ARTsehnen – ein Bild pour moi

Ja, was hängt denn da an der Wand?

Mein Papa hat immer gesagt: „Was ist das? Hängt an der Wand und wenn es runterfällt, ist die Uhr kaputt? PECH!“ Ich hatte jetzt Glück. Weil ich nach all den schönen Bildern, die ich in der letzten Zeit in den Ateliers gesehen habe, den Wunsch hatte, ein Bild in meinem Zimmer aufzuhängen. Leider habe ich nicht das Geld, all die tolle Kunst zu kaufen. Das würde meinen Etat deutlich überstrapazieren. Gerade erst ist die Kohle für eine neue Heizung rausgegangen. Wenn ich mir das vorstelle – kaufe Viessmann statt Bilder. Wie doof. Aber: That’s reality.

Also eine Alternative. Archiv. Damals. Ja, ich habe mich auch einmal versucht. Habe eine Zeit lang Bilder produziert. Das bedeutet, der Feuerlöscher oben stammt von mir. Diesen Feuerlöscher habe ich sogar für wenig Geld bekommen. Ich weiß, Meese würde sagen: Design, Illustration, keine Kunst. Ist in Ordnung. Für mich ist es auch mehr ein persönliches Zeichen so wie ein Tattoo, das eine eigene Geschichte erzählt. Ein Tagebucheintrag, eine Erinnerung, eine Begebenheit, Familienalbum, etwas von Früher. Ohne Anspruch, ohne Bedeutung für die Welt.

Ich freue mich, dass es nun dort hängt und ich was zu gucken habe vom Bett aus – zusätzlich zum neuen Dachfenster, durch das ich mir gestern Nacht ein imposantes Gewitter angeschaut habe. Das Bild gehört übrigens zu einer Reihe. Ich habe gleich drei davon gemacht. Das Erste heißt „Fridge“, weil es eine Kühlschranktür trägt, die eine Geschichte hat. Eine weiße Kühlschranktür auf einem dunkelblauen Hintergrund. Ölfarbe. Das Zweite hat keinen Namen. Es trägt drei Beile mit grasgrünen Köpfen vor einem Hintergrund in Orange. So kann ich in den nächsten Monaten wechseln. Ich werde euch dann mit Fotos auf dem Laufenden halten. Fridge hat lange in einer Kölner Agentur gehangen und sollte mir damals für 1.000 DM abgekauft werden. Konnte mich nicht trennen. Tagebücher verkauft man nicht.

So. Das wars für die Woche. Ende, aus, Kindergarten. Schluss mit lustig und rein ins Weekend, von dem ich noch nicht weiß, wohin es mich verschlägt. Es war etwas Schönes geplant, dass sich zerschlagen hat und nun durch etwas anderes Schönes ersetzt werden will. Falls sich Plan A entscheidet, nicht Wirklichkeit zu werden (wovon ich ausgehe), habe ich einen Plan B, einen guten Freund, der Hilfe beim Fensterstreichen braucht. Da wäre mit Plan A fast lieber… Ciao, bye, Love, Peace und Eierlikör in Dosen.

14 Antworten auf „ARTsehnen – ein Bild pour moi“

  1. Kunst und der Wellenschlag von Bedeutung im Kontext der Fragestellung

    Lieber Jens,

    ein Jonathan Meese sagt und macht vieles im Zusammenhang mit den Entstehungsprozessen von Kunst, in Korrelation zu geschichtlichen Phasen des Menschlichen Wirkens in SEIN und ZEIT, gebannt in die Augenblicksmomente von Gesellschaft. Der rote Faden in seinen Äußerungen ist unter dem Gestus der „reflektierenden Provokation“ einzuordnen. Das heißt, nicht immer sagt er das, was er wirklich damit ausdücken möchte, vielmehr stellt er über die „dialogische Offensive“ eine Fragestellung in den Vordergrund. Würde er also sagen: „Dies ist keine Kunst“, kann darin auch die Bestätigung des Gegenteils dessen, was er gerade formuliert hat, gemeint sein. Es ist eine Form von Ikonographie, abgelöst von dem Objekthaften in der Kunst, hin zu dem theoretischen Vor- und Überbau dessen, was Kunst grundsätzlich zu charaktersieren vermag. Was Meese als Leitmotiv in seinem Wirken erkennen lässt, ist mit anderen Mitteln die Wiederholung dessen, was in der Pop Art einen Anfang erfuhr: Über die
    Betrachtung von Objekt in Gestalt von Design, werden Rückschlüsse auf die Inneren Orientierungsbilder der Gesellschaft gezogen. Aus dieser Hinwendung zum profan Banalen des Alltäglichen, war die Herauslösung des Kunstschaffenden von seinem Kunstwerk legitimiert worden. Nun wurde zu Kunst, was scheinbar beliebig zur Kunst erklärt werden konnte. Damit ließ sich fortsetzen, was mit Joseph Beuys seinen Anfang nahm: die Feststellung dass jeder ein Künstler sei, und somit auch alles Kunst ist. Natürlich täuscht dies, denn nur der ist auch nach dieser Definition im Kontext eines Kunstschaffens zu verorten, welcher sich diesem Thema mental und über Tat reflexiv nähert. Dies tun auch heute noch lediglich Minderheiten, bezogen auf eine jeweilige Gesamtbevölkerung, demnach ist dieses „JEDER IST“ zu lesen als ein „JEDER DER ES GEDANKLICH BEHANDELT HAT“.
    Hier ENDLICH komme ich zu Deiner – tollen – Arbeit. Wie es deutlich in dem Fotoausschnitt zu erkennen ist, steht Deine Arbeit in visueller Beziehung zu einem farblich abgestimmten Sitzmöbel und dem puristischen Formalismus eines weißen Spints, der etwas an eine Krankenhausatmosphäre erinnert. „Heilung“ als Stichwort ?
    Hier zeigen sich also in der Platzierung Gedanken, welche dieser vorausgehen, und eine Art Interaktion der Objekte untereinander. Faktisch lässt sich dies demnach als eine Rauminstallation erkennen, auch wenn dies vielleicht so nicht von Dir gemeint war, in Deinem Vorgehen stellt es eine solche dar. Wobei auch ohne diesen Aspekt Deine Arbeit als Kunst einzuordenen ist: Ein Feuerlöscher und ein Kühlschrank sind phantastische Paraphrasen auf den gegenwärtigen Gesellschaftszustand global gesehen, denn es gibt jenen dominierenden Aspekt der Entmenschlichung und hierdurch der Mobilisierung der scheinbar noch zivilen Gesellschaften. Hier können – ironisch übertragen – nur noch ein „Feuerlöscher der Hoffnung“ und ein „Kühlschrank der Nivellierung“ Abhilfe schaffen. Ich würde Deine Kunst kaufen, könnte ich sie mir leisten. ;)
    Siehe hierzu unseren Dialog auf twitter unter „Plasmogen 5“.
    Dort bin ich jene, welche zu entschleunigen versucht, und dabei immer überkocht
    ;)).
    Plasmogen ist übrigens eine Wortschöpfung aus Plasma und Homogen. Es bezieht sich darauf, das jede Gesellschaft von Außen besehen homogen erscheint, zumindest auf den ersten Blick. Mehr Blicke werden von vielen, vor allem von der Politik, nicht mehr gelebt. Schaut man genauer hin, hat man viele vereinzelte Eigendynamiken, welche wie ein Plasma sich im Strom der Masse zu bewegen suchen. Mein Plasma ist die Nummer 5, weil sie zum einen die zwei und drei vereint, und zugleich meinen Geburtstag darstellt. Herzliche Grüße von einer Kunstschaffenden der Malerei und Gedanken-Orte … Monja

    PS. Liegt links unten ein Stein ? Der ist mein FAVORIT neben Deinem „Feuerlöscher der Hoffnung“

    Ein schönes Wochenende !!!

    1. Liebe Monja,

      was für ein gigantischer Kommentar! Großen Dank! Und dann noch mit Beuys und Meese in einem Buchstaben-Atemzug genannt zu werden.

      Jeder Mensch, jeder bewusste Mensch ein Künstler. Ich würde es so gerne sehen, wenn die ganzen Bilder, die überall in den Ateliers stehen, zu den Menschen kommen würden. Es sind so viele Bilder, die an so vielen Orten so gut untergebracht wären. Kunst! Die Kunst geht zu den Menschen, nicht die Menschen gehen zur Kunst oder müssen sie suchen oder müssen dafür Eintritt bezahlen, was natürlich in Ordnung ist, aber letztlich abhält. Eine Barriere. In die TATEmodern in London kann ich einfach hineingehen, was ich in einer Woche gleich 3x getan habe. Spinxen, gucken, Aspekte sehen. Jeder Tag ist anders, an jedem Tag ist ein anderer Wahrnehmungskanal geöffnet, springt etwas anderes an. Emotional unterbewusste Reaktionen.

