Am Ende dieses Jahres könnte ich weinen…

Und zugeben, dass es nicht wegen Aleppo ist. Nicht wegen der Ertrunkenen im Mittelmeer. Nicht wegen des Dresdener Hasses. Das ist alles so weit weg, dass ich es nicht denken kann. Ich wünschte, all das würde nicht geschehen. Ich wünschte, die Menschen würden endlich human. Ich wünschte, ich müsste nicht zusehen, wie mein Land verroht. Wie sich Menschen vom Konsens der Menschlichkeit abwenden. Es ist, wie es ist. Unerträglich.

Nun. Ich sitze mit meiner Tochter in der Küche und wir essen Mandarinen. Die Holzkiste mit der spanischen Verführung steht auf dem Tisch. Wir sind uns nah. Wir reden. Sie erzählt mir von sich und es ist wie Südwind im Rauschen der Zeit.

Was tun, mit diesem Jahr? Bowie ist gestorben. Heroes.

Und vieles anderes ist geschehen. Ich weiß es gar nicht zu fassen. Cohen. Die Alte Schule weg. Als würde sich alles auflösen, als hätte sich die Vergangenheit aufgelöst. Alles Trugbild, Fata Morgana, Schimäre.

Wohin treibt es? Was wird dieses 2017? Den Blick richten in welche Richtung? Wo ist in diesen fucking times verdammt nochmal vorne? Wo ist das Licht?

Ich fahre Achterbahn, Berg-und-Tal-Bahn, Amorbahn, Kettenkarussell. Ich fliege zwischen den Zeiten. Silvester in Paris, Frühjahr in Hamburg, mit Jim in London, an der Côte d’Azur, Menton, ein paar Tage Ballermann mit den Jungs. Abgehoben, weggeflogen.

Und nun? Wenn ich einen Strich unter dieses Jahr ziehe? Wenn ich alles summiere und abziehe, was bleibt? Ich weiß es nicht.

Ich liege in meinem indischen Bett, und schaue auf den Mond und die Sterne draußen. Viveka nennt den Blick raus Frankreich. Ich habe noch den alten Blick im Herzen. Das Dachfenster, den Mühlenberg. Heimat ist, wenn man weiß, wie der Mond vorm Fenster zieht, wenn man die Sternenbilder des Himmelskinos vorm Fenster kennt, wenn alles da ist, was da sein soll.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass diese Welt dort draußen zu groß ist. Dass da zu viel ist, was nach anderen Regeln spielt. Zu viel, was grob, hässlich, unästhetisch ist. Einfach grausam.

Es reißt mich. Was tun? Hinsehen und auseinandersetzen und sich in diesem Tohuwabohu zerreißen? Oder Arkadien sehen? Das Dionysische? Die Liebe?

Die Zeiten erinnern mich an Charleston und die Dreißiger. Der Tanz auf dem Vulkan. Absinth und schöne Verse. Die Türen schließen, den Ball eröffnen, die Kapelle spielt, die Augen funkeln, die Diamanten leuchten, der Champagner berauscht, das Störende löst sich auf. In den Drehungen der Nacht. Verpisst euch.

33 konnte man die Türen auch nicht mehr verschließen, weil sie eingetreten wurden. Heil Petra & Co. marschieren nun auch in braunen Stiefel durch das Land und werfen Fackeln durch Fenster und Türen. 2016. So lange hat das „Das darf nie wieder geschehen!“ gehalten. Ja, ihr seid Nazis. Nix da, man darf nichts mehr sagen. Wenn ihr so eine braune Kacke redet seid ihr eben Nazis. Bislang habt ihr euch gewunden und getarnt und nun zeigt ihr eure hässlichen Fratzen. Rote Armbinde, weißer Kreis, schwarzes Kreuz mit Haken. Nur halt alles im Kostümchen. Mit vollen Händen in der Volksseele wühlend. Knietief drin.

Und was ist mit Bowie, Pink Floyd, Jim Morrison, Cohen? CUT. Zusehen, wie das nun alles. Irgendwie. Inspirierend ist das nicht. Diese Zeiten haben den fuckin‘ Charme eines Nürnberger Parteitages. Aus den Löchern kommen die schreienden Idioten. Endlich dürfen sie wieder. Arschkrampen.

