Raven

I
Als Prinz fühlen, Scheiße

Auf dem Hügel
gleißendes Licht
Locken, blond

Von Süden
reißt du den Himmel auf

Zeitlupenflug
still
Jäger
von oben
Tomahawk

Kopf leicht schief
böser Blick
Golf GTI

Augenaufschlag
Laser
Flügel hoch, Steilkurvenflug

Aus dem Licht
näher

Schnabel geschärft
Nackenfell gesträubt
Haupt zur Seite
letzte Sekunde bevor

Durch mich durch
wärst du geflogen

Schrei der Krähe
Lust, dunkle Schönheit

Spüre dich
im Rücken

Auf der Schulter gelandet
Adlerkralle bis auf den Knochen
Prometheus
hackst, frisst
lachst
flüsterst Verheißungen
Schmähungen

Die Finger
auf deinem Bauch
dicht
über der Scham

Gespannter Blick
Schnabelspitze, geschärft

Mit Verletzungen kennst du dich aus

Weich, warm
das Stöhnen
Zauber
verwandelt, ever

Das weiße Hemd
von meiner Brust gerissen
den Raben
in die Haut gehackt
gezeichnet
tätowiert

Fliegst, klar
nach Norden

II
Wirfst den Blick
Rettungsring

Ertrinke

Dein Blick
scharf

Drähte mit Spitzen
von Auge zu Auge

Blind

Wo ist deine Hand?

Ein Flügel
eine Adlerkralle

Muskeln, Blutgefäße, Sehnen

Eng zusammen
schnatterst
verscheuchst
Elstern, mich

Spüre deine Federn

III
Mit Dornenkrone in der Luft
Toter Blick Inri
Diamanten, Gold, Perlen
roter Samt
Florentiner Rubin
dunkel
hängt sie schief in die Stirn

Maschinengewehre unter den Flügeln
Hawk
Lenkflugkörper

Du weißt dich zu wehren

Lächeln
herab
LOVE YOU

Schuss durch den Arm

SORRY! SORRY?

collateral damage

Schläge
mit hartem Zepter

Dein Wille geschehe

juni 2012

Die Romantik der Biolumineszenz

(Creative Common License, Flickr, Oliver Martins)

Was für eine Nacht!

Erst gehen wir gegen Italien unter – die Tränen des Thomas Müllers werden lange nicht trocknen – dann geraten Zoe und ich in eine Horde wildgewordener Glühwürmchen und dann heute Morgen ein Gewitter, das sich gewaschen hat. Und mich unterm Dach auch – zumindest bildlich. Als wären Wellen über das Haus geschwappt, so grollte das Wasser um mich herum. Sturzbäche, Fluten, das Dach über mir ein Wellenbrecher, eine Kaimauer, ein Schiffsrumpf, der sich in tosender Fahrt in Wasserberge stürzt. Ende der Nacht. Guten Morgen! Mein Dachfenster ein Aquarium – mit wunderbaren Fischen wie in der Karibik! (Quatsch)

Den Fußball lasse ich mal außen vor. Haken dran. So ist das. Punkt. Aus. Vorbei. In solchen Spieln muss man härter, aggressiver, willensstärker sein. Gut, aber zu brav, die Jungs. Nach der Völler-Rijkaard-Auseinandersetzung 1990 sind wir Weltmeister geworden. Kämpfen. Einsteigen. Unbedingt wollen. Nichts anderes zulassen. O.K. Am Samstag spiele ich mit meinem Team in der Endrunde der Ü40-Kreismeisterschaft auf heimischem Platz. Die Lektion ist gelernt: EINSTEIGEN, KÄMPFEN, WOLLEN. Ich will und bin hoch motiviert, diesen Pokal Football-is-comming-home-mäßig hierhin zu holen. Feuer!

Nach dem Spiel, das wir in einer Scheune oder Remise bei einem Freund gesehen haben (public viewing im Country-Style mit Fassbier, Grill und Tribüne in der Scheune), sind Zoe und ich zum Auto. Das stand etwas abseits neben einer Wiese. Als wir dort ankamen, war alles voller Glühwürmchen. Biolumineszenz. Bestimmt 30 schwirrende Leuchtpunkte in der Nacht. Der kleine Leuchtkäfer oder Johanniskäfer (Lamprohiza splendidula). Wikipedia: „In der ersten Nachthälfte warmer Mittsommernächte, ca. 2 Wochen im Juni/Juli (um den namensgebenden Johannistag am 24. Juni).“

Paarungszeit. Licht an, die Party geht ab. Summ, summ… Ziemlich gutes Signalsystem. Grüner Leuchtpunkt bedeutet: Baby, lass mich der Papi deiner Käferchen sein. Die Vielzahl der Greenpoints in der Nacht zeigt: Funktioniert. Kleine Taschenlampe brenn…

Mal ganz abgesehen von diesem ganzen Paarungsgedöns ist das einfach ein sehr schönes Bild. Leider musste Zoe dringend nach Hause, weil sie sehr müde war und um sechs Uhr aufstehen musste . Like me, der Wochendienst hat. Also nur ein kurzer Blick. Das Schöne ist, die Lichtpiloten schweben am Nachthimmel und strahlen wirklich eine außerordentliche Ruhe aus. Keine Anbaggerhektik. Hier ein heller Punkt, der sich leicht auf und ab bewegt, dort ein Punkt, der sanft durch die Nacht gleitet.

