Abriss ART mit Trash Treasure

Rette sich wer kann. Rettung naht. Heute schon gerettet worden?

Manchmal ist es ein aussichtsloses Unterfangen. Dinge sind dem Untergang geweiht und das Unausweichliche wird kommen. Der Eisberg für die Titanic. Wie war das mit dem römischen Reich?

Letzte Woche fand ein außergewöhnliches Kunstprojekt in einem Einkaufszentrum in Erftstadt Liblar statt: Kunst in Abrissekstase. Dieses Einkaufszentrum wird abgerissen. Oder wurde schon? Ich weiß es nicht. Bevor die Bagger anrollen, haben sich letzte Woche eine ganze Reihe unterschiedlichster Künstler getroffen, um diesen morbiden Raum zu nutzen. Ich habe eine Einladung über Facebook erhalten. Von Trash Treasure. Einer Künstlerin aus Köln.

Bin ich am Samstag gerne gefolgt. Über die Autobahn nach Liblar. Vorbei an gelben Rapsfeldern. Dem Untergang entgegen. Aktionskunst. Abriss ART. Vor dem Einkaufszentrum Bauzäune, Schuttcontainer und Teile des Gebäudeinnenlebens. Wo ist Trash? Habe gefragt und sie gefunden. „Wo ist dein Projekt?“ Hat sie mir gezeigt. Ein kleiner Raum aus Rigips direkt im Eingangsbereich. Sie wollte retten. Schützen. Hegen. Der kleine Raum war bereits verletzt, von ersten Abrissspuren gezeichnet. Ein Radlader hatte eine Ecke eingedrückt, die Rigipsplatten zerstört. Wunden. Verletzungen, die Haut eingerissen, das Ständerwerk gebrochen. Der Mensch kann ausgesprochen brutal sein. Beschädigt. Gut, dass es Heilerinnen mit dem anderen Blick gibt. Mit den Mitteln, den Tinkturen, den Salben und Pflastern. Das hat etwas Mütterliches. Kümmern, verarzten, trösten. In jeder Situation. Das Weibliche, das Rettende. Die Bagger sind die men’s world.

Sind die noch zu retten? Kunst, die dann abgerissen wird? Entstehen lassen, um es verschwinden zu lassen? Ich war froh, Trashs Arbeit zumindest fotografisch zu erhalten. Ihre Rettungsaktion. Sie hat den Raum verarztet. Hat alles repariert, was bereits zerstört war. Mit Tape. Wieder drangeklebt, drübergeklebt, zusammengeklebt. Dazu Rettungssätze: „Vertrau mir!“ „You are SAFE“, „Trust me“ „Ein Stück heiler Welt!“, „Rettet den Raum!“.

Trash ist Israelin. „Ohne Trash kein Treasure“, meint sie. Das eine definiert das andere. Was definiert der Absiss? Der Untergang? Das Rettung möglich ist. Praktiziert werden kann. Es gibt einen Ausweg, immer. Und wenn es mit ein paar Tesastreifen passiert. Der Raum ist da, auch wenn er weg ist. In den Köpfen, auf den Fotos.

Mir hat er ausgesprochen gut gefallen. Auch, weil ich ihn fotografiert habe. Sehr ästhetisch, dieses Chaos aus weiß, rot, schwarz und blau. Habe mir alles genau angesehen, jeden Spruch gelesen, alle Winkel betrachtet, alle Details, die da gerettet wurden. Die Abdeckung der Neonlampen. Die Teppichreste am Boden, der Stuhl, auf dem die „Dynamitstange“ aus Neonröhren mit ihrer Kabelzündschnur liegt. Trash hat Humor. Sitzt mit mir in der Sonne. Lacht viel.

Sie ist Israelin. Künstlerin seit vielen Jahren. Ausstellungen überall. Mit eigenem Atelier und dem besonderen Blick. Wir stromern durchs Haus, durch die Ausstellung. Bleiben hier und dort stehen. Oben auf der Dachterrasse mit dem zugemüllten Biotop – ein „Kleinod“ der besonderen Art. ART. Zwei Stühle vor einer Holzhütte. Es könnte eine einsame, romantische Insel sein… Im Hintergrund ein Hochhaus, ein Schornstein, ein Zweckbau, eine Kneipenwerbung, ein blauer Himmel…

Trash führt mich zu den Containern. Treasure entdecken. Ich leihe ihr meine Kamera, ihre ist ausgerechnet an dem Tag ausgefallen. Sie fotografiert. Teile der ehemaligen Ausstattung des China-Restaurants. Rote Schrift auf weißem Grund. Eingerahmt von geborstenem, grünem Thermopenglas. Dieser Ort hat eine eigene Ästhetik. Hier wird schön, was geht. Das Ende naht, der Radlader steht bereit, die Container sind hungrig.

