Apocalypse, NO!

Die Bilder aus Japan sprechen eine eigene Sprache. Was hier geschehen ist und gerade geschieht, ist einfach unvorstellbar. Gestern gab es teils auf Spiegel Online keinen einzigen Bericht zur Lage in Libyen. Ehrlich gesagt, zurzeit herrscht in meinem Kopf Chaos. In kann das alles nicht mehr denken und verarbeiten. Erinnert ihr euch an das Jahr 1999? Damals war die größte Sorge, dass wir ein Millenium-Problem bekommen und überall auf der Welt mit 01.01.2000 die Rechner abstürzen und ein Amargeddon über uns und die Welt kommt.

Es geschah nichts. Zunächst. Dann fielen die Türme, der Neue Markt brach zusammen, die Aktienkurse weltweit, die Wirtschaft ging in die Knie, die Kriege in Afghanistan und im Irak begannen, die Lehmann Brothers gingen pleite, die amerikanische Immobilienblase platzte, die Finanzkrise begann, in Tunesien kam es zu Unruhen und zum Machtwechsel, in Ägypten ebenso und nun bombardiert Gaddhafi sein Land. Und nun: Erdbeben, Tsunami, Nuklear-Katastrophe in Japan. Und was passiert in Deutschland? Wahlkampf. Die einen versuchen zu retten, was zu retten ist, die anderen hauen auf ihre Gegner ein. Baden-Württemberg.

Derweil versuchen 50 Menschen in Japan, Fukushima vor dem letztendlichen Durchzünden zu bewahren. Ich glaube, die opfern sich gerade. Den Fotos und Berichten nach kann ich mir nicht vorstellen, wie die da ohne Strahlenschäden rauskommen wollen. Derweil suchen Rettungstrupps weiter nach Überlebenden und ich kann mir vorstellen, wie sich die anderen Menschen in Japan fühlen. Würde ich mit Ela, Zoe und Jim da wohnen und wüsste nicht, ob wir nun verstrahlt werden oder nicht, herrje.

Was können wir tun? Ich denke, wir sollten viel Mitgefühl zeigen und unsere Wut und unseren Zorn in Grenzen halten. Wut und Zorn kann die Welt momentan nicht noch mehr gebrauchen. Es ist jetzt an der Zeit, mehr denn je zusammenzuhalten. Auch in der Politik. Auch in Zeiten von Wahlkämpfen. Es soll jeder für sich an der Urne entscheiden, was das alles bedeutet. Wir leben in einem demokratischen, aufgeklärten Land, da muss jetzt nicht jede Partei lauter und lauter schreien während die Toten in Japan noch nicht begraben sind und weitere Menschen sterben. Wir sollten die Fahnen auf Halbmast ziehen, wir sollten Schweigeminuten für die Opfer und die Helfer einlegen und ja, wir sollten beten und viele gute Wünsche senden. Kraft, Mut, Mitmenschlichkeit. Deutschland steht momentan nicht ganz oben auf der Liste des Interesses. Japan steht dort und Japan sollten wir mit aller Kraft unterstützen. Was sind wir sonst für Menschen?

Ich für mich habe entschieden, mich auf die 50 Retter/innen im AKW Fukushima zu konzentrieren. Ihnen meine Kraft und Energie zu senden. Als ein Freund von mir vor vielen Jahren nach einem Autounfall um sein Leben rang, haben wir, seine Freunde, Kerzen in unsere Fenster gestellt. Wir haben an ihn gedacht und versucht, ihn zu halten. Die Beatmungsmaschinen sollten schon ausgestellt werden, als er im letzten Augenblick unter höchster Lebensgefahr in eine andere Klinik mit anderen Lungenmaschinen geflogen wurde. Er hat überlebt. Klar, wegen der Maschinen. Aber auch, weil sich die Ärzte entschieden haben, die Verantwortung für den Transport zu übernehmen. Und da glaube ich, hat unsere Kraft gewirkt. Glaube ich. Das kann jeder für sich sehen, wie er will. Aber ich denke, es ist das, was wir jetzt von hier aus tun können. Unsere Menschlichkeit zeigen, unser Mitgefühl, unsere Nähe. Das sind nicht die Japaner irgendwo, das sind Menschen, denen wir konkret begegnen könnten. Irgendwo auf der Welt, auf Facebook, auf Twitter. Sie sind uns nah und sollten uns nah sein. Wir dürfen sie nicht alleine lassen, dürfen sie über unsere vergleichbar kleinen Sorgen nicht aus dem Blick, aus dem Denken, aus dem Geist lassen. Ihr könnt mir einen Gefallen tun: So ihr glaubt, praktiziert für die Menschen in Japan. Betet, meditiert, sprecht Mantras oder macht sonstwas. Und vielleicht steht auch euch der Sinn danach, eine Kerze ins Fenster zu stellen. Die leuchten weiter, als ihr vielleicht denkt. Mein Freund jedenfalls, der lebt. Und er weiß, dass damals die Kerzen gebrannt haben.

