Ausreise

Einen Planeten erschaffen
das muss doch wohl möglich sein
so einen Guten
mit allem

Die Rakete satteln
den Track starten
nach Westen
ins Gelobte

Mit Marzipan an Bord
dem Wesentlichen
im Kern

Süß und sexy

Du würdest mitfliegen
du auch
und du
leider nicht

Gott sei dank

Den Sternen
so nah

Im Taumel
des Raums
der Zeiten
schwerelos
aufgelöst
frei

Kappen
die Leinen
den Anker
verworfen

Lass nur
wird schön

mÄRZ 2017

Nebel, der Schrecken hässlicher Möblierungen und IKEAs Rettung

Nun.

Kurz noch zitieren und dann ist gut. Die WAZ.

Die Lesung ist gelaufen und ich sitze auf meinem Sofa in Mühlhausen. Mein neuer Lieblingsort. Das Sofa. Schön gemütlich mit Kissen im Rücken, Beine lang. Juchhee. Und Deckchen. Heute habe ich das Glück, das fast alle da sind. Herr Cooper vor dem Sofa, Jim-FX an seinen Bildschirmen oben, Zoe im Schlaf vertieft. Sie hat morgen Schule. Man könnte sagen, ein normaler Abend. In etwa. Nicht ganz. Nun. Der Kerzenleuchter ist mit vier Kerzen bestückt. Das einzige Licht neben dem Bildschirm, der meine Worte aufnimmt. Die altbekannte, hungrige WordPress-Maske, die nach Blogfütterung giert. Gut, mein Tiger, so soll es.

Draußen bellt der Nachbarshund in eine gespentische Nacht. Nebel liegt in der Luft. Eben war ich im Flur, um die Haustür abzuschließen. Ich bin hier Hausmeister, Wächter, Koch, Fahrer, Papa, Wäscher, Texter, Planer, Einkäufer in einer Person. Und ich glaube, manches mehr. Irgendwie so ein Multitool. Schweizer Messer küsst Leatherman. Zwischendurch verdiene ich Geld und füttere meine Seele mit dem, was sie braucht. Verschiedenstes.

Auf dem Flur stand ich, wie gesagt, und von draußen leuchtete durch Nebel und Dunkelheit ein Licht aus dem Fenster des Nachbarhauses zur Haustür herein. Edgar Wallace, Klaus Kinski. Uahh. Ich hoffe, ihr seht auf dem Foto unten nirgendwo ein Gesicht oder einen Schatten, das oder der nicht ins Bild gehört. Raus gehen wollte ich da nicht. Stattdessen habe ich die Tür ins Schloss fallen lassen und habe den Schlüssel umgedreht. Und noch einmal. Zur Sicherheit. Auf dem Lande hängen die Seelen in Bäumen.

Scherz. Mir war ein wenig nach Grusel. Manchmal kommt aus irgendeiner Ecke eine morbide Ader zum Vorschein. Ich weiß nicht. Es ist ein Spielen. Egal.

Zurück zum Alltäglichen. Bei aller Kunst und allen Projekten gilt es dem Täglichen in die Augen zu sehen. So wie im Großen und Ganzen Geister in Form verwirrter Männer erscheinen, plagen mich Gedanken um diese kleine Kontrollleuchte meines Autos und die vom Schornsteinfeger diagnostizierten schlechten Werte meiner Heizung. Wenn die Dinge versagen, wenn die Warnleuchten angehen, wenn sich die Situationen in den gelben und den roten Bereich entwickeln. Es sind merkwürdige Zeiten, auf die ich mir keinen Reim machen kann.

Also fliehe ich ins Machbare. Für die Bettwäsche und die Handtücher brauche ich in diesem Haus eine Heimat. Ein wohliges Plätzchen, das Lenor-Duft und Weichspüler-Zartheit verströmt. Momentan liegen sie hier und dort und haben sich auf Schränke und Kommoden verteilt. Ich habe den Eindruck, sie machen, was sie wollen und narren mich. Hier ein Bettuch, dort ein Kopfkissenbezug, wo ist das Laken? IKEA. Die Schweden müssen es richten. Wie haben die deutschen Fans bei der WM 2006 vor dem Spiel gegen die Nordlichter gesungen? Ihr seid nur ein Möbellieferant. Aber Hallo. Wenn ich euch nicht hätte.

Also hier gibt es Möbelhäuser in der Nähe, die verkaufen Dinge für Möbel, die sehr merkwürdig aussehen. Letztlich sind es kunstgewerblich verzierte Spanplatten, die mit Arabesken und Accessoires versuchen, irgendetwas darzustellen. Keine Linien, keine Formen, keine Sprache. Lametta mit Leuchteffekt. Dafür mit Nullprozentfinanzierung und Jägerschnitzel-Pommes-kleiner Salat-Mittagessen für 2,95. Wenn man aus der Werbebeilage den Gutschein mitgebracht hat.

Wenn ich entscheiden müsste, würde ich lieber jetzt raus vor die Tür gehen und mich mit geschlossenen Augen unter den Baum stellen und warten, was passiert. Warten, bis mich ein zarter Geisterhauch umhüllt, der mir mit leichten Fingern eine Hand auf die Schulter und an die Kehle legt. Uahh 2. Lassen wir das. Ist schon genug Grusel in der Welt.

