Nachruf auf Birne!

Da geht sie hin. Die Birne. Also nicht der ehemalige Kanzler. Also nicht Helmet! (Ihr erinnert euch? Jim Jarmuschs Night on Earth – Armin Müller-Stahl als ostdeutscher Taxifahrer Helmut). Die Birne mit den 60 Watt verlässt uns. Ab heute dürfen nur noch Lagerbestände dieser mittelhellen Glühbirnen verkauft werden. Danach ist Schluss mit dem schönen Licht. Wegen CO2. Die Umwelt. Braucht einfach zu viel Energie, dieser Edison-Klassiker. Weil man da einen minikleinen Glühdraht hat, durch den sich eine Riesenmenge Strom so durchquetscht, dass das Teil zu leuchten anfängt. Effizient ist das nicht. 5 % Licht, 95 % Wärme.

Stattdessen: Energiesparlampen. Die brauchen nur einen geringen Teil des Stromes, um genauso hell zu leuchten. Allerdings: Dieses Licht! Mit dem Charme einer Neonlampe, einer Bahnhofsgaststätte nach Mitternacht. Keinerlei Romantik. Einfach hell. Und außerdem sind in den Dingern seltene Erden drin und giftiges Quecksilber. Ts. Nicht unbedingt die wirklich gute Alternative. Bei Energiesparen ja, beim Giftmüllvermeiden und kuscheligem Wohlfühlen: Nein. Oder? Später dazu mehr…

Also was tun? Komplette Lagerbestände aufkaufen? Hamstern? Sich dem nostalgischen Geistern hingeben? Also wirklich: Irgendwie verschwinden da immer mehr Dinge meiner Kindheit und meines bisherigen Lebens. Irgendwann ist dann auch das Auto mit Verbrennungsmotor weg. Ein wenig habe ich das Gefühl, in ein Übergangszeitalter hineingeboren worden zu sein. Mit einem Bein stehe ich in einem bald vergessenen Gestern, mit dem anderen versuche ich mit der Zukunft um die Wette zu laufen. Meine Kinder glauben jetzt schon manchmal, ich käme aus dem Museum. „Wie war das mit den Schallplatten?“ Ich könnte denen Geschichten erzählen. Wie das früher war. Zum Beispiel in den großen Ferien. Aber da beschleicht mich das Gefühl, die würden das so wahrnehmen, wie ich früher „Ferien auf Immenhof“. Leicht spießig konservativ.

Zurück zum Thema. Ich wollte mich der Sache ja nun doch mal ernsthaft nähern und habe „Alternative Glühbirne“ gegoogelt. Und wer erschien? Die Lippische Wochenschau mit einem Artikel. Da steht einiges drin zum Thema Energiesparleuchten und dass die Zukunft wohl LEDs sind. Mit meinem oben geäußerten Quecksilber-Vorurteil (muss ich wohl einräumen) räumt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hier auf. Da steht alles Wissenswerte zum Thema Energiesparlampe. Tatsächlich verbraucht eine Glühbirne mehr Quecksilber als eine Energiesparlampe. Miste. Wieder ein Argument weg.

Dort gibt es auch einen Link zur Stiftung Warentest, die dort ein erstaunliches Testergebnis veröffentlicht. Unter Preis-Leistungssieger bei den Glühbirnen-Alternativen steht da: „Als preisgünstige Alternative empfehlen die Tester gute Kompaktleuchtstofflampen, die nur wenige Euro kosten. Beste Noten erzielten hier die Osram-Lampen Duluxstar und Duluxstar Mini Twist. Fast ebenso gut waren Go On! vom Hagebaumarkt und Philips Tornado Turbo.“

Alle Achtung. Beste Noten für die Billigmarke Go On! aus dem Hagebaumarkt. Wer hätte das gedacht. Nur: Das schöne, schöne gemütliche Licht der alten 60 Watt Glühbirnen bringt das nicht zurück. Das steht jetzt im Museumsregal gleich neben den Immenhof-Videos, die auch längst ausgedient haben. Wie schnell das geht… Bleiben die Kerzen. Die schönen alten Kerzen. Oder?