      Welchen Kunstbegriff haben wir? Welchen Stellenwert hat Kunst bei uns? Kunst kommt von Können sagen viele, weil sie eine ganze Menge neuer Kunst für Schwachsinn halten. Weil der Zugang fehlt, die Möglichkeit des Sehens. Der Auseinandersetzung. Wertzigkeit entsteht erst über den Preis: Teuer verkauft! 1 Millionen, 5 Millionen, 100 Millionen. Das fand ich so irre an dem Projekt „Abrissekstase“, bei dem es nicht um Geld und Sammelobjekte ging. Ich hatte darüber geschrieben. Es wurde gearbeitet, bestaunt und abgerissen. Wie ein buddhistisches Mandala – der Sinn und Zweck liegt im Moment. In der Entstehung, in dem was vor Ort passiert. Zwischen den Menschen.

      Dein Blick auf meine „Inastallation“ freut mich. Der Stein ist aus Italien – ligurische Küste. Aus einer Bucht, in der ich mit meinem Sohn schnorcheln war. Die Sonne fiel ins Wasser, die hellen Steine am Boden reflektierten sie. Ich sah meinen Sohn dort unten tauchen in diesem Licht. Der Stein ist das Licht:) Stein. Murakami: Kafka am Strand. DER STEIN. Der Grenzstein zwischen Zeiten, Dimensionen. der Schlussstein. Das Bild alleine hat fotografiasch nicht gepasst. Es braucht den Kontxt, die Umgebung als Grenzen, Definitionen. Interessant. natürlich habe ich mir das nicht ausgedacht, sondern gemacht. Wie immer. Impulsen nachgehen. Sehnsucht? Überlegung? Speicher. Hammer. Nagel. Wasserwaage (was nicht geklappt hat, weil ich einen Nagel schief reingekloppt habe.)

      Meine Tochter kamm dann rein und sagte, jetzt passt die Bettwäsche nicht. Und dann war da noch das Licht des Dachfensters, das nur auf den unteren teil des Bildes fällt, wodurch oben ein schatten entsteht, den ich im Foto durch Überstrahlung weggenommen habe, weil ich sonst das Bild hätte ausleuchten müssen. Aspekte, Aspekte.

      Plasma 5 scheint ein guter Strom zu sein. Nummer 5 lebt:)

      Monja, ich wünsche dir ein schönes Wochenende.

      Liebe Grüße

      Jens

  2. Lieber Jens,

    was für ein wunderschöner Gedanke, Kunst welche zu den Menschen kommt, statt wie in der Gegenwart, umgekehrt. Statt einer Sicht, auf die Freie Sicht gegen Gebühr.
    Es ist wie mit den Tieren in einem Tierheim. Sie sind alleine. Sie sind gefangen und können doch nicht einfach zu Menschen gelassen werden, welche ihrerseits in Einsamkeit ihr Leben als Existenz zubringen. Die Gitter der einen sind sichtbar, die der anderen sind von Gesetzen geschaffen, aber nicht für andere einsehbar, bis es zu spät ist. Gefangen im Netz hier und dort. Es ist ein Netz der Falschen Wege. In jeder Beziehung und an so vielen Orten. Ja, es wäre eine sehr gute Welt, wo die Sicht aller Menschen untereinander geteilt werden könnte. Es ist auch eine machbare Welt. Farbig in all nur denkbaren Schattierungen.
    Das liebe ich so sehr an Mineralien. Da „wächst“ gerne auch ein weiches, sprödes Gestein neben einer Mohshärte von 7 oder 8. Die Natur liebt das Spiel mit den Gegensätzen. Der Mensch hat im Laufe seiner Entwicklung vergessen zu verstehen, wie wichtig diese Differenzen im Erleben und Bewusstsein sein können, wenn man sie zulässt. Auch wenn Du Deinen Raum nur „gemacht“ hast, so wie Du es hier beschrieben hast, war es ein gedanklicher Prozess und man kann sich alles gut bildhaft vorstellen. Und die Tochter hat auch gleich noch mit geholfen. Das nenne ich Teamwork im schönsten Sinne. Kreativität liegt hier eindeutig in der Familie. :)

    Zu dem ganz befremdlichen Thema der Kunst als bloßes Rudiment der Spekulantenjagd lässt sich nur eines sagen: Wir alle sind mit Krach und großem Weh in einer strukturell aufgezwungenen Fehlform angekommen, ohne Chance auf Ankunft. Wo es nur um die Aneinanderreihung von Nullen hinter anderen Zahlenwerten geht, bleibt alle Kunst, egal wie gut, auf der Strecke. Ironischerweise verliert sie durch diese Zahlenmaskerade an Wert im inhaltlichen Sinne, da es einfach nicht nachvollziehbar sein kann, warum ein Gemälde einen Wert von fiktiven XYZ Euro haben soll, und ein kunsthistorisch ebenfalls als qualitativ hochwertig anzusetzendes Gemälde nicht mal 20 % davon ausmacht. Es ist eine Permutation in einem Wettrennen der Bedeutungsmacher. Längst stehen doch nicht mehr die Kunstschaffenden oder deren Kunst im Vordergrund. Es sind Kuratoren, Private Sammler, Konzerne und Banken welche im „Kunstmarkt“ mitmischen.
    Die Kunst hat sich mit der Pop Art in die Ebenen des Konsums begeben, und heute, vollständig darin angekommen, kommt sie inhaltlich darin um. Kunst zurück zu den Kunstschaffenden und echten Liebhabern, auch zu jenen mit wenig Geld, sollte favorisiert werden. Schon alleine aus Gründen der Solidarität im menschlichen Sinne.
    Die schönste Freude für alle Kunstschaffenden, ist neben dem Existieren können, ein ECHTES INTERESSE von echten LEBENDIGEN Menschen. Keinen Manipulatoren oder Heuchlern. Kein Interesse von Menschen, welche dafür leben anderen Menschen Schaden zuzufügen. An diese sollte man weder sich noch die Kunst verkaufen. Wieviel die Fieber-Summen im Heute wirklich wert sind, bezogen auch auf die dahinter stehende Gesinnung, zeigt sich an dem Beispiel des Vincent van Gogh, der für teures Geld in den letzten Jahren bis zum Heute gehandelt wurde und wird. Zu Lebzeiten waren es die gleichen Gemälde und die gleichen Geld-Charaktere mit Null Interesse an seiner Arbeit. Darin zeigt sich auch ein Morbider Gedanke bei dem Kauf von Kunst. Es hat etwas von dem, was gerade den Angestellten des Schlecker-Konzerns geschehen ist. Plötzlich wird im Zuge eines Konsumenten-Fledderns das Leichenfleddern im übertragenen Sinne wieder en vogue. Ich habe Schlecker boykottiert aus Gründen, und diese Gründe verschwanden nicht, nur weil 90 % Rabatt gegeben werden. Wo Menschen in ihrem Eigenwert derart auf Null herunter gebrochen werden, das geschieht gerade auf allen Ebenen, jenseits der Macht, da wird ein Konsens des Zivilisatorischen zu Grabe getragen. Eine entwürdigte Gesellschaft wird auf die Schlachtbank getrieben und sich selbst zum Fraße vorgeworfen. Es wäre interessant zu sehen, ob und wie Du mit Deiner Sachlichkeit dieses Objekttechnisch umsetzen würdest ;). Das wäre eine Gegensätzlichkeit und echte Herausforderung. – Stein als Licht ist schön gedacht, gesagt, GESEHEN. Der Stein auch als Äquivalenz für ein weiteres Kind, den Sohn und ein Meer. Das ist Leben, so wie es Steine auf reduzierte Form einem Betrachter, der Ruhe sucht, nahe bringen können. Sie sind die kleinen Geschwister dieser herrlich blauen Planeten-Perle, mit der wir leider nur noch schlecht umgehen. – Für das wunderbare Kompliment hinsichtlich des Plasmas bedanke ich mich sehr ! Und „Nr. 5 lebt“ war sowieso einer meiner Lieblingsfilme. Nett. – So fühlen sie sich an, die inhaltlich bereichernden Gedankenmomente. Darüber können nun weitere Gedanken wachsen, vielleicht auch über sich hinaus.

