Ein Blick auf und in die Villa Hügel/ Essen

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Ich mag Essen. Die Stadt, den Baldeneysee. Von dort schaut man auf die Villa Hügel, über die ich im letzten Jahr in der Biographie von Bertolt Beitz gelesen habe. Ich habe eine Freundin besucht, wir sind am See entlang geschlendert und wieder habe ich die Villa vom Hügel herab durch die Bäume blinzeln sehen.

Also sind wir raufgefahren, haben uns beim Wachmann an der Pforte zwei Tickets gekauft und sind vorgefahren – auf den Parkplatz. Den Weg sind schon viele Persönlichkeiten gefahren – nun also auch wir. Die Sonne schien überraschenderweise und es lag andeutungsweise ein wenig Frühling in der Luft. Schöne Bilder in einem schönen Park. Knips.

Drinnen eine Ausstellung rund um die Geschichte der Firmen Krupp und Thyssen. Es gab viel zu lesen, wozu ich keine Lust hatte. All dieses Wissen, all diese Zahlen und Stammbäume und Fotos von Familienmitgliedern. Gähn. Die Straßen auf dem Weg zur Villa waren schon mit Kruppschen Vornamen verziert. Arnoldstraße, Eckbertstraße, Klausstraße, Haraldstraße. Fehlte nur die dicke Berta. Scherz beiseite.

Mir war nicht nach Lesen und Ausstellungsobjekten. Mich haben vielmehr Details interessiert. Die vielen Kronleuchter, riesige Vorhänge, das gebogene Glasdach. All so Dinge, die im normalen Leben so nicht vorkommen und von daher besonders sind. Hier eine Auswahl der Dinge, die meine Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben.

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Propeller, heavy metal und die Perspektiven

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Man könnte es fotografisch sehen. Die Perspektive, den Blick auf die Dinge und die sekündlich aktuelle Frage: Was wollen wir sehen, worauf konzentrieren wir unseren Blick, wie wollen wir leben?

Gestern hatte ich das große Vergnügen, einen Tag in Essen zu verbringen. In der Stadt, am Baldeneysee und in der Villa Hügel und um sie herum. Dort traf ich auf Stahl. Thyssen, Krupp. Einen Propeller, eine riesige Schiffsschraube des Schiffes Europa. Vier Meter hoch vielleicht? Dort stand sie beeindruckend in der langsam versinkenden Sonne. Das Grün, der Rasen um die Villa leuchtete. Ein unerwartet sattes Grün, wie gefärbt. Ich wollte es nicht glauben, habe es aber doch getan, weil mir das lieber war. Hoffnung, die ja bekanntlich grün ist. Manchmal hinter den Ohren, wenn sie noch nicht reif ist und geerntet werden kann wie pralle, süße Kirschen. Ein wenig sprachlicher Kitsch und Puderzucker am Sonntagnachmittag (zuerst habe ich Zuderpucker geschrieben, auch kein schlechtes Wort).

Dort stand ich und knipste. Packte die vier Propellerflügel in ihren harmonischen Ausmaßen von vier x vier Metern in die 16 Millionen Pixel meiner Kamera und verbannte sie in die Tiefen der Speicherkarte. Dort drängeln sich die Bilder, reihen sich auf, stellen sich an, gehen in Vergessenheit, bekommen lebenslänglich für nichts.

Auf dem Display sah ich die formatfüllenden Aufnahmen. Ich sah, was ich sah. Digitalisierte Vollflächigkeit. Einen großen Propeller, diese riesige Schiffsschraube, die nun so klein war. Unbefriedigend. Setzen, sechs. Kacke. Was tun? Innehalten, schauen. Wie die Dinge sind. Das Einfache, der platte Blick verrät nichts, löst nichts, führt nicht weiter. Man könnte immer wieder nur sagen: Wie groß, wie beeindruckend, wie stählern, wie kraftvoll. Eine Litanei. Ah. Dumm.

Als ich Trash Treasure in ihrem Atelier interviewte, erzählte sie mir von einem Prozess in einer Schaffensphase, in der es um Staub ging. Sie war in das Thema so weit eingestiegen, dass sie irgendwann mit Elektronenmikroskop-Aufnahmen der NASA arbeitete. Da wurde es sehr spannend. Eine Metapher des Lebens. Der Einstieg in die Materie. Das Hinabsteigen in den Hades, das Herantasten an die unsichtbare Wahrheit dahinter, das Erfühlen einer immer noch imaginierten Wirklichkeit. Die Wahrheit als eine Abstraktion, eine homöopathische Dosierung des Seins. Dort an diesem Ort Einsteinscher Unendlichkeit im gekrümmten Raum liegt unsere eigene Geschichte. Der Sinn.

