Pornokings:)

Gestern Abend war ich auf Facebook unterwegs. Heute wird es mal etwas härter:) Warning. Keep out, if you…

Jetzt möchte ich gerne mal in euren Kopfkinos auf die Leinwand schauen. Porno. Facebook. Also wirklich.

Aber tatsächlich handelt diese Geschichte im Endeffekt von Männern, die sich Pornovideos ausleihen. Aber nicht nur. Ich habe eine alte Brieffreundin wiedergetroffen. Oder umgekehrt. Sie mich. Moon. Damals. Es waren die Zeiten des Internethypes. Ich war gerade aufs Land gezogen, Zoe war geboren worden, ich hatte mich mit Telekomaktien eingedeckt und ziemlich viel Glück, dass die alte Schule mit einem relativ schnellen Internetzugang ausgestattet war. Sonst hätten wir unser Projekt hier direkt begraben können. Kein Internet, kein Job. Das wussten wir noch nicht, weil wir bis dahin tatsächlich Daten per Post und in Köln per Radkurier verschickt haben.

Es war die Zeit des Hypes. Alles ging. Die Kölner Agenturen träumten vom Börsengang, von Millionen, die hereingeflutet werden. Wahrscheinlich dachte ich, dass die Telekomaktien meine Altersfinca auf Malle sind. Abflug. Später wurden mir Laserdrucker und Autos angeboten. Die Agenturen mussten Kohle zusammenbekommen, um sich aus den teuren Mietverträgen am Ring, der geilen Meile Kölns, rauszukaufen. Ich partizipierte am Rande. Habe den ersten Internetauftritt von Netcologne getextet und hatte das Gefühl, im Internet dabei sein zu müssen.

Chats kamen auf. Ich wollte wissen, was das ist. Mitmachen, eintauchen, Internet atmen. So habe ich Moon kennengelernt. An einem Abend im April des Jahres 2000. Sie war damals 18 und ich 35. Wir haben uns Mails geschickt. Die liegen hier noch ausgedruckt. Habe ich gestern Abend in den Tiefen meines Büroschranks gefunden. Süß. Ein dicker Stapel. Den letzten Kontakt hatten wir 2006. Sie war dann im Studium. Heute ist sie Grundschullehrerin und hat mich letzte Woche auf Facebook kontaktet. Seither chatten wir ab und an. Lustig. Irgendwie kennen wir uns, obwohl wir uns nie gesehen haben. Wir wissen Dinge voneinander…

Gestern Abend hat sie mir geschrieben, dass sie während des Studiums in einem Pornovideoverleih gearbeitet hat. Darüber hat sie acht Texte geschrieben, die sie mir gemailt hat. Ich habe sie gefragt, ob ich darüber bloggen darf. Mein Gehirn ist mittlerweile auf Storys und Blog programmiert. “Ja, kein Problem. Gerne.” Sie hat mir die Texte geschrieben und ich bin in die Dunkelheit der Pornoabteilung abgestiegen und in die Wünsche von Männern. Schon komisch, wenn man als Frau Pornos ausgibt.

Ich habe euch zwei Abschnitte rausgesucht. Was sagt man dann? Viel Spaß? Moon wusste auch immer nicht, was sie sagen soll. Bei “Schönen Abend” fiel es ihr immer schwer, den ironischen Unterton rauszunehmen. Hier also zwei Stellen aus den Originaltexten:

“Kunde gibt bestimmt 5 DVDS als defekt zurück. Mein Kollege weiß nicht, ob er so viele nachlassen darf. Schaut sich die DVDS an. Wundert sich, dass sie so extrem verschmiert sind. Ruft den Chef rüber. Der schaut sich ebenfalls die Scheiben an und meint zum Kunden: „Sag mal, was machst du denn mit den Filmen? Kein Wunder, dass die nicht laufen. Die sind ja komplett verschmiert!“
Der Kunde: „Ich creme mich eben immer vorher am ganzen Körper ein, bevor ich mir einen Film reinziehe. “ Pfui Teufel! Das Schweigen der Lämmer lässt grüßen! Fetische in allen Ehren, aber so was will man echt nicht wissen!”