So sage ich euch kurz vor Mitternacht Gute Nacht und wünsche euch süße Träume und gute Gedanken. Ich weiß, woran ich jetzt denken werde. Freue ich mich drauf. Yep. Und wech.

Geliebte

Wie ich dich sehe
mit vollen Segeln

Du streckst dich
so schön

In die Haare
gelockt
Zuversicht

Wir könnten
einander

Auf Zehen
gereckt
nach Verlangen

Umgarnen in Tränen

Streicheln

Fingerspitzen
auf der Brust
lassen
in Freiheit

fEBRUAR 2017

Von Werten und Wichtigkeiten in Zeiten der Cholera

Nur die Liebe zählt.

Am Ende des Tages, wenn niemand mehr fragt und man sich im Spiegel fragen muss, was bleibt. Irgendwann kommt die Rechnung, der Tag, an dem der Strich drunter gezogen wird. Wie viel Arschloch war ich in meinem Leben? Wie viel Egoismus habe ich zugelassen? Es ist ein unschönes Spiel, das die Welt spielt. Viele Schurken auf dem Platz.

Da fragt es sich, in mir, zum Beispiel, was denn nun wirklich Wert und Wichtigkeit hat. Eine Hand voll Menschen und daneben die ganze Welt. Man muss lieben können in Zeiten der Cholera. Dann kommt es darauf an. Im Sonnenschein zu lächeln, ist Heimspiel. Am Strand unter Palmen mit Drink und Barbecue. Aber was, wenn es unruhig wird? Wenn Qualitäten gefragt sind? Dann kommen die Geister und flüstern und säuseln und verführen. Sirenen in sanften Wellen.

Es ist nicht leicht, als Mensch geboren zu werden. Eine blutige Angelegenheit. Und scheinbar ist es noch schwieriger, als Mensch zu leben. Eine noch blutigere Angelegenheit. In der Option. Das setzt zu. Einerseits. Andererseits. Nun. Mitfühlen. Nicht alle Menschen sind mit der Fähigkeit zu lieben gesegnet. Oder überhaupt mit der Möglichkeit, das Wort in der Tiefe zu verstehen und zu fühlen. Das muss schmerzhaft sein.

Heute Abend ist mir die Liebe sehr nah. Gestern Abend saß Zoe hier am Tisch. Wir haben Romme gespielt. Montagabend ist Herr Cooper nach einer Woche Abstinenz zurückgekommen. Er ist jetzt ein Scheidungshund und ich habe ihn sehr vermisst. Es ist ein trostloses Bild, wenn sein Kissen leer ist und die Wasserschale unberührt. Heute Abend habe ich ihn auf die Nase geküsst, den alten Freund und Weggefährten. Wir tragen so viele gemeinsame Wege und Bilder in uns. Könnten wir uns unterhalten, würden wir über Sonnenaufgänge, Stimmungen, das Wetter, Jahreszeiten und Geräusche im Maikäfertal sprechen. Kann man einen Hund lieben? Hm. Sehr.

Zoe habe ich heute Morgen zum Bus gebracht. So geht sie und wechselt die Unterkünfte. Irgendwann in den nächsten Tagen werde ich sie sehen. Zwischendurch Nachrichten per What’s App. Derweil höre ich Musik und lasse mich von Spotify verwöhnen. Montags die neue Liste. Als hätte ein Freund ein Tape zusammengeschnitten. Mein Lieblingssong aktuell? Vielleicht ist er auf YouTube, dann verlinke ich ihn für euch. Harlem Country Girl von Ole Dara. Mal sehen. Kurzen Augenblick, bin gleich wieder da. Ja, da ist er. Wenn ihr hören mögt, klickt hier. Vielleicht mögt ihr ihn hören, während ihr weiterlest. Passt. Schon. Yep.

Derzeit mag ich Black Music. Am liebsten die Authentische. Frühe Siebziger. Soul, Jazz, Mix aus beidem. Da ist ein Song von Gil Evans. Und andere. Spotify weiß das und liefert. Noch lieber wäre es mir, montags käme ein Bote und brächte einen Umschlag mit Tape. Meine Anlage ist dafür ausgerüstet. 1989 gekauft. 1.800,00 DM. In der Getreideernte verdient. Ein geiler Drecksjob, der mir fast die Brust zertrümmert hätte. Eine zu früh geöffnete Klappe am Ladewagen. Hat mit das T-Shirt aufgerissen. Das Brustbein entlang. Ich habe es jahrelang getragen mit dem Riss. Das T-Shirt, nicht das Brustbein:) Das war damals noch möglich, bevor das Zeitalter der neuen Ordnung und vermeintlichen Wichtigkeit der Äußerlichkeit kam. Lassen wir das. Fast. Es hat sich hoch geschaukelt und die Dinge nicht zum Besseren verändert. Es ist steifer und krawattiger geworden. Nun.

