Des Bloggers neue Schuhe.

„Haha, wir wollen Fotos sehen! ;)“ Vorgestern hatte ich im Überschwang zweier persönlicher Veränderungen unvorsichtig auf Twitter gepostet: Neue Schuhe, neue Frisur. Daraufhin kam Utas Aufforderung, Fotos zu liefern. Here we go:

Das war doch gemeint, oder? :) Es heißt doch immer, dass sich Frauen so sehr für Schuhe interessieren. Ich erinnere mich an Imelda Marcos, die Frau des philippinischen Ex-Diktators, die es nach Wikipedia auf 1.060 Paare gebracht hat, die sie heute zum Teil in einem eigenen Schuhmuseum ausstellt. Ts.

Da Schuhe für das persöbnliche Auftreten bekanntlich eine wichtige Rolle spielen, habe ich letzte Woche investiert. Ich war mit Zoe unterwegs, die neue Herbst- und Winterschuhe brauchte und bin mit ihr auf dem Rückweg vom Kieferorthopäden in einem Schuhladen gelandet. Wir beiden haben dann ihre Füße vermessen und sind durch die Reihen geschlendert. Sie hat ihren ganz eigenen Schuhgeschmack und mit Hinweisen oder gar Empfehlungen muss ich da sehr zurückhaltend sein. Wir wurden fündig! Und weil wir gerade in diesem Laden waren, habe ich auch nach Schuhen für mich geschaut, weil ich nächste Woche ein Briefing in Bonn bei einer großen staatlichen Organisation habe. Ela und ich konnten uns gegen andere Agenturen durchsetzen. Nun muss ich dort natürlich vernünftig auflaufen. Neue Schuhe geben da ein gutes Gefühl und stärken das Standing:)

Es sind übrigens Schuhe der Marke FRETZ aus der business men Linie. Aus der Schweiz. Mit Ledersohle. Sehr schlicht und schlank geschnitten. Komplett aus Leder – auch die Sohle. Ich mag einfach pure Naturprodukte. Wolle, Baumwolle, Leder.

Zufallstreffen mit Paul.

Manchmal. Also wirklich. Da kulminieren die Dinge. Es sind Augenblicke, die so dicht sind. Ich werde alt (nicht wirklich), die Erinnerung, die Vergangenheit rückt gerade nach vorne. Die Gedichte, die Flashs. Gestern Abend war ich in Köln. Wally Bockmayer und Rolf Bührmann hatten mich zur Premiere ihres neuen Stücks „Trude zum Dessert“ ins Scala-Theater eingeladen. Ich war früher, 1994, Wallys Regieassistent und Wally war der Regieassistent von Rainer Werner Fassbinder. Heute macht Wally kölsches Trashtheater. Einfach sehr besonders, weil so vollkommen anders und hemmungslos. Mit einer tollen, tollen Gigi Herr.

Ich fuhr also nach Kölle, über die Zoobrücke den Dom im Blick, fuhr ins Parkhaus und eilte ins Scala-Theater am Ring. Die Fußgängerampel war grün, ich ging, mal wieder in Gedanken, als mein Innerstes Auraalarm gab. Bekanntes Wesen in der Nähe. Silhouette aus Augenwinkeln gescannt und erkannt. Meldung: Bekannte Person. Letztes Treffen vor ca. 15 Jahren. Erfüllt alle Spezifika von Paul, obwohl die Kleidung nicht stimmt. Ich sah ihn an. Haare voller Farbe, Kapuzensweater voller Farbe, alte Jeans, Turnschuhe. Ne, kann nicht sein. Den Paul, den ich kenne, der ist Opernregisseur, ist stets elegant gekleidet, trägt gebügelte Hemden, teure Schuhe. Trotzdem: Er ist es, kein Zweifel.

