Dame, König, Schachmatt

Die Königsdisziplin unter den Gesellschaftsspielen, der feine Klassiker. Im Ruf, das Spiel der Nerds zu sein, der pickeligen Mathegenies mit dem Hang zur quälenden Auflösung jedweden Rätsels. Strategiegenies, die Dinge sehen, die zumindest für mich gar nicht vorhanden sind. Schach. Während des Abis besuchte ich ein Internat im Westerwald. In meinem heimischen Dorf in der Eifel gab es so ein Matheass, gegen das ich am Wochenende manchmal Schach gespielt habe. In einem Jahr haben wir uns verabredet, Sylvester kurz nach Mitternacht eine Partie zu spielen. Ich wollte das Jahr mit einem grandiosen Sieg beginnen. Schmach, Schande und trotzdem ein gutes Jahr. Meine Talente liegen woanders. Das Matheass ist heute Wirtschaftsmathematiker. Ich habe nie auch nur eine Partie gegen ihn gewonnen. Ein Mal ein Remis erreicht. Bittere Pille.

Schach klingt für mich nach Männerdomäne. Kasparow & Co. Momentan gibt es da so ein junges deutsches Genie, das wohl richtig abräumt. Ich las einen Artikel, irgendwo, irgendwann. Dieses Gedächtnis. Egal. Wir sprachen ja kürzlich über Männer- und Frauen-Literatur und hatten einen kleinen Disput hier im Blog. Da hatten sich jung und alt in den Haaren. Wie sieht es nun mich Schach aus? Kann man sagen: Ein Männerspiel?

Wie ich darauf komme? Zoe kam jetzt nach Hause. „Papa, bring mir Schach bei.“ Normalerweise spielen wir, nachdem wir jahrelang Mensch ärgere dich nicht, Backgammon und das Gänsespiel gespielt haben, Rommee. Wir spielen, bis einer 1.000 Punkte erreicht hat. Nach einem halben Jahr steht es zurzeit 7 zu 7. Ausgeglichen. Zoe liegt in der aktuellen Serie in Führung und es müsste mit dem Teufel zugehen, sollte ich diese Partie noch für mich entscheiden. Jim spielt übrigens nicht mit, oder wenn, dann nur im Team mit Zoe. Er hasst es wirklich, zu verlieren.

Schach. Zoes Klassenlehrerin hat das initiiert. Es gibt da so eine Übstunde, wo sie jetzt Schach spielen können. Mehrere Schachbretter sind da. Zoe sagt, es spielen mehr Mädchen als Jungs. Allmählich muss ich da so ein paar Klassikervorstellungen über den Haufen werfen. Kommt da wirklich eine neue Frauen- und Männergeneration? Zoe und ich haben also das Schachbrett aufgebaut. Ein nebliger Morgen, die Truppen formieren sich. Noch ist es ruhig, bevor der Schlachtlärm sich erhebt. Die Bauern sind aufgereiht, einander das Licht auszuknipsen. Bewaffnet mit allem, was weh tut. In feiner Distanz die Herrschenden. Der stolze König thront neben allem, ist aber in seiner Bewegungsfähigkeit eingeschränkt. Einen vor, einen zur Seite. Höfischer Tanz. Ganz anders die Dame. Lange Wege geht sie, stürmt sich nötigenfalls ins Getümmel und mischt mit. Schräg, geradeaus, kein Halten. Die Zinnen der Türme rahmen das Spiel, statuarisch sind sie an den Ecken eingeklemmt. Läufer und Springer versuchen wie edle Ritter mitzuwirken, während die Bauern schon die ersten Leben gelassen haben. Ein buntes Treiben. Fahnen, Posaunen, Schreie, Schlachtenlärm, Trommeln.

Im zweiten Spiel nimmt mir Zoe die Dame ab. Peinlich, ein Unaufpasser. Unpässlich, kam mir das. Erst wehten meine Fahnen über allem, dann musste ich tatsächlich das Visier runterklappen, um mein Gesicht zu wahren. Mit knapper Not entkam ich dem Fall. Heiner Müller: Titus Fall of Rome. Konnte meiner Tochter ja nicht den Sieg überlassen, was hätte sie über dieses Spiel Schach sonst gedacht? Ein Heimspiel? Eine sichere Kiste? Mitnichten. Dem Leben so ähnlich, mit Haken und Ösen.

