iPhone or no iPhone, that’s the question.

Alle haben eines. Ein Vierer oder sogar Vierer S. In meinem Metier, unter den Kreativen geht es eigentlich gar nicht ohne. Kommunikation. Kontakte. Checken. Online sein. Mails abrufen. Simsen. In die Cloud. Skypen, was in der Apple-Welt irgendwie anders heißt. Möglichkeiten über Möglichkeiten. Irgendeine Frage? Zück, ich antworte schneller als dein Schatten. Konzentrierter Blick, Fingergeschiebe. Kribbeln im Kopf, Kabel im Kopf, Verbindungen, eingeklinkt in die MATRIX. Es wird alles wahr und Big Brother is watching you. Loosing my religion.

Hat ja eine gewisse Erotik, so ein Teil. Kommunikation mit Anfassen. Touch. Touch me. Touchscreen. Die sensiblen Fingerspitzen über das nackte Display. Uaahh. Berührtsein, Verführtsein. Nun hatte ich die letzten Tage auch noch jobmäßig mit dem Ding zu tun und musste in den Apple-App-Store, um auch morgen noch kraftvoll zubeißen, äh mitreden zu können. Ist das alles schön bunt hier? Apps für alles und jenes.

Dieser Haushalt ist mittlerweile total verappt und ich fühle mich manchmal veräppelt, wenn ich nicht mitreden kann. Die Begeisterung ist so hoch. Ungebrochen. Beim Mittagessen muss ich dringend darauf hinweisen, dass die Devices off gehen. „Bitte schalten Sie jetzt ihre Mobilgeräte aus, wir wollen essen.“ Seit wir W-Lan haben sind alle ständig drauf. Noch schnell das Tutorial reinziehen, die App laden, den Clip schauen. Guck mal hier! Boah, ey!

Nun bin ich der einzige komplett apfelfreie Mitbewohner hier und habe auf der Stirn groß stehen: Letzter Mohikaner. Und ich muss zugeben. Es zuckt. Soll ich? Soll ich nicht? Das Gänseblümchen-Orakel befragen? Ich glaube, ich werde standhalten. Vor allem, weil jetzt auch schon die Telekom-Hotline auf mich einredet. Als ich da anrief wegen eines kleinen technischen Problems im Teamwork von Router und Telefonanlage hat sich diese hübsch klingende junge Frau als Sirene und Schlange Ka in mein Ohr gewunden. „Du willst es doch auch. Smart. Phone. Äpfelchen, fein geschnitten wie früher. Der Vertrag läuft bald aus, wir beiden könnten jetzt und hier verlängern. Eine unheimliche Beziehung eingehen, intensiv. Touch. Screen. Der Apfel mit dem Biss.“ Wer hat die denn geschult? Direkt von der Erotikmesse engagiert. Normalerweise sage ich bei aufkommendem Verkaufsgeschwätz „Danke und weiter, bitte“. Aber hier. Fast hätte ich zu allem Ja und Amen gesagt, aber eine letzte Gehirnzelle Verstand hat mich zurückgehalten. Das iPhone, ein zweischneidiges Schwert. Meint auch der Spiegel.

Denn es ist eine größere Frage, die über das Telefonieren hinaus geht: Wie willst du leben? Ständig online? Im Wald Mails checken? Im Auto skypen? Mille Grazie. Monsieur NON. Das möschte isch nischt. And so werde ich einen anderen Weg gehen. Nach Waldbröl. Zum nächsten Elektronikfachhändler meines Vertrauens. Hier gibt es all die großen Märkte mit M und Himmelsringen nicht. Ich werde mir mal bei euronics erläutern lassen, was es für mein Leben nach Vertragsende so an Alternativen gibt. Was will ich wirklich? Da wird der Handyvertrag zur psychologischen Weichenstellung, zur Lebensentscheidung:).

10 Antworten auf „iPhone or no iPhone, that’s the question.“

  1. Args, neiiiiiiiiin! *dazwischenwerf* Du willst NICHT!

    Bitte, du hast dir selbst doch schon erklärt, wieso du das nicht haben willst. Bleib dabei!
    Dies ist ein absolut applefreier Haushalt und das wird auch so bleiben (ich hab mal kurz beim iPod ein wenig gezuckt, aber es gibt andere MP3-Player und ich komme nach wie vor ohne aus).