Bleibe stehen, gehe auf ihn zu, umarme ihn, der alten Zeiten und der großen Freude wegen. Er lässt es geschehen und sagt plötzlich: Jens! Ja, Paul. Ich. Jens. 1992 war ich sein Regieassistent bei den Händel-Festspielen in der Nähe von Halle. Genauer gesagt in Bad Lauchstädt im wunderbaren Goethetheater. Später zeigten wir Alcina in Potsdam im Schloss Sanssouci. Wir inszenierten also Alcina mit Sängern und Sängerinnen, die richtig gut und richtig teuer waren. International besetzt. Dazu ein Orchester und eine Balletttruppe. Zu meinem Job gehörte es unter anderem, den Probenplan mit internationalen Auftritten zu koordinieren. Sechs Wochen Non-Stopp-Arbeit. Großes Kino. Dramatischer Verlauf! Absetzung des Regisseurs, Einsetzung des Regisseurs, Geldknappheit, Landesbürgschaften und sensible Sänger und Sängerinnen, die so gar nicht mit dem ostdeutschen Charme ihrer Privatunterkünfte zurecht kamen. In meiner Unterkunft, ein altes Jugendzimmer unter dem Dach, durfte ich morgens immer mit dem Wellensittich der Familie frühstücken, der mich aus seinem Käfig irgendwie immer komisch beäugte. Ich glaube, der war bei der Stasi. Ein Wellensittich mit Augen, als würde einen eine Kuh angucken.

In dieser Inszenierung also begegnete ich Paul. Ein sehr feiner Mensch mit einem solch großen Gespür für Musik. Nach 20 Jahren Oper hat er nun das Metier gewechselt und eröffnet ein südafrikanisches Restaurant. Deshalb die Farbe, die Klamotten. Paul ist in Kapstadt geboren. Liegt also nah, dass er ein südafrikanisches Restaurant eröffnet. Wird bestimmt gut, weil er ein Händchen für leckeres Essen hat. Ela und ich durften mal kosten, er hatte uns zu sich eingeladen. Damals. Dann bin ich Familienvater geworden und er hat überall in der Welt inszeniert. Und nun begegnen wir uns auf der Straße. Schön. Er hat mich eingeladen, vorbeizukommen. Werde ich machen. Einen Wein trinken, über Alcina und die guten alten Zeiten reden.

Auszeit eines Alleinerziehenden!

Temporär, partiell Alleinerziehenden. Ist das eine Arbeit! Neben der Arbeit. Holla. Die ganze Woche schon wirke, wedle und feudel ich. Fahr die Kinder, hol die Kinder, nehme Termine wahr, wecke, mache Frühstück, schmier Brote, koche, putze, wasche, organisiere… I know: Die meisten von euch kennen das. Nun, ich kenne das ja auch. Aber eben im fiftyfifty-Modus. Vier Beine, Augen, Arme und zwei Gehirne, die an alles denken und das Schiff schaukeln.

Klage ich gerade? Nein, nein. Es ist eine schöne Woche. Tatsächlich habe ich die Kinder für mich allein, was deutlich mehr Nähe bedeutet, da ich ja jetzt alleiniger Ansprechpartner bin. Die beiden erzählen den ganzen Tag. Wo normalerweise sonst noch Elas Ohren sind, da sind jetzt nur meine elterlichen Ohren, in die all das, was im neuen Schuljahr so geschieht und passiert, einläuft. Mein Gehirn arbeitet in allen Bereichen auf Hochtouren. Ich kann Multitasking!!! Wahrscheinlich mit einer dreifach Portion Adrenalin im Blut, aber es klappt.

Gestern Abend hat Zoe bei ihrer Freundin geschlafen, also hatten Jim und ich Jungsabend. Wir haben uns einen Film im hiesigen Billig-Drogeriemarkt besorgt, Sweets zum Naschen, haben im großen Klassenzimmer unserer Alten Schule den Beamer aufgebaut – Jim hat zusätzlich für den perfekten Sound vier Boxen dran gebastelt – und einen vergnüglichen Heimkinoabend verbracht. Vorher mussten wir allerdings die Wäsche vom Speicher holen und falten. Nach der Hälfte entwickelte Jim eine akute Wäscheallergie und kümmerte sich mal lieber um das technische Cienema-Equipment… Diese Wäscheallergie hat er scheinbar von mir geerbt – nur ich musste da durch. Diese fuckeligen kleinen Socken und diese vertrackten Spannbetttücher, die man 100 Mal legen, drücken, falten, glattziehen kann und die sehen immernoch aus, als hätte man die zusammengeknuddelt. Hey, ich habe da einen Ruf zu verlieren! Was wird Ela sagen, wenn da so Wäschebeulen im Schrank liegen. Ich habe ein wenig getrickst und die Kanten über das Geknuddel gezogen. Geht jetzt optisch so einigermaßen:)