    Eine Gute Zeit in jeder Hinsicht wünsche ich Dir !

    Liebe Grüße

    Monja

  3. Hi Monja,

    jetzt ist die Kommentarfunktion zur Diskursfunktion mutiert. Schön.

    Viele Themen. Schlecker, Welt, Kommerz, Kunst. Ich versuche mal bei der Kunst zu bleiben, wobei Kunst ja zu allem die Fühler ausstreckt. Ich schaue nun immer auf den Feuerlöscher bei mir und entdecke, dass ich als Literaturwissenschaftler versuche zu interpretieren. Mit Worten nach Sinn zu suchen. Da lässt sich eine Menge hinein interpretieren. Ich merke: Mir hilft es nicht, das Bild selbst einmal gefertigt zu haben. Die Kunst geht ihren eigenen Weg, verselbstständigt sich, nimmt die Zeiten mit. Da hat sich vor langer Zeit etwas in mir manisfestiert, hat einen Ausdruck gefunden, ist geschaffen worden und hängt da nun an der Wand.

    So geht es allen anderen Bildern und Objekten auch. Sie entstehen, verselbständigen sich und gehen ihren Weg. Manchmal gekauft, manchmal gehypt, manchmal vergessen. Und manchmal verachtet. Auch das.

    Was machen wir mit dieser Kunst? All zu oft: Bewerten. Gefällt mir. Gefällt mir nicht. Würde ich mir nicht hinhängen. DAS ist Kunst! DAS ist keine Kunst!!! Kunst kommt von Können, wer nicht kann, ist kein Künstler. Du bist Künstler, du bist kein Künstler. Jeder Mensch ist ein Künstler… Die Katze beißt sich in den Schwanz.

    Kunst nach Dollarpreisen beurteilt wird zum Produkt mit Preisschild. Zum Sammelobjekt wie ein Porsche oder ein Mercedes aus den Fünfzigern. Künstlernamen werden zu Labeln, zu Marken, zum Freibrief, alles tun zu können. Hypes. Museen schlagen sich, um SIE zu bekommen. Um ihre Attraktivität zu steigern, um Publikum, Kunden anzuziehen, um über die Besucherzahlen Rechtfertigung zu schaffen. Geld. Sponsoren. Fördermittel. Kulturetats. Big Business. Und die Kunst? Ware.

    Wie frei sind ein Richter oder eine Trockel von dem Hype um sie. Wie sehr schafft das Drumherum die Kunst. Wie unabhängig kann man angesichts von Millionenbeträgen bleiben? Wie klar sind die Gedanken, die Inspirationen? Wie authentisch? Wie künstlich? Beeinflusst, verändert, mutiert?

    Oder sind es des Kaisers neue Kleider? Wunderbar, Herrr Richter! Nein, was sie können! Genial. Einzigartig. Faszinierend.

    Geld korrumpiert Kunst, ermöglicht sie, verbreitet sie, provoziert sie. Es ist viel Geld im Umlauf. Die Banken verdienen mit Kunst, weil sie Kunst kaufen, schaffen. In London bin ich an der Deutschen Bank-Niederlassung im Bankenviertel vorbeigekommen. Habe von draußen reingesehen – da hingen riesige Bilder moderner Kunst. Contemporary Art. Kunstförderung, die Kunst fördert und die geförderten Künstler hyped und die gekauften, geförderten Kunstwerke teurer macht, woran die Deutsche Bank verdient. Invest. Kunst als Investment. Kunstrendite. Anlageobjekt.

    Was macht das mit den Köpfen der Künstler, die gerne leben möchten von ihrer Kunst, die essen möchten, teilnehmen am Leben, das normalerweise unkünstlerisch ist. Geprägt vom Wirtschaften. Warenströme, Geldverkehr, Dienstleistungen. Und die Kunst als Schnörkel am Rande. Brotlose Kunst. Vergoldete Kunst. Meese, der schimpft. Der die Diktatur der Kunst ausruft, der sie in die Mitte zerrt. Lächeln. Kunst als Politikersatz? Was wollen die denn?

    Kunst als Schmuck, nicht als Diskurs. Die Girlande, der Luftballon, das Fähnchen, die Luftschlange, die Geranie der Gesellschaft.

    Wahrscheinlich ist Kunst zu anstrengend. Für viele zu verschlossen – kein Zutritt.

    Zutritte verschaffen. Kunst in den Mittelpunkt rücken. Wichtigkeit geben. Ernst nehmen, statt zu belächeln, was schlimmer ist als Verurteilung. Ich glaube, es gibt viel Lächeln.

    Ich hätte gerne eine offene Produzentengalerie, die Ausstellung ist. Die Kunst Heiligkeit nimmt, Meinungsdruck, Bewertungsdruck. Einfach nur sehen. „Kommen Sie herein! Schauen Sie sich um! Sie müssen keine Meinung haben, sich keine Meinung bilden, sie müssen nicht bewerten, sie müssen sich nicht fragen, ob etwas Kunst ist. Sie können, wenn sie möchten. Seien Sie frei. Machen Sie sich frei. Ziehen Sie sich aus! Schreien Sie! Malen Sie! Nehmen Sie auf, was ist! Verlassen Sie diesen Planeten! Oder trinken Sie einfach nur einen Kaffee.“

    Deshalb fasziniert Jonathan Meese. Weil der was sagt. So nicht. Die Kunst befreien, zurückerobern. Ach ja. Es gibt so viel zu tun:)

    Liebe Grüße

    Jens

  4. Hi Jens,

    Schlüsselsatze, welche ich nur noch einmal wiederholen kann, mit Verweis auf die Urheberschaft des Herrn Schönlau ;) sind folgende: „Zutritte verschaffen. Kunst in den Mittelpunkt rücken. Wichtigkeit geben. Ernst nehmen, statt zu belächeln, was schlimmer ist als Verurteilung. Ich glaube es gibt viel Lächlen.“ ZITAT-Ende.
    Lieber Jens, es gibt viel zu viel LACHEN. Es ist schon kein Lächeln mehr.
    Und in der Tat, es ist VIEL schlimmer als „Verurteilung“, denn es nimmt Dir als Produzent von Aussage Deinen Kern des Schaffens! Es nimmt Dir die Basis, wofür alles stattfindet. Du schreibst davon, dass es etwas weniger Heiligkeit geben müsse, ich glaube, dass ist gar nicht so sehr das Problem. Wäre ihnen Kunst wirklich im Inneren etwas wert, wäre es ihnen heilig im angedwandten Sinne, würde niemand kopfwendend lachen und Dir in das Herz der Tat einen Stoß austeilen. Es ist diese Entfernung von den realen Leben, realen Menschen und eine hieraus erwachsene Form der inhaltsleeren Überhöhung in das Rendite-Irgendwo. Es wird Bedeutung herbei fabuliert und hierdurch eine Art Störsender für das SEHEN verbal installiert.
    Die von Dir erwähnte „Abrissexstase“ ist mir leider entgangen, aber sie scheint genau in die richtige Richtung zu laufen. Wo Menschen direkt aufeinander treffen im Akt des Temporären Schaffens, wird auch klar, was Kunst wirklich vermag: Fragen aufwerfen, Aktivität mit ALLEN SINNEN, das SEHEN somit schärfen. Es gibt keinen besseren Pädagogen, als das Kunstschaffen. Hier wird Verbindung über alle Ländergrenzen hinweg gebaut, allerdings immer in der Voraussetzung dass der Kontext stimmt. Die Kunst ist nicht mehr im Abseits, höchstens noch die Akteure des ewigen Beginnens. Dadurch ist sie in die Position der Selbstverantwortung gerückt. Sie verliert an Glaubwürdigkeit, wenn sie, auf welcher Ebene auch immer, die gesellschaftlichen Realitäten ignoriert, und meint, sie stünde außen vor. Das tut sie nicht, was ich sogar als Chance ansehe. Die von Dir erwähnte „Produzentengalerie“ trifft da den Nerv. Natürlich müssen Kunstschaffende leben, und hier schließt sich der Kreis hin zum Lachen. Es ist immer ein langer Weg, der vor allem darin besteht, überhaupt mal die Räume in Geist und physischer Realität für das jeweilige Kunstschaffen zu gestalten und zu ERHALTEN. Der Kontext einer Zeit-Textur des Monetären-Allseits-Credo macht dies nicht leichter. Hier gilt es anzunehmen, dass es keine sauberen Schnitte in das Tun geben wird. Immer muss irgendein Tod mitgestorben werden. Der Einzelne hat in Paradoxien zu denken und zu handeln. Persönlich tat ich daher auch einen konsequenten Schritt in das Kunst-Unternehmertum und beantragte knallhart einen Unternehmerkredit mit außerordentlich ausgearbeiteten Businessplan ;). Hinein in die Höhle des Bänker-Stiers. Nun das erste große Lachen folgte als Lohn für viel Arbeit und INNEREM Schweinehund-Überwinden. Egal. Weiter schaffen, oder um das Schaffen ringen. Du ahnst, wie mein
    Twitter-Beitrag von damals gemeint war. Es ist nicht so, dass ich gegen mich ankämpfe, nein man hat als Mensch eigene Widerstände überwunden, mal wieder, und ebefalls mal wieder passiert nur Lachen. Ja. Es IST schlimmer als alles andere zerstörerische Wirken. Dass Kunst in Italien aus Protest gegen Streichungen nur noch in der finalen Selbstzerstörung einen „Weg“ sieht, ist bezeichnend. Nun, ich tauge nicht als Ein-Frau-Flammenwerfer, dazu bin ich viel zu brav, also bleibt Sprache und eine Provokation hin zu einem Dialog, wie zum Beispiel diesem wunderbaren hier. Ein Nackt-Machen der Sehenden freilich würde ich nicht gleich erbitten, aber ein FREI SEIN für das SEHEN wäre ein ANFANG zu neuen Ufern.
    In diesem Sinne finde ich es auch SEHR gut, dass es einen Jonathan Meese gibt, welcher seinerseits eine Biografie der Grenzüberwindung verkörpert.