Am nächsten Tag kam sie aus der Schule. Zehn Züge haben gereicht. „Bin durchgebrochen. Habe den Turm freibekommen, den Bauern vor dem gegnerischen Turm weggeräumt und dann hat meine Gegnerin gepennt. Ich nahm ihr den Turm und räumte von der Seite bis zum König ab. Sie hatte keine Chance.“ Oje. Martialisch. Was, wenn sie nun die falschen Dinge lernt? Ellenbogen, wegräumen, in den Boden rammen? Ist das nicht die fiese Arbeit, die sich Männer so stolz auf die Fahnen schreiben? Oder lernt sie einfach, sich durchzusetzen? Ich werde den Weg mal vorsichtig beobachtend begleiten und schauen, was passiert. Aber Mensch ärgere dich nicht oder Monopoly sind ja nun auch nicht gerade die politisch korrekten Alternativen. Überall geht es Mann gegen Mann, Frau gegen Frau…

Ich wünsche euch einen entspannten Tag ohne sinnlose Scharmützel. Vielleicht lieber einen Fehdehandschuh begraben oder einfach ganz schön locker durchgehen.

23 Antworten auf „Dame, König, Schachmatt“

  1. Ich habe die Diskussion Männer/Frauenbücher nicht wirklich mitbekommen, aber vielleicht ist es wirklich an der Zeit nicht mehr in Phrasen „das tun Männer oder nicht“ bzw. „das tun Frauen oder nicht“ zu denken. Ich finde das schrecklich. Dass ich als Frau manches nicht tun kann, was Männer tun, liegt daran, dass ich die Kraft nicht habe oder biologische Voraussetzungen einfachn icht gegeben sind. DAs ist umgekehrt genaus so. Das gleicht sich aus.

    Ich sehe aber nicht, warum ein Mann nicht, ich will es mal platt ausdrücken, einen Pilcher Roman lesen, bzw. sich den Film reinziehen soll und am Ende auch mal eine Krokodilsträne haben. Er ist Mensch und hat Gefühle. Ich wüsste aber auch nicht was mich daran hindern sollte Schach zu spielen, was ich auch schon getan habe, auch kann ich Skat spielen. Das ist nicht die Frage Mann/Frau.

    Ich kann damit nix anfangen und wäre Andreas nicht mein Gänseblümchen gewesen, er hätte auch mal das Bügeleisen schwingen müssen oder weiß ich die Waschmaschine bedienen, was meine Töchter freiwillig getan haben. Ich war 1997 für 5 1/2 Wochen im KH, da mussten die Mädchen mit anfassen, Andreas war damals schon ausgezogen. Kochen, backen, alles keine Frage des Geschlechtes, sondern entweder man kann es oder nicht.
    Ich kenne Frauen, die hervorragende Köchinnen sind, aber keine Kuchen backen können, das machen dann ihre Männer, sofern diese das können.

    Ich finde es gut, dass Deine Tochter Schach spielen lernen möchte, dieses Angebot in der Schule bekommen hat, so wie ich das verstanden habe. Gut so.

    Ich habe das Geühl, wenn ich Deine Berichte lese, dass Deine Kinder glückliche Kinder sein müssen und dass sie es bei Euch gut getroffen haben :-).

    Herzlich
    Gitta

    1. Hi Gitta,

      du hast sicherlich recht, dass Phrasen nicht helfen. Dennoch bin ich trotz des andauernden 50/50-Experiments in manchen Bereichen noch nicht zu Antworten gekommen. Es gibt einfach Dinge, die macht Ela als Frau, andere mache ich als Mann. Und zwar jeweils gerne. Es gibt Überschneidungen und vielleicht ist es einfach aus unseren individuellen Temperamenten und Talenten heraus gesehen, aber es gibt auch viel typisches. Ganz banal: Ich arbeite gerne mit der Motorsäge, interessiere mich für Heizungstechnik, schraube schon mal am Auto, liebe meinen Traktor. Ela sorgt gerne dafür, dass es einfach schön ist. Da tauchen Blumen auf, hier gibt es plötzlich Waffeln, sie managt die Familienzeiten und -termine. Bitte jetzt nicht gleich über uns her fallen. Das sind Dinge, die wir jeder für uns gerne machen. Vorlieben. Nichtsdestotrotz mischt sich das dann aber auch. Wir arbeiten beide, haben beide unseren Job und stehen dort unseren Mann und unsere Frau. Ela sägt Holz für den Winter mit der großen Kreissäge, ich backe auch Kuchen für den Sonntag. Wir kümmern uns beide um die Kinder, fahren zu Elternsprechtagen und, und, und.

