Romeo und Julia war doch auch irgendwie Scheiße

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O-Ton. Sitze hier am Tisch und bearbeite meine Sonnenuntergang-Kitsch-Fototapeten-Motive, da kommt der Spruch über den Tisch geflogen. Sitzt. Direkt im Zentralhirn angekommen. Diese Respektlosigkeit, Ehrlichkeit in einem gewissen Alter mag ich sehr. Loslösen von Konventionen. Auflösen von gesellschaftlichem Konsens. Nicht nachbeten von Phrasen.

Es gibt so viele Gemeinplätze, Massenmeinungen, die abgenickt werden. So oft kommt es vor, dass jemand etwas sagt und ich weiß, wie die Anwesenden reagieren und was sie sagen. Erwartungserfüllung. Harmonieerhaltung. Weitertragen. So ist das. So läuft das. Gesellschaft. Definiert. Pragmatisch. Da kommt so ein Satz gut. Erst einmal nicht annehmen, einstimmen. Wider die Konvention. Frische Impulse. I like it.

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Besser leben in der Kommune 2

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Sorry. Zur Zeit kann ich euch nur Schiermonnigkoog bieten. Alle anderen Themen dieser Welt gehen an mir vorbei. Gut so. Keine Lust auf Zypern, Euro, Krise, Weltgedöns. Der Kapitalismus mit seinen Strömen von sonstwas nervt. Kohle von A nach B und in die Taschen von X nervt. War da nicht mal was von sozialer Marktwirtschaft? Nutzung der Kräfte. Teamwork. Wenn’s ums Geld geht, hört die Freundschaft auf. Europa. Freunde. Ah ja.

Die Niederländer hier haben uns sehr nett aufgenommen, auch wenn es eine Win-Win-Situation ist, in der Wohlfühlen in harter Währung bezahlt wird. Aber, muss ich sagen, nicht ganz. Gestern ging eine Scheibe zu Bruch. Jungs, Fußball, Tor, Klassiker. Und? Hat der Facilitymanager einfach repariert. Keine Versicherung, keine Haftpflicht, keine Kohle, kein Gedöns. „Ach, Jungs. Das muss so.“

Bei uns in der Eifel hieß das früher „klarer Menschenverstand“. Nur was Sinn hat, wird gemacht. All diese Geldausdenkungen haben aber leider oft nur einen egoistischen Sinn, wodurch das Wort Sinn letztlich im wahrsten Sinne des Wortes korrumpiert wird. Es macht keinen Sinn, seine Mitmenschen zu verarschen. Schlichtweg. Es macht keinen Sinn, dass es einigen auf Kosten vieler gut geht. Klappt nicht. Nehmt Familien oder Kindergeburtstage – einige haben viel, andere nicht. Da ist die Party am Ende. Kotz. Macht man nicht. Eine Sache von Anstand, Sitte, Kinderstube. Nur weil Leute eine Krawatte tragen, sind sie eben nicht gut erzogen. Hinter mancher Krawatte verstecken sich immense Mistkerle in Cerutti und Boss.

Ich schreibe das, weil ich es hier gerade anders erlebe. Es heißt, und die Geschichte lügt in diesem Punkt nicht, der Kommunismus sei tot. China. Haken dran. Turbokapitalismus in Parteibuchrot. Nord-Korea? Kuba?
Pariser Kommune? Kommune 1? Ja. Hat alles nicht geklappt. Keine Ahnung, weshalb. Gier. Egoismus. Honeckers Pornosammlung. Idioten. Sollte nicht sein.

Menschen sind einfach nicht ganz einfach und stehen sich letztlich selbst im Weg. Der demokratisch angehauchte Kapitalismus ist die Lösung? Keine Ahnung. Spaß macht das nicht. Da sind noch einige fette Bugs drin.

Nun bin ich hier gerade auf Schiermonnigkoog und darf das temporäre Zusammenleben von 16 Menschen (zwei sind heute nachgereist) erleben. Und ja, es macht Spaß. Weil es auf Basis von Menschlichkeit funktioniert. Macht Sinn. Arbeitsteilung in der Küche, im Haushalt, beim Einkaufen. Alle dabei. Früher in der WG ging das auch. Und: Es macht Spaß. So ganz falsch kann soziales Miteinander nicht sein. Gut, fängt jetzt einer an, sich mehr zu nehmen, würde es schwierig. Weil es dann keinen Spaß mehr macht. Muss man zu viele Regeln machen, also Politik, macht es auch keinen Spaß, weil es dann total unentspannt wird. So what?

