fiftyfiftyblog Workshop Wortwechsel im Mai

Im Dezember rief mich Alexandra Romeo von NISCHENSUCHER Marketing & More an. „Du Jens, ich habe da ein Projekt, in das ich dich gerne einbinden würde. In einen Kalender in der Art eines Adventskalenders, nur halt vor Ostern in der Fastenzeit. Einen Kalender der Veränderung.“ Hier der Link zum Kalender der Veränderung.

Sitze ich an meinem Schreibtisch und höre am Telefon das Wort „Projekt“, reagiere ich wie ein Pawlowscher Hund. In meinem Kopf fängt es an zu rattern. Das ist mein Job. Ich bin Ideenfinder, darauf bin ich gepolt, das macht mir Spaß. Der erste Gedanke war: Ein Workshop. Ein Schreibseminar, das den Stil des fiftyfiftyblogs aufnimmt und mit Spaß am Schreiben an das Thema Veränderung herangeht.

Mit Hilfe von Ela hab ich einen Rahmen geschaffen. Ort, Zeit, Inhalte, Unterbringung, Versorgung. All die Dinge. Und nun ist es soweit. Ihr könnt den Workshop buchen und zwei Tage dort verbringen, wo der fiftyfiftyblog Zuhause ist. Wo ich schreibe. Es wird wieder Unterricht in der Alten Schule geben, der natürlich kein Unterricht im herkömmlichen Sinne ist. Duden ab in die Ecke. Ciao, ciao. Spielen mit den Gedanken, den Buchstaben, den Wörtern, den Sätzen, den Ideen, den persönlichen Wünschen und Visionen. Rumspinnen. Warum nicht?

Jetzt bin ich gespannt, wer sich von euch traut, dabei zu sein. So nah zu kommen. Vom Digitalen, vom Internet, vom Blog ins reale Leben des fiftyfiftyblogs zu treten. Werden sich seches Menschen finden, die das machen? Die sich trauen? Ich denke, bin überzeugt, es wird gut. Mailt, meldet euch an. Ab Samstag bin ich in London und werde meine Mails nur sporadisch lesen können – wahrscheinlich. Es kann dann also eventuell dauern (ein, zwei Tage), bis ich antworte. Ich habe euch dann nicht vergessen. Bei der Anmeldung gilt natürlich, wer sich zuerst einen Platz reserviert, ist eher dabei…

Und hier nun die Infos zum Workshop Wortwechsel.

Da isser wieder…

Hallo ihr Lieben. Da war der Blog verwaist. Keine News, keine neuen Beiträge, keine Antworten auf Kommentare. Von der Bildfläche verschwunden. Weshalb? Tja. Das ist nicht ganz so einfach zu beschreiben. Es gibt Dinge, die sind größer als wir. Letzte Woche Mittwoch war ich ganz normal in meinem Leben unterwegs. Ich hatte gearbeitet, meinen Part an Familienjobs übernommen, war am Abend beim Training, kam zurück, ging kurz ins Büro, um Mails zu checken und den Rechner auszuschalten. Alles ganz normal. Schöner, ruhiger, geregelter Alltag.

Da klingelte mein Handy. Im Display erschien der Name meines Bruders, ich klappte es auf. Dachte, es würde um seinen neuen Job gehen, um das Organisieren von irgendetwas. Es war kurz vor 22 Uhr. Aus dem Telefonhörer liefen Tränen über meine Haut. Seine Stimme zitterte. Kurz zuvor war unser Papa gestorben. Nach einer Pause, nach einem Sammeln des nötigen Atems die Nachricht. „Jens, der Papa ist gerade gestorben.“

Man kann sich auf alles vorbereiten, man kann Situationen simulieren, versuchen zu antizipieren. Er ist 77 Jahre alt geworden und ich hatte gedacht, ich wäre einigermaßen vorbereitet, hätte einen Schutz, einen Umgang, eine Möglichkeit, das anzunehmen, was irgendwann unaufhaltsam ist. Denkste. Der Boden weg, irgendwie funktioniert die Stimme, sagt was. Die Ratio versucht zu ordnen, zu überlegen, zu trösten, zu handeln. Mein Bruder hat mir erzählt, was geschehen war. Herzinfarkt in einem Restaurant. Spät kommende Notärzte, Sanitäter, die um sein Leben gekämpft haben. Das ganze Programm. Emergency Room.

Ich gehe zu Ela, sag es ihr, sie umarmt mich. Es bleibt nur, Boden zu finden. Halt. Reagieren, handeln. Ich setze mich ins Auto, fahre los, komme an. Drei Brüder und eine Mutter. Wir sitzen die Nacht über da, reden und reden. Sortieren, erinnern. Am nächsten Morgen schon der Termin beim Bestatter. Sarg wählen, Anzeige texten, Karten gestalten. Zum Gärtner, Kränze aussuchen, Schleifentexte schreiben. Wer hätte das gedacht, dass sich mein Beruf mal so nutzen lässt. Die Träger organisieren, den Beerdigungstermin mit dem Pfarrer absprechen, die Blaskapelle fragen, ob sie für meinen Papa ein letztes Mal spielt. Mit den Nachbarn sprechen, die den Sarg tragen werden.