    Und als abschreckendes Beispiel: Samstag abend war ich zu einem Geburtstagsfeieressen eingeladen (Hans im Glück auf dem Hohenzollernring, wenn ihr mal unvorstellbar gute Burger essen wollt – auch vegetarisch oder vegan, sooooo lecker) – und die ganze Zeit hatte fast jeder sein iPhone an, starrte drauf oder postete was auf FB (gut, als der Geburtstagserwachsene das von meiner Tochter gemalte Bild direkt fotografierte und postete als „sein schönstes Geschenk“, war ich schon gerührt, aber das hätte auch bis zum nächsten Tag Zeit gehabt).
    Irgendwann war ich so genervt, dass ich demonstrativ mein 5 Jahre altes gebraucht erhaltenes abgeschrabbeltes (Achtung jetzt kommts) BLACKBERRY auf den Tisch warf und nur „Schwanzvergleich“ murmelte. Zum Glück kennt der Geburtstagserwachsene a) mich und meine Abneigung gegen Äpfel sehr gut und ist b) ein großer Blackberry-Fan. Er bot mir direkt sein Smartphone zum Tausch an. Ich finde, dass Telefone (!!! Egal was sie sonst noch können) beim (gemeinsamen) Essen nichts zu suchen haben…

    Also, hier die Gegenstimme zu der Telekom-Dame (stell dir jetzt ein bisschen Hauchen vor und etwas mehr Schlange Ka): Nein, du brauchsssst das doch gar nicht. Du kommst doch prima sssso zzzzurecht. Du bist doch ein vollständiger Mensch, was soll ein so schweres und empfindliches Gerät denn noch verbessssssssern….

    :-D Bin gespannt, wie du dich entscheidest. Lieben Gruß!

    1. Hi ElaE,

      Du meinst, ich soll mir sagen: DU DARFST? So bleiben, wie ich bin? Ich glaube, mir würde so ein teil nicht gut tun. es verändert. Tatsächlich. Macvht abhängig, drängt sich in den Vordergrund. Will ausgereizt werden. Gefordert. Da muss man sich als Besitzer ganz schön drum kümmern, dass sich die Teile nicht langweilen.

      Die Apples werden einfach viel, viel häufiger gezückt als normale Handys, die halt meist nicht diese Flatrates haben. Ist die Flatrate da, will sie genutzt werden. Muss sich doch bezahlt machen. All you can communicate. Das ist der Turmbau zu Babel. Alle kommunizieren miteinander, ohne sich in die Augen zu sehen. Es sei denn per Screen. Wir brauchen dauernd neue Verhaltensregeln. Wie geht man mit den Technologien um? Oft ist das iPhone das Ende der Höflichkeit, weil es wichtiger ist als anwesende Menschen. Magnetismus. Wird sich wahrscheinlich einpendeln. Noch ist alles ein Hye und aufregend. Ich denke, ich werde mir Zeit lassen und weiter zuschauen. Mein Handy tut’s noch. Werde wohl trotzdem mal schauen, was es da heute für Alternativen gibt. Immer gut, wenn man mal drüber gesprochen hat:)

      Liebe Grüße

      Jens

  2. Lieber Jens,
    brauchst Du das Tamagotchi für Erwachsene?
    Es ist wirklich sehr interessant, auch soziologisch gesehen, wie erwachsene Menschen dieser Sucht erliegen… klar, Spielen macht Spass, jedoch wir werden immer manipulierbarer/ überwachbarer. Meine Mobilfunkfirma wollte mir jetzt auch so ein Ding andrehen, damit ich den Vertrag verlängere, den ich kündigen werde, weil ich keine Lust mehr habe für Unnötiges zu zahlen. Mir wurde ganz schlecht als ich hochgrechnet habe wieviel ich die letzten Jahre gelöhnt habe für etwas was ich nicht brauchte (Flatrate, blablabla). Alles Vampire die einem dann 24 Monate und länger am Hals hängen ;-(…
    Und wer will schon immer erreichbar sein?!
    Beim nächsten Geburtstagsfest großes Schild: Hier herrscht Erreichbarkeitsverbot, bei echten Notfällen: Festnetz, Gedankenpost oder Telegramm schicken! (Gibt’s das noch?) ;-)
    Lieben apfelfreien Gruss,
    Danièle

    1. Liebe Danièle,

      nicht wirklich, um deine Eingangsfrage zu beantworten.

