Die Lufthansa hat ihn zum Markenzeichen erkoren. An den großen Maschinen prangt er, der Kranich. Ein wunderbarer Vogel, den ich gerade im Herbst beneide, wenn er einfach seine Sachen packt und verschwindet. In den Süden. Zeohzweifreier Flug. Am Samstag stand ich mit meinem lieben Nachbarn dem Herrn Alex vor der Tür der alten Schule. Wir waren aus dem Wald gekommen, wo wir den ganzen Tag gesägt und verladen hatten. Holz für den Winter in zwei Jahren. So lange muss das Zeugs trocknen, um ein guter Brennstoff zu werden.
Nun stand ich da mit dem lieben Herrn Alex. Beide verschwitzt, verdreckt, mit einem schönen Tag im Rücken. Morgens war es eisekalt und wir sahen von dem Hügel, auf dem wir arbeiteten, die Sonne aufsteigen. Himmlisch. Nun am Abend hörten wir plötzlich das Geräusch. Die Kraniche waren im Anflug. Ich habe recherchiert und diese Karte auf Wikipedia gefunden. Die Kraniche kommen aus Spanien zurück und fliegen nach Nord-Osten. Für mich hier vor Ort kommen sie aus Richtung Bonn und fliegen in Richtung Berlin.
Der Grus grus, so der lateinische Name, ist in der griechischen Mythologie und in Japan der Vogel des Glücks. Wahrlich, das ist er. Wenn ich die Bande da oben sehe, denke ich zwar an die viele Arbeit, die dieses dauernde Flügelschlagen bereitet, aber noch mehr denke ich an das Gefühl, wie es ist, über den Dingen zu schweben. Erhabenheit. Die allerdings durch reichlich Geschnatter durchbrochen wird. Da oben scheint eine ständige Diskussion zu herrschen. „Darf ich jetzt mal bitte schön vorne fliegen?“ „Seid ihr sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind?“ „Pass doch mal auf, du fliegst mir dauernd gegen die Füße!“ „Oh, jetzt haben wir uns verschnattert. Die anderen sind schon ziemlich weit weg. Lass uns mal Gas geben!“ Und dann gibt es die Situationen, wo es mental schwierig wird. Aufkommende Gruppendynamik. „Können wir nicht mal ’ne kleine Pause machen?“
Plötzlich entsteht Chaos. Einer bremst, ein anderer fliegt auf, andere weichen aus, alles dreht sich im Kreis. Es wird richtig laut. Konfusion. „Was ist denn los?“ „Äh, haalloooo?“ Das habe ich einmal genau über unserem Haus erlebt. Ich saß am Tisch und hörte das Geschnatter bei geschlossenen Fenstern. Genau über der alten Schule gab es Zoff und Zank und Durcheinander. Kraniche in alle Richtungen. Das dauerte zehn Minuten, bis die alles wieder auf die Reihe bekommen haben. Und dann sind sie in einer wunderschönen Eins entschwebt. Ist ja auch ein tolles Zeichen, am Himmel eine Eins zu sein. Eins sein im Flug.
Leider kann ich euch keine Nahaufnahmen bieten, weil ich kein Megazoom an der Kamera habe. Deshalb nur die Himmelsformationen des Überflugs von Samstag. Möchtet ihr mehr über die Spanienurlauber wissen, hier der Link zu Wikipedia Kraniche.
Euch einen Tag, an dem ihr ruhig mal erhaben entschweben könnt. Der Frühling kommt, erzählen die Kraniche. Und glaubt mir, die wissens. Sonst wären die ja nicht unterwegs, oder?











