Und platsch in den Bach!

Ela, meine Freundin und Mutter unserer gemeinsamen Kinder, dreht abends oft gerne noch eine Runde durch den Wald. Manchmal geht sie allein mit Hund, manchmal nimmt sie mich mit. Gestern Abend hat sie mich nach der Arbeit und vor dem Abendbrot zu einer kleinen Runde eingeladen. Sie wollte mit mir eine Runde durch das Maikäfertal drehen – ein kleines Tal, in dem fast nie ein Mensch anzutreffen ist. Es heißt übrigens Maikäfertal, weil dort der Maikäfer, ein leicht verrückter Bauer, einen Gerümpelplatz hat. Da liegt alles kreuz und quer. Der ist ein wenig Messi im großen Stile: Alte Ladewagen, Haufen von Silagefolie, Bretter, Metallplatten. Ein Kleinod der Vergänglichkeit. Ein Schrottplatz der besonderen Art, auf dem der Schrott teilweise mit der Natur verwachsen ist. Eine Frontgabel von einem Traktor ist tatsächlich tief in einen Baum eingewachsen. Ein gleichsam interessanter wie gespenstiger Ort. Hätte auf unserer Runde gelegen, aber…

Als wir bei uns den Berg runterkamen und ins Tal einbiegen wollten, kam der Jäger. Der mag uns nicht all zu sehr, weil wir den Hund immer frei rumlaufen lassen. Er hält unseren Kuschel-Cooper für eine Jagdbestie, die ihm die Rehe wegjagen will. Tatsächlich ist es so, das kann der Jäger natürlich nicht wissen, dass Cooper die Rehe meistens gar nicht sieht. Die springen vor uns über den Weg und er hat die Nase am Boden und schnüffelt. Raschelt mal eine Maus am Wegesrand im Gras, erschreckt er sich und springt zur Seite. Eine wahre Bestie.

Nun war es gestern aber so, dass der Jäger auf seinen Hochsitz im Maikäfertal wollte, um anzusitzen. Wären wir da spazieren gegangen, hätte sich das Thema Jagen für ihn erledigt gehabt. Die wilden Tiere hätten Cooper gerochen und wären dann auf und davon gewesen. Eigentlich gut, weil ich es nicht mag, wenn Tiere erschossen werden. Aber auf dem Lande gilt, zumindest für Menschen: Leben und leben lassen. Wir haben uns also geeinigt, dass wir eine andere Runde drehen, damit er in Ruhe tun kann, was er nicht lassen kann.

Dazu mussten wir dann aber über den Bach, der momentan recht hoch ist. Ela und ich haben eine schmale Stelle gesucht und nicht wirklich gefunden. An der schmalsten Stelle war auf der anderen Seite ein kleiner Erdvorsprung, auf dem man nach einem kräftigen Sprung womöglich landen konnte. Ich habs ausprobiert und es hat geklappt. Ela wollte eigentlich nicht, hat sich aber dann doch entschieden. Ich wollte sie in Empfang nehmen, aber sie rutschte ab und stand mit beiden Beinen im Bach. Miste, wie Jim sagen würde. Aus Solidarität bin ich dann auch rein. Alleine nass sein ist einfach doof. Wir sind dann wie die kleinen Jungs aus der Nimm Zwei-Werbung nach Hause und haben uns ziemlich beeiert. Und wir haben natürlich gehofft, dass uns weder Nachbarn noch die Kinder sehen. Man muss sich ja nicht unbedingt krampfhaft zum Mittelpunkt von Spott und Häme machen. Hat geklappt. Ich hoffe, Ela wertet den Reinfall nicht als böses Omen und nimmt mich auch zukünftig mit…

Euch wünsche ich, dass ihr ohne Reinfall durch den Tag kommt und es auch schafft, euch nicht durch irgendwelche größeren oder kleineren Duseligkeiten in den Mittelpunkt von Spott und Häme zu schieben. Viel Spaß mit allem. Ciao.

