Stern, Schnee, Stroh, Stau…

Das war so ein richtiges Adventswochenende. Schön.

Samstag ausschlafen. Genüsslich. Und dann? Einsteigen in die Adventszeit. Mit Deko, Machen und Tun. Zoe hat in der Schule Adventskränze gebunden für den traditionellen Weihnachtsbasar. Dabei ist einer für uns abgefallen. Ela hat die Kerzen gekauft, ich habe sich draufgesteckt. Normalerweise wird das mit steifem Draht gemacht. So habe ich das von meiner Mutter und in der Gärtnerei meines Opas Heinrich gelernt. Hatten wir nicht. Also habe ich Nägel genommen, die Köpfe heiß gemacht und rein damit. Geht auch.

Jim und ich sind dann mit dem Auto holperig ins Maikäfertal, um Zweige für die Küche zu holen. Lange Weidenzweige unten vom Bach, die in eine Vase in der Küche kommen. Dort fangen sie Anfang Januar an, Blätter zu bekommen und dann wird es grün. Ein kleiner Trick, den Frühling vorzutäuschen. Als wir zurückkamen, waren die Jungs von der Feuerwehr gerade dabei, den Leuchtstern, besser Leuchtkometen, auf den Feuerwehrturm zu bugsieren. Was mir eine herzliche Einladung zu Glühwein brachte. So saßen wir unten in der Feuerwehr und schlürften und erzählten bei Kerzenschein. Währenddessen haben Ela und Jens die Zweige in der Küche aufgestellt und die bunte Lichterkette reindrapiert.

Am Sonntag großer Weihnachtsbasar in der Schule. Alle Klassen übernehmen Aufgaben. Zoes Klasse hat Adventskränze verkauft – viele. Jims Klasse bewirtete Gäste in einer internationalen Teestube. Hier hatte ich Dienst als Elternteil im Hintergrund. Helfen, sollten Fragen auftauchen. Für eine Stunde. Also habe ich da gesessen, abgewartet und Tee getrunken. Und mich unterhalten. Viel. War das gemütlich. Anschließend konnte ich Zoes Musiklehrer bei einem Pianokonzert auf dem großen Flügel im Musiksaal lauschen. Einaudi & Co. Ein sehr schönes Stück von Joe Bongiorno. Mit Musik verwöhnt.

Für den Abend war ich eingeteilt, den Adventskranz-Stand mit abzubauen. Von der Turnhalle die Strohballen zurück in den Stall fahren. Ich durfte fahren, weil ich eine Anhängerkupplung habe. Hänger dran, Stroh drauf und durch die Schneelandschaft zum Schulstall mit den Kindern das Stroh stapeln. Trocken und gut. Die Krippe bereiten. Anschließend haben Zoe und ich uns auf der Heimfahrt in den Stau gestellt. Auf der Autobahn ging nichts mehr. Der Anstieg vor unserer Abfahrt war nicht richtig geräumt. Fünf Kilometer. 30 Minuten länger. Ging noch. Ich wollte dann auf Nummer sicher gehen und die Abkürzung durch den Steinbruch meiden. „Zoe, wir fahren über die große Straße.“ „Quatsch Papa. Durch den Steinbruch. Das schaffen wir schon. No risk, no fun.“ Ola. O.K. Haben wir gemacht. War nicht geräumt. Über die Schneedecke um die enge Kurve rum den Berg rauf. Langsam im ersten Gang. Die Reifen haben gegriffen. Alles gut. Schwitz. „Siehste Papa, man muss seinen Weg gehen. Sagst du doch immer.“ Echo. So. Ja, sag ich.

Jetzt sitz ich hier, blogge, der Stern der Feuerwehr leuchtet ins Zimmer, der Gemeindetraktor räumt den Schulplatz vorm Haus und mir ist weihnachtlich.

Brigitte und ich haben uns getrennt

Noch ein Abschied, eine Veränderung. Ich habe Brigitte heute gemailt, dass wir beiden nicht mehr… Sie hat es akzeptiert. Damit ist das Kapitel Brigitte Woman abgeschlossen – nachdem alles so gut angefangen hatte. Damals. Im Winter vor fast drei Jahren. Unser Dreijähriges werden wir also nicht mehr erleben.