      Dabei ist es eine Sache, Aufgaben zu übernehmen, die klassischerweise dem anderen Geschlecht zugeordent sind, eine andere ist es, das gerne zu tun. Manchmal habe ich mich als Mann verbogen. ich habe die Sachen gemacht, aber ich habe mich nicht wohlgefühlt. Da hat sich in mir etwas aufgestellt. Ich bin darüber hinweggegangen, haben meine Aufgaben erledigt. Dennoch hat es sich manchmal nicht richtig angefühlt. Weil ich anders erzogen bin? Weil ich als Mann anders ticke? Männer und Frauen sind nicht gleich. Und Emazipation bedeutet eben auch nicht, dass Männer und Frauen gleich sind. Emanzipation bedeutet, dass Frauen und Männer gleiche Rechte und Chancen haben sollten. letztlich ist es nicht wichtig, wer welche Bücher liest oder Spiele spielt, sondern wie die Geschlechter miteinander umgehen. So lange es dieses „Typisch Mann“, Typisch Frau“ gibt, die Sätze des Ausdrucks gegenseitigen Nicht-Respektierens, bleibt es schwierig. Es gibt Abgrenzungen und den Versuch, das eigene Geschlecht als besser, wertvoller und förderungswürdiger anzusehen.

      Am Ende hilft nur: Respekt. Und: Gleichstellung hinsichtlich der Rechte, Chancen und Möglichkeiten. Das ist eine tägliche Aufgabe. Der Politik, der Wirtschaft und vor allem: Der Familien und Paare. In den Familien muss es Chancengleichheit und gleiche Rechte geben. Ist das der Fall? Ist der gegenseitige Respekt da? Ist die gegenseitige Anerkennung da? Das müssen sich Männer und Frauen fragen. Wenn es nicht so ist, sollten sie es herstellen. Das ist einfacher gesagt als getan. Nach vielen Jahren fiftyfifty arbeiten wir immernoch daran, aufmerksam zu bleiben und Emanzipation zu vertiefen, ohne die Geschlechter gleich zu machen.

      Liebe Grüße

      Jens

      1. Ich gebe Dir zu 100% Recht. Es ging mir nicht darum, dass der Mann nun rosa Deckchen häkeln MUSS, sondern dass von Kindesbeinen an die Aufgaben nicht geschlechtsgebunden verteilt werden. Nur so wird es zukünftig möglich sein Klischees abzubauen, auszuräumen. Im Laufe des Lebens wird man seinen Weg durch den Dschungel dessen, was man gerne tut und was nicht, finden und ihn gehen. Warum sollte ich Holz hacken? Würde ich im Moment die Axt heben und sie würde im Schwung den Punkt hinter meinem Kopf erreichen, so würde ich wie ein Maikäfer auf dem Buckel landen. Auf der anderen Seite würde ich es gerne auch mal ausprobieren, wie das ist und ob ich es überhaupt kann. Ich verneige mich vor Ela, dass sie an der Kreissäge arbeitet, ich hätte höllischen Respekt davor, eine Sch…angst, aber was will man machen, wenn man es tun muss?
        Emanziaption, das war eine nette Sache, hat Frauen sicherlich sehr geholfen. Dennoch was schadet es mir, die Autotür geöffnet zu bekommen? Nichts. Was schadet es mir, entgegengebrachte Höflichkeiten nicht gleich mit den Augen einer Alice Schwarzer zu betrachten? Nichts.
        Wenn es sein muss, dann wird jeder in die Rolle des anderen Geschlechts schlüpfen ohne darüber nachzudenken. In einer Beziehung, einer Partnerschaft wird es immer eine Rollenverteilung geben und wenn Ela nun diejenige wäre, der der Traktor hörig wäre, dann wäre es eben so und niemand würde sich dabei etwas denken, oder?
        Ich glaube, dass Eure Kinder die Selbstverständlichkeit sehen mit der ihr, Ela und Du, gelegentlichen Rollentausch vornehmen und sie werden das verinnerlichen und wieder wird es zwei Kinder mehr geben, die mit „Mannsein“ und dem „Frausein“ stinknormal umgehen können.

        Ernsthaft werde ich niemals etwas typisch Mann oder Frau einordnen, wenn dann eher im Blödsinn, wenn man rumalbert.

