mowaii oder die Kunst des Designs

Kürzlich hatte ich das sehr große Vergnügen, den Künstler, Grafiker und Designer David Grasekamp einen Abend für mich zu haben. Eine Einladung zu Steak & Beer. Männer. Herren. Und weil wir beide eher doch zur Fraktion des empathischen Mannes gehören, sind wir ins Café Sehnsucht gefahren. Köln Ehrenfeld. Wir hatten einen sehr intensiven Abend mit einem nachhaltig wirkenden Gespräch. Das ist so mit David. Intensität ist sein Markenzeichen. Einer, der da ist. Der in einem Körper wohnt, der auf geheimnisvolle Art und Weise Energie akkumuliert. Gleichzeitig ist sein Geist so wach, dass all die Bibliotheken seines Kopfes ständig bereit sind, Information zusammenzusuchen und sinnvoll zu nutzen.

David Grasekamp ist Grafiker und Designer. David ist Künstler. Er hat in Paris gelebt, hatte dort ein Atelier, hat gemalt, verkauft. Er hat in Tokio gelebt. Vor dem Untergang der Lehmann Brother’s. Seine Agentur heißt mowaii.com: http://mowaii.com/ Als Künstler ist er hier zu finden: http://www.davidgrasekamp.com/. Dort gibt es auch einen Link zu seinen Bildern auf Flickr. Obwohl. Tja. So ist das. Die muss man im Original sehen. Sie sind teilweise groß. Sehr groß. Und: Wenn man so direkt vor ihnen steht, sehr intensiv. David eben. Details. Sinn. Geschichte. Tieferes Leben.

Am Ende unseres Gespräches im Café Sehnsucht hat David in seine Jackentasche gegriffen. Er gab mir seine Visitenkarte. mowaii. Make your spirit visible. YES. Das war visible und touchable. Optik, Haptik. Die schönste Visitenkarte, die ich je in den Händen hielt. Seit dem Abend liegt sie hier auf dem Schreibtisch und zieht meinen Blick an. Manchmal nehme ich sie in die Hand, weil sie sich so schön anfühlt. Jim fragte: „Papa, was ist das?“ Leuchten in den Augen. Er bekommt allmählich ein Gefühl für all diese Dinge. Aufwachsen in einem Medienhaushalt.

David: „Ich habe keine Lust auf Kompromisse. Das sage ich auch meinen Kunden. Weshalb Geld verschleudern für schlechte Visitenkarten? Für eine unpersönliche Kommunikation. Für Kompromisse? Für Abziehbilder?“ Der erste Eindruck zählt. Das Erscheinungsbild. Der Auftritt. Der Erstkontakt. Das Gewicht. Nachhaltigkeit ist ein oft falsch verstandenes, geduldig eingesetztes Modewort. Ich muss es immer wieder für Unternehmen schreiben und weiß oft, dass es lieblos auf die Fahne getackert ist. Ohne Halt und Rahmen und Liebe zu dem, was da steht.

Diese Visitenkarte ist das Gegenteil. Sie hat Gewicht, ist auf teurem, rarem Papier, Karton gedruckt. Was ich zuvor nirgendwo anders gesehen habe: Der hohe Rand ist rot eingefärbt. Diese Karte stammt aus einer Manufaktur. Klassisch gedruckt und verarbeitet, aber mit den Ideen eines Grafikers und Designers, der Künstler ist. Vier Farben plus zwei Sonderfarben wurden genutzt. Alles steht so, wie es trägt. Eine Ordnung, die prägt. Harmonie. Abstände. Typo. Auf der Rückseite steht David Grasekamp, Designer. Wer hätte diese Berufsbezeichnung mehr verdient?

Für mich ist es ein großes Vergnügen, mit einem Menschen wie David Grasekamp zusammenzuarbeiten, weil ich permanent von ihm lerne und intelektuell herausgefordert werde. Nicht einfach ein Job. Ist oft genug der Fall. Auftrag, Stoppuhr Start, los, Finger fliegen lassen, Geist auf Koffein und Adrenalin setzen. High Pressure. That’s the normal way. Mit David ist es anders. Definitiv besser. Nachhaltiger. Intelligenter. Durchdachter. Fundierter. Wesentlicher. Berührender. Wenn Ihr, die ihr das hier lest, einmal eine wirklich gute Kommunikation braucht, keinen Schnellschuss, sondern etwas Besonderes, Dauerhaftes, dann ruft ihn an. Lohnt sich. Ihr bekommt am Ende deutlich mehr als nur ein lieblos verpacktes Päckchen Visitenkarten. Spirit. Einen eigenen Weg.

