Kuschelig kuschelnde Kuschelstunden

Nun habe ich euch hier die letzten Tage ordentlich frösteln lassen mit kalten Landschaften, Gerede über Hochs aus Sibirien und einem Video, bei dem es einem eiskalt wird. Um euch wieder ein wenig aufzuwärmen und die schönen Seiten des Winters und dieser Frostperiode in Erinnerung zu rufen, hier nun ein Sonntagsnachmittagsvideo. Bitte entschuldigt die nicht optimale Tonqualität. Ich habe hier mit dem internen Mikro der Kamera gearbeitet – ich spare noch auf das externe Mikro:)

Am Samstag telefonierte ich lange mit einer Freundin, die mir ein wenig von Winterblues erzählte. Richtig, dachte ich, habe ich manchmal auch. Nur gerade diesen Winter nicht, weil ich ihn schlichtweg vergessen habe. Es war zu viel los bisher und jetzt habe ich auch keine Lust mehr, in das Thema einzusteigen. Ist doch wesentlich schöner, es sich gemütlich zu machen. Feuer im Ofen, ordentlich einheizen, schöne Musik hören (live eingespielt), Kaffee, Kuchen – weil wir Besuch hatten gab es einen Marmorkuchen und Käsekuchen. Da lag Verwöhnaroma in der Luft.

Die Frage ist doch immer: Hast du’s schön? Lautet die Antwort „Nein“, bleibt nur die Aufforderung: Dann mach es dir schön. Winterblues raus, kuschelige Gemütlichkeit rein. Warum nicht? Es dauert nicht mehr so waaaahnsinnig lange, dann ist da der Frühling und so ganz allmählich klingen die Winterkuscheltage aus. Können wir jetzt noch mitnehmen – gerade jetzt. Wann gibt es da eine bessere Gelegenheit als bei dieser Kälte? Ich wünsch euch schöne Winterstunden und Spaß mit dem Video. Dass es so kurz ist, hängt mit dem familieninternen Timing zusammen. Gerade, als ich die Aufnahme gestartet hatte, kam der Besuch. Jim hat dann übernommen und so blieben nur 40 Sekunden, bevor es in der Wohnung laut wurde. Aber es wären auch eh zu viele Daten gewesen, das Hochladen auf Youtube dauert dann ewig. Wenn es euch gefällt, könnt ihr es euch ja zweimal ansehen.

Road to heaven…

Sonntangsmorgenspaziergang mit Ela und Cooper. Mal wieder sch…kalt. Aber so schöne Sonne. Und Farben. Alles pastellig wie in einem fünfzigerjahre Roadmovie.

Der Frost hat alle Wiesen in ein Trundrabeige gehüllt. Komme mir hier vor, als würde ich über die kargen Steppen Asiens laufen. Als verklärter, romantisierender Buddhist habe ich selbstverständlich die schöne Vorstellung, es wären die Bergwiesen Tibets und gleich würde ein Stupa mit Gebetsfahnen am Horizont auftauchen. Im Mai werden diese Wiesen wieder leuchten – grün vom satten Gras, gelb vom fetten Löwenzahn.

Cool, cold water – fresh up:)

So. Da las ich doch kürzlich was in meinem Blog von wegen „Weichei“. Ich hatte wegen der Kälte ein wenig gejammert. Sibirien und so. Da konnte ich Anspielungen in Richtung „echter Kerl“ und „seinen Mann stehen“ rauslesen. Is ja richtig. Dieses Rumgejammere bringt ja Null Komma nix. Nun muss ich aber doch dazu erwähnen, dass ich ja bei allem Minustemperaturen-Gezetere doch jeden Tag in der Frühe draußen bin.

