Was man noch lernen kann

Zunächst: Die Welt ist immer viel größer als man selbst.

Banal, klar. Aber vielleicht dann doch zu oft vergessen. Oder?

Nach einem langen schönen Osterwochenende mit plötzlichem Besuch meines kleinen Bruders mit seiner Freundin liege ich nun wieder in meinem Bett. In meinem kleinen Dorf mit den 35 Einwohnern. Die Seele des Indianers, die noch unterwegs ist. Das Fliegen durch die Zeiten und Orte.

Am Wochenende haben Viveka und ich einen besonderen Film gesehen. Den gibt es gerade auf Arte als kostenlosen Stream. Es geht um Bürgerkrieg und die Menschen. Eher um die Menschen als um den Bürgerkrieg. Virtuos inszenierte Bilder. Spiel mit dem Licht, Verwendung der Farben. Georgien, Tiflis. Was weiß ich über Georgien, über Tiflis und den Bürgerkrieg…

Wenn Menschen von etwas berührt sind, was sie erlebt haben und was sie bewegt hat, erzählen sie die Geschichten anders. Das ist der Unterschied zum kommerziellen Kino, in dem es nicht um die Wirklichkeit geht.

Tiefe ist, wenn sich Menschen offenbaren. Wenn sie Teilhabe zulassen.

Auf der Rückfahrt habe ich Vivekas Sender eingeschaltet: WDR Cosmo. Normalerweise höre ich auf der Rückfahrt 1LIVE und die Lesung am Sonntagabend. Dieses Mal Cosmo. Zu Gast: Sasha Marianna Salzmann mit ihrem Roman AUSSER SICH.

Wunderbar.

Sie ist 1985 in Wolgograd geboren, hat jüdische Wurzeln und schreibt außerordentlich. So eine Lesung habe ich auf 1LIVE bislang nicht gehört. Sorry. Zudem hat sie viel über ihr Schreiben erzählt. Die Beweggründe, die Motive. Sie hat es gelernt an der Hochschule der Künste in Berlin. Nun. Ich denke, nicht alle dort lernen, so zu schreiben.

Man braucht Beweggründe. Es muss ein Leben geben, eine Geschichte, die das her gibt.

Natürlich habe ich mich gefragt, ob ich auch so eine Geschichte habe und ob ich auch so schreiben könnte. Manchmal denke ich mir, dass mir der Mut fehlt, meine Geschichte zu erzählen. Die Geschichte, in der ich mit meinen Füßen stehe. All die Gefühle, die ich durchlebt habe. Vielleicht weiß ich zu wenig, vielleicht habe ich nicht genau hingeschaut. Vielleicht wollte ich meine Ruhe haben. Möglichst. Vielleicht konnte ich mich nie genug einlassen.

Es muss schön sein, einen Film zu drehen oder einen Roman zu schreiben, in dem man es erzählt. Manchmal habe ich geglaubt, mein Blog wäre so ein Weg. Wenn ich ihn manchmal lese, kommt er mir so vor, als sei er noch weit vom Wesentlichen entfernt. Manchmal wäre ich gerne mutiger und würde mehr von alldem erzählen.

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