7 Antworten auf „mowaii oder die Kunst des Designs“

  1. Guten Morgen Jens,
    Da rennst du bei mir heute Morgen offene Türen ein. Ich erlebe auch Tag für Tag, wie realitätsfern Imagetexte von Firmen sind. Die Schere zwischen Außendarstellung und Innenwahrnehmung ist meist immens.Gerade bei mittelständischen Unternehmen. Auf der einen Seite möchte man richtig was darstellen,spart aber schon jeden möglichen Cent bei den Visitenkarten. Für mich persönlich nicht nachzuvollziehen, aber immer höflich nicken und Grinsen.Der Kunde hat ja immer Recht.
    LG
    Julia

    1. Hu Julia,

      wir befinden uns gerade an der „Edge“. Kommunikation ändert sich. Im positiven Sinne. Zunehmend bin ich mit Konzepten beschäftigt. Der Schnellschuss für die Messe wird weniger. Vielleicht hängt es auch mikt mir zusammen, dass ich älter bin jetzt und öfter meine Meinung gefragt ist.

      Ich schreibe jetzt öfter Kommunikationskonzepte, präsentiere die und werde für vdas Konzept, die Ideen, den skizzierten Weg bezahlt. Und das ist nicht billig, weil da viel Arbeit drin steckt. Aber: Kommunikation ohne Fundament bleibt an der Oberfläche. Vage Botschaften, Durchschnitt, kein Arsch in der Hose. Lullipulli von Aktion zu Aktion. Letztlich teuer, weil Geld für Mittelmäßiges ausgegeben wird, das weder berührt noch irgendetwas weckt.

      Der Kunde hat nicht immer Recht. Mittlerweile sage ich das den Kunden. Dann skizziere ich, wie es aussehen könnte und es bleiben Irritationen zurück. manchmal der Anfang von was Neuem. Der Mittelstand lernt gerade Kommunikation. Echte Kommunikation.

      Liebe Grüße

      Jens

  2. Hallo Jens,

    die Visitenkarte ist schon beeindruckend. Sie hat wirklich was Besonderes. Ein Hingucker. Und bei den vorgestellten Designs merkt man die Liebe zur Arbeit. Kein 0-8-15-Schnellprojekt, nein, perfekte Abstimmung von Form und Farbe. Hat was. Macht was her. Dein Freund hat die Inspiration.

    Viele Grüße
    Annegret

    P.S.: Du kannst immer wieder überraschen. „Empathisch“ mußte ich gleich nachschlagen.

    1. Hi Annegret,

      das ist ja aschön, dass ich dich nach so vielen Posts noch überraschen kann. Wundert dich das? Ja, David hat es.

      Liebe Grüße

      Jens

  3. Die Visitenkarte ist wirklich innovativ. Die Form an sich erinnert ja schon mal nicht an die klassischen Kärtchen , die man sonst in den Händen hält und die den Eindruck machen , alle aus der gleichen Druckerei zu kommen. Das Bild erinnert eher an Kunst, die man in Museen erwartet und man betrachtet die Karte bestimmt auch mal gerne zwischendurch anstatt auf das Smartphone zu starren. Alles in Allem eine sehr individuelle Karte mit viel Liebe zum Detail.

    1. Der David Grasekamp kommt aus der Kunst, weshalb er einen anderen Ansatz verfolgt. Er ist ziemlich konsequent und scheut den Aufwand nicht, einen langen Weg bis zum wirklich guten Produkt zu gehen. Meistens geht es bei uns in der Werbung ja schnell und all zu oft kurz vor knapp – weil die Messe beginnt, die Sachen rausmüssen, eine Aktion plötzlich läuft – auch quick & dirty. Da ist es schön zu sehen, wie jedes Detail durchdacht, recherchiert und liebevoll umgesetzt ist. Die Karte ist dann tatsächlich ein haptisch-visueller Auftritt, der in Erinnerung bleibt. Wie viele Visitenkarten verschwinden einfach in Taschen und werden nie wieder hervorgekramt, die verschwinden wie Socken in Waschmaschinen.

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