    Kunst kommt von Begegnung im Inneren, so möchte ich das sehen und so erlebe ich dies hier. Auf diese Art von Ufer und DIGITALEM RUHEstein ein Herzliches Dankeschön und Alles Gute !!!

    Lieben Gruß,

    Monja

  5. Hi Monja,

    jetzt hatte ich doch heute in meiner Bloghektik gerade diesen Artiekl in den Papierkorb verschoben und jetzt gerade, wo ich dir antworten wollte, nicht gefunden. Schock. Da isser. Gut. Wiederhergestellt. Alles in Ordnung.

    Ich entdecke gerade auf Facebook viel Kunst. Da sind spannende Menschen unterwegs, die viele Ideen haben und dort zeigen. Inspirierend. So war ich auch auf die Abrissekstase getroffen. Hier der Link zum Beitrag mit Fotos: http://www.fiftyfiftyblog.de/abriss-art-mit-trash-treasure/

    Der Kunst Raum geben. Das wäre ein schöner, für alle gewinnbringender Akt. Mehr Kunst. Mehr Raum. Mehr Fragen. Mehr Inspiration. Lässt sich nicht erzwingen. Vielleicht helfen die Social Media, sie stärker zu fokussieren und zu berücksichtigen.

    Den Banker hätte ich gerne gesehen. Ein Kunst-Businessplan. Hat er wahrscheinlich nicht verstanden oder verstehen wollen. Rendite, Rendite. Ich habe momentan großen Kunsthunger. Freue mich, viel zu sehen. Gerade auch live in den Ateliers. Das nächste Gespräch ist in Planung.

    Deine Arbeiten würde ich gerne mal sehen. Gibt es da eine Möglichkeit? Hast du Fotos? Wäre spannend. Natürlich kein Muss, manchmal falle ich mit der Tür ins Haus.

    Liebe Grüße

    Jens

  6. Hi Jens,

    nun habe ich auch flüchtige, sowie auch ruhende Blicke auf den Verfall werfen können, und muss bestätigen, dass es eine Ästhetik des Innehaltens verkörpert.
    Es ist eine Art Gegenbewegung, eine Kompensation des sich emotional wieder Findens. Man möchte festhalten, was doch bald nicht mehr ist, hier ergibt sich
    ein Nullpunkt im Sinnen und Sein inmitten von Zerstörung.
    Interessant, aber auch bedrückend auf eine gewisse Weise.
    „Morbide“ war Deine Wortwahl im Zusammenhang mit diesem temporären Raum, und es trifft einen Kern.

    WARUM diese Faszination des Morbiden?

    Ich habe während, oder vor, oder nach meinem Kunststudium der Concept Art nicht einen Kunstschaffenden getroffen, ungeachtet seines Materials, ungeachtet ob Kunstmaler, ob Bildhauer etc., der nicht einen Hang zum Morbiden in Variation verarbeitete, verkörperte.
    Immer war der Verfall mit an Bord des Reisens durch die Zeit und Kunstepochen.
    Manchen Ateliers war dies auch in Gestaltung als Charakter eingeschrieben.
    Dies war am Anfang befremdend, zumal, wenn man realisiert, wo Kunst ihren Anfang genommen hat. Im Kontext des Kultischen, später der Kirche… .
    Aber vielleicht ist es gerade dieser Ursprung, welcher allem Schaffen noch als
    kollektives Unbewusstes inne wohnt und zerschmettert werden muss, um überhaupt gestalten zu können.
    Da ist etwas im Moment des Zerstörens und des Kunstschaffens.

    Persönlich preferiere ich die sanfte Variante des Morbiden. Ich liebe es, wenn Spuren der Zeit an Objekten sichtbar werden, was natürlich voraussetzt, dass sie ein nennenswertes ALTER in sich tragen, und dabei vor kontrastierenden jüngeren Gesellschaftsgebilden gegengelesen werden können.
    Dies kann über Fotografie wunderbar sichtbar gemacht werden.
    Dies lässt Mensch in solchem Umfeld selber zu einem Objekt werden.
    Es nimmt ihm Bedeutung.
    Eine Relativierung des Augenblicks.
    Eine Form von Reduktion.
    In diesem Zusammenhang empfehle ich die Fotografie des Passauer Kunstmalers und Fotografen Sebastian Fürst.
    In seinen Aufnahmen ist genau dieses Spannungsfeld fast physisch spürbar.
    ZEIT in eine Aufnahme gebannt.

    Neben Deinen Fotografien mit Blick für Abstraktion und LEBEN (!), aufgrund der
    reichen FARBENVIELFALT, hast Du heute über Zeichen und Formen, bzw. Zahlen geschrieben, darunter auch die 5.
    FÜNF ist die Paradoxie im Zahlengewand.
    Sie ist hart, da mit 3 männlich.
    Sie ist weich, da mit der 2 weiblich besetzt.
    Sie ist voller Widersprüche.
    Diese werden lebbar, wenn eine Form von REDUKTION praktiziert wird.
    5 ist Reduktion, kurz vor dem Zerfall in nicht mehr zu harmonisierende Istzustände.
    5 ist ein Innehalten.
    So habe ich gelernt die 5 zu leben.
    So, hat jeder Mensch seine Zahl, welche seine Aufgabe verkörpert.
    Der Zusammenhang von Zahl, Buchstaben, Wesen, Bedeutung auf mehreren Ebenen wird ja auch in der Kabbala behandelt.
    Aber dies führt in einen anderen Zweig der Betrachtung.
    Die Reduktion als Lektion für ein ausuferndes Wesen, wie das Eigene, lässt mich ein wenig die Orte des Verfalls meiden.
    Mir reicht die Ahnung des nahenden Endes, um in mir ein vollständiges Bild in Gedanken und im Fühlen entstehen zu lassen.
    Alles andere ist Überreizung.
    Objekte des Verfalls sind daher interessant.
    Orte des Verfalls bedrückend.
    Sehr bedrückend.
    Aktuell hatte ich mit einem solchen Ort zu tun, und es war kein Zufall, dass auch die Umgebung von Enge und NOT ganze Meere von Geschichten zu erzählen gehabt hätte, würde diesem UNort jemand Gehör schenken.

    Die ZEIT, die DAUER als Sehnsuchtsmoment, der VERFALL, der TOD.
    Sie ALLE sind alte Gefährten aller Kunstschaffenden aller Zeiten.
    Die Musen in ihrer Kostümierung jenseits der machbaren Gemütlichkeit, jenseits
    des Behaglichen.
    In Deiner Raumgestaltung kam ein solcher Moment auch zum tragen.
    Widersprüche sind Teil bei Erkenntnisprozessen, und sie sind ein wesentliches Moment im Kunstschaffen.
    Ungeachtet des Genres, ist es die Reibung, welche Kunst entstehen oder vergehen lässt.

