Lauter nackte Menschen.

Ein Fifty-fifty-Wochenende. Die Kinder waren bei der Oma Kekse backen, Ela und ich hatten frei. Allerdings sind wir Freitagabend gleich getrennte Wege gegangen, weil wir uns schon lange vorher verschieden verabredet hatten. Ela mit Kurt zum Tanzen, ich mit den Fußballjungs zum Zug durch die Kölner Altstadt. Da haben wir einen gemeinsamen Abend ohne Kinder und sind dann auf getrennten Wegen in Köln unterwegs. Aber der Abend hat trotzdem viel Spaß gemacht, auch wenn ich viel zu viel Bier getrunken habe und tatsächlich am Samstagmorgen unter Kopfschmerzen litt. Der Wetterwechsel, von warm auf kalt. Ts.

Ela hat mich dann gerettet. Wenn ich sie nicht hätte. Als ich um kurz vor Zwei aufgestanden bin, hat sie mich nach Bergisch-Gladbach ins Mediterrana geschleift. Eine Wohltat. Eine Sauna wie aus Tausend und einer Nacht. Ein Paradies. Luxus pur. Alles ist so liebevoll eingerichtet. Es brennen Kerzen, überall stehen frische Blumen. Im neuen Teil, der nun dazu gekommen ist, wurde ein indischer Palast gebaut. Das könnte man sich jetzt in Fantasialand billig in Kunststoff vorstellen. Nö. Alles echt. Möbel aus Indien oder der gesamten orientalischen Welt. Überall kleine Details zu entdecken. Steht irgendwo ein Gefäß, liegen Rosenblätter drin.

Jetzt lästern ja viele Menschen über Feng Shui, das Einrichten nach den Elementen. Das Mediterrana ist für mich ein Beweis, wie gut das der Seele tut. Die vier Elemente im Einklang – Feuer, Wasser, Luft, Erde. Kerzen, Springbrunnen, Wasserbecken, Düfte, Pflanzen, Blumen. In jedem Gefäß ein paar Rosenblätter. Überall brennen Kerzen oder Kaminfeuer. In einer neuen Sauna sitzt man auf gemütlichen Holzbänken rund um ein offenes Feuer – die Beine baumeln im Becken mit heißem Wasser. Ah, oh. Kommt man aus der Sauna raus und kühlt sich ab, kommt man in einen Raum mit einer riesigen Regendusche, einem Wasserfall und zwei Wasserstrahlen aus riesigen Wasserspeiern. Der Raum ist dunkel gehalten, Licht steigt aus dem Wasserbecken auf, in dem man steht. Die Wände sind aus Naturstein. Die Wasserspeier stammen von einem alten Haus – so Adlerköpfe, aus denen das Wasser heraus fließt. Alles ist so geschmackvoll. Konsequent durchgezogen.

Mein persönliches Highlight war dann die Buddhasauna. Eine riesige Buddhafigur thront mitten im Raum, der zu drei Seiten über große Fenster den Blick in den Garten freigibt. Auch dort überall Lampen und Kerzenschein. Im Hintergrund orientalische Musik. Ich habe mich direkt neben den Buddha gelegt. Dann kam eine Mitarbeiterin rein, ließ über eine den Raum mit Klang füllende Surround-Anlage ein Buddhakonzert ablaufen. Dazu verbreitete sie Düfte im Raum – erst Zitrone, dann Räucherwerk. Alles zusammen, die Düfte, die Klänge, die Atmosphäre, die Temperaturen, sehr intensiv. Hab ich mich wohl gefühlt. So, so, so, so schön. Also wenn ihr mal, dann…

Insgesamt waren wir sieben Stunden im Mediterrana. Ich habe gelesen, geschlafen, Ela an meiner Seite genossen, entspannt. Von Saunagang zu Saunagang wurde ich ruhiger und relaxter. Zwischendurch waren wir in einem der Restaurants eine Kleinigkeit essen. Die komplette Verführung der Sinne. Und überall nackte Menschen. Große, kleine, dicke, dünne. Schöne, ganz schöne, überaus schöne. Manchmal hab ich ein wenig geguckt. Wo soll man auch hinschauen? Es gibt wirklich so schöne Menschen. Also wirklich.

