Three girls on a big, fat Trampolino:)

trampolino

Ladies and gentleman, was geht ab? Nun, ja. Es bewegt sich. Es kommt in Wallung. Liebe Annegret, sorry, aber heute, das sah ganz nach Frühling aus. Es könnte sein, dass du schon einmal deinen Griffel spitzen solltest. Klar, noch ist nicht aller Tage Abend und eine Schwalbe macht noch keinen Sommer, aber die Zeichen verdichten sich. Gute Vogelzeichen. Wie sie singen, morgens. Wow. Inbrünstig, frühlingshaft, überzeugt, laut.

Heute hatte ich, unerwartet früher Schluss. Eigentlich hätte ich einen Termin gehabt, der mich wahrscheinlich wieder meinen geliebten Fußballabend gekostet hätte. Früher war das ein No-Go. Elternabend am Montag? No. Verabredungen am Montag? Njiet. Einladungen am Montag? Non. Nun habe ich ein klein wenig Freiheit verloren und muss. Termin. Ja. Dauert länger. Ja. Fußball? Dann nein. Oh, wie schade.

Heute wäre ein solcher Termin gewesen, aber, er ist ausgefallen. Unerwartet kam ich früh nach Hause. Von unterwegs hatte ich Ela angerufen, ob ich noch etwas mitbringen solle. So einkaufstechnisch. Reis. Milch, Butter, ein Brot. Ich steuerte einen Laden an, kaufte das Gewünschte und zusätzlich drei Tafeln quadratisch-praktisch-gut aus dem Angebot in diesem Discounter, der so ähnlich wie brutto heißt. Ein Quadrat für 59 Cent. Kleine Freude für die Mädels in der Heimat. Denn Jim ist für drei Wochen weg – er macht ein Praktikum und arbeitet für einen Architekten in Köln. Der suchte jemanden, der ihm hilft, Dinge per 3D zu animieren. Jim kann das. Hat er sich beigebracht über englische Tutorials im Internet. Was soll ich sagen? Da werden auf Elternabenden die neuen Medien verteufelt und dann sowas.

Klar, er zockt auch Ballerspiele. Machen alle, sagt er. Er ist 17. Sein Leben. Ich vertrau ihm. Soll er ballern. Ich hab früher liebend gern Soldat gespielt. Holzgewehr, selbst zusammengestellte Ausrüstung, Munition vom Bundeswehr-Übungsgelände in die Luft gejagt. Ich war mit 13 Spezialist für das Zünden von Signalfeuern, die die Soldaten nach dem Üben zurückgelassen haben. Krawumm, Flammen bis in den Himmel. Ja! In meinem Spiel habe ich ganze Armeen abgeschlachtet. Ja. Ich kann nicht sagen, dass ich als Kind ein Pazifist gewesen wäre. Bei der Bundeswehr war ich dann Scharfschütze und Hauptgefreiter, weil ich gerne Trupps anführte und Schießen mir ziemlich viel Spaß gemacht hat. Den Atem ruhig halten, den Anschlag des Abzugs spüren, anvisieren, Feuer. War ein Spiel (natürlich nicht…). Später dann, im Studium, habe ich angefangen, nachzudenken. Habe Stücke geschrieben, Brecht gelesen, Heiner Müller, bin ans Theater gegangen und habe verweigert. Nachträglich. Alles hat seine Zeit, braucht seine Zeit.

Heute weiß ich: Jungs brauchen diese Auseinandersetzung. Was Handfestes. Das passt leider nicht in die Moralvorstellungen unserer Gesellschaft und schon gar nicht in diese Peace-Gefühl vergangener Generationen. Und so müssen sich die Jungs beschimpfen lassen und sich Vorwürfe anhören. Klar, mit Verständnis ist da nicht zu rechnen, diskutieren lässt sich da auch nicht. Da sind die Jungs einfach machtlos. Aber: Sie pfeifen drauf und ziehen ihr Ding durch. Und ich bin überzeugt: Die meisten sind gute Jungs. Meinen Segen habt ihr. Peng.