        Ich rasple nun kein Süßholz, aber ich finde es irre gut, wie ihr, Ela und Du Euren Alltag regelt. Auch wenn es sehr harmonisch klingt, kann ich mir vorstellen, dass das nicht immer so harmonsich abläuft und es auch mal Reibereien gibt. Da erfüllt jeder, egal ob Mann, ob Frau seine Pflicht, jeder hat nach seinen Neigungen seine zusätzlichen Aufgabengebiete, in die der andere nur dann eingreift, wenn er keine andere Wahl hat. Das ist perfekt.

        Herzlich
        Gitta
        P.S. irgendwie ein wenig konfus meine Antwort, aber nun lasse ich sie stehen :-)

        1. Hallo Gitta,

          ich kann auch Holz hacken, habe ich von meinem Opa gelernt, ich kann Traktor fahren, ich kann Kühe melken, ich kann den Garten umgraben, gehört einfach zum Bauerntochterdasein dazu. Ich muß das aber nicht machen, weil ich in der Stadt wohne und dort die Gegebenheiten anders sind. Der Mensch kann vieles, sollte sich aber frei entscheiden können, was er machen möchte.

          Annegret

          1. Liebe Annegret,

            ich bin in der Stadt groß geworden, aber ich konnte einiges was mit Autos zu hat, mit Service im Gastbereich, exakt Hotelbetten machen und Wäsche an der großen Heißmangel mangeln, plätten oder wie immer man das regional auch nennen mag. Mein Vater konnte das übrigens auch :-), das war auch so eine 50/50 Partnerschaft, wenn ich darüber nachdenke. Ich glaube schon, dass wir in der Kindheit viel mitbekommen, wenn wir die Gelegenheit dazu haben. Wenn Du mir eine Kuh vor die Nase stellst, die gemolken werden muss, na ja, da kann ich nur sagen: Arme Kuh! und ob ich da einen Tropfen Milch rausholen kann … ?

            Ich hoffe Dein Tag ist gelaufen wie Du es Dir gewünscht hast und alles ist glatt gelaufen.

            Herzlich
            Gitta

        2. Hi Gitta,

          ich glaube, Emazipation ist nach wie vor ein weiter Weg. Ich finde es gut, dass sich die Arbeitsministerin dafür stark macht, Unternehmen zu einer größeren Frauenbeteiligung in den Führungsetagen zu bewegen. Das ist Gerechtigkeit, die verordent werden muss. Die Männer würden da nicht von alleine Platz machen. Deshalb sehe ich Alice Schwarzer auch eher psoitiv. Eine Kämpferin. Sicherlich eine, die nicht unbedingt immer sympathisch rüberkommt, aber eine, die bereit ist, sich anzulegen, den Finger immer wieder in die Wunde zu legen. Ohne sie wären wir heute ganz woanders. Und nach wie vor gibt es viel, viel zu tun. Denn: Frauen sind nach wie vor in deuitschland nicht gleichberechtigt. Sie sind ganz eindeutig an vielem nur eingeschränkt beteiligt: Im Bundestag ist der Frauenanteil mittlerweile bei 32 %. Schon nicht schlecht, aber weniger als ein Drittel. 5 von 15 Ministerien werden von Ministerinnen geführt. O.K. – wir haben eine Bundeskanzlerin. In meiner täglichen Arbeit merke ich, dass Emazipation auf dem Rückweg ist. Es wird meistens von Mitarbeitern gesprochen. Das gendern, das Zufügen der Weiblichkeitsform, gerät aus der Mode. Kunden streichen das raus. Ich empfehle, wachsam zu bleiben, damit es da keinen Rückfall gibt. Für mich ist der Emazipationsgrad eines Landes auch ein Zeichen dafür, wie weit ein Land entwickelt ist und wie weit es bereit ist, alle Möglichkeiten für eine gute und sinnvolle Entwicklung zu nutzen. Vielfach sitzen immer noch auf irgendwelchen Stühlen, die nicht besser sind, sondern einfach nur Männer.