6 Antworten auf „Nachruf auf Birne!“

  1. Die Jungs und Mädels in Brüssel haben es geschafft einen genauen Plan für 300 Millionen Bürger in der EU auszuarbeiten, wie wann welches Leuchtmittel erlaubt ist, aber eine Handvoll Banker darf weiterhin machen was sie will…

    Okay, sorry war jetzt nicht passend.

    Aber Übergangszeit würde ich nicht sagen, man stelle sich vor wie sich die Welt für einen 80 jährigen darstellt. In der Jugend gab es wenige Autos, alle hatten grob die gleichen Klamotten an, von denen vieles Selbstgemacht war. Zu Trinken gab es Wasser (das kam wenn man Glück hatte aus einem Wasserhahn) und an spannenden Feiertagen mal eine Limonade.

    Fernsehen war weitgehend unbekannt, ebenso Werbung, vielleicht mal was an einer Litfasssäule. Man könnte ewig so weiter machen und heute sieht die Welt unwesentlich anders aus.

    Die Energiesparlampe hat soweit ich weiss keine so großartige Energiebilanz wenn man den gesamten Lebenszyklus betrachtet. Das Licht einer nackten 60-Watt Glühbirne finde ich aber auch nicht zwingend so anheimelnd.

    Aber schade es ist schon was wir uns alles an unsinnigem Vorschreiben lassen…

  2. HI, hi, stimmt, es wärte schön, wenn diese Glühbirnen-Marshall-Plan so auch auf das Finanzsystem übertragbar wäre. Sofern da ein guter Plan vorliegt. Liegt er?

    Für meine Eltern sieht das alles nochmal eine ganze Ecke schräger aus. Tatsächlich. Fernsehen. Privatfernsehen. Youtube. Heijeijei. Und die haben noch einen Krieg in Deutschland erlebt. Für mich persönlich fühlt sich das gerade so an, als hätte die Entwicklungsbeschleunigung mit der Globalisierung enorm zugenommen. Als würde uns da gerade vieles um die Ohren fliegen – von Atomkraft bis Bankensystem und Klimwandel. Alles so große, unüberschaubare Themen.

    Zur Energioesparlampe hat die verrbraucherzentrale NRW geschrieben, dass sie eine wesentlich bessere Energiebilanz hätte als die Glühbirne. Wegen der langen Lebensdauer. Und die Sache mit dem Quecksilber: Das entsteht auch bei der verbrennung von Kohle, die zur Stromerzeugung verwendet wird. Und weil die Glühbirne so viel Strom braucht…

    Vielleicht macht das ja doch Sinn. Aber ganz ehrlich: Ich weiß es nicht:)

    Schönen Abend

    Jens

  3. Oh,das ist ja fein, das die beim Suchen nach alternative Leuchtmittel ein Zeitungsartikel/Zeitung aus meiner Heimat entgegen kommt :-) Ich hoffe doch das uns die Kerzen erhalten bleiben, obwohl es jetzt schon Teelichter mit LED´s gibt. Ich mag Kerzen,sie strahlen romantik,kuscheligkeit,wohlfühlmomente aus.

    1. Lippische Wochenschau fand ich schon extrem cool. Unter Google bei diesem Thema auf Platz 1. Respekt. Die haben’s drauf.

      Also Kerzen kann man sich ja notfalls selbst gießen, wenn man einen Imker kennt. Da würde ich nicht drauf verzichten. Die gehören unter Naturschutz. Absolut! Da würde ich die Bewegung „erster September zum Schutz der Kerze“ gründen, wenn da jemand was planen würde, und auf Brüssel marschieren mit tausenden schönen Kerzen…Jawolllllll.

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