Weshalb? Wir haben uns auseinander gelebt. Brigitte in Hamburg, ich hier auf dem Land. Da ist der Kontakt auf der Strecke geblieben und die Liebe auch. Sie war für mich einfach keine Heimat mehr. Ich kam dorthin und es war sachlich, hat sich nicht angefühlt. Und irgendwann habe ich sie auch nicht mehr gelesen, obwohl sie hier manchmal noch herum lag. Ich denke, ihr ging es genauso. Wir haben schon lange nicht mehr gesprochen.

Ich habe heute meine Sachen abgeholt, mein Foto gelöscht, meine Autoreninfos und bin gegangen. Brigitte Woman hat mein Foto von der Blogstartseite genommen und so sind wir nun geschieden. Tabula rasa. Gehen beide unserer Wege. Jetzt also nur noch hier. Exklusiv im fiftyfiftyblog. Hatte ich schon lange vor. Fühlt sich so besser an. Ciao, Brigitte. Machs gut.

Unterwegs im größten Museum der Welt

Gestern Abend. Kunst-Gigantomanie par excellence. In einem Museum 184 Sammlungen, 8.223 Künstler/innen, 36.589 Kunstwerke. Ich habe sie nicht alle gesehen, mich auf einige wenige beschränkt. Mit denen dafür intensiver, teils per persönlicher Erläuterung durch Fachleute. Stunden. Ein sehr intensives Kunsterlebnis nach einem langen Tag. Wunderbar:)

Es war spät. In der Agentur hatte ein Meeting bis in den Abend gedauert. Als ich nach Hause kam, war Ela noch beim Yoga, Zoe und Jim hingen im Ofenzimmer ab. Lesend, cruisend. Herr Cooper grillte seine Nase am Ofenfenster. Manchmal denke ich ja, das zentrale Wesen dieses Hundes ist das einer Katze. Wie er sich immer freut, wenn ich komme. Oh, oh, Herrchen ist da. Bitte streicheln, kraulen, Aufmerksamkeit schenken. Gerne, alter Lump.

Ela kam vom Yoga, hat noch kurz gelesen und kurz irgendwann verschwanden dann alle. Die lichtreduzierten Tage machen müde, der Dämmermodus beginnt deutlich früher. Also habe ich mich auch auf mein Bett zurückgezogen, habe das Laptop angeworfen, Mails gecheckt, Blog, Kommentare, facebook. Dort traf ich auf einen Bericht des Siegener Museums für Contemporary Art. Nach Bridget Riley wird gerade die neue Ausstellung aufgebaut.

Dann stieß ich auf einen Post der TATE modern in London, den ich teilte, woraufhin mir ein Geschenk gemacht wurde. Plötzlich erschien ein Post zur TATE Britain, der meinen TATE modern Post kommentierte. Ein Geschenk. Denn hinter diesem Beitrag öffneten sich die Türen zum größten Museum der Welt und ich ging verloren in den Tiefen der unendlichen Räume. Ich hatte die Eintrittskarte zum Art Project powered by Google bekommen.

Hier präsentieren die Museen der Welt Kunst. Und nicht nur das. Zudem gibt es Infos und teils Expertenvideos, die die Bilder und Objekte erläutern. Selbstverständlich wird das Projekt durch einen Google+-Auftritt flankiert. Dort kann man sich inspirieren lassen. So bin ich auf die 104 Monets gestoßen, ein Foto von Henri Cartier-Bresson und die wunderschön farbenfrohe, tragische Ophelia von Sir John Everett Millais, das unter DETAILS in einem Video detailliert erklärt wird.

Luxus, der den Reichtum der Welt zeigt. Ein kongeniales Zusammenspiel. Die Museen zeigen, was sie haben, können. Und alle Menschen der Welt können, so sie Zugang bzw. freien Zugang zum Internet haben, sich die Werke und Meister/innen ansehen. Da kann man Zeit verbringen. Verführerisch. Abends mal schnell vorbeischauen. Oh, oh. Vorbei an facebook, wo immer Licht brennt und die Menschen nicht müde werden, zu posten und zu quatschen (Gute Nacht, Johnboy…) und rein ins Museum.

Ich wünsche euch, sofern ihr Lust habt, viel Spaß beim Besuch des größten Museums der Welt mit den komfortablen Öffnungszeiten 365/7/24. Nur mal kurz vorbeischauen… Klar. Viel Spaß und schöne Zeiten mit all dieser unglaublichen ART.

