Ahoi, mare Meeressehnen!

Bindet mich. Knebelt mich. Verstopft meine Ohren. Schützt mich wie einst Odysseus vor dem Ruf der Sirenen. Das Meeressehnen hat mich erfasst. Mitten im Januar, wo das Meer für mich so weit weg ist wie nie. In den letzten Tagen hat sich eine sonderliche Fügung ereignet. Ich hatte zwei meiner Gedichte eingesendet. An ein Magazin. Ich hoffe immernoch im Stillen, dass einst eines meiner Gedichte gedruckt wird. Es ist eine Eitelkeit, das gebe ich gerne zu. Es wäre ein erhabenes Gefühl, denke ich mir. Vielleicht aber auch nur der peinliche Wunsch, wahrgenommen zu werden. Müssten mir die Gedichte nicht eigentlich selbst genug sein? Müsste ich mir nicht selbst sagen, die sind gut? Nein, da wünscht sich etwas in mir über das Lob des Blogpublikums hinaus eine größere, umfassendere Anerkennung. Absolution. Du machst das Richtige, sieh nur, da steht es schwarz auf weiß. Gedruckt von einer großen Zeitschrift.

In diesem Falle keine Zeitschrift. Ein Magazin. Ein märchenhaftes Magazin. Ich hatte es abonniert bis zum Sommer. Das heißt, eine Freundin von mir aus Köln hatte es für mich abonniert. Als Geschenk, weil wir eine Meeresleidenschaft teilen. Sie ist Surferin. Gerade jetzt in diesem Augenblick ist sie auf Hawaii und surft. Wellenreiten. Das macht die Sache für mich besser und schlechter. Besser, weil ich in Gedanken mitsurfe, obwohl ich Windsurfer bin mit Haut und Haar. Schlechter, weil es die Sehnsucht steigert. Heute Nacht tobte der Wind ums Haus. Ich denke dann an Segelgrößen, Windrichtungen, wie ich fahren würde.

Dieses Magazin ist die mare. Die Zeitschrift der Meere. Reportagen rund um das Meer. Sie erscheint zweimonatlich und ihr könnt einen ersten Einruck auf mare.de gewinnen, wenn ihr wollt. Allerdings. Das was ihr dort erlebt, ist plastic gegen das wahre mare Feeling. Ich greife jetzt ein wenig in die Zauberkiste der Werbesprache und klaue mir aus meinem Handwerkskasten einige Superlative. In Gedanken, in Wirklichkeit tue ich euch das nicht an. Die mare hat Gewicht. Sie ist auf sattem Papier gedruckt. Eine haptische Wohltat. Die Seiten verknicken nicht, flattern nicht wie billige Segel im Wind. Nein, sie gleiten wie schweres Baumwolltuch über in die nächste Welt. Äh, auf die nächste Seite. Mit leichtem Schwung, als würde eine schwere Tür langsam ins Schloss fallen.

Im Sommer hatte ich das Abo auslaufen lassen. Wirtschaftskrise, der Korsikaurlaub musste bezahlt werden, Versicherungen, Gas, Strom der ganze Kladderadatsch. Schweren Herzens sparte ich mir aus einer unsinnigen Vernunftentscheidung heraus die 46,50 €. Entschied mich für Sicherheit statt Genuss. Legte mir geschwafelte Argumente im Innern meines Denkzentrums zurecht und sagte mir: Bleib unabhängig, du brauchst das nicht. Jim war tarurig. Weil er die mare verschlingt. Wir lesen sie abwechselnd komplett durch. Lasen zunächst und lesen jetzt wieder.

Ich sendete die Gedichte an den Verlag – „Am Morgen, Meerjungfrau“ und „Wiege der Welt“. In der Mail entschuldigte ich mich schon im Voraus für den Fall, dass meine unverlangt eingesendeten Gedichte (ich glaube, Verlage hassen das) als störend empfunden würden. Spam-Gedichte. Ich musste mich da selbst schützen, weil es ein wenig ein Gang nach Canossa ist, sich so auszuliefern und eventuell zu hören „Senden sie uns nie wieder so einen Schrott.“ Oh Seelengraus.