          Liebe Grüße

          Jens

          P.S. Danke, dass du uns so positiv siehst. Aber tatsächlich, wie du schon vermutest hast, gibt es immer auch wieder Probleme und es tauchen Fragen auf. Ein Selbstläufer ist diese Art zu leben nicht…

          1. Hallo Jens,

            vorweg, ich mag Alice Schwarzer, sie ist einfach ein Unikum.
            Ich bin von der „alten“ Art, als Beispiel habe ich noch Kaufmann gelernt und sage das auch so. Der Ausdruck Kauffrau geht mir nur schwer über die Lippen.
            Natürlich müssen Männer und Frauen gleiche Chancen bekommen und am Ende für gleiche Arbeit den gleichen Lohn in der „Tüte“ finden. Ich selbst, als Frau, schreibe entweder Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, finde aber die Form MitarbeiterInnen nicht gut. Es sollte immer so viel zeit und Raum bleiben beides zu schreiben so man es denn möchte. Ich habe es auch schon so gemacht, dass ich geschrieben habe, dass im weiteren Text sowohl als auch gemeint ist.
            Was mit an Alice Schwarzers Emanzipation nicht gefällt ist das, dass ich nicht beides haben kann: mit die Tür eines Autos öffnen lassen und dabei emanzipiert sein, dass ich mich nicht weiblich zeigen darf ohne die Emanzipation in Frage zu stellen.
            Das eine muss das andere nicht ausschließen.
            Ich gestehe aber auch, dass ich kein Patentrezept habe, außer dem, dass bei dem Begleiten unserer Kinder ins Erwachsenenalter der Grundstein für gleichberechtigtes Zusammenleben beider Geschlechter sowohl im Berufsleben, als auch im privaten Bereich gelegt werden kann. Immer mehr. Bis das dann greift, muss weiter um Gerechtigkeit und Gleichbehandlung der Geschlechter gerungen werden.

            Zu Deinem P.S. Klar geht ein 50/50 Konzept nicht ohne Reibungspunkte, aber die gibt es bei allen Modellen. Ich weiß, dass Du mit Worten umgehen kannst, sie einsetzen kannst und damit auch Einfluß nehmen kannst. Mir kommt es auf das Gefühl an, das bei mir ankommt und das ist so wie ich das beschrieben habe und manchmal wünschte ich bei Euch ein Mäuschen zu sein.

            Herzlich
            Gitta

          2. Hi Gitta,

            Alice Schwarzer wohnt hier nicht weit in einem Dorf in unserer Gemeinde. Oder in der Nachbargemeinde. Gesehen habe ich sie noch nie. Und, zugegeben, gelesen habe ich von ihr auch noch nie etwas. Für mich ist sie einfach ein Symbol für Veränderung.

            Sich eine Tür am Auto öffnen zu lassen, empfinde ich als absolut O.K. Ich mache das bei Ela auch. Das ist nett, höflich. Ich weiß, dass sie es mag. Emanzipation soll ja nicht der Raub persönlicher Vorlieben und Freiheiten sein. In der Sprache ist es natürlich wesentlich komplizierter, beide Formen zu verwenden. Sieht nicht so gut aus, liest sich schlechter und kostet wertvollen Platz – scwupps sind ein paar Zeichen weg, die man gut gebrauchen könnte. Dennoch finde ich es komisch, wenn Mitarbeiterinnen nicht genannt werden, sondern unter Mitarbeiter fallen und mitgedacht werden. Anderherum würde es einen Aufschrei geben, wenn immer nur von Mitarbeiterinnen geschrieben würde. Da würde jeder mensch davon ausgehen, dass da nur Frauen arbeiten. Bei Mitarbeiter laufen Frauen so mit. Hier geht es um zeichen und auch um: Höflichkeit! Ich kann meine Mitarbeiterinnen nicht einfach verschweigen. Schlechter Stil.

            Zoe sagt manchmal schon „Hey, und was ist mit den Frauen?“ Die telekom führt jetzt eine Frauenquote ein, weil durch den demografischen Wandel zukünftig Frauen verstärkt gebraucht werden. Es fehlen qualifizierte Mitarbeiter – die Lücke sollen Mitarbeiterinnen füllen. Das ist gut, aber kommt nicht von herzen. Es müsste ein Selbstverständnis geben, dass Frauen und Männer mit gleichen rechten nebeneinander stehen. Da das längst nicht selbstverständlich ist, muss da immer wieder drauf aufmerksam gemacht werden. Im Studium saß ich neben den Frauenrechtlerinnen, die mich im Seminar immer zusammengestaucht haben: „Soso, du sprichst hier von Autoren. Und was ist mit den Autorinnen?“ herrje, das war anstrengend. Ja. Aber richtig. Diese Frauen haben einiges erreicht – dafür mussten sie sich als „Emanzen“ beschimpfen lassen. Die haben viele wachgerüttelt und sensibilisiert.