27 Antworten auf „Apocalypse, NO!“

  1. Komme derzeit überhaupt nicht mehr mit mir klar. Aber vielleicht sollte ich versuchen, die Sorge in Mitgefühl und das unnötige Kreisen der Gedanken in positive Energie umzuwandeln. Ich werde es auf jeden Fall versuchen, danke für deinen Beitrag.

    1. Hi Kerstin,

      wir sollten uns jetzt auf die Menschen in Japan konzentrieren. Die haben gerade ganz konkret riesige Probleme. Wir haben Sorgen, Ängste – aber Strom, Wasser, Essen, Benzin, volle Supermärkte. Japan braucht jetzt Unterstützung. In jeder Form. Die sollten wir geben und zeigen, das wir die Menschen nicht alleine lassen. Vielleicht hast auch du Lust, eine Kerze anzuzünden und es leuchten zu lassen.

      Liebe Grüße

      Jens

  2. Hallo Jens,

    danke für Deinen Beitrag. auch ich werde eine Kerze anzünden für die Menschen in Japan. Ich denke an die Menschen, die trotz allem Unglück jetzt weiterkämpfen müssen, für ihr Leben, für ihre Familien.

    Danke.

    Annegret

  3. Guten Morgen Jens,

    auch meine Gefühle sind bei den Betroffenen in Japan und ich werde heute auch eine Kerze ins Fenster stellen. Ich denke, die Unbegreiflichkeit des Geschehens überfordert unsere Rationalität, mir geht es jedenfalls so. Ich lasse meiner Ohnmacht freien Lauf und merke, wie sie manchmal zu mir sagt „Ich kann nicht mehr“. Dann gönne ich ihr eine Pause, die Gedanken sind aber da.

    Liebe Grüße

    Raoul

    1. Hallo Raoul,

      ich denke, wir sollten stark sein. Denn: Wir haben Strom, Nahrung, Wasser, unverletzte, lebendige Angehörige, kein aktuell brennendes AKW. Uns geht es gut. Wenn wir genau hinschauen sogar sehr gut. mehr denn je können und sollten wir uns freuen über unsere Möglichkeiten, unsere Lebendigkeit, unsere Tatkraft. Nun sollten wir diese Fähigkeiten zum Wohle der menschen in Japan einsetzen. denen hilft es nicht, wenn wir klagen. Die brauchen unsere Kraft, unser Denken, unsere guten Gefühle und unsere konkrete Hilfe! Darauf sollte sich jetzt die Politik konzentrieren. Was können wir für Japan tun? Klar, jeden tag könntee auch bei uns ein AKW hochgehen. Aber die gefahr ist nicht konkreter als gester, vorgestern… Wir werden noch lange mit AKWs leben. Müssen. Leider. Aber diese Diskussion sollte jetzt nicht im Vordergrund stehen. Stattdessen sollte ie Bundesregierung Experten zusammenrufen, die Nothilfe leisten können. Die eventuell Ideen haben. So liefert Singapur derzeit 52 Tonnen Bor, um die Brennstäbe in Fukushima zu kühlen. Ärmel hoch, anpacken, mitfühlen, machen – das ist das gebot der Stunde.

      Liebe Grüße

      Jens

  4. Hallo, danke für diese Anregung.
    Ich bin halb im Flieger gen Thailand und werde dort sehr gute Freunde besuchen. Thailand zeigt ganz viel Mitgefühl und wir werden von dort aus für die Menschen Kerzen anzünden. Die Menschen, die am Reaktor arbeiten müssen um schlimmeres zu verhindern sind meine Helden!! Sie riskieren ihr Leben um ein Leben von Millionen zu schützen. Ich denke jeden Tag an diese mutigen Arbeiter. God bless!