Also so richtig in der kalten Luft bevor die Sonne aufgegangen ist, was sie hier gerade wunderschön macht, um mich am Schreibtisch von Ost, leicht Süd-Ost, aufzuwärmen. Sehr freundlich, auch, wenn ich das natürlich nicht brauche, weil ich selbstverständlich eisenhart bin. Heizung? Ach was. Warmes Wasser? Das da oben in dem Film ist meine morgendliche Dusche. Das könnt ihr einem waschechten Werbetexter ruhig mal glauben:) Mr. Davidoff. Ich habe euch den Werbespot rausgesucht – richtig aus dem wahren Leben.

Mein Eisbach-Video (Premiere im Blog anlässlich der Bienale!) habe ich als Wachwerd- und Cooldown-Video für die Multiverwendung aufwendig und unter größten Gefahren inklusive Abseilen und in der Felswand festnageln gedreht. Is ja klar. Die Sicherungsleine hatte ich an das Gipfelkreuz geknotet und Herr Cooper assistierte mit einer Thermoskanne heißem Tee am eigenen Seil. Sah schon komisch aus, wie der da so mit Gurt und Helm hing. Jetzt wo die Sonne aufgeht, wäre das Eisbach-Video natürlich noch schöner geworden, aber bitte, ich kraxel da jetzt nicht wieder rauf, wo ich gerade so schön hier sitze (bei offenem Fenster und einem kühlen Glas Quellwasser on the rocks).

Menno. Dieses Video in HD-Quality hoch zu laden dauert eine Ewigkeit. 130 MB, die dann von Youtube runtergerechnet werden – und das alles mit Rechenschieber in China, weil das günstiger ist. Aber wenn es dann da ist, ich bin gespannt… Und der Sound des plätschernden Nasses. In etwa so wie ein prasselndes Kaminfeuer auf einem Großbildfernseher. Ja, ja, teilweise ist es nicht scharf. Da wollte ich zu nah ran. Avanti diletanti. Schön is ja, hier im Blog muss ich nicht ganz so professionell sein. Da kann ich mir Amateurspaß erlauben. Mach ich dann ja auch.

Als kleine Extra-Erfrischung hier unten noch das Foto zum Film. Eigentlich hätte ich noch ein Make-off drehen sollen. Diese Möglichkeiten heutzutage, Wahnsinn.

Um dem heutigen Frostthema einen wärmenden Abschluss zu geben, hier Damien Rice und Lisa Hannigan mit Cold Water im Kerzenschein – „Cold water surrounds me now…“

Da isser wieder…

Hallo ihr Lieben. Da war der Blog verwaist. Keine News, keine neuen Beiträge, keine Antworten auf Kommentare. Von der Bildfläche verschwunden. Weshalb? Tja. Das ist nicht ganz so einfach zu beschreiben. Es gibt Dinge, die sind größer als wir. Letzte Woche Mittwoch war ich ganz normal in meinem Leben unterwegs. Ich hatte gearbeitet, meinen Part an Familienjobs übernommen, war am Abend beim Training, kam zurück, ging kurz ins Büro, um Mails zu checken und den Rechner auszuschalten. Alles ganz normal. Schöner, ruhiger, geregelter Alltag.

Da klingelte mein Handy. Im Display erschien der Name meines Bruders, ich klappte es auf. Dachte, es würde um seinen neuen Job gehen, um das Organisieren von irgendetwas. Es war kurz vor 22 Uhr. Aus dem Telefonhörer liefen Tränen über meine Haut. Seine Stimme zitterte. Kurz zuvor war unser Papa gestorben. Nach einer Pause, nach einem Sammeln des nötigen Atems die Nachricht. „Jens, der Papa ist gerade gestorben.“

Man kann sich auf alles vorbereiten, man kann Situationen simulieren, versuchen zu antizipieren. Er ist 77 Jahre alt geworden und ich hatte gedacht, ich wäre einigermaßen vorbereitet, hätte einen Schutz, einen Umgang, eine Möglichkeit, das anzunehmen, was irgendwann unaufhaltsam ist. Denkste. Der Boden weg, irgendwie funktioniert die Stimme, sagt was. Die Ratio versucht zu ordnen, zu überlegen, zu trösten, zu handeln. Mein Bruder hat mir erzählt, was geschehen war. Herzinfarkt in einem Restaurant. Spät kommende Notärzte, Sanitäter, die um sein Leben gekämpft haben. Das ganze Programm. Emergency Room.