Die Antwort war mare typisch. Voller Stil. Wie das Papier, auf dem das Magazin gedruckt ist. Wie jedes Foto, das feinfühlig ausgewählt ist. Wie jeder leicht gleitende Text mit so tiefem Wellengang. Der Zweimonatsrhythmus, um Raum und Zeit für Perfektion zu haben. Und Ruhe für das eigene Tun. Die Antwortmail war voller Freundlichkeit. Eine sommerliche Meeresbrise. Eine Absage, weil keine zeitgenössischen Meeresgedichte mehr abgedruckt würden. Schade. Aber vielleicht, würde sie einmal passen, die Meerjungfrau. Es seien doch schöne Gedichte. Stein vom Herzen, respektvoller Umgang. Ein Mensch auf der anderen Seite der Mailleitung. Eine Frau. Vielleicht deshalb. Oder eben die mare.

Auf wundersame unerklärliche magische Weise kamen wir, Jim und ich, dann überraschenderweise zu den letzten drei, den verpassten Ausgaben. Gestern Abend, vorgestern Abend haben wir geschlungen. Eingetaucht in die Geschichten des Meeres. Da überkam sie mich, die tiefe Sehnsucht. Der Wunsch, es um mich herum zu spüren. Wieder auf Korsika zu sein, an diesem Tag mit dem außerordentlichen Wind. Habe das Erlebnis wie einen Film abgespeichert. Das Segel etwas zu groß mit fünf Quadratmetern, das Brett ist überpowert und deshalb unruhig. Ich muss etwas Druck rausnehmen, sonst schmeißt mich ein Spin-out in die Wellen. Der Druck lässt das Wasser an der führenden Finne verkochen. Es entsteht ein Luftraum, das Brett ist führungslos und stellt sich quer.

Die Geschwindigkeit ist irre. Um nicht an Höhe zu verlieren, muss ich leicht schräg zur Welle fahren. Das bedeutet ganz automatisch, dass ich auf den Wellenkamm hoch muss. Und bin ich oben, ist da ein Wellental, in das ich plumpse. Ja, ich falle auch rein. Lande nicht nach jedem Abheben so, wie es gut wäre. Wasserstart. Unter das Segel legen, es leicht hoch lupfen und sich vom Wind aufs Brett ziehen lassen. An diesem Tag springe ich den höchsten Sprung meines Lebens. Eine Zeit in der Luft.

Wenn ich die mare lese, bin ich dem Meer nah. Am Meer geht es mir immer ausgezeichnet. Ich hatte Meeresbiologie in Kiel studieren wollen, um ans Meer zu kommen. Der Numerus Clausus ließ mich nicht. Und tatsächlich, Sprache ist ja nun irgendwie auch mehr mein Ding. Einen mare Artikel, den ich gelesen habe, gibt es auch auf Spiegel online. Geschrieben von Zora del Buono. Dann könnt ihr ein wenig eintauchen ins mare Feeling, auch wenn das schwere Papier fehlt: Lüderitz in Namibia. Deutsche Geister in Südwest. Zora del Buono ist übrigens nicht nur Journalistin (sie nennt sich Reporterin), sonder auch Architektin und Schriftstellerin. Eine Frau so unfassbar wie das Meer. Viele ihrer Arbeiten findet ihr hier. Lohnt sich.

Euch wünsche ich einen Tag voller Meeresrauschen im Kopf. Ein Schmecken der salzigen Luft. Ha.

Wo wohnt Gott in Deutschland?

In den letzten Tagen kamen hier im Blog Glaubensfragen auf, die mich beschäftigt haben. Ich meine, die beschäftigen mich schon immer. Und ich sehe und fühle hin, was um mich herum geschieht. Mittlerweile habe ich nur noch wenig Kontakt zur Kirche, erlebe sie aber dann doch immer wieder über die Teilnahme an Konfirmationen und Beerdigungen. Bevor ich angefangen habe, diesen Artikel zu schreiben, habe ich Zahlen recherchiert. Ich wollte kurz wissen, was die Fakten sind. Nach Wikipedia sieht es so aus, dass derzeit 30,5% der Deutschen katholisch sind und 29,5% evangelisch. Macht 60% Christen. Im Westen sind es derzeit 72%, im Osten 25% (nach Zahlen der Evangelischen Kirche).

