Power of Bowie

Aufwachen
aus dem geheimen Traum
Spaceballflight
still endless
with you
baby

This is Major Tom
to groundcontrol

Augen öffnen
wie Garagentore

reality attack

Zeitmaschine rausfahren
Engelsflügel anlegen
aufsteigen roter Baron
Loopings schreien
RATATATATA

Can you hear me?

Highspeed durchs All
Atmosphärengleiten
schwerelos himmelhoch

fuck

Alle Zeiten eine
alles da
an Bord

Abgeflogen
Miss Liberty
part of the inner circle

Again
space oddity
again and again

put your helmet on
put your helmet on

commencing countdown (Five)
engines on (Four)
(Three, two)
Check ignition (One)
Blastoff
love be with you

Kissing David

mai 2013

Verwirrt, verirrt in der Walpurgisnacht

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Ich sage nur: Stuttgart. Dienstag hat der Job in der Schweiz bis in den Abend gedauert. Weil ich den 1. Mai mit Familie und Freunden verbringen wollte, habe ich mich ins Auto gesetzt und auf den Heimweg gemacht. Keine weitere Hotelnacht. Familiensehnsucht. Sonst hätte ich den 1. Mai auf der Autobahn verbracht.

Aus der Schweiz raus, nach Deutschland rein, da stand schon das erste Feuerwehrauto quer. Errichtung des Maibaums mitten im Dorf. Auftakt zur Walpurgisnacht. Von wegen Frauen auf Besen – Männer in roten Autos. Männer, die auf Bäume starren. Allerorten. Mit vollem Gerät. Fahrzeugen, Kränen, allem, was man so braucht, um riesige Bäume aufzurichten und festzuzurren.

Mein Plan war, auf der Autobahn schnell durchzurutschen. Es lief, ich kam gut voran, schaute auf die Stauvorschau im Navi und verabschiedete mich von meinem Vorhaben. Vor Stuttgart 7 Kilometer, hinter Stuttgart 3 Kilometer. Von wegen, die sitzen alle schon Zuhause und warten auf Dortmund – Real Madrid. Auf Stau hatte ich so überhaupt keine Lust. Stop & Go. Schalten, bremsen, rollen lassen, anfahren, stehen, warten, hoffen… Ich wollte definitiv einfach nur nach Hause. So wie all die andern, die sich da auf der A81 zum Sit-in auf offener Strecke getroffen hatten.

O.K. Plan B. TMC. Elektronische Stauumfahrung. Weit vor Stuttgart bot mir das System an, die Autobahn zu verlassen und einfach am Stau vorbeizufahren. Tja. Generell eine gute Idee. Dennoch war ich unsicher. Das erste Angebot habe ich abgelehnt. Tatsächlich von der Autobahn runter? Ach. Nö. Nächste Abfahrt wieder der Pfeil nach rechts. Die Schlange Ka. Komm, Süßer! Fahr ab! Umfahr den Stau! Sei nicht dumm!

Habe ich mich drauf eingelassen. Blinker gesetzt, raus, Landstraße. Wenn ich jetzt noch gewusst hätte, was das System plant… Wusste ich nicht. Also folgte ich den Pfeilen vorne im Tachobereich. Rechts. Links. Geradeaus. Puh. Kilometer um Kilometer. Und dann war ich plötzlich mittendrin im Schwarzwald. Glaube ich. Ja. Nord-Schwarzwald, habe ich gerade gegoogelt.

Was hatte mein Navi vor? Quer durch. Am Ende bin ich 90 Kilometer Landstraße gefahren, um von der A81 auf die A5 zu wechseln, was ich hinter Stuttgart per Autobahn gemacht hätte. Aber da waren eben die kleinen Hindernisse. Erst dachte ich. Au Mann. Was soll das denn hier? Die Straßen wurden kleiner, kurviger und dann war ich mittendrin – im Tal der Murg. Was für eine bombastische Landschaft. Gebirge. Die Bundesstraße B462 führt immer am Fluss entlang, der richtig tief im Tal liegt. Rechts und links steil aufsteigende, dicht bewaldete Hänge. Ab und an schnuckelige Dörfer wie aus dem Märklin-Katalog. Und fette Hotels. Richtig dicke Dinger (weils da echt richtig schön ist! So richtig richtig!)

Was soll ich sagen? Ach, lass ich die Firma Wikipedia sprechen: „Dem Tal folgen die Murgtalbahn und die Schwarzwald-Täler-Straße (Bundesstraße 462); beide zählen bautechnisch und landschaftlich zu den bemerkenswertesten Verkehrswegen in Deutschland.“ Jawoll. Ziemlich beeindruckend. Und gut vorangekommen bin ich auch, weil die Straße mir gehörte. Denn in den Dörfern waren die Menschen mit ihren roten Autos damit beschäftigt, Maibäume aufzustellen. Alle in ihren Dörfern, keiner auf der Landstraße. Und so kam ich meinem Ziel Kilometer um Kilometer näher und durfte währenddessen schönste Natur erleben. Aus den Wäldern stiegen Nebel auf, es wurde langsam dunkel, von den Höhen begannen Dörfer und Kirchen ins Tal zu leuchten.