Bin ich vielleicht vom Thema abgekommen? Aber sicherlich, aber sowas von. Egal. Musste ich mal loswerden. Ich kam also nach Hause und was sah ich? Frühlings-Action. Zoe mit zwei anderen Mädchen im Garten beim Trampolinaufbau. Rausgeholt aus dem Keller, Ende Winterschlaf, Eröffnung der Sprungsaison. Da bin ich also meine erste Tafel quadratisch-praktisch-gut losgeworden. Zoe & Co. entschieden sich für Cris, Ela hat dann Mousse-au-chocolat bekommen, Marzipan liegt noch im Schrank. Glaube ich.

Normalerweise sind beim Aufbau des Trampolins Jungs dabei. Genau genommen Jim und ein Nachbarsjunge. Jim ist in Köln, der Nachbarsjunge war mit seinem Vater im Wald beim Holzmachen. Ich war gespannt. Klappt es? Ring. Telefon. Papa, Problem. Nicht am Telefon! Ich bin hinunter in den Garten und da war das Malheur. Mais qui. Tatsächlich, da war was schief gelaufen. Vergessen, die Federn und die Ösen zu zählen. Wenn man nicht aufpasst, passt das nicht. Dann ist an einer Stelle eine Feder übrig und an der anderen fehlt eine. Das heißt genau: Im Grunde fehlt ein Loch, in das die Feder eingehangen wird. Dann hat man zwei Federn, die in zwei Ösen hängen, am Trampolinrahmen gibt es aber nur ein Loch, um eine Feder darin zu befestigen – das haut dann nicht hin. Mann muss alle Federn lösen und um ein Loch verschieben. Eine frustrierende Schweinearbeit, wenn man eigentlich fast fertig gewesen wäre. Zudem braucht man ein wenig Kraft, weil sich zum Ende hin ziemlich viel Spannung aufbaut.

Ich konnte, durfte, musste, wollte helfen. Ein Ziehen, Aushängen, Einhängen. Nach einer halben Stunde gemeinsamen Mühens und Schaffens war es vollbracht. Das Trampolin stand, die Mädels entflohen in die Lüfte. Up and down. Und das Ende Februar. Wahnsinn, ne, Annegret:)

Danach durfte ich noch die Montagswäsche aufhängen, die Wäsche von letzter Woche abhängen und auf die Zimmer der Bewohner dieses Hause verteilen. Wir haben nämlich mittlerweile den Deal, dass jede und jeder seine Wäsche selbst faltet. Das kann bei dem einen oder anderen schon einmal etwas länger dauern und manchmal habe ich das Gefühl, dass sich frisch gewaschen und reif für die Wäsche im Wochenverlauf vermischen. Das ist nicht immer unbedingt absolut effizient. Aber so läuft das. Man könnte es Erziehung nennen, Konfrontation mit den Herausforderungen des wahren Lebens. Oder so. Oder, was besser ist, man sagt gar nichts und freut sich über diesen abenteuerlichen Wäschezyklus, der Potenzial hat, die Chaostheorie tiefergehend zu erforschen.

Irgendwann habe ich meine Tasche gepackt, bin zum Fußballplatz gefahren und bin auf die Junges gestoßen, mit denen ich am Donnerstag in Köln Karneval gefeiert habe. Großes Hallo, Anekdoten, Heldengeschichten. Macht ja immer einfach Spasss. Samstagabend dann Karneval hier im Dorf. Weiberfastnacht am Donnerstag gäbe es auch noch Angebote, aber ich bin hier. Weiber-Donnerstag hat Ela frei. Köln. Nun gut. Man kann nicht alles haben, es sei denn, es gäbe noch einen Plan B:) Mal sehen, was passiert, was das Schicksal an Möglichkeiten parat hält.