Nun gut, Herr Schönlau. Beruhigen sie sich. Für Sie ist das Jahr gut gelaufen. An ihrer Seite dieses wunderbar verrückte Wesen. Niemals langweilig. Dieses Lächeln. Die Grübchen. Und immer dabei. Ja, machen wir. Egal wie verrückt oder abwegig. Dabei. Und dieses Haus. Habe ich euch schon gesagt? Ja habe ich. O.K. Trotzdem mache ich es noch einmal. Ich habe ein Haus gekauft. Eines verkauft und eines gekauft. Ein schönes Haus mit einer schönen Atmosphäre und Platz und es ist warm und die Fenster sind neu und die Räume sind hoch und es gibt eine Wendeltreppe. Dieses Jahr ist Wahnsinn. Mindestens.

Nächste Woche noch eine Präsentation. Die letzte Marke für dieses Jahr und dann ist Schluss mit Gedanken und Business und Strategien und Bildern und Heads und Kanälen. 3 Wochen Urlaub. Vergessen, zu nehmen. Immer weiter, durchgezogen, gemacht, getan. Ganz ehrlich? Allmählich gehe ich in die Knie. Ich mag keine Adresse mehr online ändern, keine neue Versicherung mehr anfragen, keinen Stromanbieter kontaktieren, kein Wasserwerk, keinen Entsorger. Grunderwerbssteuer, Notargebühren, Zahnriemen, Treckeranlasser, Holz sägen, Küche einrichten, Wände schmirgeln. Im Klang des Zeitenrauschens. Mit Pegida als Backroundchor, das Jammern der Kleingärtner, weil jemand den Rasen betreten hat.

Es reicht. Entweder ihr beruhigt euch jetzt oder ich werde Revolutionär. Fidel is ja jetzt auch weg. Die wissen alle schon genau, weshalb gerade jetzt. Nun, kann sie verstehen. Wer will schon mit all den Arschgeigen 2016 auf einem Planeten zusammenleben? Alles hässliche Orks. Könnt ihr jetzt mal bitte wieder in eure Höhlen verschwinden? Verpisst euch einfach. Kusch. Ins Körbchen. 2016 ist das Outing-Jahr der Schwachmaten.

Wendepunkt 2016

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Ist das zu fassen?

Irgendwie scheint es nach 2016, dass nichts mehr ist wie zuvor. Gestern habe ich von Trumps Wahlkampf gelesen. Big Data. Eine Londoner Agentur hat ihn mit Daten gefüttert. Und dann hat er. Seine Leute losgeschickt. Die haben an Türen geklingelt und Wahlkampf betrieben. So weit, so gut, so normal. Aber. Seine Helfer hatten die Daten der Menschen hinter den Türen. Ausgelesene Facebook-Profile etc.

20 facebook likes reichen, um zu sagen, was für ein Mensch man ist. 70 likes geben so viele Infos, dass man mehr über einen weiß als die eigenen Eltern. Trump wusste mehr. Seine Leute haben an den Türen geklingelt, von denen sie wussten, wer dahinter wohnt. Eine App auf den Smartphones hat dann gesagt: Den musst du so ansprechen, die so.

Das hat überzeugt. Jede und jeder hat seine, ihre Story bekommen.

Und nicht nur das. Die einen wurden zum Wählen animiert, die anderen davon abgehalten. Schwarze bekamen auf facebook Infos, dass Miss Clinton gegen Schwarze ist. Targeting nennt man das. Zielgruppen, Zielpersonen fokussieren und mit entsprechenden Infos indoktrinieren. Nicht mehr nur KGB, CIA, BND, nein. Nun auch Parteien. Trumps.

Der Brexit scheint schon so gelaufen zu sein. Deshalb passen Vorhersagen nicht mehr. Diese Beeinflussung ist nicht mitgedacht. Niemand wusste, dass Trump infiltriert.

Wie naiv sind wir. Wie demütigend ist es zu erfahren, dass Trump geschickter war. Wahlsieg gebucht. In London.