Weshalb ich recherchiert habe? Wozu ich die Zahlen brauche? Nun, ich habe den Eindruck, dass bei uns hier auf dem Land die Kirche in der Zeit, seit der ich hier wohne, sich immer weiter aufgelöst hat. Es gibt nicht mehr die Pfarrer, weil es die Stellen nicht mehr gibt. Vielerorts hier heißt es, die Kirche sei pleite. Und tatsächlich haben wir die Konfirmation meines Patenkindes in einer Kirche mit Gemeindehaus gefeiert, die zum Verkauf steht. Das war ein wenig gruselig. Die war schon entweiht oder wie das heißt und stand nun wie erschlagen da. Nachdem in unserer Gemeinde hier der Pfarrer durch Burn-out ausgeschieden ist, wird ein 50% Nachfolger gesucht. 50% Pfarrer?

Bei Beerdigungen habe ich zuletzt wechselnde Prediger erlebt, die ich nicht kannte. Und die scheinbar auch nicht von hier kamen, denn immer, wenn der Name des verstorbenen Menschen genannt wurde, mussten sie nachlesen. Da entstanden peinliche Pausen. Was ist da los? Ist das nur auf dem Land so, oder auch in der Stadt?

Nun habe ich der Kirche selbst den Rücken gekehrt, weil ich mit ihr so gar nicht zurecht kam und mich anderweitig spirituell wohler fühle. Aber es ist kein gutes Gefühl, wenn sich Glauben zurückzieht. Glauben die Menschen heute anders oder ist tatsächlich der Atheismus unaufhaltsam auf dem Vormarsch? Das behauptet zumindest der Vorsitzende der Europäischen Evangelischen Allianz, der Tscheche Jiri Unger aus Prag. „In einem Seminar der Allianz-Konferenz im thüringischen Kurort Bad Blankenburg bezeichnete er den Atheismus als die am schnellsten wachsende Weltanschauung in Europa.“

Zieht Gott aus? Aus Deutschland? Zieht er sich zurück? Oder ziehen sich die Menschen zurück? In die materielle Welt. In die Welt der Wissenschaft, der Fakten, Fakten, Fakten. Oder ist das alles gar nicht so und die Kirchen sind eigentlich voll, was ich irgendwie nicht glaube.

Mein Gefühl ist: Die Sehnsucht ist da, allein die Form passt nicht mehr. Kürzlich war ich auf einer sehr deprimierenden Trauerfeier. Es wurde nur von Leid und Schuld gesprochen. Die Verstorbene hätte uns zurück gelassen und wir müssten nun ohne sie sehen, wie wir das weltliche Sein bewältigen. Eine Beerdigung ist so schon eine emotional anstrengende Angelegenheit. Einen Menschen, den man gekannt hat, zu verabschieden. Das letzte Geleit. Wir saßen in der kalten Friedhofskapelle und es wurde immer kälter. Keine Hoffnung, ganz wenig Trost. Die einzige Handreichung: Gott. Gott macht, Gott tut, Gott überall. Irgendwie war es ein blutleerer, kühler Gott. Wie schön wäre es gewesen, Trost zu bekommen im schwierigen Augenblick. Ein Gefühl von: Alles ist gut. Menschlichen Trost. Ich habe einmal bei einer Konfirmation einen alten Pfarrer erlebt. Der war als Vertretung gekommen und hielt eine Predigt, die war so kraftvoll. Jedes Wort gefühlt. Da war wirklich etwas im Raum. Wieso ist das so selten der Fall?

Ein schwieriges Thema. Puh. Zwischendurch wollte ich es einfach lassen. Dann habe ich mir gedacht: Nö. Muss raus. Vielleicht gibt es Antworten. Würde mich interessieren.

„Let yourself fall in love every day“

Marihuana, Seventies, Lucy in the Sky of Diamonds, peace, rainbow, Sonnenblumen? Nö. Scott Schumann. The Sartorialist. Kennt ihr oder habt ihr bestimmt schon gehört. Ein Blogger aus Amerika, der sich überwiegend auf den Straßen von New York, Mailand und Paris rumtreibt. Was er dort macht? Er sucht. Menschen, mit ganz eigenem Stil. Modestil. Die fotografiert er und postet die Fotos meist ohne Kommentar in seinem Blog. Das macht er so überaus erfolgreich, dass er auf seiner Seite mit dem Claim werben kann: Selected as one of Time Magazine’s Top 100 Design Influencers…

The Sartorialist ist Elas Lieblingsblog. Grrr. Damit ist der gute Scott innerfamiliäre Blog-Konkurrenz. Quatsch. Er ist für mich ein Vorbild. Ich finde es einfach faszinierend, dass er so einen Blog so ökonomisch und reduziert elegant betreibt. Total schlicht. Ein Blogsystem von der Stange, eingereiht in die Welt der Blogger. Mit dem blogger.com-Button „Nächstes Blog“ oben auf der Stirn. Ansonsten Archiv und Fotos, Fotos, Fotos. Seit 2005. Und jetzt auch ein Video. Darin geht es um Scott Schumann. Ein Werbefilm von Intel. Oh. Egal. Schön gefilmt.

