Wie ihr merkt, schreibe ich momentan nicht über die weite, weite Welt. Fukushima, Libyen lasse ich im Blog links liegen. Dieser Frühling ist einfach zu schön, um ihn unbemerkt im Rauschen der Zeit vorbeiziehen zu lassen.
Die letzten Tage waren recht unruhig. Deshalb ist mein lieber Hund Cooper etwas zu kurz gekommen. Gestern Abend zum Beispiel konnten wir ihn nicht mit ins Theater nehmen. Heute Morgen lag er dann ein wenig frustriert im Körbchen, weil auch der Morgenspaziergang gestern wegen Besuchs reichlich kurz ausgefallen war. Er war wirklich zu bedauern, wie er da vollkommen eingerollt, eingeschneckt lag. Die Schnauze tief im Körper vergraben, nur zwei traurige Augen schauten aus dem wuscheligen Frühjahrsfell. Ela und ich haben ihm gemeinsam eine extra Portion Streicheleinheiten zukommen lassen. Aber nix. Kein Schwanzwedeln, kein Leuchten in den Augen. Deshalb hab ich ihn mir geschnappt. „Coopi, raus in den Wald.“ Da ging es ihm schon besser. Wir sind mit dem Auto rauf gefahren, weil die Sonne gerade aufgegangen war. Dann ist es auf der Höhe so schön. Am dicken Stein.
Dort zog es uns in die Kyrillfläche. Ein mehrere Hektar großes Gebiet, wo Kyrill außer vereinzelten Birken alles umgeworfen hat. Nun wachsen da Brombeeren, Vogelbeeren, jede Menge kleine Birken. Ein Urwald. Cooper und ich haben uns einen Wildpfad gesucht. Rehe sind irgendwie auch Menschen. Die laufen gerne immer die gleichen Wege und trampeln kleine Pfade in das Unterholz. Die führen, wenn man sie erkennt, einigermaßen bequem durch das Gewuchere.
Mittendrin wurde es, je tiefer wir da hineinkamen, immer verwunschener. Denn dank Kyrill stehen überall Baumstümpfe oder es ragen die ausgerissenen Wurzeln der riesigen Fichten hoch in die Luft. Es kam mir fast märchenhaft vor. In dieses Gestrüpp verirren sich sonst wohl nur Wildschweine und Jäger, aber keine Spaziergänger. Mir war, als wäre ich in das Reich der Feen, Elfen, Nixen, Fluß- und Quellengeister, Alben, Kobolde und Zwerge vorgedrungen. Und plötzlich dachte ich: Vielleicht sind das gar keine Wildpfade. Ui. Tatsächlich führten die kleinen Wege immer wieder zu Lichtungen, kleine grüne Inseln mit Grasbewuchs. Wunderbare Picknickstellen mittendrin. Da liegen sie wahrscheinlich, die Zwergen und Feen, wenn die Sonne untergehen will und die Nacht Einzug hält.
Viel gab es zu entdecken und tatsächlich glaubte ich fast, ich müsste nur irgendwo einen Grasbüschel anheben, um auf kleine Bettchen, Tischchen und Tellerchen zu schauen. Fast. Ich habe euch einige Fotos von unserem Ausflug mitgebracht, die diese besondere Stimmung aber leider nicht wiedergeben können. Vielleicht war die auch nur in meinem Kopf. Verrückter Kerl. Auf jeden Fall: Ich mag solche Orte. Und ich mag es, dort umherzustreifen und die Dinge mit anderen Augen zu sehen. Die ausgeblichenen Äste der gefällten Fichten werden zu Rippen von Walskeletten, Baumstümpfe zu Elefantenfüßen, Grasbüschel zu Karibikinseln… Macht so einfach mehr Spaß, die Welt zu sehen. Und es ist aufregender. Auch für Cooper, der jetzt wieder glücklich ist und lächelnd in seinem Korb pennt. Alter Halunke.
Euch wünsche ich auch einen aufregenden Tag. Positiv aufregend. Ciao.