Moral, Ethik, Werte. Klo runter. Dreckig, feige und gemein, ja, so muss man als Politiker sein. Überzeugungen? Hindern. Ziele? Wozu? Hauptsache, man ist Präsident. Egal, wie. Einfach sagen, was die Leute hören wollen. Opportunist. Who cares? Chamäleon. Die Strategie: Einfach immer sagen, was passt.

Nun hat die AFD in Deutschland die facebook-Hoheit. 2017 wird gewählt. Puh.

Orwells 1984 ist mittlerweile Kinderkacke. Aktuell wird das Internet zu 70% über Smartphones genutzt. Und nahezu alle haben Smartphones. Wer nun also in Deutschland 2017 die Smartphone-Hoheit hat, wird gewinnen. Die politische Dummheit ist grenzenlos. Wir sind tatsächlich an der Grenze der Aufklärung: Der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Jetzt läuft es so, dass facebook & Co. politische Wirklichkeit vorgaukeln. Ein Beitrag hier, ein Post dort. Langsam ranführen, anfüttern, mit gezielten Infos lenken. Eine Frage des Geldes. Targeting. Und Mr. Zuckerberg verdient. „Bitte verführt meine Kunden, verarscht sie, lasst sie das tun, was ihr wollt.“

Ein perfides Spiel, bei dem die Welt zuschaut und nichts macht. Ist ja alles legal. Nur ein Geschäft, keine Tat. Daten kaufen, Daten nutzen. Wie tief das wirklich geht? Keine Ahnung. Aber dass der Einfluss immens ist, liegt auf der Hand. facebook & Co. greifen in die Hirne von Menschen, die in Demokratien wählen. Wie auch immer ist das nicht wirklich zielführend und sinnstiftend.

Da macht jetzt natürlich auch die „Lügenpresse“ Sinn. Wenn man die Presse verteufelt, muss man sie auch nicht mehr lesen. Weil sie ja lügt. Und woher bekommt man dann seine Informationen? Wie verschafft man sich eine Meinung und ein Bild, wenn man nicht liest und die Medien meidet? Wer informiert dann? Tja. Facebook-Informanten.

Es ist ein Wahnsinn. Die Menschen sind so verunsichert, dass sie jeden Scheiß glauben. Niemand traut niemandem mehr. Und Angela Merkel stellt sich der Wiederwahl in ihrer CDU und sagt ihren Leuten: 2015 wird so nie wieder passieren. Ja, alle lernen und richten sich aus. Passen sich an. AfD wirkt. Schiebt, drückt. 20% sind eine Kraft, an der niemand vorbeikommt. Und 2017 wird die AfD auf facebook richtig Alarm machen. Und viele wissen gar nicht, weshalb auf ihrer Seite plötzlich Dinge auftauchen, die sie glauben. Von denen sie glauben, dass sie sie glauben. Holla.

Nie war Intellekt so wertvoll wie heute. Erst Hirn einschalten.

Ruhig, schön, Herbst, Bowie, Prince, Steinbrüche, Steigerhaus, Film noir…

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Wieder Frank Ocean. Wieder das Sofa, der Kerzenleuchter brennt auf dem Ofen, das Licht ist aus, Jim zockt oben online mit Mattes, Zoe ist in Stuttgart und nutzt die Ferien und lässt sich zur Ernährungsberaterin ausbilden. Viveka ist mit meinem Auto in Essen. Der Zahnriemen, sie hat eine gute Werkstatt. Derweil bin ich mit ihrer Holly unterwegs. Ihr Kennzeichen trägt meine Initialen und mein Geburtsdatum. Sieht also so aus, als wäre es meine Holly. Ist sie aber nicht, obwohl, ich könnte schwach werden. Sie ist sehr nett zu mir.

Es ist schön, dass es jetzt Herbst wird und Ruhe einkehrt. Mag mich in die Zeit einmuscheln, mit dem Deckchen aufs Sofa, die Zeiten durchhören. Bowie, Prince. Es wird ein Fassbinder-Winter. Es scheint, dass ich süchtig werde nach alten Zeiten.

