Ich habe eine Sehnsucht…

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… ich möchte schreiben.

Manchmal ist Schreiben eine Flucht, oft eine Erklärung, selten eine Offenbarung, immer eine Botschaft. Sei es.

Für mich ist es ein Wunder. Diese Sprache. Dieses System. 26 Buchstabe plus, die in Kombination alles möglich machen. Liebe, Gewalt, Sex, Ordnung, Fürsorge, Bedienungsanleitungen, Shakespeare, Lieder, Geflüster, die Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen, den Text über dem Tor in Auschwitz. Die Kraft der Worte, der direkte Weg, ins Abwehren, ins Verstehen. Ping. Tigger.

Ein Blitz. Oben im Bild. Mein Sprachzentrum hat mich an den Rechner geprügelt. Komm, lass uns spielen. Die Tasten drücken, bewegen.

Seit ich kaum noch blogge, staut es sich. Der Kopf ist voller Geschichten. Die Worte türmen sich, die Bilder auch. Die Speicherkarten sind voll. Es würde für Wochen reichen. Zu viel Arbeit? Ach. Nicht wirklich. Schon. Einerseits, aber nicht im Wesentlichen. Es macht Spaß, zu überpowern. Auf der Grenze des Glücks zu tänzeln, herauszufordern, fast zu fallen, den Halt noch einmal zu gewinnen, sich zurückzubeugen, zu lächeln, aufzuatmen und zu sehen, was ist. Was ist? Ja was? Ihr wisst schon. Das Übliche, das Alltägliche, das sich Hineinbegeben, das Zweifeln, das Staunen, das Lästern, das Mitfühlen und das alles beinhaltende Beglücktwerden.

Es passiert. Regelmäßig. Es ist groß. Es ist.

Das Foto dort oben war ein Abend seit langem, der mich hat allein durch die Nacht ziehen lassen. Konstellationen. Lichter der Nacht. Ein Gewitter in der Luft. Eine Sommernacht, ein See, ein Rückzug, ein sich selbst Genügen.

Ihr versteht kein Wort? Ihr wisst nicht, worum es hier eigentlich geht? Um alles. Verdammt, um alles.

3 Nüsse für Aschenputtel. Eine, eine Nacht, ein Bild, eine Intensität mit zentraler Wichtigkeit für eine Dekade. Glaube ich. Nehme ich an, jetzt. Ein Geschenk. Im Sinne des Wortes. Unfassbar groß. Materiell, immateriell, sinnlich, direkt, schonungslos. Ihr werdet hier noch in den Genuss kommen. Das Thema ist noch lange nicht durch. Nicht das Foto oben, ein anderes Bild.

Eine für einen Satz. Ich kann ihn euch nicht beschreiben, aber er hat mein Herz mit Sanftmut umhüllt. Ein zarter Satz mutig gesprochen. Aus einem ernstzunehmenden Mund. Nebenbei. Fallen gelassen. Gesetzt. Was zu sagen ist. Kurz. Wenige Worte.

Die letzte für eine Umarmung. Im rechten Moment. Alltäglich, auch. Der Alltag hat mehr Größe, als es scheint.

Danke, fürs Lesen. Genug Worte, der Abend wartet. Gerade geht die Sonne unter und ich hoffe, es werden wieder Sternschnuppen fallen. Es ist so schön. Jede wie ein neues Wort. Genug gespielt, das Leben ruft.

4 Antworten auf „Ich habe eine Sehnsucht…“

  1. Lieber Jens,

    deine Zeilen lassen meine Augenklappe vibrieren!Im positiven Sinne, versteht sich.
    Auf dem 4. Bildungsweg habe ich, kurz vor dem Bermudadreieck, eine poesietherapeutische Weiterbildung gemacht. Und was soll ich sagen: genau so ist es! Was schreiben (für den Dichter) bedeutet, drückt „Fügungen“ von Erich Fried aus und auch die Tagebücher von Anais Nin explodieren von der Heilkraft der Sprache. Du befindest dich also in bester Gesellschaft! Aber das bringt alles nichts, wenn man „es“ nicht selbst erfahren hat.
    AHOI!
    Holzbeinpiratin

    P.S.„Alles Leid lässt sich ertragen, wenn man eine Geschichte darüber schreibt“ (Karen Blixen)

    1. Liebste Piratin,

      nun sind wir ja längst verbunden im Geiste der Meere. Nord, Nord-Ost. In die Wanten.

      Die Sprache.

      Wem sie nie begegnet ist, der weiß nicht.

      Das Schönste: Ein Gedicht zu schreiben. Ganz weg zu sein aus allem, diesem nutzlosen Treiben zu folgen, das entführt in diese Räume, in denen manches nicht mehr gilt. Einmal habe ich zu jemandem gesagt, ohne, dass ich vorbereitet war: Ich bin ein Highlight-Junkie.

      Das bedeutet so viel wie, dieser Moment, der erfüllt, der Tiefe spüren lässt, ist die Heimat, von der ich träume. Es ist eine unverkäufliche Droge. Manchmal ist da dieser kurze Moment, in dem alles klar ist. An der Wand bleibt das Menetekel. Im nächsten Augenblick schon fremd.

      Ach.

      Wohin es mich führt, welches Meer mich erwartet, meine Segel werden von Buchstaben getränkt sein. Es ist ein Trost. Der Sextant kennt den Weg. Ich vertraue ihm.

      Viele, viele Grüße – thanx:)

      Jens

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