Boah ey, das war jetzt ziemlich lang. Wer liest denn das? Hat es jemand bis hier unten geschafft? In den tiefen Keller diese Beitrags? Respekt. Das nenne ich Ausdauer. Ciao:)

14 Antworten auf „Three girls on a big, fat Trampolino:)“

  1. Hallo Jens,

    ja, ich habe bei einem zweiten Kaffee auch bis zum Ende gelesen. Schön, wenn Du mal mehr Zeit für Dich hast.

    Die Kids wachsen heute mit der Technik auf. Selbst in den Schulen steigt man da früh ein. Informationen werden immer mehr aus dem Netz gezogen. Was mich freut, ist, daß man aber trotzdem auch noch beim Buch bleibt. In den Grundschulen werden alle Klassen – zumindest bei uns – an die Büchereien herangeführt. Man ist – trotz aller Technik – bestrebt, Schülern das Medium Buch und seinen Informationsquellen nahezubringen.

    Die Jungs von heute sind anders, denn sie leben und erleben anders als frühere Generationen. Das gilt auch für die Mädchen.

    Die Zeit kann nicht angehalten werden. Sie schreitet voran.

    Viele Grüße

    Annegret

    1. Hi Annegret,

      es ist ein wenig merkwürdig, aber, wir sind auf dem Weg, die ältere Generation zu werden. Immer häufiger stelle ich fest, dass damit ein Herumkritteln an den Jüngeren einhergeht. Nicht mehr in der Form „So lange du deine Füße unter meinen Tisch…“, das wäre nicht pc, aber stattdessen setzt sich ein vermeintlicher Anspruch intellektueller und vor allem moralischer Überlegenheit durch. Generationenkonflikt. Generationengenörgele. Vielleicht ist das normal und vielleicht ist das wichtig, weil es abgrenzt. Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, ich mag es nicht.

      Bücher, ja, die wandeln sich auch. Zu E-Books. Selten haben sich Dinge so schnell geändert, wir leben in Zeiten eines Umbruchs, dem wir vor allem als Eltern gerecht werden müssen. Unsere Kinder wachsen anders auf, leben unter anderen Bedingungen, in einer gänzlich anderen Welt. Ich denke, vieles passt nicht mehr. Man muss aufpassen, nicht starrsinnig zu sein und gleichzeitig nicht alles über den Haufen zu werfen. Das ist schon herausfordernd, weil es keine Patentrezepte gibt. Aber es gibt Werte, die bleiben: Vertrauen gehört dazu.

      Liebe Grüße

      Jens

      1. Hallo Jens,

        das Generationsgenörgele kann ich auch nicht leiden. Meine Kids leben anders als ich früher. Die Zeiten haben sich geändert. Ich halte mir vor Augen, daß auch ich mal jung war. Meine Kids sind jetzt schon junge Erwachsene. Und wir haben ein gesundes, vertrauensvolles Verhältnis.

        Liebe Grüße
        Annegret

  2. Das WETTER ist ein wendig Tier.
    Meine Erinnerung, sie sagt mir:
    In meiner Kindheit gab es WINTER mit Schnee und Eis,
    und zu Weihnachten war alles verschneit, still und leis.
    Im SOMMER lief man barfuß im Garten,
    auch Sommergewitter ließen nicht auf sich warten.
    Wo ist dieses WETTER hin?
    Ihm nachzutrauern, hat keinen Sinn.

    FORTSETZUNG FOLGT.

  3. Ja, ich habe es geschafft! Held/innengeschichten muss man bis zum Ende lesen. ;-)
    Lieber Jens hier „frühlockt“ es auch aus allen Ecken, und das Reviergezwitscher ersetzt den Wecker…
    Ein sonniger Gruss aus dem Süden
    Danièle

  4. Lieber Jens,

    so, so …. Du hast also mit 17 noch mit Holzgewehren gespielt :-). Interessant zu wissen, man erfährt doch immer wieder Neues. :-)

    Herzlich
    Gitta

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