Nun könnte ich denken, das hat etwas mit Alter und Sentimentalitäten zu tun. Oder ich könnte denken, es hat etwas mit den Zeiten zu tun. Weder Bowie noch Prince noch Fassbinder kann man von den Bäumen pflücken. Wenn die weg sind, kann man nur noch die alten Sachen hören und sehen. Da kommt nichts Neues mehr.

Es waren andere Zeiten. Nun sollte man sich hüten, die Gegenwart gegen das Gestern aufzuwiegen. Habe ich immer gedacht. Aber nun holt es mich ein. Mir sind 100.000 Friedensaktivisten lieber als all die dumpf deutschnationalen Tendenzen aktuell.

Es scheint, dass ein Vakuum das Dunkle an die Oberfläche gesogen hat. Dresden. Als Viveka und ich dort waren, haben wir diesen Klaus getroffen. Der so frustriert war und erzählt hat, die Amis würden die ganze Stadt voll pissen. Da hatte ich gedacht: Oje, der Ärmste, der hat einen ‚Stasi-Honecker-DDR-Schaden‘. Ich habe ihm auf Englisch geantwortet und erzählt, dass ich aus New York sei. Da hat er nett auf Englisch geantwortet und von Vollpissen war nicht mehr die Rede. Ich denke, Klaus ist Montags dabei. Und ich denke, Klaus war damals in Leipzig nicht dabei, als ‚Wir sind das Volk‘ gerufen wurde und sich die Mauer in Wohlgefallen auflöste.

Klaus hat auch kein Bowie und Prince gehört und keine Fassbinder-Filme gesehen. Wahrscheinlich hätte er Pfui gesagt. Die Deutschen und die Kunst. So viele Museen, so viele Künstler, so wenig Respekt.

Es sind gefühlt viele Menschen geworden, die den Anstand verloren haben, die sich nicht benehmen, denen ein Gefühl für die Schönheit dieses Landes in seiner Komplexität fehlt. Weshalb übertönen diese dumpfen Schreie all das Tiefe, Wertige, Wunderbare?

Woher kommt der Hass? Aus gefühltem Unglück, aus Leere, aus Sinnverlust.

Gestern durch den Wald, die neue Heimat. Die ist schön. Anders, ganz anders als in Nosbach. Nosbach war das Maikäfertal, die Wiesen oben, Vivekas Irland, die Wälder bis ins Unendliche. Hier ist alles komprimierter. Mehr Menschen, mehr Zäune, mehr Straßen. Und dazwischen doch auch die unberührten Orte. Keinen Menschen getroffen. Das sind mir die liebsten Wege.

Alte Steinbrüche, mit Stacheldraht abgesperrt. Seen, Felswände. Ein Steinbruch ist offen. Naturschutzgebiet. Wunderschön, ein magischer Ort mit einer Eule. Dazu die Spuren des Bergbaus, die alten Bleigruben. Und ich wohne mittendrin im alten Verwaltungsgebäude oder Steigerhaus, wie ich jetzt gehört habe. Was ist ein Steigerhaus? Werde noch dahinter kommen.

Es ist ein Abenteuer, diese neue Welt zu erkunden und abends hier zu sitzen und Bowie und Prince zu hören und, zugegeben, Frank Ocean und Gregory Porter und Marvin Gaye und Gil Scott Heron und die Doors und dann die alten Filme zu sehen, die erzählen, dass das Leben keine Autobahn ist. Filme, die auf Gedanken beruhen, die mit sich ringen, die ungewohnt sind, weil die Gedanken noch nicht gedacht sind. Echte Aufgaben. Schöne Sätze. Konzepte.

Zu Weihnachten sollte ich mir Filmkollektionen wünschen. Von mir wünschen. Herr Schönlau, bitte, dies, jenes. Jim Jarmusch, Aki Kaurismäki, Peter Greenaway, Derek Jarman. Und dann zurückgehen. Film noir, italienischer Realismus. Wir haben eine Vergangenheit, eine Basis. Wir haben eine Geschichte, auf der wir fußen. Wir haben großes Glück, das wir mit Löffeln schaufeln sollten. Nachrichten mit der Pegida-AFD-NPD-Seehofer-Scheiße raus, die alten Filme rein. Und Bowie und Prince. Nicht zu vergessen. Und all die anderen. Was für ein Fundus. Spotify. Alles da. Saturn. Zweitausendeins? Gibt’s die noch?