Es geht um Wert und Wichtigkeit. Jim sitzt oben an seinem Rechner. Er hat ein wunderbares Video geschaffen. Aus dem Nichts. Ohne Kamera. Am Rechner. Fantasie. Eine Insel, ein Haus, ein Leuchtturm. Auch das möchte ich euch nicht vorenthalten. Jim-Fx. Auf YouTube. Wer nicht das Making-Off, sondern das Ergebnis sehen möchte, sollte den Clip ab 3:26 starten. Natürlich selbstverständlich selbstredend empfehle ich auch seinen Blog. Schließlich müssen Blogger zusammenhalten.

Tja. Und da gibt es noch etwas. Sehr wahrscheinlich werden JIM-FX, also Max und ich, demnächst Kollegen. Es sieht so aus, als würde er bei uns in der Agentur eine Ausbildung machen. Nun sind wir eine Agentur für Familienunternehmen und da passt es, wenn der Vater wie der Sohn an gleicher Stelle wirken. Max konnte uns mit seinen Fähigkeiten in letzter Zeit als Praktikant schon zur Hand gehen. Die Chemie stimmt. Mal sehen. Es würde mich freuen, wie ihr euch sicher vorstellen könnt. Was Wert und Wichtigkeit hat. Wir würden vielleicht noch ein wenig länger unter einem Dach leben. Und auch arbeiten. Ihr wisst. Ihr kennt das. Wenn sie gehen. Oder doch noch nicht. Vielleicht. Auf Holz klopft man.

Nur die Liebe zählt in Zeiten der Cholera, in denen sie heller leuchtet und tiefer geht. So hat alles auch sein Gutes. Nicht wahr. Das Leben küssen für das Schöne und Gute.

In Essen und um Essen herum

Gar nicht so einfach. Welches Bild oben in den Header? Wie bekomme ich all die Infos in meinem Kopf, die Headline und die Bilder unter einen Hut? In den Zeiten, als ich fast täglich gebloggt habe, war das ein Leichtes. Bild hochladen und los.

Das ist mittlerweile anders. Ein wenig, weil die Selbstverständlichkeiten nicht mehr da sind. Die Dinge sind neu. Von Mühlhausen bis Trump. Das Alles nimmt den Automatismus. Transformierte Gewohnheit.

Viveka und ich waren Samstagabend in Essen aus. Mit der S-Bahn in die City und zu Fuß ins Gold. Das Gold in der Stadt. Es gibt noch das Gold am See, das hat aber nur bei schönem Wetter auf. Gerade also nicht. Kommt wieder im Sommer.

Wir haben den langen Weg gewählt vom Bahnhof durch die Innenstadt und dann zum Gold. Vorbei an der Schlittschuhbahn, der Almhütte und dem Rodelhang mittendrin. In Essen ist immer irgendetwas los. E wie Event.

Im Gold haben wir zwei Plätze auf dem Sofa am Ofen ergattert. Luxus. Neben einem älteren Paar, dass sich durch Schweigen ausgezeichnet hat. Mal kein Fernsehen, war vielleicht der falsche Abend oder Stress oder was weiß ich. Kommt vor.

Zwei Stunden oder länger haben wir dort gesessen und geredet. Wenn man sich nur am Wochenende und in den Ferien sieht, gibt es viel zu bereden. Obwohl wir jeden Abend telefonieren. Der Rekord liegt bei über 3 Stunden. Miteinander zu telefonieren ist der Versuch so zu tun, als säße man nebeneinander am Küchentisch oder auf dem Sofa und würde gleich Gute Nacht sagen und gemeinsam schlafen gehen.

Viveka sah schön aus, hat geleuchtet. Ich mag ihre Grübchen, ihren Witz, ihre Sprache, ihre Sicht. Wir haben uns über sie unterhalten und es hat mir gefallen, hinzuschauen und hinzufühlen. Plötzlich war es sehr spät und wir haben uns auf den Weg gemacht Richtung Nachtbus. Das ist so anders als auf dem Land.

Dann kamen diese beiden Einfahrten. Wie gemalt. Die goldene habe ich als Titelmotiv ausgewählt, die dunklere, einfachere für hier unten aufgehoben. Man geht durch die Stadt und trifft die Aspekte des Lebens. Von Liebe und Herz und Kitsch und Werbung bis Authentizität und Tiefe. Auf Dauer wäre mir Stadt zu anstrengend. Zu viele Impulse, Geschichten, Bilder. Vieles wirkt wie inszeniert. Es sind Bühnenbilder, die bespielt werden könnten. Wie dieser Bauzaun an der Kirche in Essen-Werden. Licht, Grenze, Rahmen. Auftritt des Protagonisten.

Heute Abend hätten wir uns eigentlich in Köln getroffen, um die Lesung zu proben. Mussten wir auf das Wochenende verschieben. Sonntag in Duisburg. Dann bleibt noch eine Woche. Ich bekomme Lampenfieber. Die Bühne. Again. Ich habe Lust, die Texte zu lesen, mit den anderen dort zu sein und das Geschriebene in einen anderen Kontext zu bringen. Raus. In die Welt, in die Stadt. Vielleicht sehen wir uns. Würde mich freuen. 5. März, 18 Uhr, Lokal Harmonie.