„Heute hinterm Mond“ – Youtube, GEMA, Sven Regener

Ups! Da hat sich der Sven Regener aber aufgeregt. Der gute Herr Lehmann ist aus der Hose gesprungen. Im Radiointerview. Thema Urheberrechte und Youtube. Fünf Minuten hat er darüber im Radio gesprochen und damit die Netzgemeinde aufgebracht. Piraten versus Regener.

Natürlich steht die Rede längst in Youtube. Und ist nicht gesperrt. Wie so manches anderes. Gestern Abend wollte ich mir alte Jamiroquai Videos ansehen. Auf dem Jamiroquai-Youtube-Kanal. Da erschien das Bild oben. „Leider ist dieses Video, das Musik von SME enthält, in Deutschland nicht verfügbar. Die GEMA hat die Verlagsrechte hieran nicht eingeräumt. Das tut uns leid.“ Yepp. Das tut uns allen leid.

Und was sagt uns das? So, wie es hier läuft im Staate Dänemark, so ist es nicht gut. Da ist etwas faul. Yes. Da haben sich ein paar Leute keine Gedanken gemacht. Da haben die Leute, die an einem Tisch sitzen müssten, um das Problem zu klären, ihre Hausaufgaben nicht gemacht. Ich denke, Sven Regener hat mit seinem Aufreger generell Recht. Klar kann es nicht sein, dass die Jungs und Mädels Musik machen, sich was einfallen lassen und das wird dann in Youtube zum kostenlosen Verzehr ausgestellt.

Nur: So kommen wir nicht weiter. So läuft das nicht. Ich denke das größte Problem ist, dass dieser Urheberrechts-Mist und „wer kommt wie an Kohle“ die Kräfte der Kreativen bindet. Zumindest bei einigen. Andere geben ja Vollgas. Sven Regener meint zwar, die Musikkultur in Deutschland würde den Bach runtergehen, aber das würde ich mal als Horrorszenario eines Angepissten abtun. Dennoch muss natürlich Geld fließen. Die Ideen, die Talente, die Musik muss bezahlt werden. Wo gibt’s denn sowas, die Kapelle spielt und keiner zahlt.

Hier scheint mir dann doch die Politik gefordert. Irgendwie passt das mit dem Netz und dem Urheberrecht nicht mehr. Alte Zeiten treffen neue Zeiten und an dieser Schnittstelle tauchen diese Youtube-Vermerke wie oben im Netz auf und verderben die Party. Regener will die Kohle von Youtube respektive Google, denen Youtube gehört. Die wollen nicht zahlen. Keine Kohle per Klick. Keine Ahnung, weshalb. Nun denke ich ist es an der Zeit, Rahmenbedingungen zu schaffen, die das kulturelle Leben in Deutschland fördern und nicht bremsen. Sperren und Verbotsschilder im Netz sind sicherlich nicht der Weg, die Potenziale der neuen Zeit zu nutzen.

Da möchten sich Menschen austauschen, Links posten, sich Musik zeigen, Videos einbinden, embedden und dann kommt die GEMA-Wüste. GEMA. Klingt wie GEZ. GE wie Gebühreneinzug. Unangenehmes Wort. Aber. Gut. Über den Schatten springen. Wir zahlen für Strom, Gas, Wasser, Versicherungsschutz, Radio und, und, und. Nun leben wir teilweise im Netz und zahlen nix. Den Zugang. Peanuts. Aber nicht für Inhalte. Weshalb? Weil es keinen Rahmen gibt. Kein System.

Würde bezahlt, was wäre möglich? Wer könnte plötzlich von Inhalten leben? Gute Blogger, Musiker, Künstler. Was da abgehen würde. Und bekanntlich sind die Kreativen ja die Vorreiter. Wo die ihre Ideen entwickeln, ziehen die anderen nach. Internetpower. Wow!

Wie so ein Bezahlsystem aussehen könnte? Keine Ahnung. Wer was bekommt? Klar, Schlacht am kalten Buffet. Wer einen Internetanschluss hat, sollte zahlen. Youtube sollte auch zahlen. Müssen. Kann ja nicht sein, dass die die Sachen einfach nehmen und der Rest interessiert sie nicht. Natürlich müssen Künstler entlohnt werden. Keine Frage. Da hat der Regener Recht. Nur muss das endlich in einem größeren Zusammenhang gedacht und umgesetzt werden. Dass wir nur hier in Deutschland „gesperrt“ sind, ist Kleinstaaterei. Zollgrenzen des 18. Jahrhunderts. Das hilft keinem. Das ist letzlich Kleinkindertrotz, weil es keine Ideen gibt.