    Das Gesicht des Bänkers, oder der Bänkerin, es war eine Frau, hätte ich auch gerne gesehen bei dem Anblick eines echten XXL KUNST-Businessplans mit Anleitung zum Querlesen ;).
    Die Idee dahinter war, es ist ein solch unerhörtes Unterfangen Kunst mit Betriebswirtschaft auf ein Papier zu bannen, dass dies einer außerordentlichen Präsentation bedarf.
    Nun eine solche bedarf auch des Interesses.
    Egal, aus welcher Perspektive betarchtet, alles hat Sinn ergeben.
    Unter einem Kunstgeschichtlichen, unter einem Branchenspezifischen, unter einem Gesellschaftsbezogenen Aspekt, alles traf auf Kunst, und die Kunst auf Zahlen.
    Mir wurde dabei schier übel.

    Die Realität war nüchtern, um nicht zu schreiben ERNÜCHTERND.
    Ein Verfall von viel Aufwand, denn ein persönlicher Termin mit dem Bänker ward nicht bekommen, und das ist ungut.
    Man muss sich sozusagen an seinen Businessplan ketten ;).
    „NICHT OHNE MEINEN B-Plan von NICHTS“ ;))).
    Ich vermute auch die Erwähnung von Vincent van Gogh in meinem Essay „Kunst und Vorurteil…“, war wenig hilfreich, denn hier war ein gewisses abstraktes Denken Voraussetzung, um diesen Künstler in einem Text-Atemzug mit dem lohnenswerten, da durchaus verkäuflichen Aspekt von Kunst zu erwähnen. :)))
    Die Kausalkette in der Formulierung war logisch und schlüssig, hätte aber ein weiterlesen vorausgesetzt. :))))))

    Es ist nicht leicht den SCHELM im Nacken sitzen zu haben, und dennoch dem
    Gegenüber die ERNSTHAFTIGKEIT des Tuns zu unterbreiten.
    NEIN!
    Da ist sie wieder: die Fünf des Widerspruchs.

    RAUM und ZEIT

    „Mit der Tür ins Haus fallen“ ist schön, dies führt wenigstens mal in ein greifbares Handeln, sofern das Haus vorhanden sein mag.
    Im Sinne der Reduktion existiert keine Kamera mehr, keine Fotos, nur ein paar Grafiken sind bei yasni eingestellt, was nicht wirklich dem realisierten Kunstbegriff
    nahe kommt.
    Es gibt augenblicklich auch kein Atelier.
    Wie einige meiner Mit-Künstler-mit-menschen arbeite ich im Zuhause.
    Wohraum ist Dichterklause und Arbeitsraum in einem.
    Hier würde schon eher begriffen werden, was mein Anliegen ist.
    Die Grafiken sind eine Essenz aus einer Reihe von Tuschmeditationen, welche blind, ohne Blick auf das Papier, dafür mit Blick aus dem Inneren, getan wurden.
    Eine Suche nach dem Ausdruck im Sinne einer wahrhaftigen Geste als Bewegung.
    So entstand über Jahre – viele Jahre – ein Duktus, welcher am Ende wieder zum Menschen führte.

    Ich würde Menschen gerne alle begreifen können, warum sie tun was sie tun, oder eben nicht tun, was sie tun sollten.
    Nun das gelingt nicht wirklich, aber die Suche selbst ist auch schon Antwort für ein Hier und JETZT.

    Alles ist und wird REDUKTION.
    Das Leben ein abgrundnah ausuferndes ES.
    Wie war das noch mit der Psychologie und einem vermeintlichen Ende? ;)

    Alles ist Morbide und eine Kunst der Übergänge.

    Liebe Grüße

    Monja

  7. Hi Monja,

    sorry, hat gedauert. War die ganze Zeit im Kopf.

    Vorher hatte ich ein gedicht zu schreiben und einige Fotos zu schießen. Konzentartion, dem Ausufernden begegnen. Jetzt ist wieder Ordnung da.

    Raven.

    ELECTRICITY.

    Was in mir hängengbelieben ist von deinem langen Kommentar, neben den Themen MORBID und BANK, ist der Satz „Ich würde Menschen gerne alle begreifen können, warum sie tun was sie tun, oder eben nicht tun, was sie tun sollten.“

    Menschen begreifen. Da versuche ich, bei mir zu beginnen. Dann gehe ich durch diesen langen Tunnel im Keller meiner Seele und such die Wendeltreppe zum Licht, die Himmelsleiter hinter einer Glastür, durch die Blumen duften und Vogelstimmen mir Geschichten erzählen. Kunst ist es, sich zu suchen und nie zu finden. Die Ordnung zu nehmen und sie so schnell wie möglich aufzulösen um das Prinzip der Kreativität nicht im eigenen Tun zu ersticken.

    Geld. Dieses verdammte Hindernis auf dem Weg. Völlig überbewertet. Kunst von Mensch zu Mensch. Weitergegeben, weitergehaucht, weitergetragen. Das liebe ich gerade an Facebook. Da kommen alle zusammen, tauschen aus, teilen. Den Grad der Intensität bstimmen die Menschen untereinander. Ich habe da mittlerweile ein paar Leute, die wirklich inspirierend sind, die Einblicke in ihre Arbeit geben. raus aus dern Ateliers, rein ins Gespräch. Da passiert was.

    Für mich ist es momentan wichtig, Kunst ohne Ziel und Absicht zu verfolgen. Frei zu sein im Kopf. Beim schreiben, beim Fotografieren. Besser zu werden, für mich. Linien zu finden. Orientierung. Handschrift, meins. Kristallisieren.

    Liebe Grüße

    Jens

  8. Hi Jens,

    :))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))))) !!!
    Ja, der Schalk im Naken, und in jeder Hinsicht.

    Wußte, dass dies kommt: bei sich selber beginnen im Zusammenhang mit dem
    „Menschen verstehen“.
    Natürlich hat man, nein „Frau“, dies vor langer Zeit (?bin eigentlich gar nicht so alt) begonnen und exzessiv ausgelebt und ausgearbeitet, da ist nun nichts mehr.
    Erst recht nicht unbewusst.

    Jetzt möchte ich ANDERE verstehen. Jetzt bin ich neugierig auf
    Andere Menschen, andere Leben, andere Formen von Lebensverschattung, aber natürlich auch deren Lichtquellen. Das Leben ist als Wir zu begreifen.
    Dummerweis meint mein nicht unbewusstes Unbewusstes Facebook boykottieren zu müssen. Zu viel Datenweitergabe mit unbekannter Folge.
    Ist mir etwas ungeheuerlich. Habe da ein Mulmengefühl – Mulmig und Tastend geht ein Einzelner Schritt für Schritt durch die Suche und ein SEHEN.

    Bei diesen Schritten ist mir Dein Fotografieren nicht entgangen.
    Es liegt darin die Abstraktion innerhalb des Lebendigen.
    Viel Zeit-Textur an Gegenwart.
    Frage im Sinne eines echten Dialogs: In was für einen Zusammenhang habe ich Deine Aussage zu verstehen „Kunst ohne Ziel und Absicht zu verfolgen.“
    Man kann doch auch FREI sein im Kopf, wenn man KUNST und KULTUR in einem
    Sinnzusammenhang sieht. Dieser Zusammenhang macht ja keine Vorgaben im Hinblick auf FORM und Material und Genre. ALLES bleibt darin möglich.
    Es muss nur auch verarbeitet werden.
    Und für mich persönlich ist das Thema Zerstörung ein sehr breites Feld.
    Ich habe erlebt, was dieses Feld aus Menschen und mit anderen Menschen macht.
    Darin liegt noch nicht einmal das Moment der Effekthascherei.
    Aber dies ist ja nur die Rezepientenebene.
    Wer Zerstörung als Thema für sich als notwendig erachtet, muss dies so leben, bzw. bearbeiten.
    Entscheidend ist nur, dass es in der Kommunikation die Sphäre des Einzelnen verlässt.

    PS. Tolles Unbewusstes – Du hast eine „Himmelsleiter und Blumen“ bei mir wachsen nur Kakteen und Treibsand ;))) …vermutlich unter einer Falltüre…

    Lieben Gruß

    Monja

    1. Liebe Monja, so, so,

      der Schalk im Nacken. Du scheinst meinen Blog gelesen zu haben, dass du das so einschätzen kannst. Weißt, wie ich ticke. „Da ist nichts mehr.“ Gut gearbeitet. Respekt.

      ANDERE verstehen. Interessant. Kann man das? Andere flutschen mir immer durch die Finger. Weg. Wenn ich glaub, ich wüsste, ich hätte eine Ahnung, dann ist es doch wieder ganz anders. Nicht ganz, aber es fühlt sich anders an.