Jetzt sitze ich hier und bin noch ganz weg. Von allem. Ein wunderbares Wochenende. All I needed, all I wanted, is here, in my arms…

Euch eine schöne Woche. Vielleicht mit ein klein wenig Luxus. Wenn es nicht das Mediterrana ist, dann vielleicht ein Bad. Mit Kerzenschein, Rosenblättern, einer Pflanze (wegen der Erde), Duft (Orange oder Zitrone oder…), Musik, einem leckeren Tee. Und vielleicht einer sanften Massage von dem, der Liebsten. Es ist alles da. Ciao.

10 Antworten auf „Lauter nackte Menschen.“

  1. Ästhetik, Schönheit im Großen und im Detail ist Balsam für Körper und Seele, ist Glück – ob das Feng Shui gemäß ist oder nicht… Warum nur ist das Schöne oft so teuer, besonders wenn es um Dinge (Möbel, Kleidung, Gegenstände…) geht? In der Natur ist es aber ja zum Glück „umsonst“, wenn man nur einen Blick dafür hat. Und schöne Menschen angucken und sich an ihnen freuen kann man ja auch in der Regel ohne zu bezahlen. Und überhaupt liegt die Schönheit ja oft im Auge der Betrachter, Gott sei Dank! Es stimmt, es ist alles da…
    Dir auch eine „schöne“ Woche! Gruß, Uta

    1. Leider ist das Schöne oft wirklich teuer. Manches lässt sich aber auch ohne große Kosten umsetzen. Kerzen, Duft, Musik. Und die Schönheit der Natur nicht zu vergessen. Dass Schönheit dabei relativ ist, ist klar. Da hat jeder/ jede den eigenen Blick und die eigenen Vorstellungen. Feng Shui sehe ich weniger als eine Pflicht, also nicht das die Dinge einem Schema Feng Shui entsprechen müssen. Das soll nicht einengen. Im Gegenteil. Es ist eine Lehre, die unterstützen kann. Die haben Menschen formuliert, die sich über lange Zeit damit beschäftigt haben, was Menschen gut tut. Wir haben in Deutschland eine solche Lehre nicht, weil wir einen anderen kulturellen Hintergrund haben. Wir sind wesentlich rationaler und mehr auf Funktion bedacht. Das ist für unser Inneres oft schwierig, glaube ich, weil einige Dinge vernachlässigt werden. Räume zu schaffen, die atmen lassen, ist nicht einfach. Hier kann Feng Shui helfen, ohne irgendetwas aufzuzwingen. Es ist eine zusätzliche Möglichkeit, ein Angebot. Ich weiß, der Name allein löst vielfach Aversionen aus und lässt an Spinner denken. Nun gut, muss ja nicht. Kann.

      Liebe Grüße

      Jens

  2. Versteh mich nicht falsch – ich habe nichts gegen Feng Shui, habe mich da auch mal mit beschäftigt und fand es faszinierend! Auch wenn man nicht das ganze Konzept umsetzen kann und alles versteht, ich denke man kann auch einfach nur ein paar Details übernehmen und erlebt trotzdem etwas von der Wirkung (zum Beispiel: Entrümpeln… ;) LG Uta

    1. Hi Uta, so mach ich das auch. Ich schaue, was ich davon gebrauchen kann und was nicht. Muss ja praktikabel und umsetzbar sein. Ich hab es da nich so mit „Konsequenz“ und „totaler Überzeugung“. Das muss passen. Da denken wir wahrscheinleich ähnlich.

      Liebe Grüße

      Jens

  3. Jetzt nach dem lesen des Textes fühle ich mich wieder total entspannt und muss an das Wellnesswochenende von letzter Woche denken,das war auch so schön. Erstaunlich wie man sich an 3 Tagen so erholen kann. Die Liebe zum Detail ist und bleibt einzigartig.

    1. Manchmal ist es einfach gut, rauszukommen und sich was Schönes zu gönnen. In ganz anderer Umgebung. Das ist wie ein Reset, der manchmal einfach wichtig ist. Sonst schwimmt man immer in der gleichen Suppe. Ich war schon überrascht, was sieben Stunden ausmachen. Aber drei tage, das ist natürlich Superluxus.

      Liebe Grüße

      Jens

  4. „Ich habe gelesen, geschlafen, Ela an meiner Seite genossen, entspannt. “
    Dieser Satz hat mich am meisten angesprochen. Jemanden genießen, das kann so schön sein.

    1. Schön, dass du den Satz zitierst. Ich kann mich an das Gefühl damals erinnern. Sehr wohlig. Sehr angenehm, was da alles so in unserem Gefühlsarchiv schlummert und darauf wartet, abgerufen zu werden. Der Mensch voller Emotion. Den Karton sollten wir öfter hervorholen und darin kramen…

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