Der Kürbis sieht sehr vielversprechend aus, je nachdem was man hineininterpretiert…
    Ich denke Suppe oder ein Kürbisrisotto oder… Alienauflauf?! ;-D

    Ich wünsche eine wunderbare Woche voller angenehmer Überraschungen!

    Lieben Gruss aus dem sonnigen Süden,
    Danièle

    • Jens
      26. September 2011 at 11:37

      Beamen! Nicht Videaobeamen, sondern Neutrinobeamen. Durch die Erde. Knallen die mal eben so dadurch. Also wirklich… Wir haben hier gerade eine Kürbisflut. Wir haben den Garten nfür den Wintervorbereitet und die Reste geerntet. 12 Hokaido Kürbisse (ab in den kühlen Keller), einen Alien-Kürbis und die fünf restlichen Zucchini. Was koche ich heute nur? Alien a la Surprise? Mal sehen.

      Liebe Grüße aus dem sonnigen Westen

      Jens

  3. 26. September 2011 at 12:55

    Hab gerade ein wenig an mir gezweifelt und den Knoten im Hirn doch noch auseinander bekommen. Du schreibst,”der Tacho ist bei 26.800 km/h stehen geblieben” und ich dachte direkt “häh? da fehlen doch einige Nullen”. Aber nach mehrmaligen Lesens des gesamten Artikels hab ich’s rausbekommen: Der Tacho ist genaugenommen bei Lichtgeschwindigkeit plus 26.800 km/h stehen geblieben ;-)
    Hatte schon an meiner Schulbildung gezweifelt :-)
    Und ja, ich verstehe auch nur Weltraumbahnhof, bei dem Thema….

    LG,
    Mattes

  4. Jens
    26. September 2011 at 15:14

    Hi Mattes,

    das habe ich tatsächlich undeutlich formuliert. habe das geändert in “Lichtgeschwindigkeit plus…”. Jetzt ist es richtig. Das muss natürlich ein sehr großer Tacho sein. Selbst, wenn er digital ist, brauchen die vielen Stellen allein vor dem Komma richtig Platz.

    Ich glaube, ich würde gerne mal einen Tag im CERN verbringen und mir die Dinge, die da geschehen oder die sich die Forscher/innen erhoffen, anzusehen. Bzw. anzuhören. Allerdings wird mir bei diesen ganzen Formeln immer leicht schwindelig, wenn da kleine Zahlen oben und unten stehen und mit jede Menge Buchstabenbeilagen garniert sind.

    Hallo, jemand vom CERN hier, der einen Blogger gerne mal in den CERN-Keller einladen möchte? Ach ja, die haben keine Zeit, fiftyfiftyblog zu lesen. Die müssen Neutrinos durch die Wand knalle.

    Danke für deinen Kommentar und sorry für die verwirrung, die ich ins Zahlenmetier gebracht habe. Meine Welt sind die 26 Buchstaben:)

    Viele, viele Grüße

    Jens

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