      Aber. Ich kann mich nicht ganz davon freisprechen, dass es mich reizt. Allerdings. Ich weiß um die lauernden Gefahren. iPhones und iPod touches machen das leben noch unruhiger. Checken, gucken, spielen. Deshalb steht bislang mein Nein. Manchmal überkommen mich aber Eingebungen, die mir dann sagen: Was interessiert mich mein dummes Geschwätz von gestern. Also halte ich mir eine Hintertür offen, um eventuell später doch noch… Momentan auf jeden Fall nicht.

      Die iPhone-Nettikette muss sich noch durchsetzen. Manche Menschen neigen da zu Taktlosigkeit und stellen Maschine über Mensch. Ein Warnhinweis wäre gut: Vorsicht, mit diesem iPhone droht der Verlust zentraler humanoider Kontakte.

      Liebe Grüße

      Jens

  3. Hallo Jens,

    ich bin die allerletzte Person, der Du eine solche Frage stellen solltest. Ich habe ein Uralt-Handy, das ich nur für den Notfall benutze (z.B. Liegenbleiben auf der Autobahn), muß es aber seit längerer Zeit schon aufladen. Erreichbar bin ich, wenn ich Zuhause bin. Ansonsten bin ich ein Atom in der großen Atmosphäre.
    Es geht mir gewaltig auf den Wecker, daß die Leute überall telefonieren. Nirgendwo ist Ruhe. Wo ist nur die gute alte Zeit geblieben?
    Aber Du, lieber Jens, mußt ja immer und überall erreichbar sein, zumindest für das Business, und für den Notfall für Deine Lieben. Da muß man sich schon fragen: i-Phone oder Nicht i-Phone.

    Zwischenzeitliche sonnige Grüße
    Annegret

    1. Hi Annegret,

      mein MOBILE ist permanent dabei, weil ich tatsächlich so gut wie immer erreichbar bin. Für Kinder und Kunden. „Was kann ich für Sie tun?“ In meinem Leben muss alles immer schnell und von jetzt auf gleich passieren. Anruf, los. Das ist so eine Art Feuerwehrpieper für den Notfall. „Auf Anruf Job“. Die Zeit läuft. Von daher würde mir so eine Kommunikatioszentrale teilweise mehr Freiheiten einräumen, weil ich mit Mails und Web auch unterwegs im Bilde wäre. Aber es würde mich unterwegs unruhiger machen. Ich wäre einer von den „mal eben schnell“-Checkern. Deshalb halte ich mich zurück und vergnüge mich mit meinen finnischen Teil, das komischerweise keine Sauna-App hat.

      Liebe Grüße

      Jens

  4. Hallo Jens,

    nach ja… also diese Entscheidung trifft wohl jeden unserer Generation einmal hart. Ich habe sie seit ca. 4 Monaten hinter mir. Habe mit mir gerungen, wochenlang. Infos einholen, checken, mein Need und mein Want überprüft. Mein Want war stärker… die Erotik der Zeit.
    Ich stimme allen meinen Vorrednern zu. Nein, Du brauchst es nicht! Aber – ich könnte schwören, Du wirst es trotzdem tun…

    Aber wenn Du es tust… es gibt einen Kompromiss. Smart ja, Apfel nein. Samsung – leicht und flach liegt es in Deiner Tasche, vibriert, läßt Dich fühlen. Erotik? Vielleicht eher Eleganz… Allerdings – so´n richtiger Mann? leicht, flach und elegant? Tja, ich fühle mit Dir. Da musst Du jetzt wohl durch…

    Ich habe es jedenfalls nicht bereut und… auch beim Smartphone gibt es ein Exit ;-)

    Liebe Grüße
    Tine

  5. Hi Tine,

    ist schon lustig, das so eine Handy-Entscheiodung mittlerweile mehr ist: Wie will ich leben? Geht schon weit rein in den Alltag und verändert. Diese iPhones werden dauernd gezückt. Gestern Abend war ich auf einem Poetry-Slam in Köln und da wurden Termine vereinbart, telefoniert, fotografiert, Playlists verglichen, Wettermeldungen geschaut. Omnipräsent. Überlege noch…

    Liebe Grüße

    Jens

  6. :-) Überlege gut, hechel…

    Aber die Regenradarapp ist z. Zt. auch meine liebste Entscheidungshilfe bei der Planung von spontanen Biergärtenbesuchen oder Gartenpartys…

    LG Tine

    1. Regenradarapp hab ich neben meinem Bett. Barometer. Das zeigt ganz gut, wie’s wird. Hab ich natürlich nicht immer dabei. Ich überlege gut habe aber nochein wenig zet, weil der Vertrag noch läuft.

      Liebe Grüße

      Jens

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