    1. Hi Lena,

      oh wie schön, Thailand. Viel Spaß. Ich war noch nie dort, habe aber gehört, wie freundlich und zuvorkommend die Menschen dort sind. Das ist eine ganz andere Kultur des Mitfühlens. Zünde bitte dort auch für mich eine Kerze an, wenn du dran denkst. Ist näher dran:) Ich wünsche so sehr, dass die Arbeiter/innen dort im AKW Fukushima nicht mit ihrem Leben oder ihrer Gesundheit für ihren Einsatz bezahlen. Ich hoffe, hoffe, hoffe, es geht gut. Mit ihnen und den AKWs. Ja, wenn Menschen helden sind, dann die. Dir wünsche ich trotz allem viel Spaß in Thailand und gute Eindrücke.

      Liebe Grüße

      Jens

  5. Ich sehe die Tränen der Mütter, sehe ihre Hoffnung in den Augen ihre Kindern doch noch wieder zu bekommen. Ich sehe den Schmerz derer, die sie verloren haben und weiß, dass sie niemals mehr in ihrem Leben ohne diesen Schmerz leben werden. Ich sehe die Verzweiflung in den Augen der Väter, wenn sie ihre Kinder nicht halten konnten und ich weiß, dass sie dieses Bild nie mehr aus dem Kopf bekommen werden.
    Ich sehe in die Augen meiner Tochter, die all das nicht mehr aushalten kann, der Tränen des Schmerzes über ihr Gesicht laufen, weiß sie wie es sich anfühlt den Bruder zu verlieren und sie weiß, dass diese Kindern niemals mehr ohne diesen Schmerz werden leben können.
    Und unsere Politiker betreiben Wahlkampf! Das ärgert mich so sehr, dass ich schon überlegt habe, was passieren würde, wenn wirklich niemand zur Wahl hingehen würde.
    Angesichts dessen fällt es mir schwer meinen Blog täglich mit dem was mich bewegt zu besetzen. All die Trauer. All die lügenden Politiker!

    Herzlich
    Gitta

    1. Hi Gitta,

      das ist alles schwer auszuhalten. Vor allem aber für die Menschen in Japan. Da scheint immer mehr Radioaktivität auszuströmen. Was für ein Gefühl der Ohnmacht nach einer solchen Naturkatastrophe, die für sich schon verheerend genug war. Und es scheint keinen Planzu geben, was nun zu tun ist. Die Reaktoren strahlen, sind beschädigt, die Außenhüllen undicht, immer neue Feuer. Einzige Hoffnung momentan: Wind, der aufs Meer rausweht. Ein Wahnsinn. Wenn schon die Menschen in Japan ihre Fassung wahren, sollten wir das momentan auch tun. Das Aufräumen nach der Katastrophe wird kommen. Das Schildern der vielen Einzelschicksale, die Bedeutung für das gnaze Land, für die Welt. Es wird eine neue Anti-AKW-Bewegung geben. Wir werden sehen. Jetzt sollten wir an die Menschen in Japan und an Hilfe denken.

      Liebe Grüße

      Jens

  6. Der Tsunami hat die Dieselmotoren, die Notaggregate waren aus den Verankerungen gerissen und zerstört. Das war der Anfang vom Ende und da nun kein Strom, welch ein Hohn, mehr da war, fiel die Kühlung aus, da es alle Blöcke betroffen hat, gab es überaupt keinen Strom aus dem Kernkraftwerk, der das ganze hätte retten können. Welch ein Fluch!
    Im Dezember, ich glaube am 2. Advent, geht immer ein Licht um die Welt für all die Sternenkinder, lassen wir jetzt auch ein Licht um die Welt gehen.

    Gitta

  7. Lieber Jens,

    meine Kraft reicht im Moment noch für beide Ebenen aus. Ich denke ständig an die Menschen in Japan. Ihnen gilt mein ganzes Mitgefühl und meine Trauer und ich werde mit Geldspenden auch helfen wo ich kann.
    Die andere Ebene aber kann ich nicht trennen vom Geschehen in Japan und ich denke, jetzt ist die Zeit reif, über all die Ungeheuerlichkeiten nachzudenken, die eine skrupellose Atommaffia der Menschheit zumutet. Jetzt ist die Zeit, hier innezuhalten und zu überlegen, wie neue Wege beschritten werden können. Hier sollte man die Chance nicht verpassen, d.h. es gibt immer einen, der anfangen muss mit Veränderungen. Und warum sollte das nicht Deutschland sein? Ich bin mir sicher, dass andere Länder nachziehen müssen, denn auch dort gibt es Widerstand gegen die Kernkraft und so könnten wir mit gutem Beispiel vorangehen und ihnen Mut machen.