In New York. Scott Schumann draußen unterwegs. Ein Getriebener, ein Jäger mit dem Blick für den Augenblick. Eine Frau will die Straße überqueren, der Sartorialist spricht sie an. Darf ich? Wofür sollen die Fotos sein? Ich bin der Sartorialist. Oh. Ja. Also wirklich, von ihm fotografiert zu werden ist ein Stil-Adelsprädikat „absolut wirklich vorzeigbar, einzigartig individuell und nachahmenswert“. Falls ihr gerade nicht wisst, was ihr anziehen sollt (heute, morgen, übermorgen)… Er macht die Straße zum Laufsteg. Kein pompöser Firlefanz, kein Feuerwerk der Farben, keine für den Catwalk inszenierten Arabesken. Wahres Leben. Menschen, die so rausgehen.

In einer Szene wird gezeigt, wie sein Gummistiefel-Foto entstanden ist. Ich hatte es vorher in seinem Blog gesehen. Ein Bauarbeiter hat sich seine schweren Gummistiefel mit Tape zugeklebt. Wahrscheinlich, damit ihm beim Betonieren die Suppe nicht oben rein läuft. Kennt man ja von den Kindern (oder von früher): Der Schaft von Gummistiefeln ist einfach immer einen Zentimeter zu kurz. Schwapp, kein Wasser kommt raus. Scott Schumann hat die Stiefel im Vorbeifahren gesehen. Also den Mann mit den Gummistiefeln. Raus aus dem Auto. Darf ich mal? Schon war das Foto im Kasten. Sekunden. Schon im Blog.

Im Film sagt er, dass er Fotografieren nicht gelernt hat. „The way I do it is the way I do it“. New York. Frank Sinatra. I did it my way. Es fallen noch mehr Sätze wie „I just started doing“ oder „I’am just reacting“ und „Let yourself fall in love every day“. Er bezieht das auf Mode. Die Schönheit der Menschen mit ihrem ganz persönlichen Stil. Deshalb surfe ich gerne rüber zu Scotts Blog nebenan. Im Netz sind wir ja quasi Nachbarn. Und ein wenig habe ich mir bei ihm natürlich auch abgeschaut. Möglichst wenig Firlefanz. Eine klare Seite. Möchte Ela ja auch gefallen:)

Hier nun also der Youtube-Link, falls ihr Lust habt, Scott Schumann bei der Arbeit zuzusehen. Das Video findet ihr auch auf seiner Seite. Hier war es bis heute Morgen übrigens 1.010 mal kommentiert worden. Netter Fankreis. Ela ist nicht ganz alleine. Ich schnappe mir jetzt auch meine Kamera und schaue mal nach netten Bäumen, Pferden, Hunden, Wiesen, Wäldern – „The way I do it is the way I do it“:)

Euch einen schönen Tag auf eurem Weg. Vielleicht gelingt es euch, heute ein wenig mit euch selbst in Liebe zu fallen. Wäre doch schön.

Google, Sex, Dreikönigstreffen!

Ein bedeutender Tag! Die heiligen Könige kommen. Zu Jesus an die Wiege und adeln das von Gabriel verkündete Kind. Bei uns auf dem Dorf fährt irgendwann ein Kombi vor, aus dem drei bunt verkleidete Gestalten aussteigen, um an unserer Tür zu klopfen. Der Text steht hinten auf dem Stern und der Vortrag bestätigt die Leseschwächen der Pisa-Studie. 2 Euro. Tschüss. 2011 Jahre später.