Ich denke: Die Lösung ist THE ISLAND IN THE SUN. Nicht in der Karibik, sondern Zuhause. Rausnehmen, Arschlecken. System bye, bye. Einsehen, dass das Ego am allerbesten in Gemeinschaft lebt, weil es keinen Spaß macht, teuersten Rothschild-Wein allein zu kippen. Dann lieber irgendeinen Cotes du Rhone mit Freunden. Oder ein paar Bier. Ego, Dünkel ade. Sich danach sehnen, dass es allen gut geht. Freunden, Familie, Nachbarn. Nicht drüber, sondern auf Augenhöhe. Teilen. St. Martin. Kommune 2.

Nach den Parolen hier noch einige Fotos vom Tag. Viel Spaß euch.

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Mit Herrn Cooper lone at the beach

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Mit Hunden am Strand? Yes, ist so eine Sache. Mag natürlich nicht jeder Mensch, sich das alles mit felligen Vierbeinern zu teilen, die gerne mal das Bein heben und auch vor ganz großen Geschäften keinen schamhaften Rückzieher machen. Zudem gibt es viele Menschen, die einfach Angst haben. Herr Cooper zum Beispiel ist sicherlich eine der liebsten, unaggressivsten Hunde der Welt, aber das sieht man ihm nicht an. Schwarz, breit gebaut, großer Kopf, schnell. Kann man Angst vor bekommen. Und es sagen ja alle: Der macht nix.

Einmal ist er mir auf Elba davongeschwommen, um einen Hund am Strand zu begrüßen. Die Elbrioten, oder wie sie heißen, hatten mächtig Angst vor Herrn Cooper, weil es dort keine Labradore gibt. Denen ist viel zu warm dort, wie wir festgestellt haben. Herr Cooper stürmte also aus dem Wasser, die Dame glaubte ihren Hund auf den Arm retten zu müssen und ich kraulte wie Mark Spitz zurück an Land. „Entschuldigen sie. Scusi. Scusi.“ Das Doppel-P für Panik in den Augen war die Dame doch recht aufgebracht. An dem Strand waren Hunde verständlicherweise verboten, weil dort tagsüber einfach zu viele Menschen waren. Deshalb war ich kurz nach Sonnenaufgang dort – die andere Hundebesitzerin hatte ähnlich gedacht.

Nun bin ich so ein Hundebesitzer, der den Herrn Cooper reichlich ungern an die Leine nimmt. Bei uns auf dem Dorf ist das nahezu gänzlich unnötig. Nehme ich ihn dann dort an die Leine, wo es einfach nötig ist – zum Beispiel in Köln in der Fußgängerzone -, schaut er mich an, als hätte er lebenslänglich bekommen.

Deshalb bin ich sehr froh, dass der Strand hier zumindest morgens und abends Herrn Cooper und mir alleine gehört. Ich kann ihn laufen lassen, er schnüffelt seine Bahnen und lässt alles Getier (Robben, Vögel) komplett in Ruhe. Wie Zuhause auch die heimischen Rehe und Kaninchen. Als Labrador ist er ein Hund, der nach der Jagd aktiv wird. Ein Retriever, der apportieren möchte. Ihm genügen Stöcke oder Tennisbälle. Strand rauf, Strand runter. Ball mit dem Wind und er geht ab wie Schmitz Katze.

In Italien haben wir den Herrn Cooper im Sommer nicht dabei, weil es zu voll ist. Zwar gibt es Hundestrände in Levanto, aber es ist einfach nicht schön, wenn er dort hin macht oder sich, wenn er aus dem Wasser kommt, hemmungslos schüttelt. Sorry, Signora, sie wollten keine Erfrischung?

Hier auf Schiermonnigkoog ist Platz satt. Die 300.000 Besucher/innen pro Jahr verlaufen sich.
Damit kommen Menschen mit und ohne gut miteinander aus. Das macht Spaß. Wo nicht ganz so viel Platz ist, sollte man sich arrangieren und ein paar Regeln der Hunde-Nettikette am Strand beachten. Finde ich.

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Inselfotos

Ihr Lieben, ich mag nicht viel schreiben. Wen interessiert schon Urlaubsgedöns. Ist ja keine Postkarte hier. Alles ist wunderbar, macht viel Spaß und klappt bislang reibungslos. Hier ein paar Fotos von der Insel. Ciao.

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Happy Birthday.

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Heute wäre mein Papa 79 geworden. Am Wochenende fahre ich zu meiner Mutter und werde das Grab besuchen. Er fehlt mir. Oft muss ich an ihn denken, dann fallen mir Sätze von ihm ein. Ziemlich viele Sätze, die er mir vererbt hat. Seinen Todestag habe ich vorbeiziehen lassen. Das war mir zu traurig – sein Geburtstag ist das nicht.

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Noch jemand hat heute Geburtstag. Ein Sonntagskind, ein Ostersonntagskind wie ich. Am selben Tag geboren wie mein Papa – 26. März. Auch auf diesem Weg: Alles Liebe, alles Gute. Ciao.