Let the Lights shine

Winterdepression. Ups.

Heute Morgen gelesen. Die kommt automatisch, wenn uns Tageslicht fehlt, was ja klar ist, wenn die Sonne es kaum durch die Wolken schafft und untergeht, bevor sie aufgegangen ist. Gefühlt. Irgendein Hormon wird nicht ausgeschüttet, was uns dann zu unserem Glück fehlt. (Boah ey, macht das Bloggen mit meiner neuen Apple-Tastatur Spaß. 95% weniger Vertipper, weil jede Berührung zählt. Kein Tastaturhämmern mehr, das unser Hausfundament wackeln lässt. Herr Schönlau, Sie haben gut investiert. Weise, vorausschauend. Danke.)

What shall we do? LED. Empfehlen die Redakteure von NewScientist – wissen, was kommt. Die haben einen schönen Artikel über das Licht und unser Wohlbefinden – oder das Gegenteil – geschrieben. Es werde endlich schönes Licht!

Wir sind dem Winter nicht hilflos ausgeliefert, denn es gibt da diesen niederländischen Lichtspezialisten Philips, der seit Jahren mit LED-Lampen rumspielt und jetzt ein System geschaffen hat, das allerdings erst im März kommt und dann exklusiv im Apple-Store. Hä? Ja. Das System heißt Hue (hier der Philips-Werbefilm für Doofe – wie kann man so ein Video drehen, das Kunden wie Dreijährige behandelt. Egal. Die Infos stimmen.) und lässt sich per iPhone und iPad per WLan steuern. Farblich. Das Starterpaket mit allem, was dazugehört kostet 199 Euro. Da sind dann drei LED Birnen drin, die jeweils 16 Millionen Farben darstellen können. Mir persönlich würden zwar auch deutlich weniger reichen, aber was solls. Was man hat, hat man. Allerdings erst ab März und 199 Euro sind ja jetzt auch nicht von Pappe, oder wie das heißt (ich habe eine diagnostizierte Sprichworteinschränkung, so eine Art Sprichwortlegasthenie – fast immer falsch). Egal.

Tja, wie kriegen wir jetzt die Kuh vom Eis und die Winterdepression weg? Plan B. Philips ist da schon länger zugange und wer keinen Wlan-iPad-Schnickschnack braucht und sich mit einer Lampe zufrieden gibt, der kann sich für die Philips LivingColour entscheiden. Eine komplette Lampe mit LED-Birne und Fernsteuerung für die Feinjustierung und auch 16 Millionen Farben. Die werden in einem Extra-LKW geliefert. Oh, oh, Schönlau, der war schlecht. Müsst ihr durch.

Infos zur Lampe gibt es vom Hersteller hier. Den Link gebe ich jetzt mal weiter, auch wenn das Werbung für die Holländer ist. Für deren Einsatz gegen die Winterdepression und das Wohlfühlen der Menschheit in den eigenen vier Wänden. O.K. Ach ja, der Preis. Also hier kommt man mit rund 82 Euro inklusive Versand hin, wenn man die Dienste der Preissuchmaschinenfirma idealo in Anspruch nimmt. Vielleicht was für Weihnachten?

So, und um dem Ganzen jetzt noch ein wenig mehr Menschlichkeit einzuhauchen, der Song zum Thema. Es werde Licht, Carpe Diem, Herzen auf, Sonne rein, vor Glück jodeln auf einem Bein, lachen, grinsen, fröhlich sein. Eine der leichtesten Übungen überhaupt. Macht mal, haut rein. VIeeel Spaasssss:)

Cloud Atlas – sorry, ein Verriss

Tom Tykwer, sorry, aber so wird das nix.

Die Grundidee ist schon so bombastisch, als wolle man die Bibel komplett verfilmen. Man nehme alle Filmgenre, Science Fiction, Abenteuerepos, Politthriller, die Leiden des jungen Werthers, verbinde sie durch einen Gedanken, kaufe sich sehr teure Schauspieler und treibe sie durch 164 Minuten. Atemlos, weil dauernd in der Garderobe und in der Maske.