Ich habe noch nicht viele Glühwürmchen-Nächte erlebt. Manchmal, gut, habe ich einzelne Käferlämpchen gesehen, aber so viele an einem Ort, das ist selten. Und umso beeindruckender. Leider habe ich kein Foto machen können und ich weiß auch nicht, ob die sich fotografieren lassen, weil ihr Licht nur ein Tausendstel so hell ist wie das Licht einer Kerze. Wahrscheinlich wären das nur Stecknadelpunkte geworden auf dem Foto. Oilver Martins ist es gelungen. Also habe ich mir sein Foto von Flickr gezogen. Danke für die Nutzungserlaubnis!

Darkwood Gruselmorgen im Wildschweinwald

Sometimes. Reitet es mich. Heute Morgen. Nicht ins Maikäfertal. Abwechslung.

Ich hatte eine Idee. Da ist tief im Wald oben auf der Höhe diese Ruine. Die Reste eines alten Hauses inklusive einer ganzen Reihe von Zivilisationsspuren. Mein Gedanke: An diesem Nebelmorgen könnten dort schön schummrige Fotos entstehen. Habe ich gedacht. Pah!

Also habe ich mir Cooper geschnappt und ein wenig Mut. Denn: Das Objekt ist gruselig. Hat ein wenig den Charme des Kellers in „Das Schweigen der Lämmer“. Der Fantasie kann man dort freien Lauf lassen. Die gequälten Seelen der erschossenen, gemarterten Bewohner kreisen um die von dunklen Ficchten bewachsenen Grundmauern. Mit langen, dünnen Fingern greifen sie nach allem lebendigen, um einen Hauch Hoffnung zu erhaschen. Es ist ein Fliehen, Flehen, Jammern in der Luft. Geistersausen. Ssss. Beobachter hinter jedem Baum, stille Augen in tiefen Höhlen. Stofffetzen, Seelenhunger zwischen Resten eines alten Mopeds, verrosteten Kochtöpfen und vor endlosen Jahren geleerten Bierflaschen. Ein Ort, den man an einem Nebelmorgen nicht aufsuchen sollte, wenn man seine Seele liebt und unbeschadet halten möchte. Es zog. Indiana Jones im Tempel des Todes. Cooper unerschrocken an meiner Seite. 1,2,3, los! Augen zu und durch. Das Abenteuer ruft. Grrrrr. Kommt doch, wenn ihr euch traut.

Oben vom Weg geht es über eine Wiese runter in den Finsterwald. Autospuren. Ein Jäger. Tage her, sagt meine Nase:) Spurenleser. Am Waldrand aufgewühlte Erde. Wildschweine. Respekt. Die kommen ja immer näher, weil sie so viele geworden sind. Deshalb die Autospuren. Weiter. In den Wald. Erste Schritte. Dunkle Fichten, Nebel, wenig Licht. Da hinten muss es sein. Was ist das? Mist. Nichts zu sehen. Alles weg. Überwuchert. Springkraut. Mannshoch. Der Plan ist gestorben. Keine Gruselfotos. Und was ist das? Im Springkraut ein großer, plattgedrückter Bereich und ein Weg ins Innere der grünen Insel. Zur Ruine. Wildschweine. Das Springkraut ist niedergedrückt, nicht abgeschnitten.

O.K. Das reicht dann auch. Ich muss jetzt nicht unbedingt auf die Ruine, Geister und Wilde Wildschweine treffen. Der Weg lockt, gibt aber den Blick nicht frei. Was ist da? Geräusche? Bewegung? Irgendwo hat der Indiana Jones in mir seine Grenzen. „Dieser Weg wird kein leichter sein!“ Von wegen. Was soll ich denen denn sagen? Haut ab oder ich mach ein Foto von euch und stell’s in facebook?

Stattdessen habe ich ein paar Fotos von dem feuchten Nebelwald gemacht. War eine schöne, grüne Stimmung. Alles satt, die Luft getränkt, die ersten Pilze schießen. Ein einsamer Ort. Haben sich die Wildschweine auch gedacht. Und die Geister, die zweifelsohne da waren und sind. Wer sich mal als Ghostbuster versuchen möchte, kann den Ort ja mal bei Vollmond aufsuchen – Freiwillige vor! Ist natürlich nicht ganz ungefährlich, wie das Foto unten zeigt. Wer sich in Gefahr begibt…