Ach. Gute Nacht, träumt süß.

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Licht am Ende des Tunnels…

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… oder der Sinn von irgendwas.

Es ist. Mehr müsste ich nicht schreiben. Nun, ich könnte, sollte die Formel um ein Konkretes erweitern. Im Werden? Was?

Allmählich komme ich dahinter. Ich weiß nicht, wann ihr euer Leben zuletzt umgekrempelt habt. Es ist etwas geschehen oder ihr wolltet, musstet, habt. Ist ja auch egal, warum.

Allmählich, die Zweite. Also. Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Beim Sinnabend unserer Agentur. Bei den Fassbinder-Filmen, die ich in letzter Zeit schaue, bei dem Haus, das wird. Bei dieser Geschwindigkeit, die mich umhüllt.

Viveka und ich haben dieses Wochenende nach unendlichen Zeiten endlich gestrichen. Nun steht hier eine funktionierende Küche, die den Status Zwischenlösung in Form von Kompromiss und Notbehelf in Richtung ernst zu nehmender Vollwertigkeit verlassen hat. Eine Erlösung. In den den letzten Monaten habe ich alles zusammengekauft. Die Siematic-Zeile aus Rheine bei Münster mit Dampfgarer, Kühlschrank, Backofen, Mikrowelle und Tellerwärmer. Ja, ja, Tellerwärmer. How ever. Vielleicht mal. Wer weiß, was kommt.

Die Arbeitsplatte vom Schreiner. In der falschen Farbe, die dann doch die Richtige war. Zum halben Preis. Den Geschirrspüler fein deutsch von Siemens in Edelstahl und das Induktionsfeld in 80’er Breite, für das mein Bruder extra Leitungen verlegt hat.

Und das Highlight. Mein neues Sofa aus Bergisch Gladbach. Da standen viele Porsche im Viertel und ich hatte von meinem Nachbarn Stefan den Hänger mit Stroh- und Pferdemistresten. Schönes Sofa. Gebraucht, aber ein Schnapper. Und schön. Erst wollte ich einfach irgendwas und dann wollte ich das nicht mehr, und dann eben dieses. Eigentlich unbezahlbar, in gebraucht irgendwie doch. Man muss Wege finden im Leben.

Und dann, neben all dem Faktischen. Den Stromanbietern, Heizöllieferanten, Anschlusswerten, Grundbucheinträgen und all dem Zeugs, was diesem Land so einfällt, die große Frage nach dem kleinen Sinn. Wozu das alles?

Es kam mir heute, als ich mit Viveka das Revier erkundigt habe. Herr Cooper war schon bei Ela, er ist jetzt ein Trennungshund. Mal hier, mal dort. Es fällt ihm schwer, aber er macht sich. Ich liebe ihn auch dafür. Heute morgen war er mit mir im Wald und glücklich. Wie ein junger Hund ist er an mir vorbeigeschossen und hat Sonnenstrahlen gejagt und gelächelt. Ehrlich.

Wir saßen also am Wasser. Und ich wusste, was fehlt. Ein Teil von mir. Dieser Teil meines Kopfes, der immer mir gehört hat. Diese Gedanken, die sich im Warmen geräkelt haben. Dieser Luxus, frei zu denken. Okkupiert. Besetztes Gebiet. Besetzt vom Faktischen, vom Notwendigen, von den Dingen, die geregelt werden müssen. Im Wald heute, nachdem wir gestern mit dem Streichen fertig geworden sind, kam mir eine Gedichtzeile. Sie hatte etwas mit Herzen und Barbaren und Besetzung zu tun. Es war ein schönes Gefühl einen Gedanken zu spüren, der nichts mit Induktionsfeldern oder Küchenmöbelfüßen zu tun hatte.

Und dann kamen mir Gedanken zu meiner Lesung am 8. Januar in Duisburg. Plötzlich wusste ich, was das Thema ist. Der Inhalt. Und ich wusste, welche Texte es sein müssen. Das war ein Geschenk. Das Schlimmste ist, nicht denken zu können. Verknotet zu sein im Rationalen. Funktionieren müssen. Paff, Finanzamt. Kotz.