„Hi, du, ich hab mal ne Frage! Ich habe mich jetzt schon die ganze Zeit umgeschaut, aber hab nichts gefunden.“ Na rück schon raus damit, dann kann ich endlich essen! „Ja, also, ich hab gehört, es soll bei euch so Filme geben.“ „Ja? Was denn für welche?“ „Ähm, das ist mir ja jetzt schon ein wenig peinlich, aber so mit Kaviar und so.“ Was labert der? Kaviar? Kann schon sein, woher soll ich das wissen? „Hm, weiß ich auch nicht, kannst du mir denn einen Titel nennen, dann sag ich dir, wo er steht.“ „Nein, kann ich nicht, aber ich meine, so was mal bei euch gesehen zu haben.“ Hallo? Was willst du von mir? „Kannst du mir das vielleicht genauer erklären? Dann frag ich mal nach.“ Räuspern: „Naja, also da sitzt die Frau oben und…“ IHHHHHHHHHH!!!!!!
Den Rest höre ich gar nicht mehr. Urgs! Pfui! Was bist du denn für einer?! Igitt! Das soll Kaviar sein?! Hilfe, wo bin ich hier gelandet?! „Nein, sorry, ich habe keine Ahnung, ob wir so was haben.“ Und ich wills auch nicht wissen!! Am liebsten hätte ich gerade einen Ekel-Schrei-Schüttelkrampf. Kann mich fast nicht zusammenreißen. „Werde später mal nachfragen, kannst ja morgen noch mal vorbei kommen.“ Das werde ich sicherlich nicht, sollen die morgen damit zurechtkommen! Boah, so einen Würgereiz hatte ich schon lange nicht mehr. Da denkt man an nichts Böses und dann so was! Das kann doch nicht wahr sein. Toll gemacht, jetzt kann ich bestimmt nichts mehr essen.”

Ich denke, ich bin froh, mit Bafög, Hiwi-Jobs und Sommern in der Getreideernte in der Eifel durchgekommen zu sein:) Irgendwie haben mich die Texte an Charles Bukowski erinnert. Gott habe ihn selig, den Pornokönig der Literatur.

  9 comments for “Pornokings:)

  1. Annegret
    26. April 2012 at 07:16

    Hallo Jens,

    ich glaube, da muß man schon ein wenig abgehärtet sein, um den Job ertragen zu können. Ansonsten: Jedem Tierchen sein Pläsierchen.
    LG
    Annegret

    P.S.: Habe Dir per Mail einen Zeitungsbericht geschickt. T.com

    • Jens
      26. April 2012 at 07:22

      Hi Annegret,

      jeder Jeck is anders.

      Liebe Grüße

      Jens

      P.S. Habe keine Mail erhalten?

      • Annegret
        26. April 2012 at 07:43

        Verflixte Technik. Dann versuche ich es nochmals.

  2. Moon
    26. April 2012 at 15:21

    ;-) lustig, das hier zu lesen… Kleine Korrektur, nach dem Studium, sozusagen als Auszeit zur ständigen Schule :-) danke für den Vergleich, das ehrt..
    Gruß Moon

    • Jens
      26. April 2012 at 15:28

      Hi Moon,

      ich wollte dir das noch posten. Jetzt hastes schon selbst entdeckt. Jetzt bist du nach all den Jahren auch noch im Blog gelandet. Danke!

      Liebe Grüße

      Jens

      • Moon
        26. April 2012 at 15:43

        :-) ist nett. Ich danke dir. Ist ja fast wie ne Veröffentlichung. Witzig, witzig.
        Grüßle

        • Jens
          26. April 2012 at 15:46

          Das ist eine Auszugs-Veröffentlichung!!! Allerdings nicht gerade im Suhrkamp-Verlag. Oder so. Dafür im überschaubaren fiftyfiftyblog von nebenan:)

          • Moon
            26. April 2012 at 15:54

            Super! Das passt doch perfekt, schließlich bin ich auch von nebenan ;-) bis bald

          • Jens
            26. April 2012 at 15:55

            :) Bis bald.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


− zwei = 6