Es hat Spaß gemacht. Aktionskunst der besten Art. Lebendig, subkulturig. Der Maler aus Chile, aus Bordeaux angereist, der tagelang an seinem Gesicht malt, in das dann die Baggerschaufel reinhauen wird. Bautz, Spreng, Splitter. Weg. Container. Vergänglichkeit. Ein modernes Mandela. Nicht anhaften, den Moment leben. War ein toller Moment. Geschenkt. Genommen. Bewahrt. Ein Museum für 96 h. Viele Menschen wollten das sehen. Es war voll. Es war gut.

Ich füge euch einige Fotos hinzu, damit ihr seht, was WAR.

Special

Nicht erklären
das Gefühl
ausgezogen
ohne Haut
jeder Luftzug
Blick
Wort in der Ferne

Stromschläge
Bisse
Stiche

Without shelter

Betonieren
zunageln
balsamieren

Könnt ihr mal bitte ruhig sein?
Fünf elende Minuten?

Zielfernrohre ausschalten
Stiefel losschnüren
Messer, Nadeln
wegstecken

Bitte nicht treten, jetzt

Ihr wisst nicht
wie das ist

Ihr fühlt nicht
wie es sein kann

Ihr kennt nicht
das Gefühl

Ihr sprecht Suaheli
den ganzen Tag

Einfach mal
gut sein lassen

AKZEPTIEREN

Fünf elende Minuten

märz 2012

Wie wollen wir verdammt nochmal leben?

How?

Gehen. Durch den Tag. Durch die Nacht. Gedanken. Was wird? Werden? Sein? Freud, Nietzsche. Die ewige Fragerei, der niemals stillstehende Moment der Entscheidung. Tiefe, Höhe, Fall, Eskalation, Kompromiss, Möglichkeiten, Abschätzungen, Wahrscheinlichkeiten. Züge. Geplant, geformt, ausgeführt, verworfen.

Was ist Leben?

Sich auf den Kopf stellen, die Perspektive wechseln.

These 1: Nichts ist.

Klingt esoterisch. Habt ihr eine Tür in eurer Wohnung, in eurem Haus, in eurem Sein, die offen steht? Könnt ihr rausgehen und die Welt mit anderen Augen sehen in jedem Augenblick? Oder hält euch etwas. Halt, Ort, Wichtigkeit. In jedem Augenblick ist es möglich, von Bord zu gehen. Das Schiff nach Übersee zu nehmen. Das Glück in der Ferne zu suchen oder ein Dorf weiter oder entlang der Autobahn dort hinten an der Abfahrt links. Nichts ist betoniert, was sich nicht auflösen ließe. Niemand zwingt zu irgendetwas. Nur wir selbst.

Blicke durch das Dachfenster. Hänge ein Gedicht auf. LOVE YOU.

Chatte, surfe, fliege.

Was ist Zukunft? Was ist der Plan? Und immer der Plan B. CDEFGHIJKLMNOPQRSTUVWXYZ und dann? Hechten, laufen, planen, planen. Entlang der Wege, Koordinaten, Annahmen. Putzen, machen, tun, Zeit verlieren.

Ich habe doch die Erfahrung. Das Leben formt, gibt die Richtung, erzählt die Geschichte. Die Ziele, die Träume. Sie brauchen Ziel, damit sie wissen, wo die Reise hingeht. Bullshit. Sie brauchen ein Leben. Erst leben, dann planen. Erst fallen lassen, dann auffangen. Das Netz nicht bauen, wenn niemand in der Luft ist.

Kennt ihr Portishead? Habe mir gerade drei CDs bestellt. Sind gestern angekommen. Zwei Songs. Natürlich auf Facebook entdeckt. Over. Glory Box.

Glaubenssätze auflösen. Katharsis. Reinigen. Gewicht abwerfen. Konsequent sein.

These 2: Alles ist.