            Liebe Grüße

            Jens

  2. Guten Morgen, Jens,

    Schach ist ein wunderbares Spiel, für Männlein und Weiblein (Achtung: Ich muß meine Widersacher im Auge behalten!), das mein Vater mir und meinem jüngeren Bruder beigebracht hat. Geduld war die erste Disziplin. Nicht mal eben diese oder jene Figur bewegen, nein, es heißt zu überlegen. Und mein Vater konnte laaaaaaaange überlegen. Okay. Wir konnten also Schach spielen. Ich spielte gerne Schach gegen meinen Bruder, weil – ja, ich gebe es zu – er nicht ewiglang überlebte. Es machte mir auch nichts, gegen ihn zu verlieren, auch öfter. Aber meinem Bruder wurde das Schachspielen mit mir leid, weil ich kein ebenbürtiger Gegner war. (Oh, ich entdecke gerade, daß ich der „alten“ Sprache verfalle.)

    Meinen Kindern habe ich das Schachspielen auch beigebracht. Meine Tochter ist sehr geschickt. Sie denkt sich ganz tolle Züge aus. Leider behält sie dabei nicht den Gegner im Auge. Mein Sohn, das Mathegenie, besiegt alle, wenn er sich konzentriert. Er setzt mich in ein paar Zügen matt. Einfach so. Aber er mag auch nicht verlieren. Und sein Vater, auch Mathegenie, übertrumpft ihn.

    Kann mir mal jemand erklären, warum Mathegenies bessere Schachspieler sind? Das entzieht sich meiner Logik. Können sich Mathegenies besser konzentrieren?

    Ich erinnere mich an einen wunderschönen Kinderfilm, in dem ein Mädchen Schachspielen lernt. Sie spielt immer mit ihrem eigenen Schachspiel, denn darin werden die Figuren lebendig, sprechen mit ihr, geben ihr Ratschläge. Bis sie auf ein Tunier geht und nicht mehr mit ihrem Schachspiel spielen darf. Leider weiß ich den Titel nicht mehr.

    Jens, danke für den heutigen anregenden Beitrag. Ich gehe dann mal andere Schlachten schlagen.

    Viele Grüße

    Annegret

    1. Liebe Annegret,

      Mathegenies haben augenscheinlich eine andere Art zu denken, können das Spiel vielleicht „logischer“ durchdenken als alle anderen. Könnte eine Erklärung sein.

      Viel Erfolg füe Deine Schlachten

      Gitta

      1. Hallo Gitta,

        mein Sohn gibt zu, daß er beim Schachspielen einige Züge im Voraus denkt. Das mache ich aber auch, als Mathe-für-den-Hausgebrauch-und-ein-bißchen-mehr-Könner.
        Die Schlachten sind weise anzugehen.

        Viele Grüße

        Annegret

    2. Hi Annegret,

      ich hätte früher gerne gegen meinen Vater Schach gespielt. Der hat das leider nicht gemacht. Der hat nie mit uns gespielt. Der ist mit uns rumgefahren, hat mit uns in Cafes und Kneipen gesessen, hat mit uns gelacht, aber nicht mit uns gespielt. Keine Karten, kein Mensch ärgere dich nicht. Nichts. das hat meine Mutter gemacht, die konnte aber kein Schach. Leider.

      Ich denke die Mathegenies sehen das überhaupt nicht emotional. Die wolln nicht rächen, erstürmen, mit Leidenschaft besiegen, die wollen einfach nur denken. Stringent. Wie löse ich das Problem? Wenn A nach B und Z nach Y, wie verhält sich dann K? Wahrscheinlichkeiten. So wie in der Mathematik vorausgedacht werden muss. Möglichkeiten durchdenken, durchrechnen, testen. Try and error im Kopf. Da laufen wahrscheinlich total viele Prozesse ab. Die spielen rechenintensiver Schach.

      Dir heute alles Liebe, Kraft für die kleinen und großen Schlachten

      Jens

  3. Hallo Jens,

    der Stein, den Du fotographiert hast, sieht sehr interessant aus. Ist es ein Grenzstein? Handelt es sich beim Besitzer um einen Königlichen oder einen Schachspieler?

    Annegret

    1. Hi Annegret,

      der Stein gehört dem Baron, dem das Schloss gehört, auf dem Pia wohnt. Ein Eckstein vor einer Mauer und einem Treppenaufgang.