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Wir graben in Schichten, nähern uns dem Erdmittelpunkt der Individualität. Man nenne es Erfahrung, Reife, Wissen. Und? Was wissen wir? Wirklich? Das bisschen, was wir gelesen, erfahren haben im Strudel der Zeit. Dieses gefälschte Bild Wirklichkeit, das hochgespielt, interpretiert und letztlich für bare Münze genommen wird. Lug und Trug. Schade auch, es könnte so einfach sein, ist es aber nicht.

Also doch lieber einfach glauben? An die betonierten Sätze, an die Tipps und Tricks der Freunde, der Gelehrten, Fachleute und Spezialisten aus Fensehen, Radio und Internet? „Wir fragen Prof. Dr. Emil Schlau vom Institut für Lebensbegreifen nach dem wahren Sinn…“ Äh.

Lange Rede, kurzer Sinn. Man könnte verzweifeln, könnte aufgeben, könnte pessimistisch werden und es sein lassen. Oder man geht weiter. Als ihr lebensmedizinischer Berater empfehle ich ihnen, weiterzuatmen. Das hat immense Vorteile und hilft ungemein, lebendig durch den Tag zu gehen. O.K. Quatsch mit Sauce.

Mir fiel beim Ablichten auf, dass mich die Tiefe interessierte. Der infinitesimale Blick auf die kleineren, unübersichtlicheren Strukturen, das Kerngewerbe. Also habe ich gezoomt und der Blick verschwamm und nahm das Ganze ins Partikelhafte. Dort öffneten sich Löcher wie Tore und Falltüren zu weiteren Sphären. Sowas. Die hier schon öfter erwähnten Prozesse der Ontogenese und Phylogenese. Die Satellitenfunktion der Annäherung, des Abtastens von Quadratmillimetern. Und dann? Ist nichts mehr zu erkennen und es beginnt die Auflösung in Struktur und Schönheit und es wird egal, wie das Ganze aussieht.

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Übrigens: Auf das Wort EGAL wollte ich hinaus. Wisst ihr, es ist schön, wenn die Härte verschwindet. heavy metal is gone. Wenn es dann glänzt und warm wird, wenn die Elstern Interesse bekunden, weil es fasziniert, dann kommen wir in den Bereich der Menschlichkeit, den Ort, wo die Seele Flügel erhält und das Miteinander ein Tanz des Lachens wird. Hat man diesen Text nun gelesen, könnte man denken, die Dinge sind kompliziert. Ja, sorry. Meine Conclusio ist aber eine andere: Muss nich kompliziert sein. Unsere Entscheidung, wie wir schauen. Auf die Themen, die uns begegnen. Ob wir erstarren in der festen Vorstellung des Bildes oder uns einlassen auf die tieferen Ebenen der Möglichkeiten. So, dann übergebe ich euch mal diesen Text und bin gespannt, was ihr draus macht.

Sie dürfen die Braut jetzt küssen. Quatsch, äh. Das Büffet ist eröffnet. Nein. Also, was ich sagen möchte, es darf getanzt werden. Klar, ne. Kommentare sind wieder herzlich erbeten:) Ich wünsche euch einen schönen Sonntag, eine Woche voller Sonne und schöner Einblicke, die zu hoffnungsfrohen Möglichkeiten, erschaffenden Einsichten werden, die natürlich wie alles andere auch ihre Halbwertszeiten haben…

Fensterblicke.

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Hallo Ihr Lieben, da bin ich wieder. Zurück aus der Schweiz. Viel Autobahn. Neben Arbeit habe ich mir ein paar Blicke erlaubt. Fotografische. Abends nach Feierabend bin ich durch einen kleinen Ort gelaufen. Ein Entdeckungsspaziergang. Was gibt es zu sehen? Mir sind die Fenster ins Auge gefallen, weil es gerade dämmerte und die Menschen die Lichter einschalteten.

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Das sah schön aus. Also bin ich umher gelaufen und habe ein wenig Voyeur gespielt. Das Leben der anderen. Ein wenig hineinschauen. Menschen habe ich keine gesehen, dennoch strahlten die Fenster Wäre, Wohligkeit, Menschlichkeit aus. Und so habe ich nun etwas, was ich euch mitgebracht habe. Ist keine Schweizer Schokolade, die haben die Kinder bekommen, aber Schweizer Lebensstil. Der scheint mir angenehm ruhig zu sein, wenig aufgeregt. Da laufen die Uhren anders. Ich weiß natürlich nicht, ob man diesen Eindruck verallgemeinern kann (Papa, du verallgemeinerst!), aber es hat sich ein wenig so angefühlt. Wahrscheinlich sieht das im Sommer dann auch ganz anders aus.