Das wäre eine gute Möglichkeit für die Piraten, sich mit Ideen und Konzepten zu beweisen. Zeigt mal, was ihr drauf habt. Hisst die Fahne und entert diesen Youtube-Sperren-Mist. Mit einer Lösung, die Spaß macht. Die Gewinn bringt für alle. Die intelligent und smart ist. Dann kann Sven Regener auch wieder cooler Rock ’n Roller sein und muss sich nicht mit dem falschen „Scheiß“ rumschlagen und rumärgern. Denn letztlich ist es so: Als Schriftsteller und Sänger von Element of Crime gefällt er mir viel, viel besser. Da kommt er auch angenehmer rüber. Ich hab versucht, euch auf Youtube mal was rauszusuchen. „Damals hinter Mond.“ Nix gefunden. Gesperrt. Kann man nirgendwo hören. Hier nur eine Hörprobe auf Amazon. Wie absolut unsexy. Das ist natürlich dummes Element of Crime-Anti-Marketing. So bescheuert. Nun gut. Geld ist die eine Sache. Freiheit die andere.

Living in this new Facebook world.

Old school. New school. Old world. New world. Die eine Welt. Die andere. Die dritte. Die neue. Parallelwelt?

Die Welt ändert sich gerade. Radikal. Im Netz. Wie ihr wisst, ist das hier seit geraumer Zeit ein Thema. Zum einen, weil ich mit dem fiftyfiftyblog und all seine Satelliten (Twitter, Facebook, Google+, Tumblr, Pinterest…) das Netz lebe und auch für Kunden nutze, zum anderen, weil mich Gesellschaft interessiert. Einmal Gesellschaftswissenschaftler, immer Gesellschaftswissenschaftler.

Auf meinen Streifzügen durchs Netz treffe ich zunehmend auf Menschen, die sich mit dem Netz intensiv beschäftigen. Allmählich wird sichtbar, was sich entwickelt. Eine neue Sicht. War lange Zeit noch nach Entstehung des Web 2.0 (Austausch in den Social Media) die Auffassung omnipräsent, man könne es nur belächeln und es wäre etwas für verquere Selbstdarsteller, entsteht nun Zugzwang. Plötzlich gibt es eine erfolgreiche politische Partei, die das Themna besetzt und zeigt, welche Wichtigkeit das Netz hat. Auf Google+ habe ich kürzlich einen sehr interessanten Menschen „kennengelernt“. Mirko Lange aus München. Einer der vielen Netzvisionäre und -beobachter. Er hat ein Video gepostet, in dem der Systemtheoretiker Professor Peter Kruse vor der Enquetekommission des Deutschen Bundestages zum Thema Internet spricht. Müsst ihr euch ansehen, um im Weiteren mitzukommen. Heute einmal ein Guckbefehl:) Here we go!

Ups! Web 2.0. Spontanaktivität in einem hoch vernetzten System. Machtverschiebung. Zusammenführung von Menschen gleicher Interessen. Könnte sich theoretisch, systemtheoretisch anhören. Wenn es nicht nachvollziehbar wäre. Ein weiterer Bericht. Spiegel online. „Was ist Heimat? Unser Zuhause ist das Internet Von Günter Hack“ Er schreibt zum Beispiel: „Web-Skeptiker sprechen von „Sucht“, für viele Nutzer ist der permanente Austausch im Internet ein Gefühl von Heimat. Dort treffen Menschen aufeinander, im besten Fall entsteht daraus Wunderbares. Deswegen muss das Netz als kommunikativer Raum unbedingt bewahrt werden.“

Das Netz als Heimat? Als realer Raum? Jetzt wird es spannend. This is the edge. Der Übergang: Real, virtuell. Wo fängt virtuell an, wo hört real auf. Meine These. Virtuell wird real. Die Trennung hebt sich auf. Stück für Stück. Schritt für Schritt. Wir werden in Zukunft verstärkt real im Netz leben. Das Netz zieht. Aus einem einzigen Grund. Aus dem Grund, der immer zählt: Es hat etwas zu bieten. Es hat eine hohe Attraktivität. Es begeistert, reißt mit. Es ist ein schöner, verheißungsvoller Ort ohne Grenzen. Es ist eine Welt, die sich formen lässt, in der Freundschaften schnell geschlossen sind, getestet werden und dann wachsen. Aus Flüchtigem, Oberflächlichem wird Festes.