      Liebe Grüße

      Jens

  4. Also, ich kann kein Schach, wollte ich auch nie lernen. Genauso wenig wie Skat oder irgendein anderes Spiel, bei dem man richtig nachdenken, mitdenken oder rechnen muss, ist mir viel zu anstrengend, ist kein Spiel mehr für mich. Ich weiß auch nicht warum das so ist. Ich denke eigentlich gerne nach und bin auch nicht zu dumm, glaube ich wenigstens. Meine „Männer“ können alle Schach und Skat spielen – liegt es am Geschlecht? Keine Ahnung. Apropos Rollenteilung: bei uns geht’s eher klassisch zu: mein Mann arbeitet 110% beruflich, etwa 15% Haushalt/Familie, also definitiv zu viel. Ich 20%beruflich, 70% Haushalt/Familie, 5%Ehrenamt, den Rest vertue ich im Internet… ;-) Fazit: klassische Rollenaufteilung, der Haushalt kommt zu kurz, der Mann arbeitet zu viel, ab und zu treffen wir uns – und ich glaube wir sind beide ganz glücklich mit der Aufteilung. Und wir haben uns das selber so ausgesucht. Ich glaube, das ist das Wichtigste: das jede/r das tut was er/sie kann und gerne tut, dass man sich einigt bei dem, was getan werden muss und, da hast du Recht, Jens, dass man sich gegenseitig respektiert. Ich weiß, das können sich nicht alle so frei aussuchen, das ist schon ein Privileg. Dafür bin ich dankbar.
    Gruß, Uta

    1. Hi Uta,

      Schach also doch eine Männerdomäne? Gefühlt: Ja. Zumindest war es bei uns früher so. Ela spielt auch kein Schach. Ist ja auch kein Kennzeichen von Emanzipation, Schach spielen zu können. Dennoch freut es mich, dass meine Tochter und ihre Schulfreundinnen das machen. Vielleicht, weil sie einfach die Gelegenheit haben. Weil ihre Lehrerin sie da unterstützt. Das Jungen-Mädchen-Ding löst sich auf. Wäre natürlich auch gut in anderer Richtung. Gummitwist zum Beispiel. Da können schon Geschlechtergrenzen im Kopf überwunden werden.

      Dass das bei euch gut klappt, ist fantastisch. Bei Freunden von uns ist das auch so. Die sind da sehr souverän. Er ist mal auf Teilzeit gegangen, um seiner Frau Raum für eine Freiberuflichkeit zu geben. Das hatte nich geklappt, jetzt ist es wieder wie früher. Aber: Er kocht zum Beispiel am Abend. Ein sehr guter Koch. Tatsächlich, es geht um Respekt. Miteinader. Ehrliche Absprachen. offenheit. Und im nächsten Schritt dann aber auch um Chancengleichheit im Beruf. Meine Tochter soll, das wünsche ich mir, die gleichen Rechte und Möglichkeiten der beruflichen Entfaltung haben. Genauso bezahlt, mit gleichen Aufstiegschancen. Wenn ihr Schach dabei hilft, O.K.

      Liebe Grüße

      Jens

  5. Hey,

    Frauen, Männer, Männer, Frauen, da gibt es Vorstellungen und solche, die mal welche werden wollen. Fakt ist doch Schach hat viel mit Mathe zu tun, und das naturwissenschaftliche Gespür ist auch für Frauen da, jetzt früher eher weniger, anders erzogen? Ich weiß es nicht. Heute ist man offener für die Interessen der Kinder, zum Glück! Gestern kam auch eine kurze Reportage zu dem Thema Frauen in Männerberufen! Stimmt das KNowHow ist das doch kein Problem. Frauen wollen vielleicht nur zuviel, zumindest ich für meinen Teil, bin sehr perfektionistisch, oh mein Gott, was? Naja, das versperrt mir hinund wieder reichhaltige Sichtweisen, die keine Perfektion brauchen,und so auch das Männerding und Frauending, arbeiten, Mutter sein, Hausfrau und Karriere, alles geht nicht – schade! Huch, da war es wieder, dieser unbändige Drang alles zu können… Nur wer sich probiert weiß wohin und kommt an, ich bin noch auf dem Weg und der ist ganz okay. Und wenn Ellbogen ausprobiert werden müssen und der Turm fallen muss, dann muss das eben so sein, eben doch kein Männerding – nicht mehr! Glück für Zoe!

    Gleichfalls schönen Tag!