Ich gehe zu Ela, sag es ihr, sie umarmt mich. Es bleibt nur, Boden zu finden. Halt. Reagieren, handeln. Ich setze mich ins Auto, fahre los, komme an. Drei Brüder und eine Mutter. Wir sitzen die Nacht über da, reden und reden. Sortieren, erinnern. Am nächsten Morgen schon der Termin beim Bestatter. Sarg wählen, Anzeige texten, Karten gestalten. Zum Gärtner, Kränze aussuchen, Schleifentexte schreiben. Wer hätte das gedacht, dass sich mein Beruf mal so nutzen lässt. Die Träger organisieren, den Beerdigungstermin mit dem Pfarrer absprechen, die Blaskapelle fragen, ob sie für meinen Papa ein letztes Mal spielt. Mit den Nachbarn sprechen, die den Sarg tragen werden.

Zwischendurch kommen immer wieder die Tränen, wenn das Jetzt auf die Erinnerung trifft. Es ist härter, als ich gedacht hätte. Andererseits ordnen sich Dinge. Ich kann meinen Vater ausschließlich positiv sehen, kann ihm für alles danken, was er getan hat. Ich bin sehr froh, dass es den Abend mit der Flasche Rotwein gegeben hat, über den ich hier mal berichtet habe. Châteauneuf du Pape mit Papa. November 2010. Eine Art Aussprache. Im Reinen. Da bin ich froh.

Am Montag wurde er beerdigt bei eisigen Temperaturen. Die Kirche war voll, der Pfarrer hat viel über sein Leben erzählt, die Blaskapelle hat für ihn gespielt, die Verwandten aus Westfalen waren da. Ein guter, tröstlicher Übergang. Nun bin ich wieder hier, arbeite seit Dienstag, komme in den Trott, den Schritt, den Klang des Alltags. Er fehlt mir. Ist täglich da. Tröstlich für mich: Als Buddhist glaube ich an Wiedergeburt. Von einem Lama habe ich die Übertragung eines alten tibetischen Rituals für bewusstes Sterben. Es hilft, den Übergang positiv zu beinflussen und dem Geist, den wir meist Seele nennen, zu unterstützen. Damit kann ich etwas tun. Für mich. Für ihn. Ordnen, im Unfassbaren Sinn suchen. Ich weiß ihn nun an einem guten Ort und freue mich für ihn, dass er seinen Weg gehen kann. Leicht, frei, ohne die Gehbehinderung, die ihn 36 Jahre lang gebremst hat.

Verzeiht, dass ich hier ein so schweres Thema poste. Nur ist es eben so, dass auch der Tod zum Leben gehört. Und auch im fiftyfiftyblog wird gestorben. Wer hätte das gedacht.

P.S. – Ich danke der evangelischen Kirche, die ich von ihrer besten Seite kennenlernen durfte. Mit meinen Brüdern und meiner Mutter war ich am Sonntag im Gottesdienst und am Montag im Beerdigungs-Gottesdienst. Es haben zwei Pfarrer gepredigt, die von ihrer Aufgabe beseelt waren. Sonntags ging es um das Buch der Psalmen. Fast war es eine Sonntagsschule. Äußerst beeindruckend, sehr glaubwürdig, eine moderne Kirche, die etwas zu sagen hat. Eine authentische Botschaft an dem Ort, an dem ich konfimiert wurde und meinen Glauben im stupiden Auswendiglernen von Versen verloren habe. Schön zu wissen, dass es Menschen gibt, die sich fernab von Apps und hipper Modernität um das Seelenheil kümmern. Das macht Sinn.