Romantik auf dem Rothaarsteig.




Ela und ich. Ohne Kinder, nur mit Hund. Was für ein schöner Tag gestern. Ich musste morgens aufstehen und Jim in die Schule zur Sonntagshandlung fahren, zum Gottesdienst, weil er zur Jugendweihe, zur freichristlichen Konfirmation geht. Ich hatte Cooper dabei und hab mir mit ihm die Zeit im Wald vertrieben und bin einer meiner Lieblingsbeschäftigungen nachgegangen: Bäume fotografieren. Ein antiquiertes Hobby. Menschen, Städte, pralles Leben – nein, Bäume, Landschaften. Caspar David Friedrich, nach Wikipedia Maler und Zeichner der Früh-Romantik.

Nun steht der Begriff Romantik bei uns mittlerweile für das Apolitische und Kitsch. Ein Romantiker ist in der Umgangssprache ein Spinner, der den Schuss nicht gehört hat. Einer, der nicht mit beiden Füßen auf dem Boden steht. Einer, der sein Geld nicht verdient, der sich nicht nährt. Bin ich da draußen, sehe ich das Licht und die Wolkenformationen, die Bäume, ihre Kronen, den Himmel, dann fasziniert mich die Schönheit. Da sind Dinge, die wachsen und gedeihen, die einfach aus sich heraus schön sind.

Wir hatten wegen des schönen Wetters und der Sonne eh vor, wandern zu gehen. Als ich die Sonne am Horizont aufsteigen sah, war mir nach einer besonderen Wanderung. Ich hab Ela gefragt, ob sie Lust auf den Rothaarsteig hat. Revierwechsel. Der liegt so rund 40 Kilometer von hier und führt aus dem Hochsauerland bis ins Siegen-Wittgensteinische. Auf einem Bergkamm zwischen 400 und 800 Metern hoch. Wir sind bis in das Dorf Lützel gefahren, haben unsere Wanderschuhe geschnürt und sind los in Richtung Ederquelle, Siegquelle, Lahnquelle. Ohne Kinder konnten wir ein hohes Tempo wandern. Natur, Natur, Natur. Irgendwann kam ein Hinweisschild zum Forsthaus Hohenroth. Wir konnten einkehren in ein altes Forsthaus. Es gab eine heiße Suppe. Sehr gemütlich, schon wieder die Erfüllung eines Klischees. Zünftig wandern, deftig einkehren.

Als die Sonne untergehen wollte, waren wir auf dem Rückweg und konnten weit über die Region Siegen-Wittgenstein blicken. Ein wenig Alpenstimmung. Am Horizont überall rund gebogene Hügel, dahinter ein heller Lichtstreifen. Faszinierend. Natürlich kitschig wie eine Fototapete, aber so schön. Und mittendrin Ela und ich. Und natürlich ein Hund namens Cooper. Altes Schlappohr.

Vielleicht habt ihr Lust, heute mal ein wenig ins Romantische abzudriften. So weit es beruflich nicht nötig ist, die Rationalität beiseite zu schieben und ein wenig Rosarot einkehren zu lassen. Ein wenig schweben.

4 Antworten auf „Romantik auf dem Rothaarsteig.“

  1. Guten Morgen, Jens,

    schöööööne Bilder bekommen wir hier präsentiert. Was macht da schon die graue Aussicht nach draußen. Ich finde es gut, sich manchmal Zeit zu nehmen für kleine Fluchten, vielleicht auch ins Romantische. Das poliert die Seele, hilft beim Stressabbau. Und so eine Wanderung gibt wieder neue Energie, für den Alltag.

    Ich wünsche Dir, Jens, einen guten Wochenstart.

    Viele Grüße

    Annegret

    1. Hi Annegret,

      nach den schweren , tieferen Themen der letzten Woche wollte ich nun einfach mal entspannt durchatmen. Sonst wird die Seele zu schwer und die Sorgen um die Welt werden zu groß. Gleichgewicht halten. Da ich ja täglich in der Natur unterwegs bin, da mich Cooper dazu zwingt – mit festem Blick und morgendlichem Rumgetrappel und Rumgenerve „Wann geht’s denn endlich los?“ – war es gestern einfach mal ein Revierwechsel. Elöa wollte hier über die Höhen, ich wollte mal woanders hin. Sie wollte mit.

      Dir auch eine schöne Woche

      Jens

  2. Hallo Jens,

    letzte Woche war ja ordentlich was los auf Deinem Blog. Daß Du auch „schwere“ Themen aufgreifst – neben Fifty-fifty-Landleben – gefällt mir gut. Nur weiter so!

    Annegret

    1. Hi Annegret,

      die schweren Themen sind mir auch lioeb und wichtig. Jedoch sind sie im Schreiben und auch in der notwendigen Recherche wesentlich aufwändiger. Zudem ist das hohe Kommentaraufkommen recht arbeitsintensiv. Da es mir aber wichtig ist, die aufkommenden Diskussionen zu führen, bin ich durch die Themen ziemlich eingebunden. Weil das alles parallel zur Arbeit läuft, ist das teils ganz schön stressig. Deshalb heute etwas Ruhiges, Besinnliches. Ich muss mit einem Job fertig werden. So profan ist es manchmal.

      Liebe Grüße

      Jens

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