      Die Abstraktion innerhalb des Lebendigen. Realismus. Die anfassbare Welt. Das Drumherum. Bringt der Blog so mit sich. Bei den Fotografien. Die Gedichte verlassen da schon mal den Pfad.

      Frei. Kunst.

      Im Denken. Im Nichtwollen, Erzwingen, Wünschen. Die Ebene der Vorstellung ausschalten, die gelernten Muster. Das ist ein Bild. das ist ein gedicht. das ist ein gutes Bild. Das ist ein gutes Gedicht. Bewertungen, Meinungen, Zahlen, Euros. Hinterherhecheln. Abhängig sein von Anerkennung. Dem Ego ausgeliefert.

      Alles bleibt möglich, nichts wäre unmöglich, wären wir nicht mit Grenzen besetzt. Enge. meinungen. Wissen. – Alles vermeintlich. Ein Thema suchen, es bearbeiten. Abläufe. A, B, C, D, E, F…

      Manchmal möchte ich mit meinen Gedichten ausbrechen, möchte böse sein. Kann ich nicht. Vor kurzem habe ich mal eines geschrieben, das ganz anders ist. Liegt im Giftschrank. Kostet mich Überwindung. Mag ich nicht sehen, lesen. Da wird es eigentlich spannend. Schre im Kopf. Unfreiheit. Angenommene Persönlichkeitsgrenzen. Sich zu springen trauen…

      Kakteen und Treibsand??? Falltüre???

      Liebe Grüße

      Jens

  9. Lieber Jens,

    das mit dem „Schalk im Naken“ war auf diesen Dialog, ebenso Deinen Blog, aber auch auf meinen kontinuierlichen Begleiter in den Vorstufen des Lebens bezogen.
    Er ist ein Stilmittel im Ausdruck, sowie ein Werkzeug für die Rezeption von Welt, welcher dem Schweren das Schwergewicht nimmt, wieder etwas Luft atmen lässt inmitten kontextueller Enge. Der Schalk ist mir ein treuer und guter Begleiter.
    Und ja, ich muss schmunzeln, wenn ich meinen so imaginierten Freund an Gesinnung bei Anderen wieder entdecke, so wie bei Dir.
    Interessant ist auch die Herkunftsgeschichte des Wortes „Schalk“.

    Das mit dem „da ist nichts mehr“ war ausschließlich auf das Thema Selbsterkenntnis bezogen, welches Du in der Vor-vor-Antwort ansprachst.
    Es ist die Erklärung eines Weg, des eigenen.
    Andere Menschen erleben ein anderes Gehen in Richtung „DU“, in Richtung Mitmensch.
    Das „da ist nichts mehr“ würde ich nie auf Dich beziehen, da mit Sicherheit dort
    noch vieles zu entdecken ist, unter anderem „Rote Zornespunkte“ in „Seidenpapier“ und – ach – ein „Giftschrank“ ;).
    Der möchte unter Garantie geöffnet werden.
    Er hatte nun seine Zeit des Rückzugs, nun möchten die Buchstaben die Luft
    des Gelesen-Werdens atmen.
    Um so mehr, wenn Dich etwas daran nicht los lässt, neues braucht das Außen im Hier und gelebten JETZT.

    Über Andere – Über MENSCHEN

    „…Nicht ganz, aber es fühlt sich anders an“
    Menschen verstehen können, ist so, wie Du den Aspekt des Kunstschaffens
    – ich nenne jetzt Dein Bildhaftes Arbeiten und Reflektieren auf Lyrik-Ebene so –
    beschrieben hast: es ist nicht und niemals direkt greifbar.
    Möchte man es in ein Raster zwingen, den Anderen dingfest machen in seinem
    Tun, und oft nur unterstellten Sehen, wird es zur Projektion.
    Lässt man als autonomer Geist, den Geist des Anderen in all seinen Widersprüchen auf sich wirken, ohne gleich die Worte darfür zu finden, so bekommt man eine Schwingung, eine Ahnung von dem Anderen.
    Ungefähr so wie Du es beschrieben hast.

    Entscheidend ist, diese Wahrnehmung so beizubehalten.
    Den Anderen in möglichst vielen Facetten auf sich wirken lassen.
    Nichts davon ausblenden.
    SO bekommt der Geist, welcher sich zuvor erst einmal selber einzuschätzen gelernt hat, ein sehr genaues Gespür für den Anderen.
    Aber danach greifen lässt sich nicht.
    Ab dem Moment der normativen Einengung wird alles zur Lüge.

    Das erfassen der Persönlichkeit des Anderen auf der Ebene der Ahnung ist nur
    ein Aspekt.
    Ich kann Dir auch bestätigen, leider, dass es Kommunikation entgegen den
    Erwartungen, welche hier aufgebaut werden könnten, NICHT leichter macht!
    Es gibt hier ein Problem: Der Kommunizierende des Inneren kommuniziert mit dem Inneren des Anderen, aber der Andere kann dies nicht richtig deuten, da viele Menschen ihr INNERES deckeln, und daran glauben, dass dies auch in einer Kommunikation dauerhaft aufrecht erhaltbar bleibt. Ist es aber NICHT.
    So ergeben sich Missverständnisse.
    Ich versuche also im Alltag aus Rücksicht, sowohl zu der gehegten „Maskerade“
    zu sprechen, als auch zu dem verdeckten Inneren des Anderen.
    Es ist anstrengend. Sehr sogar.
    Aber wer einmal gelernt hat, „mit dem Herzen zu sehen“, wie es „Der Kleine Prinz“ formuliert, der kennt keinen Weg zurück.
    Das HERZ ist ein Weg. Der einzige immerzu.

    Gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen KUNST, Leben, LIEBE, Tod und darüber die große Soße des Konsums?
    Ich glaube nicht.
    Alles ist irgendwie Schlecker und Zerstörung, aber auch Neuaufbau.

    „Kunst ohne Ziel und Absicht zu verfolgen“ waren auch Deine Worte.
    Das ist es, was ich hier bezogen auf Kommunikation beschrieben habe.
    Es gibt keine Anleitung für NICHTS und NIEMANDEN.
    Dies bedeutet aber auch, dass in einer schlichten Zeichnung von gar nicht schlichter Entstehungsgeschichte, manchmal mehr Innovation liegen kann, als in
    der Tausendsten Installation.
    Concept Art und all die nachfolgenden Richtungen sind alle längst zur hohlen
    Geste geronnen.
    Dennoch kann ALLES innovativ sein, es kommt auf die Innere Haltung während
    des Kunstschaffens an.
    Besteht die Innere Verbindung zur Welt, im Inneren des Äußeren, ist das Moment
    der Kunst am wirken.
    Unabhängig von dem jeweiligen Genre.
    Aber es ist nicht auf Knopfdruck herstellbar.
    Meditation hilft, aber es ist und kann kein Garant sein.
    Es wird dem vergleichbar, was Du über Dein Arbeiten als Texter geschrieben hast.

    INNERE BILDER

    Es gibt die Körperebene, darin eingeschrieben als Genetik, die Erfahrungen unserer Ahnen.
    Es gibt jenes Sein, welches wir als Seele bezeichnen, das Higgs-Boson des Lebendseins. Darin ruhen bis zur Reaktivierung, all die Erfahrungen, welche wir
    in früheren Leben sammeln durften.
    All dies wird eingebettet, mal hart, mal weich, in der aktuell wirksamen Lebens- und
    Kontextrealität.
    Beides ist zu trennen. Aber dies ist ein anderes Thema.

    Die Inneren Bilder sind die Schnittstelle aller Drei Bereiche.
    Bei mir ist es ein blühendes Kakteenfeld, Treibsand und Sand, welcher gewähren lässt, türkisblauer Himmel, sowie eine Falltüre, welche hinauf führt in das Jetzt.
    Das ist meine Kollektiv-Zapfsäule. Hier muss ich auftanken.
    Andere Personen haben andere Innere Bilder.

    Manche Menschen haben diese jedoch leider fast verloren.
    Sie vibrieren im Nebel und Nebulösen.
    Dies sind auch jene Menschen, welche ohne Schubladen nicht auskommen.
    Es sind Suchende ohne das Vokabular der Suche.

    Das Leben ist ein Labyrinth.
    Für Jeden und immerzu.
    Alles ist Bewegung und Stillstand zugleich, in einem ATEMZUG.

    Lieben Gruß

    Monja

  10. Liebe Monja,

    lange hat’s gedeuert. Habe mehrfach dran gesessen, aber immer ist mir dein Kommentar in der Größe als Walfisch zwischen den Fingern entschlüpft. hat immer gerade so nicht gepasst. nun aber.