Derweil versucht ein Guido Westerwelle die Scherben seiner ersten Regierungszeit zusammenzuschieben und daraus einen leuchtenden Stern zu formen, hinter dem sich das liberale Deutschland wieder versammeln kann. Der Ärmste. Kommt mir ein wenig vor, als müsste er nun als großer Magier David Copperfield irgendein As aus dem Ärmel zaubern, um gegen die ganzen persönlichen Anfeindungen anzukommen. Da steht die Meinung des amerikanischen Botschafters im Raum und auch sonst rumort es. Ich persönlich hab die Sache mit der Mehrwertsteuer bei Hotelübernachtungen und die Begleitung durch private Wirtschaftsdelegationen noch nicht vergessen. Deutscher Außenminister. Das war immer irgendwie ein parteiübergreifendes Amt. Ehrfurcht. Gute Botschaften im Ausland. Genscher, Kinkel, Fischer. Gute Auftritte. Westerwelle gehört leider nicht in diese Liga. Bin gespannt, was er sagt. Wie er’s sagt.

Derweil hab ich neue Erfahrungen als Blogger gesammelt. Seit ich mich aus dem gemütlichen Schoß des Brigitte Woman Blogs in die freie Wildbahn begeben habe, hat sich einiges verändert. Zum Beispiel, dass ein Anti-Spam-Programm wichtig ist, das den Blog schützt. Tag für Tag trudeln hier bis zu 20 Spam-Kommentare von meist russischen Servern ein, die Links verbreiten wollen. Musste ich anfangs per Hand löschen, jetzt geht das automatisch. Die Lösung musste ich erst einmal finden. Reale Welt. Außerdem wird der Blog jetzt von Besuchern frequentiert, die über Google kommen. Und was suchen die? Sex. Meistens. Da kommen viele Menschen auf diese Seite, die nackte Männer unter Duschen sehen wollen oder gerne Sex zu viert hätten. Hab ich natürlich nicht dran gedacht. Google-Logik. Wer mit dem Feuer spielt. Ich glaube, da hab ich mittlerweile einige Leute arg enttäuscht:)

Gestern dann: Das Thema Dioxin-Eier hat mich wirklich beschäftigt. Aus dem Bauch raus hab ich die Überschrift mit den Ei-Erkennungscodes gewählt. What happens? Besucherrekord. Absolut. Ich dachte, was ist den hier los? Hab dann mal meine Head eingegeben bei Google und siehe da: Der fiftyfiftyblog erschien auf dem 3. Platz. Vor großen Nachrichtenportalen. Und viele haben geklickt. Sind aber nicht geblieben. Die Welt des Internets. Sex, Sensationen, SEO (Search Engine Optimization). Eigentlich nicht meine Welt. Trotzdem werde ich nun mit ihr stärker konfrontiert, als ich das möchte. Blogwachstum kontra Authentizität. Das Weiche gegen das Harte. Das Netz verändert. Saugt, formt, will. Nun gut. Ein Aspekt des Bloggens. Muss man sich drüber im Klaren sein. Werd das mal beobachten…

Euch wünsche ich einen schönen Tag mit persönlichem Dreikönigstreffen. Vielleicht haltet ihr euch innerlich eine eigene politische Rede. Wo soll die Reise hingehen? Ciao.

Quäl dich, du Sau!

Etwas heftig am frühen Morgen. Was für eine Überschrift. Udo Bölts. Radsport. Tour de France. Jan Ullrich kämpft um den Sieg (ja, ich weiß unter welchen Umständen er da hoch gesprintet ist). Alpe d’Huez. Schmerzen in den Muskeln. Und dann sagt es Bölts zu Ullrich: Quäl dich, du Sau! Ullrich gewinnt die Tour de France. Wie ich jetzt darauf komme? Vom gedopten Leistungssport zurück ins Weltgeschehen des hobbymäßigen, dopingfreien Breitensports. Zumindest in meinem Fall dopingfrei, abgesehen von… Ach. Ja, ja.

