Hallelujah, Jeff Buckley.

Es ist eine traurige Geschichte.

Als ich vorgestern nach Köln fuhr, hörte ich sie im Radio. Sie ist lange her. Neunziger Jahre. Da gab es einen Musiker, der Jeff Buckley hieß. Der Sohn eines Singer-Songwriters, von dessen Musik und Aussehen die Moderatorin schwärmte. Buckley hatte in New York auf einer Gedenkfeier für seinen an Heroin gestorbenen Vater gesungen. Die Musikwelt wurde auf ihn aufmerksam, das Studioalbum GRACE entstand. Weil er nicht genug eigene Songs hatte, coverte er unter anderem Hallelujah von Leonard Cohen, der selbst sagt, Buckleys Version sei die beste.

Das Album verkaufte sich nicht. Trotz Werbung und Anerkennung durch bekannte Musiker. Buckley zog sich nach Memphis, Tennessee, zurück, um sein zweites Album aufzunehmen. Die Legende sagt, als es eingespielt war, sei er schwimmen gegangen. Fakt ist: Er ist ertrunken. Er war in die Mitte des Wolf Rivers geschwommen, wie schon öfter, als ihn die Welle eines Schiffes unter Wasser drückte. Er hatte weder Alkohol noch Drogen konsumiert. Vollkommen nüchtern. Vielleicht nur noch seine neuen Songs im Kopf, im Ohr. Es gibt den alten Satz: „Die Besten gehen immer zuerst.“

Komisch. Auch Buckley habe ich jetzt erst entdeckt. Ich frage mich, was ich in diesen fucking Neunzigern eigentlich gemacht habe…

18 Antworten auf „Hallelujah, Jeff Buckley.“

  1. Hallo Jens,

    schöne Musik! Ja, nicht alle Musiker werden berühmt. Und man hört nur selten etwas von Musikern, die nicht berühmt sind, die zwar großes Talent haben, aber nicht so richtig an die Oberfläche kommen. Jeff Buckley ist beeindruckend mit seiner Version. Schade, daß er so früh aus dem Leben geschieden ist.
    Wahrscheinlich hattest Du in den fucking Neunzigern viel Arbeit und eure Kinder im Kopf. Da war zu wenig Raum für intensives Hinhören. Es hat alles seine Zeit. Genieße die musikalischen Freuden eben jetzt intensiver.

    Viele Grüße
    Annegret

    1. Hi Annegret,

      für manche kommt die Zeit einfach früher. Oder er wollte nicht mehr auftauchen. Wer weiß. Ja, in den neunzigern war Studium, Theater, Haus, Kinder. Ist ja schön, dass die Musik noch da ist:) kann ich jetzt nachholen.

      Liebe Grüße

      Jens

  2. Da warst aber spät dran, lieber Jens.. Selbst ich Jungspunt kenne Jeff Buckley jetzt schon ca. 10 Jahre. Das Lied bzw. die Version ist ganz toll. Und ja, Buckleys Lebensgeschichte ist keine schöne… Trotzdem viele Sternstunden mit seiner Musik wünscht
    Moon

    1. Hi Moon,

      yes. Da hat der Herr Schönlau mächtig gepennt. Dafür habe ich mir jetzt die CD bestellt und habe das vergnügen, den Herrn Bukley „neu“ und frisch zu entdecken:)

      Sternenstaubstunden – schönes Wort, äh w war ich?

      Dir und deiner Mom einen schönen Abend und bis bald

      Jens

  3. Ohh ja Jeff Buckley…

    Seit ich ihn vor einigen Jahren entdeckt habe ist er unter meinen Lieblingskünstlern an die erste Stelle gehüpft und da wird er denke ich auch immer bleiben. Es gibt keinen den ich mehr bewundere und respektiere. Seine Stimme ist einfach engelsgleich und ich verstehe nicht, wie sich „Grace“ zu seiner Zeit nicht verkaufen konnte. Es ist mit Abstand das beste Album das ich kenne und vom Gegenteil wird mich wohl niemand überzeugen können.
    Hätte ich bloß in den 90ern gelebt… Ich würde heute wahrscheinlich unmengen bezahlen nur um ihn einmal live zu sehen.

    1. Hi Kulii,

      und plötzlich sind sie weg. Als ich damals auf Nirwana und Curt Cobain so richtig aufmerksam wurde, da hat er sich erschossen. Plötzlich im Radio gehört. Schock. Damals. Freunde von mir hatten ihn in Köln bei einem kleinen Konzert gesehen. Zu spät. Ich habe mir das Album bestellt und freue mich drauf. Bin gespannt.

      Liebe Grüße

      Jens

  4. Da hast du mir vielleicht ein Orhwurm gestern beschert! Ich kannte das Lied, kannte die Geschcihte schon, mir ist als hätte ich das auf Deinem Blog schon mla gelesen, zumindest der Namen Jeff Bukley ist mir geläufig. Nur, dass mir das Lied gestern nicht mehr aus dem Kopf ging, damit hab‘ ich dann nicht gerechnet :-)

    Herzlich
    Gitta

  5. Hi Gitta,

    Hallelujah! Das passiert. fiftyfiftyblog lesen ist immer höchst gefährlich… Bitte beachten sie mögliche Nebenwirkungen!!! Hab gerade auch einen Ohrwurm und pfeife einen Song. Plötzlich. Kann ich nichts machen:)

    Über Jeff Buckley habe ich hier noch nicht geschrieben, weil ich den bislang nicht kannte.