Ein Riesenprojekt, von dem ich mir viel versprochen hatte. Es soll um Karma gehen. Darum, dass alle Menschen miteinander verbunden sind, karmisch, genetisch vernetzt. Dass sich das Gute wie das Böse bis zum St. Nimmerleinstag durchzieht. Die Grundlage der buddhistischen Philosophie: Wiedergeburt.

Vielleicht war meine Erwartung zu hoch. Vielleicht habe ich gedacht, ich bekomme ein Jahrhundertwerk. Halle Berry, Tom Hanks. Mal hier, mal dort. Hugh Grant. Komplett falsch besetzt. Der, der immer aus der Hosentasche spielt. Dessen Gestenrepertoire unverkennbar ist. In jeder Rolle, in etwa so wie bei Tom Cruise. Und der soll nun plötzlich verschiedenste Charaktere darstellen. Einen brutalen, meuchelnden Krieger und Menschenfresser auf dem Pferd. Ja, Tom Tykwer, alles ist verbunden. Alles ist Karma. Und für mich geht die Vernetzung so weit, dass Hugh John Mungo Grant mit seiner Spielweise Notting Hill, Vier Hochzeiten und ein Todesfall und Bridget Jones mit rein bringt.

Der Abspann zeigt die Vernetzung. Die Hauptdarsteller sind mannigfach besetzt. Geben die verschiedensten Charaktere. Durch die Jahrhunderte bis ins Neo Seoul des Jahres 2144. Plötzlich alles Cyber. Menschen aus der Retorte, die mit Karma aufgeladen sind. Fifth Element. Bruce Willis und Milla Jovovich inszeniert durch Luc Besson. Konzentriert, stark. Was hier leider nicht der Fall ist. Zu viel gewollt, das Wesentliche nicht geliefert.

Im Hintergrund dieses Films, wie die Werbung anpreist, die Macher von Matrix. Großes Kino. Nur: Der Film mutiert zum Masken-, Kostüm- und Ausstattungsfilm. Mal auf einem Segelschiff im Pazifik, mal in der Futureworld of Neo Seoul, dann wieder im America der Seventies oder im London nach dem Krieg. Die Schauspieler springen zwischen den Zeiten und Figuren. Mit angeklebten Bärten und viel Knetmasse im Gesicht. Auf der Strecke bleibt die Glaubwürdigkeit, die Tiefe der Rollen, das intensive Spiel der Figuren, das, was Kino ausmacht.

Ich bin immer wieder rausgeflogen. Oder besser, in den Figuren und ihren Innenwelten erst gar nicht angekommen. Ah, da hat sich Tom wieder umgezogen. So, jetzt ist er Wissenschaftler. Und ah, auch da wieder das Zeichen, das Muttermal. Das hatte meine Mutter mal. Ein Zeichen, ein Zeichen. Wiedergeburt.

Das alles leider letztlich auf einer wenig reflektierten Ebene. Ich habe öfter Menschen getroffen, die mir von früheren Leben erzählt haben. Die meisten waren irgendetwas im Mittelalter. Merkwürdigerweise meistens in sehr hoher Position. Kämpfer, Adeliger, Prinz, König. So kommt mir auch dieser Film vor. Längst nicht so geheimnisvoll, wie er sich gibt. Vorher hatte ich gehört, den müsse man mindestens zwei Mal sehen, um ihn zu verstehen. Ah ja.

Aber. Klar, das gibt es natürlich auch, das Aber. Langweilig ist der Film nicht. Eine gute Kamera hat er, gute Bilder. Er trägt über die 164 Minuten. Nur den Tiefgang, den ich mir erhofft hatte, in Drehbuch und schauspielerischer Leistung, den habe ich nicht bekommen. Irgendwo habe ich was von sechs Oscars gelesen. Äh, no. Sorry. Kann man sich den Film trotzdem ansehen? Ja. Nur vorher vielleicht besser die Erwartungshaltung runterschrauben von Jahrhundertwerk auf Hollywood. Großes Kino im Ansatz, in der Besetzung, im Wollen, dass es leider nicht schafft, sich cineastisch entsprechend zu entfalten. Vieles bleibt Maske und Kostüm. Dagegen lässt sich nicht anspielen. Und bei zu vielen verkörperten Figuren ist es eben auch nicht möglich, jede mit 100% zu geben, sich da komplett rein zu begeben. Da bleibt es dann oft bei der Skizze.