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Zuvor aber tauchte plötzlich dieser Stausee auf. Weil der Fluss auf rund 80 Kilometer Länge von 800 m auf 110 m fällt, gibt es einige Stauseen und Staudämme, die zur Stromerzeugung genutzt werden. Imposante Bilder. Musste ich kurz festhalten. Und dann war ich auch schon auf der A5 zurück in der Zivilisation und konnte laufenlassen. Wegen Regen leider nicht ganz so schnell. Auf der Höhe von Frankfurt wurde es dann noch einmal dramatisch: Real Madrid hatte in der 82 Minute das 1:0 geschossen und in der 88. Minute das 2:0 nachgelegt. Denen fehlte nur noch ein Tor und aus dem Finale Bayern – Dormund wäre nix geworden. Ich konnte nicht hinhören und habe tatsächlich Sabine Töpperwien ausgeschaltet. Mundtot gemacht. Drei Minuten noch. Drei Minuten gewartet, Radio wieder auf laut. Da spielten die immer noch. Jesses. 96 Minuten! Hey, war der bezahlt, oder was? Wer lässt denn 96 Minuten spielen? Gutes Ende. Für mich dann auch. Zuhause. Ah. Ist es doch am schönsten:)

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8

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Mal wieder eine kleine Ausstellung. 5 Grad Minus. 7 Windstärken (Wind aus Nord-Ost). 8 Fotos.

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makes me happy:)

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happy:)

O.K. Schluss. Aus. Wir müssen jetzt zu außergewöhnlichen Mitteln greifen. Alles Glück der Welt liegt schließlich tief in uns. Nirgendwo sonst. Also nehmen wir eine Prise von dem, was da ist. Und ein Schäufelchen von dem, was wir uns erhoffen. Garen das Ganze auf kleiner Flamme. Lassen wir die Gelegenheiten nicht vorbeiziehen, machen wir aus einer Mücke einen Mammut und strahlen mit unserer Nachtischlampe um die Wette. Oder so. Schönlau, du warst auch schon mal besser. WAAASSS? Hasse ma rausgeguckt? Inspiration bei Minusgraden?

Deshalb hab ich die Gelegenheit beim Schopfe gepackt, quasi bei den Eiern, und bin durch die Wohnung, um für euch Sonnenstrahlen einzufangen. Abendrot. Wedekind. Frühlingserwachen. Klick, Klicki die Klick. Da hatt‘ ich sie im Kasten, konserviert, der große Himmelslorenz to go. Let the sun shine oder the sun always shines on TV oder so. Oder im Blog, was ja auch irgendwie TV ist. Ach, egal. Schönes Wochenende euch:)

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Gaggia_red_2

Gaggia_red

Parameter des Augenblicks

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Outstanding moments.

Manchmal hat das Leben einen wissenschaftlichen Touch. Vielleicht dann, wenn man zur Ruhe kommt und dem Luxus Zeit frönt. Heute Mittag habe ich mir einen Augenblick gestohlen und habe etwas getan, was eher eine Vorstellung als eine Wirklichkeit ist. Ich bin ins Hotel van der Werff gefahren. Mit Herrn Cooper im Schlepptau. Wir haben den Gastraum betreten und uns einen Platz am Fenster gesucht.

Ich wollte dort sitzen, bei einem der Kellner im blauen Anzug ein Bier bestellen und ein Gedicht schreiben. Dazu hatte ich mir einen Block gekauft und so einen Bic-Kulli, bei dem man zwischen vier Farben wählen kann. Herr Schönlau war bei der Waffenwahl nicht älter als sechs Jahre. Spielkind.

Dort saß ich im Hotel neben dem Billardtisch und dem Eingang zur Lobby. An einem Nachbartisch saßen ein Vater mit seinem Sohn und ein Paar. Die Erwachsenen unterhielten sich auf Englisch über die Zustände des Lebens und die Wirklichkeit. Währenddessen flirtete ein Kellner mit Herrn Cooper – schnalzte ihm zu, fütterte ihn mit Leckerlis. Dieser Gastraum ist tatsächlich ein wenig unwirklich. Ich hoffe, er wird niemals renoviert. Sie könnten Wesentliches übertünchen.

Der Raum kam mir vor wie ein Labor, in dem die Menschen die Laborratten sind. Wie viele Einflüsse, wie viele Parameter sorgen dafür, wie sich die Anwesenden fühlen? Jeder Einzelne kommt mit seiner ganzen Geschichte und der Geschichte des laufenden Tages herein. Zwischenzeitlich kamen neue Hotelgäste, weil die Fähre angelegt hatte. Die Tür flog auf, die Temperatur änderte sich, es zog, Kinderwagen wurden hereingefahren, Gepäck hineingeschleppt, Tische gerückt, um den Weg frei zu machen.

Und wie viel Einfluss hat die Geschichte dieses Raumes? Die Ölbilder von Segelschiffen, das ausgestopfte Krokodil im Regal hinter dem Tresen, die Inselfotos aus vergangenen Zeiten, all diese memorierenden Requisiten? Der Gastraum des Hotels van der Werff ist einer meiner Lieblingsorte, an die ich gerne zurückkehre. Nun habe ich dort tatsächlich ein Gedicht geschrieben. Das hatte ich vorher schon einige Male probiert. Vielleicht Schreibereitelkeit. Die oben erwähnte Vorstellung von. Da sitzen wie die Romanciers in alter Zeit und so melancholisch wunderbar am Leben leidend. Mit einer Kippe im Mundwinkel und der ausstehenden Miete im Nacken.

Ja, ich habe ein wenig geschauspielert. Mache ich manchmal. Den Alltag in seinen Möglichkeiten dehnen. Eine Freundin nennt mich deshalb tuckitucki und so ganz allmählich habe ich eine Ahnung, was sie meint. Hat Spaß gemacht, dieses Spiel aus Wissenschaft, Parameteränderung, Lyrik, Bier, Hund, Fotos, Bühne voller Requisiten.

Morgen ist dann Schluz. Ab nach Hause. Fähre, Autobahn, Heimat. Zurück in die Normalität, Spielende:)

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