    Liebe Grüße

    Jens

    1. Dann muss ich die Geschichte an anderer Stelle gelesen haben, auf jeden Fall kannte ich sie. Das Lied selbst hat etwas, ich mag Lieder, wenn sie auf diese Art gesungen werden, wenn sie eingen interpretiert werden. Das war das, was beim Klavier spielen Spaß gemacht hat: selbst interpretieren, eigene Tempi geben, eigene Emotionen in Lieder legen. Sehr gerne habe ich das mit Antonin Dvoraks „Thema aus der neuen Welt gemacht“. Schätze mal er wäre schreiend davon gelaufen, aber die Emotionen, die man hier hinein legen kann. Ebenso ist das mit „Halelujah“ und Jeff Bukley hat eine sehr emotionale Interpretation geschaffen, die Gänsehautmäßig unter die Haut geht und die voe allem im Ohr bleibt.
      Danke für diese tolle Nebenwirkung des fiftyfiftyblogs :-).

      Herzlich
      Gitta

      1. Hi Gitta,

        das ist dann die eigentliche Kunst, wenn etwas Neues daraus wird. Wenn man es fühlt, dass man es anders machen möchte. Heiner Müller hat die Vorlagen immer „Material“ genannt. Wie Ton. Umformen. Schön, wenn man klavierspielen kann. Oder überhaupt ein Instrument. Würde mir manchmal neben den ganzen Worten hier gut gefallen.

        Liebe Grüße

        Jens

  6. Hallo Jens,

    ich habe damals einen Artikel über ihn in der Frankfurter Rundschau gelesen und meine restliche Familie auf ihn aufmerksam gemacht. Mein Mann und mein Sohn waren, wie ich, hin und weg. Und nun, viele Jahre später, hat unsre Tochter, die damals noch gar nicht auf der Welt war, ihn für sich entdeckt.

    Ich finde, er hat, wie Jim Morrison, den Tod in der Stimme und es ist wohl kein Zufall, dass Kuli sie als „engelsgleich“ beschreibt.

    Jim Morrison – auch ein Engel , wenn auch ein ganz anderer – habe ich als junges Mädchen (1966/67) aus dieser Todesahnung heraus überhaupt nicht hören wollen, weil mir das Angst machte. Jahre später gab es eine Renaissance für die Doors (so um 1973/74) und da begeisterte er mich geradezu . Da war er aber schon eine Weile nicht mehr am Leben.

    Diese CD, auf der Halleluja ist, ist übrigens Jeff Backleys Mutter zu verdanken, die sie nach seinem Tod herausgebrachte . Was für eine Überwindung das für sie gewesen sein muss und wie tröstlich gleichzeitig!

    Gruß Eva 2

    1. Hi Eva,

      nun gehöre ich also auch zu eurer Familie:) Engelsgleich. Schwingt was mit. was auch immer. es gibt einfach so Menschen, die anders sind. Wenn man hört, wie Morrison The Ende singt, wird einem auch anders. Wie Abschied. Schön, dass ihr in der Familie Jeff Buckley gemeinsam habt.

      Liebe Grüße

      Jens

  7. Hallo.

    Nur ganz kurz, ein paar Video-Links, damit Dir im Hier und Jetzt nicht noch andere musikalische Seelenstreichler entgehen…

    http://vimeo.com/18058754 (Paul Thomas Saunders)

    http://youtu.be/HRtN3TGfah0 (Kele Goodwin)

    http://youtu.be/CdRVfT5BZUM (Passenger)

    http://vimeo.com/42478151 (Choir Of Young Believers)

    http://youtu.be/YEY98bERWWA (Cat Power, nur um auf Nummer sicher zu gehen)

    Und, man, beneide ich Dich darum, all diese Videos (wahrscheinlich) zum ersten Mal zu sehen…

    Grüße aus Hamburg,
    B

    1. Hi Björn,

      thanx. Vielen dank für dein Teilen. Fiftyfifty in Reinkultur:) Höre mich gerade durch. Ja, Seelenstreichler. Super schön.

      Liebe Grüße

      Jens

      1. Gerne. Das Teilen. Als langmonatiger, stiller Mitleser fühle ich mich dann inzwischen doch mal verpflichtet, wenigstens etwas Kleines beizutragen.

        Und was könnte es da Schöneres geben als – eben! – Musik!

        Schönen Abend.

        1. Hi Bjørn,

          keine Pflicht! Gibt es hier nicht. Kein Zwang, kein Geben und Nehmen per Waagschale. Nur, wer mag. Jede und jeder ist eingeladen, zu schauen, zu lesen. Und wenn die Lust dazu da ist, mitzumachen. Open Community. fiftyfiftyblog ist ein freies, freies, freies Projekt. Die Songs sind wirklich schön und Cat Power als Add On ist himmlisch. Vielen dank!

          Viele, viele Grüße und dir eine schöne Woche

          Jens

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