Zwischendurch kommen immer wieder die Tränen, wenn das Jetzt auf die Erinnerung trifft. Es ist härter, als ich gedacht hätte. Andererseits ordnen sich Dinge. Ich kann meinen Vater ausschließlich positiv sehen, kann ihm für alles danken, was er getan hat. Ich bin sehr froh, dass es den Abend mit der Flasche Rotwein gegeben hat, über den ich hier mal berichtet habe. Châteauneuf du Pape mit Papa. November 2010. Eine Art Aussprache. Im Reinen. Da bin ich froh.

Am Montag wurde er beerdigt bei eisigen Temperaturen. Die Kirche war voll, der Pfarrer hat viel über sein Leben erzählt, die Blaskapelle hat für ihn gespielt, die Verwandten aus Westfalen waren da. Ein guter, tröstlicher Übergang. Nun bin ich wieder hier, arbeite seit Dienstag, komme in den Trott, den Schritt, den Klang des Alltags. Er fehlt mir. Ist täglich da. Tröstlich für mich: Als Buddhist glaube ich an Wiedergeburt. Von einem Lama habe ich die Übertragung eines alten tibetischen Rituals für bewusstes Sterben. Es hilft, den Übergang positiv zu beinflussen und dem Geist, den wir meist Seele nennen, zu unterstützen. Damit kann ich etwas tun. Für mich. Für ihn. Ordnen, im Unfassbaren Sinn suchen. Ich weiß ihn nun an einem guten Ort und freue mich für ihn, dass er seinen Weg gehen kann. Leicht, frei, ohne die Gehbehinderung, die ihn 36 Jahre lang gebremst hat.

Verzeiht, dass ich hier ein so schweres Thema poste. Nur ist es eben so, dass auch der Tod zum Leben gehört. Und auch im fiftyfiftyblog wird gestorben. Wer hätte das gedacht.

P.S. – Ich danke der evangelischen Kirche, die ich von ihrer besten Seite kennenlernen durfte. Mit meinen Brüdern und meiner Mutter war ich am Sonntag im Gottesdienst und am Montag im Beerdigungs-Gottesdienst. Es haben zwei Pfarrer gepredigt, die von ihrer Aufgabe beseelt waren. Sonntags ging es um das Buch der Psalmen. Fast war es eine Sonntagsschule. Äußerst beeindruckend, sehr glaubwürdig, eine moderne Kirche, die etwas zu sagen hat. Eine authentische Botschaft an dem Ort, an dem ich konfimiert wurde und meinen Glauben im stupiden Auswendiglernen von Versen verloren habe. Schön zu wissen, dass es Menschen gibt, die sich fernab von Apps und hipper Modernität um das Seelenheil kümmern. Das macht Sinn.

Sie haben Sibirien bestellt?

Hey, Leute, das ist nicht euer ernst. Also wirklich, ich muss hier jetzt mal Tacheles reden. Irgendein Vollpfosten da draußen in der Welt hat echt bei mir verkackt. Ja. Ich meine, wer kommt auf die Idee, sich Anfang Februar, zu einem Zeitpunkt, an dem ich davon ausgegangen bin, diesen Winter fröhlich locker abhaken zu können, eine Tüte sibirisches Osthoch zu bestellen? Wer von euch hat da in die Luft gesetzt, wir bräuchten doch einen richtigen Winter? Ihr könnt es jetzt zugegeben, euch freiwillig melden und dann den Rest des Tages ein Wärmetief mit Sonnenschein aus dem Süden herbeten. Mit dem ganzen Summsumm. Hostien, Ave Marias, Opfergaben, verbeugen in alle Richtungen, Audienzen, Geld überweisen. Die Richtung muss lauten: Italien, Alpen, Vollgas, Westdeutschland.

Was interessiert mich die Finanzkrise oder ob Frau Merkel in China gegen einen Sack Reis läuft, mir ist scheißekalt. Und gleich muss ich da raus in dieses mörderische Etwas, in dem wahrscheinlich kalte Seelen aus dem Polareis herübergesegelt sind. Aliens, Monster, Untote, das richtig Böse. Über tausende Jahre tiefgefroren wie ’ne Pizza-Salami im Eisfach. Und jetzt sind die hier unter uns. Oder wer weiß: Eisbären? Die Wölfe kommen ja schon immer näher und jetzt auch noch Eisbären und kalte Seelen und wahrscheinlich auch noch MIG 23. Oder sind die jetzt bei 24 einhalb?