    1. Hi Thordis,

      die Sache mit dem Muttersein ist ein entscheidender Punkt. Da gibt es für Frauen immer wieder einen Karriereknick. Auf Spiegel Online war von einer Frau aus dem Vorstand eines Dax-Unternehmens die Rede, die wegen Schwangerschaft ihren Posten räumen sollte. Eine Mitstudierende von mir war eine ausgezeichnete Literaturwissenschaftlerin – hat ihren Doktor gemacht, veröffentlicht. Schwanger, aus. Kinder sind vielfach einfach immernoch Frauensache. Und Kinder und Karriere allein unter einen Hut zu bekommen, fast unmöglich. es sei denn, man hat viel Geld für die Unterbringung und Betreuung. Wer hat das schon.Und zwei halbe Jobs sind eben kein ganzer. Ist eh schon schwierig genug, mit Familie durchzukommen. Ich kenne da einige, die sich ganz schön verrenken. Müssen. Mit Jobs und Nebenjobs. Kommt ja nicht von ungefähr, dass die Geburtenraten zurückgehen.

      Perfektionismus ist nicht immer ganz einfach. Ich bewundere diesen, ich nenne ihn mal so, mütterlichen Perfektionismus. Ela hat das auch drauf. Die schüttelt das Familienmanagement aus dem Ärmel – so sieht es zumindest aus. Ohne sie würde die Hälfte der Familientermine ausfallen. Ich versuche da mitzuhalten, bin aber zu verträumt. Oder mit wichtigen männlichen Dingen beschäftigt. Da herrscht bei uns kein 50/50. Ela hat den Terminkalender und wacht darüber. Deshalb funktioniert bei uns auch vieles reibungslos. Ich übernehme dafür andere Sachen. Holz schleppen, täglich Spülmaschine ausräumen, Versicherungsangelegenheiten… Individuelle Talente. Ist dieser Perfektionismus, dieses einwandfreie Funktionieren weiblich? Einige der Mütter, die ich kenne, sind so. In den meisten familien hat die Mutter den Terminüberblick. Super Managerinnen.

      Dir auch einen schönen, nicht zu perfekten Tag:)

      Jens

      1. Ja, ja und nochmals ja, dem stimme ich zu. Perfektionismus ist sicher weiblich, Männer sind pragmatsicher. Sie könnten das auch managen, aber eben anders. Ist bei uns ähnlich. Wri müssen drei Kinder unter den Hut zaubern, und an arbieten bliebt nicht viel Zeit, dazu kommt für mich, dass ich keine KInder habe, um sie ganztags zu verkaufen. Dann brauche ich keine. Genieße es mit ihnen, es wird auch immer leichter, unsere Altersstufen liegen bei 6 1/2, 4 und 2 1/2, da geht sicher noch mehr in Zukunft. Zu unserem Perfektioniesmus kommt auch noch die UNgeduld, aber das wird schon. Danke für die Antwor gestern, die war sehr aufbauend, so sollte es auch laufen, gerade ist viel zu leicht. Schwierig ist nur der veränderte Rahmen, de rnicht außer Acht gelassen werden.
        Mein Mann räumt auch jeden Tag die Spülmaschine ein und aus. Lustig! Ich kämpfe mit den Wäschebergen.

        Den Artikel hatte ich gelesen. Es ist dennoch so, dass man zumindest für einen längeren Zeitraum entscheiden muss, ob Karriere oder Kinder. Das Karrierepensum geht auf Kosten der Kinder, da kann ich es auch lassen.

        Verrückt, da war ich früher gegen Karriere und für Kinder und schon hat sich das ganz schnell geändert und ich würde es nicht anders machen wollen!

        Grüße auch von der Hexe!

        Thordis

        1. natürlich andersrum für Karriere früher und heute für Kinder, puh die Zeit drängt, ich düse los!

          Schönen Tag

          Ach und wegen der Perfektionistischen Ader: das Bad erfreut sich oberster Sauberkeit!

          PS: stelle auch ab und zu ein Gedicht auf meine Homepage! Im Moment gerade zum Beispiel,

        2. Hi Thordis,

          ich sehe, du bist Vollgas unterwegs. Drei Kinder in dem Alter, das hält auf Trab. Meine sind mit 11 und 14 schon ein wenig pflegeleichter. Brauchen nicht mehr die dauernde Betreuung. Freiheiten. Wunderbar. Das kommt alles wieder… Und mit zweieinhalb ist ja auch schon ein gutes Stück Weg geschafft. Bei uns kämpft auch Ela mit den Wäschebergen. Ich mache das auch, aber seltener. Kleine Kindersocken auseinander frimeln ist schon hart. Und ich putze – Bad und Küche sind hier mein Ressort. Da allerdings auch anspruchsvoll, fast perfektionistisch. Die kleinen Ecken am Herd und so.

          Liebe Grüße

          Jens

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