6 Antworten auf „Und platsch in den Bach!“

  1. Lieber Jens,

    wie immer sehr gelungener Artikel, muss man glaube ich gar nicht mehr extra schreiben :-)

    Ich würd egerne mal ein Bild von der Gabel im Baum sehen, ist das möglich? Oder gab es das schon und ich habe es übersehen?
    Aber keine Sorge, irgendwer wird Ela und Dich gesehen habe, das wird schon noch kommen und dann kann man ja immer noch behaupten, man hab enur die Schuhe testn wollen :-))

    Herzlich
    Gitta

    1. Hi Gitta,

      danke für das Kompliment. Meinetwegen kannst du das gerne immer wieder schreiben :)

      Ich habe ein Foto, das aber nicht sonderlich gut ist. mal sehen, ob ich es auf die Schnelle finde… Ich denke, uns hat niemand gesehen. Zumindest haben wir uns nichts anmerken lassen – außer, dass wir ein wenig albern waren…

      Liebe Grüße

      Jens

  2. Lieber Jens,

    na klar, dann schreibe ich die Komplimente gerne aus.

    Das Bild phänomenal, die Natur, würden wir sie lassen, deckt mit der Zeit alles zu, und ignoriert Hindernisse im Weg. Sollte man sich ein Beispile nehmen :-)

    Herzlich
    Gitta

    1. Hi Gitta,

      also dieser Schrottplatz da im Wald, der fasziniert mich schon wirklich immer wieder aufs Neue. Wie da Natur und Technik Jahr um Jahr zu einer Einheit verschmelzen, das ist spannend anzusehen. Die Kraft der Natur ist schon ein beruhigendes gefühl. Überall, wo die Stürme der letzten Jahre Schneisen hinterlassen haben, wuchert und wächst es. Die Vögel freuen sich, weil tatsächlich teils soetwas wie unddurchdringlicher Urwald aus Dornen, Hecken und Bäumen entsteht.

      Liebe Grüße

      Jens

  3. Hallo Jens,
    also ich habe ein ganz anderes Gefühl als Du , wenn ich solche Gerümpelplätze sehe. Ich finde sie total gruselig und siedle da in meiner Fantasie die schlimmsten Verbrechen an.
    In Bezug auf Elas „Wasserung“ musste ich – sorry -lachen, weil ich einmal ein ähnliches Erlebnis hatte: Vor Jahren war ich per Fahrrad auf dem Nachhausweg von einem VHS-Kurs, nachdem der Himmel nach sturzbachartigem Regen sich gerade aufklärte. Ich musste dabei ein etwas tiefer gelegenes Freizeitgelände durchfahren und einen Bach – bei uns heißt das übrigens „die Bach“ – überqueren. Dass dieser ziemlich viel Wasser führte, das sogar über die Ufer gestiegen war, sah ich wohl, als ich den Berg heruntergesaust kam und hatte mir auch eine Strategie zurechtgelegt: Einfach das rechte und das linke Bein hochklappen und hindurchrauschen durch die Fluten. Hatte ich schließlich schon mehrfach erfolgreich erprobt.
    Aber dann: Ich fuhr nicht hindurch, ich fuhr hinein, u.z. in eine Art See, stand dann bis zur Taille im Wasser und konnte mich und mein Rad „mit letzter Kraft“ auf einen kleinen Hügel retten und fing dann laut an zu lachen, denn ich muss ein Bild für die Götter abgegeben haben.
    Immer wieder vor mich hinlachend fuhr ich in triefenden Klamotten heim. Ich hab erst mal die Kleidung in die Waschmaschine getan und mich ausgiebig unter die Dusche gestellt, denn ich hab gerochen wie ein Moorweiblein.

    Liebe Grüße Eva 2

    1. Hi Eva,

      die liebe Fantasie. Erst fand ich den Platz auch eher gruselig, aber da ich mich schon öfter auf meinen morgendlichen Spaziergängen mit dem „Maikäfer“ unterhalten habe, ist das nicht mehr so. Da ist einfach jemand anders als andere. Er hat mir angeboten, mich beim Texten zu unterstützen. Allerdings könne er nicht mit moderner Technik umgehen, eine Schreibmaschine könne er nicht bedienen. So einer ist das. Aber ein netter Kerl und deshalb ist sein kleiner „Saustall“ im Wald auch akzeptabel. Sagen wi einfach mal, der Typ ist ein Freak. Und schon weit über 70.

      Deine Bach-Story ist ziemlich lustig. Slapstick. Wer das gesehen hat, hatte was zu erzählen: „Da stürzt sich diese Frau todesmutig auf das Gewässer zu, denkt wohl noch, das ist nicht tief und schon steht sie hüfttief drin…“ Schön, dass du drüber lachen konntest. Ist eh das Beste, was man machen kann.

      Liebe Grüße

      Jens

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