Gestern Abend in der Muckibude. Ich absolviere mein Programm. Während der fünf Kilometer auf dem Laufband (bin ich ein Hamster?) sehe ich Eurosport. Fernsehen. Einmal in der Woche. Was wird gezeigt? Dart. Das Spiel mit den Pfeilen. Ein Wettkampf in England. Stundenlang werden Pfeile geworfen. Die Massen im Saal sind aus dem Häuschen. England. Ein wenig anders. Nach fünf Kilometern erlöse ich mich von den bunten Bildern und starte mein Programm. Erst Maschinen, dann Hanteln. Ganz entspannt. Zu entspannt, wie mein Trainer befand. „Hey! Ganz runter.“ Ich liege auf der Hantelbank und stemme Gewichte. So eine Stange wie beim Gewichtheben über mir. Hebe und senke die Stange mit ihren Gewichten puppenlustig leicht und locker. Da kommt er. „Jetzt aber mal ordentlich.“ Dann kommen die Anweisungen. Also: Normalerweise hebe ich die Stange 12x. Ich war bei 7. Da sagt der Trainer „Jetzt mal nur halb hoch.“ Boah, ist das anstrengend. Noch 4x. Echt? Das tut alles weh! 3x, 2x, 1x. Ich will die Stange einhängen. Mein Bizeps droht zu explodieren. Der Trainer: „Moment. Jetzt von oben halb runter. Ja, genau so. Noch 5x.“ Ist der wahnsinnig? Weiß der nicht, wie scheiße weh (sorry, aber war so) das tut. 4x, 3x, 2x – ich kann nicht mehr!!! „Doch, du kannst. Noch 1x.“ Geschafft. Ich will einhängen. Ach quatsch, will weg sein. Planetenwechsel. Fluchttendenz. Da. Genau in diesem Augenblick, als ich gerade einhängen will, sagt er: „Ne, ne, ne. Jetzt die ganze Strecke. Runter bis auf die Brust und dann hoch. 7x.“ Ich habe Hörprobleme. Ich meine das ist unmöglich, das die Info stimmt. Dringend mit Q-Tipp sanft reinigen. Du hast jetzt nicht 7x gesagt! „Doch, mein Freund. 7x. Los.“ Was hat der mir überhaupt zu sagen. Ich bin ein freier Mensch.

Darf der das überhaupt? Hier Menschen quälen. Und dann noch ausgerechnet mich. Ich glaube, der hatte keinen guten Tag. So viel Neue. Januar. Das Telefon steht nicht still. Massenhaft Anmeldungen. Gute Vorsätze. Die Bude ist voll, voller, am vollsten. Immer nach Silvester. Die guten Vorsätze. Ordentlich beleibte Menschen quälen sich auf dem Laufband. Viel zu schnell, der Schweiß wird aus den Poren gesprengt und fliegt nur so umher. Gehen. Gehen wäre am Anfang besser. Langsam anfangen. Die Leute kommen, habe ihre guten Vorsätze und neue Sportklamotten im Gepäck, unterschreiben einen Vertrag für ein Jahr, bleiben die Probezeit und werden nie mehr gesehen. Zahlen aber weiter. Ablass. Auch eine Art Fitnesstraining, für eine nicht in Anspruch genommene Leistung zu zahlen und arbeiten zu gehen. Futsch. Einfach futsch.
Vielleicht wollte er an mir ein Exempel statuieren? Seht mal, wie es euch geht, wenn ich euch in die Finger bekomme! Ihr werdet noch froh sein… 7x. Herrje! Ich kann nicht mehr. Das tut so schweineweh. „6x noch.“ Ich gebe ihm innerlich nicht gerade sympathische Namen. Ich wollte doch freundlicher werden. Da ist doch noch was von dieser Unbändigkeit in mir. Das Tier!!! Sagen wir ein kleines Tier. 5x. Können Muskeln platzen, zerspringen, explodieren? 4x, 3x, 2x. Ich beschließe, egal was er sagt, danach einzuhängen. Der kann mich mal. Ich bin ein Bürger dieses Landes und habe Rechte. 1x. Ich hänge ein. Wahrer Widerstandskämpfer. Ich lächle verzweifelt. „Siehste, jetzt lachste!“ Was? Ich lache? Boah, ey. Jetzt dreht der das auch noch und tut so, als wäre das mein ultimatives Glück. Ich sage ihm „Geh doch einfach!“ Und er meint: „Fünf Minuten muss ich noch rumkriegen, hab‘ gleich Feierabend!“ Aber nicht bei mir. Lass‘ mich bloß in Ruhe. „Du bist doch nicht zum Spaß hier!“ Was? Aber genau deshalb. Bin ich Masochist oder was? Muss mir mein Leben weh tun, damit ich was spüre? Schönen Tag noch, tschüss Trainer.

Jetzt sitz‘ ich hier, bin etabliert und schreib‘ auf teurem Papier. Ach quatsch, das war Marius. Ich sitze hier und habe Muskelkater. Schulter, Arme. Wenn ich den in die Finger kriege. Erst 7x und dann langsam bis zu 1x runter. Und dann von vorne. Bin nämlich kein Masochist, Trainer. Warte nur…

Euch wünsche ich einen muskelkaterfreien Tag. No Sports! Winston Churchill. Gebt mir eine Zigarre. Ciao.