So, nun gute Nacht. Endlich schlafen. Gähn. Müde. Morgen wartet ein Job und ein Rendezvous. Hi.

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Jahrestag.

Heute Nacht fahre ich in die Schweiz. Ein Job. Der Wagen steht vollgetankt vor der Tür, die Hemden sind gebügelt, zwei neue Jacketts hängen am Haken. Ich bin vorbereitet. Den Blog noch füllen, der in letzter Zeit zu oft leer geblieben ist. Sorry. Schaffe das nicht mehr so. Das hat seinen Grund. 365 Tage später ist vieles anders.

März 2012. Anfang des Monats. Damals schrieb ich über all das, was geschehen war. Ich habe das Glück, mit Wort und Schrift mehr als Kommunikation betreiben zu können. Mein persönliches Glück. Verarbeitung. All das, was nötig ist, war, sein wird.

Und nun? Wie fühlt es sich an, dieses neue, andere Leben? Wenn ich euch all das erzählen würde, was geschehen ist, ihr würdet es nicht glauben. Das war ein Jahr zwischen Buchdeckeln, wie eine Erzählung, ein Roman. Alle Farben, alle Nuancen. Viele Menschen, Freunde, Liebe, Küsse. Ups, Downs.

Letztlich kann ich nicht klagen. Will ich natürlich auch nicht. Was geht, ersetzt das Leben. Die Dinge ändern sich, mutieren. Ich hätte mir all das nicht ausdenken können, hätte nicht gedacht, was geschehen kann. Manchmal durchfährt einen ein Stromschlag wie aus heiterem Himmel, der das Gehirn auf Null stellt. Das musste ich erfahren, durfte ich erfahren.

Was an einem Tag unvorstellbar war, ist am nächsten Realität. Ist das Boot geflutet, gehen viele Dinge über Bord. Prinzipien, feste Meinungen, Etabliertes, Festgezurrtes. Es ist ein großes Ausmisten, das weicher macht. Verständnisvoller, mitfühlender. Unstolzer. Geläutert, ein Stück weit.

Ansonsten? Es läuft. Der Job stimmt. Liebe verwöhnt mich. Manches ist unvorstellbar. Ich bin froh, dass es ist, wie es ist. Gut, das wars dann auch zu dem Thema. Ihr könntet mir einen Gefallen tun, und das so unkommentiert stehen lassen. Wäre nett. Ciao, bis die Tage.

Eine Frage des Überlebens…

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Es geschehen Zeichen und Wunder, hat mein Vater früher immer gesagt. Das ist wohl ein Bibelzitat, wie ich annehme. Und wieder einmal zitiere ich Coelho, der von den Zeichen spricht, die es zu erkennen und zu deuten gilt auf dem Weg.

Und was lag jetzt bei mir auf dem Weg? Ein toter Maulwurf. Da lag er, schön, schneebedeckt, mit roter Nase und vollkommen tot. Nun kann ich nicht sagen, dass ich sonderlich morbid bin oder einen Faible für das Tote a la Harald & Maude habe. Nein. Der Tod beschäftigt mich nicht sonderlich und ich habe auch relativ wenig Angst und Respekt vor ihm. Wenn es sein soll, O.K. Ich hoffe, der Maulwurf hat ähnlich gedacht und ist jetzt dort, wo Milch und Honig fließen und vielleicht kann er dort sehen. Vielleicht wird er als ein Wesen wiedergeboren, dass er lieber ist. Sein wird. In sieben Wochen. Ich drücke ihm die Daumen.

Worum geht es jetzt also hier? Nennen wir es einmal Vergänglichkeit. Eine Sache, die uns Menschen nicht sonderlich leicht fällt. Die man eher gerne auf die lange Bank schiebt, bis es sich nicht mehr ignorieren lässt. Irgendwann wird es eng. Enger und enger. Falten, Alterung, Ausfälle, Krankheiten, Gejammer.