In den letzen beiden Wochen bin ich den Schritt in diese Welt gegangen. Ich habe nachts gelebt, war auf Facebook, habe Menschen kennengelernt, Musik gehört, Kunst betrachtet, mich mit Künstlern, Schreibern, netten Menschen ausgetauscht. „Spontanaktivität in einem hoch vernetzten System“ wie Professor Peter Kruse das nennt. Ich habe viel gepostet, Fotos von mir ins Netz gesetzt, Texte. Neue „Freunde“ in Facebook geladen, meine fiftyfiftyblog-Page aufgepeppt. Und ich bekam Unterstützung. Web-Power. Da war eine Netzspezialistin, die hat meine Seite an die Hand genommen. Hat sie in interessanten Kreisen vorgestellt. Hat sich für mich, für den fiftyfiftyblog eingesetzt. Plötzlich hatte ich 200 statt 50 Leute auf der Seite. Plötzlich gingen die Besucherzahlen im Blog hoch. Plötzlich war vermehrtes Interesse da. Veränderung. Real, virtuell.

Wenn ich jetzt hier sitze und schreibe, was ist das? Real, virtuell? Die Unterscheidung löst sich auf und taugt nicht mehr. Denn letztlich laufen sie in mir zusammen, im User, im lebenden Menschen. Ich bin nicht schizophren und nicht gesplittet zwischen den Welten. Beides ist da und zählt. Die Wertung löst sich auf. Noch ist „virtuell“ verschrien, gilt als Nerd-Paradies, hat den Gestus von Subkultur. Ein Treffen zwischen „echten“ Menschen wird höher eingeschätzt. Noch. Die Veränderung läuft. Der Prozess ist längst gestartet und wirkt. Wie werden wir in 10 Jahren, in 20 Jahren leben? Klar. Vernetzt. Intensiv vernetzt mit den Menschen, die wir irgendwo auf der Welt finden, die zu uns passen. Die wir nett finden. Eine Mrs. Swallow in China oder wen auch immer.

Diese Revolution läuft ohne Utopie ab, ohne Vision. Sie ist schleichend und kommt aus den Sehnsüchten der Menschen, die im Netz das machen, was sie wollen. Vordenker wie Zuckerberg & Co. liefern die Technik, die Inhalte werden in jeder Millisekunde von den Menschen generiert. Und was da generiert wird ist oft so faszinierend, dass ich dort sitze und staune. In einem kleinen Büro auf dem Land die große, weite Welt voller Wunder und wunderbarer Menschen. Und: Wenn man jemanden im Netz nett findet, kann man den anrufen und treffen. Kein Problem. Alles ist eins. Alles kann, nichts muss. Das ist eine neue Seite von Gesellschaft. Selbstbestimmender, demokratischer. Wir werden in den nächsten Tagen, Wochen, Monaten, Jahren noch einiges an Veränderung erleben. Ich freue mich drauf. Und ja, ich weiß, man muss „kritisch bleiben“ und „vorsichtig“ und sich nicht „verlieren“. Wisst ihr was: Manchmal kann ichs nicht mehr hören. Manchmal möchte ich einfach nur tun und sehen, was passiert. Das Abenteuer nicht schon am Anfang mit Skepsis erwürgen. Scheiß drauf.

Incredible

Wie ist das?

Wie tief?

Was ist das?

Wer?

Und wenn, ja.

Was nur?

Woher kommen diese Tränen?

Laufen, langsam

streicheln

Wo kommst du her?

Und wieso jetzt?

Was nur?

Was?

Berührt.

Durch die Fingerspitzen
Nervenbahnen
Zellwände
aufgelöst
aufgefüllt
neu verteilt

Spüre intensiv
so intensiv
so intensiv
so intensiv
so intensiv

Mich. Dich.
Dich. Mich.
Mich. Dich.
Dich. Mich.
Dich. Dich.
Dich.

märz 2012

Hong Kong Germany für zwei Euro!

Globalisierung. Für eine Hand voll Dollar. Wie funktioniert das mit der Globalisierung? Wo sind die Grenzen? Manchmal verstehe ich es nicht. Seit dem 23. Februar läuft hier eine kleine Story am Rande des Weltgeschehens, die ich euch kurz erzählen möchte.

An dem Tag kam Jim zu mir. Papa. Er sagt das dann immer sehr intensiv, wenn er etwas von mir möchte. Greift meine komplette Aufmerksamkeit. Papa, ich brauche für meinen iPod einen USB-Adapter, damit ich den auch ohne Notebook und PC aufladen kann. Können wir im Netz schauen? Klar. So’ne Vater-Sohn-Sache. Gemeinsam im Netz nach Technik gucken. Nun lesen hier ja fast nur Frauen, aber ich hoffe, ihr könnt dieses Gefühl enger Verbundenheit in Alltagskleinigkeiten nachvollziehen. Männliche Verbundenheit, Wurzeln. Das ist so ein Gefühl. Ach, ihr werdet das kennen. Irgendwie. Egal.

