Abgetaucht.
Die Nacht hat mich geschluckt. Es ist Winter, die Tage gehören der Arbeit, den Menschen, die ich liebe. Die Nacht gehört mir. Die Zeit ist rar geworden in diesem neuen Konzept Leben. Ich habe mir das nicht ausgedacht. Ich denke, niemand denkt es sich aus. Es geschieht, als sei es ein geheimer Plan, eine Strategie des Über-Ichs.
Viele Gedanken habe ich mir in letzter Zeit gemacht und bin zu wenig Ergebnissen gekommen. Pegida? Keine Ahnung. Islam? Keine Ahnung. IS? Keine Ahnung. Kobane? Ich hoffe, sie sind bald frei. Charlie? Keine Ahnung. Wozu das alles? Keine Ahnung. Wo die Reise hingeht? Keine Ahnung.
Mir sind die Antworten ausgegangen. Es passiert so viel und ich lese so viel und es gibt so viele Menschen, die sich für Schwarz oder Weiß entscheiden und das mit aller Vehemenz vertreten. Dafür. Dagegen. 1. 0. Die Welt scheint einfach zu sein. Ein Multiple Choice-Test. Einfach ein Kreuz setzen, Gefällt mir drücken und alles ist klar.
Für mich ist nichts klar. Eine sehr undurchsichtige Gemengelage. Selbstverständlich sind die moralischen Pfosten in die Erde gerammt und definieren das Spielfeld. Aber wie viele Mannschaften toben da rum und mit welchem Ziel? Und wieso das alles? Und weshalb jetzt? Und wo führt das hin?
Ich brauche Zeit, die ich nicht habe. Wenn man keine Zeit hat, sind die einfachen Lösungen natürlich praktischer. Dann sagt man einfach zu irgendetwas Ja und bleibt dabei und dann muss man seine Meinung nur noch untermauern und untermauern lassen. Finden sich genug, die PROs liefern. Und diese beliebten NO-GOs.
Gerne würde ich zu all dem etwas sagen, Stellung beziehen, aber ich kann nicht. Mir kommt es so vor, als würden in den Teppich der Zeit Fehler geknüpft. Vieles ist einfach zu massiv und gleichzeitig massiv einfach. Bislang habe ich noch keinen intelligenten Kommentar zur Zeit gelesen, der tatsächlich Licht ins Dunkel bringt. Es sind unangenehm wichtige Zeiten und dieses Jahrtausend hat wirklich düster begonnen. Da sind die Türme in den Anfang gefallen und haben eine Schneise geschlagen, die sich links und rechts der Schuldzuweisungen ausbreitet.
Glasnost, erinnert ihr euch? Frieden mit Russland. Konflikte, die ausgelaufen sind. Da war mal der Nordirland-Konflikt, der das größte Problem des Kontinents war – und die Kämpfe der ETA. Kommt mir momentan vor wie Kindergarten gegenüber dem, was wir jetzt haben. Mein Kopf gibt sich Fluchttendenzen hin. Ich möchte Lachen. Ich möchte gute, unbeschwerte Zeiten erleben. Honig. Cocooning. Zurückziehen. Aber das Netz hat seine Tentakel überall. W-LAN bis ins letzte Zimmer.
Also raus auf die Straße, durch die Nacht. Dann ist es ruhig und die Lichter sind schön. Das Fotografieren ist schwierig, weil ich ein Stativ bräuchte, dass ich nicht mitschleifen will. Also ist manches verschwommen, verwackelt. Was solls, so ist die Zeit. Keine Klarheit nirgends, nur falsche Richtigs. Es wäre gut, besser zu überlegen und nicht im Affekt zu handeln. Für alle. Der Frieden ist auf eine lange Zeit verloren. Nord-Irland ist jetzt überall und was sich tun lässt, ist die Feuer weder zu entfachen, noch zu füttern. So weit, so vage. Hier die Bilder meiner Nightwalks der letzten Wochen.


