Heute Morgen dann haben der Herr Cooper – mein schwarzer, labradoriger Hundefreund – und ich eine alleinerziehenden Auszeit genommen. Bude aufgeräumt und raus in die Natur. Kopf frei kriegen, in die Weite schauen. Das war schön. Kleine Blümchen, dieses nette Biotop mit den schönen grünen Farben. Oben, den Berg rauf. Da bin ich dann ganz, ganz allein mit Coopi. Landleben. Wie ihr oben gesehen habt, habe ich dabei auch an euch gedacht und ein paar Fotos geschossen.

Ferien im Reichshof!

Der Reichshof – eine der größten Flächengemeinden der alten Bundesländer. Auf 114 Quadratkilometern leben rund 20.000 Menschen – zum Vergleich: auf den 405 Quadratkilometern der Stadt Köln leben 1.000.000 Million Menschen. Über 90 % der Gemeindefläche sind Wald und Wiesen. Mittendrin liegt die Wiehltalsperre mit seiner idyllischen Insel, die aus dem Krombacher-Werbespot bekannt ist. Entstanden ist der Reichshof im Jahr 1167 als eine Schenkung Karls des Großen. Auf der Gemeindeseite im Internet findet sich unter Geschichte folgender Text:

„Die älteste Urkunde von Eckenhagen ist vom 1. August 1167. Es handelt sich um eine Schenkungsurkunde des Kaisers Friedrich I. (Barbarossa) an den Erzbischof Rainald von Dassel zu Köln. Die Schenkung an Köln wurde am 12. Juli 1198 und am 12. Januar 1205 von den Nachfolgekönigen Otto IV. und Philipp erneut bestätigt. Die Reichs-, früher auch Königshöfe genannt, sind hauptsächlich eine Schöpfung Karls des Großen.“

Am Rande dieser grünen Gemeinde liegt das kleine Dorf Nosbach, in dem ich lebe. Seit geraumer Zeit versucht man, unsere Gemeinde zu einem Touristikziel auszubauen. Als Teil der Naturarena Bergisches wachsen hier plötzlich Infotafeln aus dem Boden. Aus Waldwegen werden Wanderwege, aus dem alten Schulweg ins Nachbardorf Wildberg wird ein Natursteig und aus der alten Eiche, die am Einstieg des Natursteigs steht, wird ein Zauberbaum. Gemerkt haben das die Touristen bislang nicht. Ich bin da mit Cooper meist immer noch ziemlich alleine. Wahrscheinlich liegen wir zu weit draußen – zu weit weg von Köln. Und vielleicht würden sich die Menschen aus Köln hier auf den Wegen auch einsam fühlen.

Mir führen diese Veränderungen längs der Wege vor Augen, dass ich inmitten einer Ferienregion wohne. Also ist jeder Spaziergang ein Stück Urlaub. So sehe ich das gerne und das Spazierengehen mit Cooper macht doppelt so viel Spaß. Vor allem, wenn wir wie heute einen Steinpilz und einen Beutel Pfifferlinge mit nach Hause bringen. Die kommen gleich in die Pfanne. Wer mal bei uns im Reichshof Urlaub machen möchte, findet hier Infos zum „Ferienland Reichshof“ und kann hier ein Ferienhaus buchen.

Weitere Infos zur Gemeinde Reichshof unter Wikipedia.

Lampedusa, Levanto, Liebe, Le Havre

Liebe wie ein großer Stern
im Zauberstaub des Schweifs verwandelt
in der Berührung
eines Augenblicks

Spielend in den Wellen
das kleine, kleine Mädchen
an der Hand
des Vaters

Wie ein Gemälde
Géricault
Lampedusa
Medusa

Angespült im weißen Schaum
der Brandung
der starke schwarze Rücken
die teure Badehose
in himmelblau
orange
und Rüschen
an ihrem Badeanzug
Der Glitzer des Abends
Sonne auf der Haut
diese Wärme im Körper

Angekommen

Weit draußen auf dem Meer
die Flöße
mit voller Mannschaft
dicht besetzt
die Hoffnung
als Segel gespannt
im Durst nach Freiheit
Menschlichkeit
nach Aki

september 2011