Wir gingen in mein Büro, fuhren die Systeme hoch und bemühten unseren amerikanischen Kooperationspartner Google um einige Antworten. Die Web-Cowboys schossen mal wieder schneller als ihr Schatten und so war die Mutter aller Antworten Zack da: AMAZON. Die halten zusammen wie Pech und Schwefel, diese Amis.

Wir gaben genauer ein was wir suchten und fanden es. Einen „Power Adapter USB Netzteil Ladegerät Power 700 mAh – Highspeed-Energie für Apple iPhone4 3gs 3g Touch Ipod etc.“. Anbieter: finegadgets aus China, Hong Kong. Okidoki. So weit alles schweineeasy und ohne Fragen. Aber dann. Die Bestellung. Warenkorb aktiviert, Passwort eingegeben, bestätigt und ab dafür. Was ich nicht glauben konnte, war der Preis. 2 Euro für das oben beschriebene Teil. Inklusive Versand. Von Hong Kong aus. Kaum hatte ich gedrückt, dachte ich: Never. Wie soll das funktionieren?

Das Teil kam nicht. Logo. Verarsche. Sorry, Jim. Wir hatten es schon abgeschrieben. Klar, idiotisch. Hatte ich meinen Sohn schlecht beraten. Konnte ich dann so nicht auf mir sitzen lassen und ich nahm Kontakt auf mit finegadgets in Hong Kong. Am 7. März schrieb ich eine Mail:

Hallo,

we are wating for this item? What is going on? Are there any problems?

Best Wishes

Jens Schönlau

Und bekam postwendend eine sehr nette Mail:

Dear Jens Schönlau ,

Thanks for your update. I have checked your order, it was sent out on 24th February 2012 by Hongkong Regular Mail without a tracking number ( Since the postage for a tracking number is really high and not included in the price,hope you can kindly understand).
As we are in China, for the long distance, the delivery time is longer than German and usually international shipment will takes about 14-28 business days.
But considering of the crowded traffic sometimes on the way, some items may have some delay . Hope you can kindly understand and can wait more time. Is this acceptable for you ?
Please feel free to directly contact me again if you not received till the estimated time, i promise, we will refund all as you want. Can you accept this solution? Looking foward to your reply. Thanks for your kindness.

Sincerely,
Swallow

Wow! Mann. War das nett. Kindly. 2 Euro. No Problem. Ich kam mir schon schlecht vor. You know. Da bestelle ich so einen Adapter für 2 Euro und der gute Herr Swallow in Hong Kong schreibt mir noch zurück. „Can you accept this solution?“ Ich war ein wenig gerührt ob der Freundlichkeit und schrieb zurück:

Hi,

thanx for the fast answer and detailled desbribing of the process. So we
will wait. It’s absolut O.K.

Best wishes

Jens

And Mr. Swallow antwortete wieder. Wir waren im Begriff, Mailfreunde zu werden:)

Dear Jens,

Thanks for your message. So kindness you are. Please feel free to contact me again if you not received till the estimated time, we will do the promise as we said. Thanks for your time again.

Sincerely,
Swallow

Mehr wollte ich dann auch nicht beanspruchen. Im April nun hatte ich die Lieferung eigentlich abgeschrieben. Nicht, weil ich dem guten Swallow nicht getraut hätte. Nein, weil ich dachte, in 2 Euro kann keine Transportsicherheit sein. Irgendwie ist das Teil verloren gegangen. Und dann. Lag es gestern im Briefkasten. 10. April. Und Jim hat es direkt ausprobiert und es funktioniert. Besser als das Teil seiner Schwester. Behauptet er zumindest. Und ich habe einen Blick von ihm bekommen, der ein wenig Stolz auf seinen Papa verriet. Und so hat diese Story am Rande der Globalisierung ihr Ende genommen.

Was bleibt, ist die Frage: Wie ist das möglich? Das Teil muss produziert werden, zum Händler gebracht, in Amazon eingestellt, verpackt, versendet, abgerechnet werden. Tausend Schritte. Amazon bekommt eine Gebühr. Der Zoll war beteiligt. Für 2 Euro. Allein das Schreiben von zwei Mails. Wahnsinn. Das Schöne für mich: Die netten Worte von Herrn Swallow. Ich weiß, da sitzt irgendwo in Hong Kong ein netter Typ, der Freundlichkeit und Menschlichkeit in die Globalisierung bringt. Und so wachsen wir weiter zusammen und das ist gut so.