Vlies, gold

Verschraubte Widderhörner
in Schläfen gedübelt
scharfe Schrauben
am Frontallappen
knapp vorbei

Der Druck
die Enge

Die Stirn geboten
mit gesenktem Kopf gen Golgatha
das ausgewachsene Lamm
Kämpfer
mit gedrehtem Horn

La Mancha

Goldene Hörner mit Schrammen
Ecken, Kanten
abgeschraubt am Fuß des Altars

Kopf geneigt
mit leicht geöffneten Augen
nur ein Gefühl noch

Sanftheit

Das Horn
als Opfergabe zu Füßen
geschmückt, gekrönt
mit Liebesblumen

Im Niedersinken
schließen sich die Augen
der Brustpanzer des Gladiators
öffnet sich

Der Körper dreht nach rechts
legt auf die Seite
das Herz dem Himmel dargeboten

Die Schwere fällt
als würde Gold in einen tiefen Brunnen sinken

Der dicke Teppich unter allem
trägt
Wolle auf Wolle
in diesem Augenblick

Die Wärme hüllt den Hauch
der geht

Wie Luft mit Luft vermischt
wie trockner Weizen
Korn für Korn
aus der Hand zu Boden fällt
wird alles leicht und hell

Der Augenblick
in allem aufgelöst zu sein
nun abzugeben
kein Körnchen mehr
für irgendeinen Kampf

Der Luftzug lässt die Kerzen des Altars
kurz flackern
die goldnen Hörner
Duft und Rauch im Raum

Nun ist es gut

Die Bögen, Speere, Schwerter
sind verstaut
kein spannen, spitzen, schleifen mehr

So ruhig, entspannt
ein Lächeln trägt
und legt sich golden
streichelnd schimmernd sanft
darüber

februar 2012

  3 comments for “Vlies, gold

  1. Annegret
    20. Februar 2012 at 15:38

    Hallo Jens,

    eine feine, mystische Lyrik. Deine Kopfmaschine ist phänomenal!

    Leise Grüße
    Annegret

  2. Jens
    20. Februar 2012 at 15:44

    Hi Annegret,

    dank Karneval hat der Apparat, die Maschine zwischen meinen Ohren ein wenig Produktionszeit abgeknapst vom Zeitbudget. Danke.

    Liebe Grüße

    Jens

  3. beckmann viveka
    30. Juli 2014 at 22:50

    hinterher gefühlt

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