    Ich habe mir zwei Zitate herausgefischt, um mich nicht im Antworten-Antworten-Antworten-Gewirre zu verheddern:

    1.

    Gibt es überhaupt einen Unterschied zwischen KUNST, Leben, LIEBE, Tod und darüber die große Soße des Konsums?

    Hm. Ja, sonst es nicht die unterschiedlichen Worte geben. Nein, weil natürlich doch wieder alle Flüsse in ein Meer fließen. Aus der Liebe wächst das Leben, begleitet durch die Kunst bis zum Tod. Reihenfolge. Zwischendrin ist dann alles immer wiederkehrendes Thema. Die LIEBE. Wo ist sie? Wiseo fällt sie mir nicht zu? Wieso liebt mich niemand? Wieso ist die Liebe so kompliziert? Ich soll doch den Augenblick leben, aber wie soll ich das machen, wenn sich die Liebe verabschiedet hat? Wie soll ich ohne Liebe den Moment lieben? Woher soll das alles kommen?

    Leben. Schlecht als recht. Besser, gut, hervorragend? Was bracuhe ich? Wo führt es mich hin? Was will ich? Brauche ich Geld? Was brauche ich? Und weshlab ist das Leben so anders als das Leben, das ich mir wünsche? Habe ich zu viel Fantasie? Zu viel Kunst?

    Kunst. malen. Mit Worten, Pinsel, Kameras. Was will ich sehen? Entwerfe ich mir meine Welt oder werfe ich Botschaften nach draußen? Weshalb sind die Antworten so zögerlich zaghaft? Kann Kunst retten? Was ist Kunst? Bin ich Künstler? Wer bin ich? Das Leben fragt. Da ist es wieder. Und die Liebe steht auch um die Ecke und fragt. Und der Tod. Hat das alles Zweck, wo der Tod überall lauert ujd es in diesem Moment vorbei sein kann?

    Ach. Es ist kompliziert. Und je mehr Worte fallen, desto mehr Worte sind es, die Inhalte auflösen und nicht bleibt als Buchstabensuppe. Texterkrankheit. Höhenrausch. Tatsächlich: Ich habe keine Antworten, nur Fragen und davon sehr, sehr viele.

    2.

    Bei mir ist es ein blühendes Kakteenfeld, Treibsand und Sand, welcher gewähren lässt, türkisblauer Himmel, sowie eine Falltüre, welche hinauf führt in das Jetzt.
    Das ist meine Kollektiv-Zapfsäule.

    Habe ich auch ein inneres Bild? Nein. Weshalb? Weiß nicht, bin anders. das wechselt, die Sicht. Der Kopf lässt kein inneres Bild zu. Was sehe ich eigentlich? Durch den Sucher meiner Kamera? Die Worte, die ich denke? Die Gedichte, die aus den Worten fallen? Wieder Fragen über Fragen. Keine Antworten.

    Vielleicht ist es nur ein Treiben. Bewegen von hier nach dort. Schauen, reagieren. Reagieren, reagieren, reagieren.

    Die Kunst ist ein Thema nach dem anderen und ein roter Faden, der sich suchen lässt. Iregndwo zwischen all den Sachen. Oder?

    Liebe Grüße

    Jens

  11. Lieber Jens,

    „lang“ ist keine Frage von Zeit, sondern von Wahrnehmung.
    Ich vertrete nicht nur mit Worten das Konzept des „qualitativen Zeitbegriffes“, welcher sich darin auszeichnet, dass sich Inhalte aus dem Zusammenhang heraus ergeben, was voraussetzt, das ein solcher wahrgenommen werden kann.

    Das heißt eine gewisse „Dauer“ ist hier ein wichtiges Mittel um dieser Form an Realitätsrezeption Raum zu geben.
    Raum und Zeit ergibt Inhalte = Materie des Geistes.
    Alles steht in Verbindung zueinander.
    Deine Antwort kam also nicht „spät“, sondern zu dem Zeitpunkt, wo sie bereit war
    abgerufen zu werden.

    Willkommen im Pradoxien-Land, worin es stets neue Fragen auf jede kleine Antwort geben wird, es aber dennoch genug Antworten gibt, um die nächstliegenden Schritte weiter gehen zu können.
    Schritt für Schritt, oder das buddhistische „der Weg ist das Ziel“ als schwirrendes
    Schein-Fundament zu akzeptieren, ist eine Möglichkeit für Leben.

    Du hast ein wunderbares Bild gefunden mit dem Walfisch, welcher Dir durch die Finger gleitet. So in etwa ist es zu umschreiben. Und auch immer wieder anders.

    Du merkst, so wie Du über das Wahrnehmen anderer Menschen gesprochen hast, so lässt sich alles als diese flirrende Dynamik wahrnehmen.
    Greifbar sind darin immer nur punktuell zu verstehende Augenblicke.

    Ein qualitativer Zeitbegriff und die Liebe

    Was hier auch offensichtlich wird, ist eine Abweichung von jener aktuellen
    Lebensdynamik, welche uns Allen gegenwärtig mit Inhaltsleere und Folgen um
    die Ohren fliegt.
    Immer in einer Variation von Zerstörung.
    Dem einen Menschen entgleitet etwas, was ihm nie gestattet wurde, dem Anderen Menschen entweicht flüchtig, wie ein Gas, das, was wir Liebe nennen.

    Die Konstellationen an Leben und Verlust stehen mit einander in Verbindung.
    Hierzu muss nicht erst auf eine Chaostheorie verwiesen werden.
    Wo es kein Innehalten gibt, für NIEMANDEN, außer für wenige Augenblicke oder
    Sekunden, bleibt nicht genug Raum um einmal gewachsene, gewesene Liebe erhalten zu können.
    Sie bedarf eines qualitativen Zeitbegriffes, welcher gegenwärtig nicht gelebt werden kann.
    Immer ist da nur die Ahnung.

    So wie unser Wissen eine Suche auf der Straße der Unendlichkeit sein kann, mehr nicht. Auch im endlichen Raum ist unser Erkennen seiner Weite nur auf ungefähre 4-5 % zu benennen. 4-5 % sind der Anteil sichtbarer Materie, welchen sich die Astrophysik widmet.
    Der Rest das große schwirrende und dennoch sich auswirkende Dunkel.

    Es lohnt sich immer die „Fühler“ auszustrecken nach neuen Menschen, vielleicht nach neuen Lieben, oder sich selbst eingehend zu hinterfragen, ob es noch einen Kontakt des Herzens gibt zu dem zuvor gemeinsam geteilten Herzensklang
    namens Liebe.
    Egal wie die Antwort empfunden wird, und zu Worten anwächst, darauf aufbauend
    muss gehandelt werden.

    Benennung dessen was uns umgibt und einschränkt ist ein Akt „Mentaler Hygiene“.
    Die Gesellschaft – so wie sie heute noch schein-funktioniert – möchte am liebsten
    NICHTS hinterfragt wissen.
    Wer „jammert“ wird abgestempelt, wer schweigt und erduldet wird erst recht abgestempelt.
    Schweigen war noch nie die Lösung!
    Das ist es im Heute weniger denn je.

    Die Welt als Abbild

    Gerne wird behauptet wir schaffen uns unseren Kontext mit unseren Gedanken,
    ergo sollten wir weniger denken, denn dies wäre ohnehin nur klein und negativ.

    Ein „klein“ kommt nur zustande, wenn man ein Vorhandes Etwas mit einem Externen anderen Etwas vergleicht, und dabei oft Themen unstimmig verwirbelt
    und defomiert werden.
    Kein EIGENES Denken ist klein, darin steckt nur wieder der gleiche Habitus wie bei dem Vorwurf des „Jammerns“.
    Alle Menschen sollen gemäß einem solchen Kleingeist-Weltbild schweigen, erdulden, und ihr Kreuz tragen.
    Bloß „nicht rühren“ heißt die Devise, welche keine ist.
    Hier lohnt es sich auf die Wortherkunft von Devise, und die Verbindung zu dem
    Währungsaspekt – Devisen – zu verweisen.