    Dass hier in Deutschland unvermindert der Wahlkampf tobt, finde ich in Ordnung, denn unser aller Kanzlerin versucht ja schon wieder, das Volk hinters Licht zu führen mit ihren drei Monaten des Aussetzens, das lediglich dazu dient, Zeit zu schinden bis nach den gerade anstehenden Wahlen. Gäbe es sie nicht, so hätte sie ihr listiges Moratorium erst gar nicht angekündigt.

    Viele Grüße Eva 2

    1. Hi Eva,

      du hast recht und doch empfinde ich es anders. Natürlich ist das jetzt eine große Chance, die Kernkraft zu kippen. Ich für mich möchte aber erst die Menschen in Japan gefunden und begraben sehen. Ich kann das nicht trennen. Aber da ist jeder anders. Politik wäre definitiv nicht mein Geschäft. In keiner Partei. Die Bilder und Infos aus Japan sind für mich derzeit Wahlkampf genug. Aus meiner Sicht brauchen die keine Untermalung – egal von welcher Seite. Mir ist gerade nicht nach argumentieren und streiten.

      Liebe Grüße

      Jens

  8. wunderbarer, sehr sensibler und konstruktiver beitrag, vielen dank dafür.
    in der liebe liegt immer die höchste kraft – gerade, wenn vieles am wanken ist.

    1. Danke. Wir sollten tatsächlich versuchen, so viel wie möglich an Wut und Zorn wegzulassen. Die Stimmung auf dem Planeten ist so schon genug aufgeheizt.

  9. Hi Jens,
    hier spricht man von den „‚Fukushima 50‘ Heroes „. Man sagt, eigentlich sind es 180 Menschen, von denen jeweils abwechselnd 50 versuchen, das Schlimmste zu vermeiden. Es sollen Polizisten und Feuerwehrmänner sein, teilweise schon im Ruhestand, damit sie ihr „normales“ Lebensalter noch erreichen können.
    Es fällt mir schwer, darüber nachzudenken, was diese Menschen auf sich nehmen.
    Liebe Grüße
    Elisa

    1. Hi Elisa,

      hab ich jetzt hier auf Spiegel Online auch gelesen. Dass es solche Menschen gibt. Irre. Ich hoffe, ihr Einsatz lohnt sich und sie nehmen das nicht alles umsonst auf sich.

      Liebe Grüße

      Jens

  10. Hallo, Jens,
    Du weißt, ich hab da eine andere Meinung als Du, will Dich damit jedoch nicht weiter nerven. Google aber mal, wenn Du magst, unter „Die Fischstäbchen sind sicher“.

    DAS ist das Gegenteil von Mitgefühl finde ich. Und was ich dazu sonst noch empfinde, verkneife ich mir, weil es schon eher im Bereich von Zorn angesiedelt sein könnte.

    Viele Grüße Eva 2

    1. Hi Eva,

      ja, ich weiß. Das ist auch absolut in Ordnung. Gegen Kernkraft bin ich genauso wie du, mir ist im Augenblick aber einfach wichtig, dass sich in der gerade so geschundenen Welt nicht noch mehr Zorn aufbaut und entlädt. Da ist zu viel Aggressivität in der Luft – überall. Alle gegeneinander. Das hat seine Berechtigung, darf aber nicht noch mehr Hass erzeugen. Davon ist momentan viel, viel, viel zu viel in der Luft. Buddhisten überall auf der Welt meditieren aktuell intensiv und versuchen Gutes reinzugeben. Es soll sich nicht immer weiter hochschaukeln. Aber wir scheinen historisch wieder an einem Punkt angelangt zu sein, an dem die Welt durch ein Tal der Tränen geht und gehen will. Unsere Wirklichkeit ist selbstgemacht und wir müssen überlegen, wie wir leben wollen und was wir reingeben wollen. Das ist ein sensibles Gefüge.

      Liebe Grüße

      Jens

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