Die Russen kommen! Mit grausiger Kälte und ich bin in meiner Steppjacke gefangen und begebe mich mit Cooper raus in endlose Eiswüsten. Alles ist zum Erliegen gekommen, Armageddon ist da, die Apokalypse ist kein teuflisches Feuerspiel, der Untergang ist eine Megadose Eisspray. Fuck. Voll die Klimakatastrophe. Eben habe ich den Ofen voller Holz gestopft und mit einem Bunsenbrenner zum Nachglühen gebracht. Ich hoffe, das geht alles gut, sonst wird unser Haus eine Pershing 2 einhalb und wir rüsten ab durch Abflug und heben ab Richtung Mars – Deutschland wäre dann zumindest wieder im Weltraumgeschäft mit einer Mission Impossible. Und Cooper wäre Leika und ich würde mich Neil nennen und sagen: Für mich nur ein kleiner Schokoriegel, für die Welt, die Welt ein… Ja was denn? Quantentrunk, äh Dimensionsfunk. Die Nummer wird jetzt zu groß. Dennoch liebe Firma Mars, noch sind Sponsorenplätze frei und irgendein Billigheimer-Privatsender kann auch mitfliegen (ohne RAAB, Pocher, Barth oder andere Großkaliber bester deutscher Erdenunterhaltung).

Ich bin vom Thema abgekommen. Sibirien is in Germany. Genau hier in meinen eisekalten Füßen. Ich meine: Früher kam man nach Sibirien, wenn mans antisozialistisch verbockt hat. Kleiner Breschenew- Gag und schon gings ab ins Gulag. Jetzt kommt das Gulag zu uns, zu mir. Noch einmal: Wer hat das bestellt? Wer hat heimlich Putin-Witze erzählt? Die sollten den Eisernen Vorhang wieder aufbauen und zwei fette Kabel dran hängen – so’n Riesentoaster, so ne charmante Kaffeefahrt-Heizdecke im Giantformat. Das hier hält doch kein Schwein aus. Mir gehen allmählich die Kräääfteee v-er..—lo—r–eeeen. Ich kann nicht mehr. Mir wird so warm? Was ist das für ein weißer Tunnel? Oma? Oh, Scheiße, die olle Schmitz, bei der ich immer die Erdbeeren geklaut habe. Was? ’n paar hinter die Löffel? Jetzt entscheiden? Rechts oder links? Treppe runter, Treppe rauf? Feuerparty oder Wolkenkaffeekränzchen? Und alles nur, weil irgendein Spacko grande geglaubt hat, wir bräuchten einen echten Winter. Rudi Carell – „Wann wird’s so richtig nochmal Winter?“ Jetzt funken auch noch die Niederländer dazwischen. Mein Energielevel si-n-g–(äh:k)–t. Tille, Freispiel, Bonus, next Level. Ich kann nicht mehr. „Bitte, reitet ohne mich weiter…“

Kennt ihr tape.tv?

Könnt ihr euch noch an Formel1 erinnern? Mit Stefanie Tücking? Da liefen die ersten Musikvideos im Fernsehen. Lange ist es her. Ich weiß noch, wie ich dasaß – David Bowie Chinagirl oder Michael Jackson Thriller. Unfassbar. Pflichtprogramm, musste man gesehen haben. Später kamen MTV und VIVA – mit Nils Bokelberg und heike Makatsch.

Heute ist das alles irgendwie Geschichte und die Videos laufen auf youtube. Aber nicht nur. Bei meinen Reisen durchs Netz bin ich jetzt auf http://www.tape.tv gestoßen. Das ist ein wenig wie früher – Musikfernsehen im Netz. Es laufen permanent Musikvideos – 24/7, wie auf der Seite steht. Aber natürlich ist das nicht mehr so wie früher, sondern eine ganze Ecke weiter:)

Man kann nämlich wählen, was man bevorzugt hören möchte: zum Beispiel Alternative, Hip-Hop, Pop, Rock, Indie, Electro, Soul / R ’n’ B und Metal. Das ist eine schöne Möglichkeit, ab und an neue Musik zu entdecken oder zwischendurch einfach ein wenig Musik mit bewegten Bildern im Hintergrund laufen zu lassen. Fährt man mit dem Mousezeiger über das Video, wird das Menü sichtbar – hier gibt es specials und zum Beispiel auch moods – Videos, die man nach persönlicher Tagesstimmung wählen kann. Ist also irgendwie auch ein Launechecker:)

Ist doch einfach irre, was das Netz alles bietet. Teils ist das Programm durch Werbung flankiert, was ich aber O.K. finde, weil die Videos kostenlos gezeigt werden. Viel Spaß mit der Seite!

Heute bin ich aufgewacht… – auf und davon

Heute ist wenig zu sagen. Ich hatte ein intensives Wochenende in der Stadt. Bin morgens durch Köln gefahren, von Nippes in die Aachener Straße, alle Ampeln sprangen auf Grün, nichts stand im Weg, ich hatte die Volks- und Raiffeisenbanken im Tank, da lief der King of Pop im Radio mit „Beat it“. Als ich dann am Nachmittag mit 100 über die Autobahn beseelt nach Hause kroch, sang Casper:

„Endlich laufen lernen
endlich angefangen aufzuhör’n
Augen aufgemacht
Sonnenstrahlen im Gesicht halten die Welt an
und ich bin auf und davon
auf und davon
auf und davon“

„Auf und davon“ ist natürlich eine Metapher. Da ist niemand auf der Flucht. Das ist das schöne an Pop-Musik – irgendwie passt die immer und schafft es mit leichten Worten Gefühle auszudrücken. Zu kitschig? Egal. Hauptsache es macht Spaß. Schöne Woche euch:)