    NEIN, wir schaffen uns NICHT unsere eigene Welt.
    Wie anmaßend!
    Wir tragen jedoch eine Stärke in uns, welche bereit ist, jene Themen zu bearbeiten
    welche für uns individuell anliegen.
    Das hat NICHTS zu tun mit Fatalismus, oder mit „Du hast das alles so verdient“, eher ist es wohl so, dass wir alle für bestimmte Aufgaben geboren werden.
    Solange, bis wir imstande sind sie zu erkennen.
    Jeder Mensch ist von Bedeutung und JEDER Mensch hat einen Platz auf dieser Welt verdient.
    Eine Welt die dies negiert, wie aktuell zu beobachten, hat noch nicht ihre Lektionen
    verstanden.
    Im Großen, wie im Kleinen geht es darum neues zu erschaffen.
    Die Welt um uns ist im Wandel.
    Damit von uns dieser umgriffen und gelebt werden kann, müssen wir Zeitinseln
    schaffen.
    Für uns selbst, für die gesamte Gesellschaft, insofern man deren
    „wirkliche Funktionaliät“ wünscht zu erreichen.

    Wäre alles nur ein „the Secret“ würden wir alle auf Händen unsere Blumen des
    verlorenen Bezugs zueinander vor uns her tragen.
    Weder bei mir, noch im Außen sehe ich das Feld allumfassender Liebe.
    So einfach und banal ist unsere Welt nicht gestrickt.

    Vom Nutzen der Fragen

    Was möglich ist, sind einzelne Punkte welche sich das jeweilige individuelle
    Leben als Hauptthema heraus greifen kann.
    Hierzu sind unsere Fragen essentiell.
    Wichtiger als die Antworten.
    Die Antworten tragen das Antlitz der Lösung in sich, und weniger den Aspekt
    der ultimativen Wahrheit.

    Innere Bilder

    Unser kollektives Gedächtnis ist in uns und mit uns.
    Wir werden ihm nicht entfliehen.
    Wie Du mit Deiner Formulierung erahnen lässt, sind es NIE endgültige Bilder.
    Ich habe sie für Dich formuliert, weil es etwas benennt, was nicht wirklich zu benennen ist.
    Es sind unsere Kreuze, welche jeder, so wie er es vermag, mit sich herum schleppt.
    Manche Menschen flattern dabei leicht und flirrend wie ein Schmetterling.
    Andere Menschen tragen Krettenhemden, sie schleppen den Teer vergangener
    Jahrhunderte mit sich.
    Kaum, dass er seine Konsistenz geändert hat in all der Zeit.

    Das Kreuz ist ein uraltes Menschheitssymbol.
    Lange vor dem Christentum war es uns Menschen eine stimmig gefühlte Metapher.
    Bei den Alten Ägyptern gab es das Anck.
    Bei den Indigenen Nordamerikas existierte der Totempfahl mit einem Vielfachen
    an Bedeutung.
    Multiperspektivisch ist die Welt schon immer angelegt gewesen.

    Es ist ironischerweise eine „Erfindung“ der Aufklärung auf nur „eine“, oder reduzierte Verkürzungen von Inhalt als Antwort zurück greifen zu wollen.

    So funktioniert aber nicht die Welt, sondern lediglich deren Beschleunigung.
    Beschleunigung als Dauerzustand – wie gegenwärtig – VERNICHTET nicht nur
    Ökonomien und Währungen, sondern das Leben mit Inhalt an sich.

    Wir haben unsere Themen.
    Jeder für sich und den Anderen ist verpflichtet diese Themen in sich zu ersprüren, sofern er eine Änderung im Kleinen, als auch im großen Kontext herbei führen möchte.
    Leben ist das, was wir über ein aufrichtiges „Du“ in Erfahrung bringen können.

    Kunst ?

    Kunst ist die Spurenlese nach Bedeutung und Tiefgang, ohne sich hierbei auf einen Ausdruck zu beschränken.
    Film, Mode, Literatur, Malerei, Land Art, Concept Art, … .
    Es ist unerheblich.
    Die Haltung darin schafft einen Wert, eine Bedeutung, oder straft jede Bedeutung Lügen.

    Eine Kunst, welche das Quälen oder Töten eines Geschöpfes dieser Welt vorsieht – wie aktuell an der Kunst-AK in Düssledorf – ist schlicht EGOMANIE,
    eine Selbstbeweihräucherung im Überfluss und verortet im Überdruss an dem Außen.
    Es ist widerlich, weil hier eine Haltung eingenommen wird, welche im Kontext
    von Lebensmittelindustrie zu recht kritisiert wird.
    Eine Bereicherung im monetären, welche sich aufgrund der Ebene
    von Effekthascherei – also einer Inhaltsvariante von Geschwindigkeit – ergibt,
    wirft darüber hinaus ein „Neoliberales Kleingeist-So-Wie-Bisher-Weiter-Bild“ auf
    die „Könner“.
    So genannte „Meister-Schüler“.
    Reflexion über eine Zeit-Textur der Gegenwart ist dies nicht, sondern lediglich
    ihre Repetition.

    Kunst und Leben ist Achtung und Wertschätzung unser Aller, mit Mitteln des
    Empfindsamen Geistes, inklusive deren Nebenwirkungen.
    Stichwort „Freak“.
    Lieber bin ich ein sich bekenennder Freak als ein Elendes Arschloch!

    Über das Herz

    Wie es um unsere atmosphärische Welt steht, in welche wir hinein geboren
    werden in Deutschland, ist über den Twitter-Hashtag #sätzeunsererkindheit gut
    lesend nach zu vollziehen.

    Wo es nicht einmal die OFFENHEIT für ein noch junges, neu zu beschreibendes
    Menschenleben in Gestalt eines Kindes gibt, in all seiner Unschuld, ist kein
    Raum mehr für NICHTS.
    Funktionieren funktioniert bei Maschinen, bei Menschen ist es eine temporäre
    Funktionaliät bis zum Kollaps.
    Gesellschaftlch erleben wir ihn gerade.
    Allerdings ohne die Aufmerksamkeit und Schlussfolgerungen, welche nötig wären.

    In diesem Sinne für heute ein aufrichtiges und erschöpftes
    Alles Gute und einen

    Lieben Gruß

    Monja

  12. Spontan-Nachtrag

    Lieber Jens,

    Du fotografierst gerade sehr viel.
    Heute nanntest Du einen Moment in Deinem Leben, bzw. diesen Tag als
    „intensiv“.

    Das sind momentan auch Deine Photos.
    Sie erfassen immer einen Augenblick, halten fest.
    Alles wirkt wie ein erststarrtes, fast noch lebendiges Zeiterleben.
    Ein Festhalten-Wollen.
    Wenn ein Mensch überhäuft ist mit Eindrücken, so hilft da nicht der so genannte
    Verstand, sondern eher dass, was unsere Assoziation weckt.
    Kommt diese erst einmal in den Fluss, gelangen Teile davon in den Bereich unseres Gehirns, worin eine Lösung, bzw. Antwort langsam heran wachsen kann.
    Also frage gegenwärtig nicht nach einem Wie, Wo, Warum, sondern mache das weiter, was Du offensichtlich sehr gerne mit allen Sinnen schon tust:
    Fotografiere, Suche mit dem Sucher Deine Suche und daraus resultierend ein
    Finden.

    „Es wird sich finden“, ist eine treffliche Formulierung im deutschen als man noch einen Bezug zu dem Motiv der Geduld und Gelassenheit hatte.

    Ich selbst bin ein sehr offener und modern eingestellter Mensch, aber genau aus diesem Grunde liebe ich es zu schauen, was die Sprache oder die Geschichte jenseits des Schulkanons uns zu lehren hat.
    Es sind immer einzelne Menschen welche wirklich einen Eindruck hinterlassen.
    Lese ich dann in Gedanken deren Lebensumstände nach, bekomme ich ein Gefühl dafür, was alle Menschen durch alle Zeiten hinweg miteinander verbindet.
    Wir sind alle reich an Geschichte und noch viel mehr an Geschichten über das was wir Leben nennen.

    Wir tragen nicht die Welt in uns, aber wir tragen die Chance auf Offenheit für einen wahrhaften Dialog zu fast jedem Anderen in uns, ohne uns dabei zu verlieren.
    Das ist Reichtum und das Handwerk, um einen Augenblick als Augenblick stehen zu lassen.
    So wie mit Deinen Fotos geschehen.

    Meine Offennheit für Dialog auf Twitter hat mir jetzt meinen Zugang zu meinem eigenen Account verwehrt.
    Ich kann noch twittern, aber kein Following, keine Follower und Keinen Dialog aufrufen.

    NEIN, die Welt welche ich in mir tage, hat NICHTS mit dieser Welt zu tun.
    Dennoch bin ich hier, und es ist nicht lustig.

    Alles Gute

    Lieben Gruß

    Monja

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