Jetzt. Hier. Möglich. Der Blick ist es, der die Hand führt. Entfesseln. Das Fernglas weglegen. Die Lupe. Hinsetzen. Geschehen, geschehen lassen. Es geschieht so viel. Der Mann, der an der Bushaltestelle sitzt und jeden Bus passieren lässt. Kein Ziel, kein Wunsch, kein Traum. Angekommen. Sitzt dort, lebt. Was geschieht, egal. Das Gespräch mit der alten Frau. Er sieht den Kuss des jungen Paares. Ein Kind fällt. Eine Zigarette wird weggeschnipst. Bilder, Leben, Fülle. Reichtum ohne zutun. Worauf hinarbeiten? Was noch, noch, noch erreichen wollen? Den höheren Berg? Den noch besseren Menschen?

Auf den Kopf stellen, die Perspektive wechseln. Rausgehen und schreien. Rausgehen und stumm betrachten. Rausgehen. Schutz aufgeben. Entschützen. Öffnen. Passieren lassen. Auf dem Bett liegen. Portishead hören. Zum Fenster rausschauen.

LOVE.

YOU.

YOURSELF.

ME.

Quixquaxnuxknurz.

Oh, Mann. Sometimes. Really. At the moment. Ich müsste eigentlich mit ganz anderen Dingen beschäftigt sein, als mir mal gerade die Welt um die Ohren fliegen zu lassen. Es ist kein Speedtrain, es ist ein Starfighter, in dem ich unterwegs bin. Könnt ihr mir bitte mal eine runterhauen und sagen, dass ich jetzt bremse und wieder in irgendeiner Form normal werde?

Die letzten Wochen waren die schnellsten, komprimiertesten, irrwitzigsten meines Lebens. Ich war in Gedanken und auch körperlich nur unterwegs. Habe kaum geschlafen, gegessen. Kann schon kaum mehr auf die Waage schauen. Jetzt muss ich bremsen. Mal nichts machen. Es war so viel. Ich war an so vielen Orten mit so vielen Menschen und habe so viel geredet. Geredet, geredet, geredet. Was natürlich sehr gut war.

Übergänge. Männer können keine Übergänge. „Ein wichtiges Thema war: Männer können keine Übergänge. Die fallen in ein Loch, die Energie trudelt ins Nichts, die Stimmung sinkt.“ Habe ich geschrieben in Die alte, alte, schöne, schöne Liebe. Da stehen so einige Sachen drin. Herrje. Wie schrieb Polly: Blauäugig. Ja, ich habe zwei große blaue Augen:) Da rettet mich nur der alte Spruch „Was interessiert mich mein blödes Geschwätz von gestern.“ Cut. Neu. Das ist es, was gerade passiert. Wenn ich überlege, was alles hier im Blog steht, was ich alles in der Vergangenheit geschrieben habe, möchte ich einmal komplett löschen. Serverattack. Eraser. Blogkiller.

Der Übergang. Zwischen schwarz und weiß liegen die Farben. Smartiewelt. Alles so schön bunt hier, kann mich gar nicht entscheiden. Doch, in einem Punkt schon. Aber über den schreibe ich hier nicht. Zu schnell, zu viel, zu besonders. Schatzkiste. Ende der Offenheit. Privat. Tür zu.

Das war jetzt wahrscheinlich der verworrenste, durcheinanderste Blogbeitrag im fiftyfiftyblog überhaupt. Mir steckt dieses Wochenende in den Knochen. Wie viele Highlights verträgt ein Mensch in 72 Stunden? Hangover 3. Wie schnell darf sich ein Leben verändern? Wie schön kann, darf Leben nach einer Trennnung sein? Wieso dürfen sich Dinge jetzt so gut anfühlen? Mir fehlen die Worte, die Antworten. Tatsächlich ist mein Kopf aktuell sprachlos. An anderer Stelle habe ich sehr kürzlich geschrieben: „…bringt in meinem Kopf Sachen durcheinander. Da passen die Kartons in den Regalen nicht mehr. Alles war so schön eingeräumt. Alles an seinem Platz und plötzlich muss ich umräumen, wegwerfen…“ Mich trifft diese Zeit vollkommen unvorbereitet. Ich dachte, „den Tiger zu reiten“ würde bedeuten, zu trauern, Schwierigkeiten zu überwinden. Und jetzt das. Einmal auflösen, wegbeamen, Teile des Körpers verlieren, der Identität und anfangen neu zusammenzusetzen. Keine Ahnung, was geschieht, was dabei rauskommt. „Ich bin dabei, du bist dabei, wir sind dabei uns zu verliern.“

1986. Es ist lange her. Aber ein Gefühl ist abrufbar. Die Kassette ins Autoradio. Dreieck gedrückt. Start.