Nun ist das keine aristotelische Weisheit. Bewahre. Wissen wir alle, weil wir das selbst von Tag zu Tag erleben. In meinem geliebten Buddhismus ist aber nun gerade diese Vergänglichkeit ein zentrales Moment. Die Logik ist in etwa folgende: Wir leben unser irdisches Leben als wiedergeborene Wesen. Der eine ist Maulwurf, der andere Erdmännchen und manche sind Menschen. Wobei die Tendenz, Mensch zu werden, zunehmend ausgeprägt ist. Man könnte von einem Trend sprechen. Sieben Milliarden.

Als wiedergegorene Wesen haben wir Karma angesammelt. Gutes, schlechtes. Wer einer alten Frau sicher über die Straße hilft und dadurch seinen Bus verpasst, der bekommt Karmapunkte. Sagen wir mal genau 100 Pluspunkte. Bingo. Wer aber auf dem Weg zum Bus die alte Frau anrempelt, so dass sie stürzt und sich womöglich verletzt, und dann nicht stehenbleibt, um ihr zu helfen und sich zu entschuldigen, der macht Miese. Minus 500. Sagen wir mal.

Nun gibt es den Spruch: Man sieht sich im Leben immer zwei Mal. Das bedeutet übersetzt: Nichts wird vergessen. Allerdings sehe ich das nicht so wie die Flensburger Verkehrssünder-Datei. Da gibt es keine Institution über allem, die Karmapunkte verwaltet, ausschüttet, verzinst. Keine Sünde, die Auge um Auge, Zahn um Zahn vergolten, gerächt wird. Das wäre so in etwa der Gottgedanke der Weltenlenkung fernab des Ichs. Nach meinem Verständnis geht es dem, der hilft, einfach besser, weil er sich mit sich wohler fühlen kann. Er hat von der Frau ein Lächeln, einen Dank und einen Händedruck bekommen. Er nimmt den nächsten Bus, sitzt am Fenster, schaut raus und ist mit sich und der Welt im Reinen. Ein guter Tag. Macht er das öfter, hat er viele gute Tage, die ihm sagen: Das Leben ist schön. Wir alle sitzen in einem Boot, halten zusammen, reiten die Welle und führen miteinander ein gutes Leben. Der Mann speichert für sich positive Information, baut gutes Karma auf.

Number 2. Der Rempler. Schafft es, den Bus zu bekommen. Springt rein, zeigt seine Monatskarte, knallt sich irgendwo genervt hin und hadert mit dem Leben. „Selbst Schuld, die blöde Kuh, weshalb läuft sie mir auch in den Weg. Die ist doch Rentnerin, was macht die um die Uhrzeit auf der Straße? Die arbeitende Bevölkerung von ihrem Job abhalten. Selbst schuld…“ Und so geht es den ganzen Tag. Er erzählt es Kollegen/innen, um sein blödes Gefühl los zu werden. Er sieht eine Verschwörung. Die ganze Welt stellt sich gegen ihn, nimmt den Kampf mit ihm auf, versucht ihn aufzuhalten, ihm ein Bein zu stellen. Solche Szenen häufen sich, die Mitmenschen werden immer feindlicher. „Nur Arschlöcher und Idioten.“ Und fertig ist das selbstgemachte Unglück, weil die Trennung von den anderen da ist, was keinen Spaß macht. Die 500 Negativ-Karmapunkte sind also ein Individual-Baustein des eigenen Unglücks.

Und was hat das mit Vergänglichkeit zu tun? Nun, wir haben nur eine gewisse Zeit auf diesem Planeten. Irgendwann geht es uns wie diesem netten Maulwurf von nebenan. Game over. Dann sollten wir unser Karma so weit im Griff haben, dass wir gutgelaunt wiedergeboren werden. Denn Karma zieht sich durch. Anlagen nimmt man mit. Und so bewegt man sich Stück für Stück in die eine oder andere Richtung. In einem Leben, in vielen Leben. Und: Ganz egal, ob man an Karma und Wiedergeburt oder sonstwas glaubt, nett sein hilft immer, besser durchzukommen. Das heißt natürlich: Nicht zu Idioten, die Nettigkeit ausnutzen wollen. Also kein Idiotenmitgefühl, denn das bringt einen selbst und auch den Idioten nicht weiter. Ergo: Carpe diem. Was draus machen aus dem, was uns in unserer persönlichen worldshow an Möglichkeiten geboten wird. Xavier Naidoo singt von einem Weg, der nicht einfach ist. Glaubenssatz, Karmaeinschränkung. Es hilft schon ungemein, den Weg als einfach zu definieren und die Steine darauf als Glücksbringer oder Lutschbonbons oder Zauberkugeln oder Freunde auf dem Weg. Das lässt lächeln und beschwingt weiterziehen…

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