So war es ein guter Tag und ich wünsche, dass es nachlässt, was hindert und hält. All dieses. Bitte. Yep.

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Zwischen Induktionsfeld und Glaswolle

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Bin ich ein wenig abhanden gekommen.

Allmählich wird es. Ganz allmählich. So von einem Haus in ein anderes zu ziehen ist schon so eine Sache für sich. Könnte man einen Hauptberuf draus machen. Nun ist der Adler also gelandet und ich möchte euch die neue Heimat des fiftyfiftyblogs vorstellen.

Das Alte Verwaltungsgebäude der Bleigrube Bliebach aus dem Jahr 1900. Kernsaniert 1992, neue Fenster 2012. Ein gutes Haus, so viel habe ich bislang mitbekommen. Eine schöne Atmosphäre, wenig Altlasten in allen Bereichen. Es spukt nicht, die Geister sind verflogen. Keine Ecke im Keller, die Böses ahnen lässt. Sehr angenehm.

Aktuell bin ich mit der Küche beschäftigt. Einen Teil der Küche aus Nosbach habe ich mitgenommen, was fehlt habe ich zugekauft. Viveka und ich haben Teile einer passenden Küche mit dem Anhänger aus der Nähe von Rheine geholt. ebay Kleinanzeigen. In Dunkelgrau mit verschiedenen guten Geräten.

Jetzt fehlt es an Strom und Wasser/Abwasser an den richtigen Stellen. Mal eben so eine Küche zusammenwürfeln und planen. Ich sage euch, Holla, die Waldfee. Aber es kommt. Die Tapeten in der Küche sind runter, die Kabel liegen, heute habe ich Wasser und Abwasser neu gelegt- mit meinem neuen Multifunktionswerkzeug war das Trennen der Kupferrohre Zack Zack gemacht. Spüle und Spülmaschine – musste ich auch neu besorgen – kann ich fast anschließen. Wenn die Arbeitsplatte schon da wäre. Habe ich beim Schreiner bestellt. Birke Multiplex mit Resopal-Ebony. Bin gespannt. Da muss ich noch die Ausschnitte machen. Es kommt der Tag, da muss die Stichsäge stichsägen.

Hoffentlich bald, denn so eine Küche ohne Spüle ist schon doof. Gott sei dank funktioniert die Spülmaschine. Das ist ein wenig wie Indoor-Campen. Es kann sich nur noch um Tage handeln. Normalerweise könnte ich Samstag durchziehen und das Ding würde stehen wie ne Eins. Rest Rigips, verspachteln, schleifen, Haftgrund, streichen, Küche aufstellen. Aber, Familienfest bei meiner Mama. Mit den Söhnen, also mit mir und meinen beiden Brüdern, den Frauen und Freundinnen und den Enkelkindern, die schon keine Kinder mehr sind. Freue ich mich drauf, alle zu sehen. Da muss die Küche warten.

Müsste dann aber nächste Woche eigentlich schnell gehen. Müsste, aber der Teufel ist ja bekanntlich ein Eichhörnchen. Dann fehlt hier ein Zentimeter, dort geht es nicht um die Ecke. Egal. Was nicht passt, wird passend gemacht. Ich bin in diesem Haus ziemlich kompromissbereit. Ich werde nicht noch ein Haus in der Gänze und Tiefe wie die Alte Schule renovieren. Kann ich auch gar nicht bezahlen. Will ich auch nicht. Das wird alles eine Nummer rustikaler. Aber dennoch schön, hoffe ich. Der abgetretene Holzboden zum Beispiel bleibt so. Kein Abschleifen und Neuversiegeln. Schluss. Shabby. Chic.

Hier nun die Bilder, für den Fall, dass es euch interessiert und ihr mal reinschauen möchtet. Schönen Abend wünsche ich euch, und gute Zeiten. Übrigens zum Foto oben: Der rechte Teil des Hauses ist meiner. Also nicht das Ganze, nur die Hälfte. Zu den Fotos unten: Das ist natürlich alles noch nicht eingerichtet, nur hingestellt:)

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