Tired!

Fuck!

German Autobahn. Treffe genau den Nagel, das Metallteil, dieses Urks, das Schabadadab unterm Auto macht und den Reifen vorne links schlitzt und würgt. Pfffff. Rechts ran, Warnblinker.

Zoe in Tränen. „Papa. Ich muss in die Schule. Ich spiel die Hauptrolle. Das geht jetzt nicht, ich kann die anderen nicht hängen lassen.“ Blick raus. Klar. Gewissheit. Platt. Erst einmal Warnblinker, Warndreieck, Warnweste. Warnen, warnen, warnen. Zoes Lehrerin anrufen. „Hör mal: Problem.“ Schnatter, erklär, Alternativvorschlag, keine Ahnung. Gerade heute hatte ich auf dem Kontoauszug gesehen: 79,50 ab nach München – Gelbe-Engel-Gebühr. Auf der Willkommen-im-Club-Karte steht: Mobil 6x die Zwei. Wähl, wähl. Eine nette Dame, mit der ich über Reifen und Flickversuche spreche. Nein, kein Reserverad. Ja, so ein modernes Reparaturset. Nein, hat nicht geklappt. Die ganze Soße kam oben aus dem Loch im Reifen raus, das so groß ist wie die Öffnung des Vesuvs. Ja, das ist ziemlich doof gelaufen. Nein, ich kann mir selbst nicht helfen und meine Tochter nicht pünktlich in die Schule zur Schlussfeier bringen! NEIN! Ja, bitte! BITTTEEE! Schnell! Keine Formalitäten!!!! „Haben Sie das Warndreieck rausgestellt?“ Ja. „Tragen Sie eine Warnweste?“ Ja. „Ist der Warnblinker eingeschaltet?“ – Baby, ich warne dich. Noch eine Frage… Dann bräuchte ich nur noch Ihre Mitgliedsnummer. Die Nummer kenne ich schon. Mist. Das dauert jetzt wieder. Sie wird es nicht glauben. Meine Mitgliedsnummer ist die Notfallrufnummer. Die mit der Münchener Vorwahl. „Nein, nicht die Notfallrufnummer!“ Ich wusste es. „Hören Sie, meine Mitgliedsnummer ist durch irgendeinen seltendämlichen Zufall die Notfallrufnummer.“ „Das passiert selten!“ Nein, das passiert genau ein Mal. Und zwar mir. Und deshalb stehe ich bei Pannen da und habe jedes Mal dieses Gespräch. Ein Dejavu.

Herrje. Nen Freund anrufen, ob er Zoe… Mobilbox. Nix. Warten. 40 Minuten. Bis der Pick-up-Transporter da ist. Autos zählen, LKW. Brumm. Zoe beruhigen, ablenken. Wie geht es dem Hund? Der guckt komisch. Mag scheinbar keine Pannen und dieses fiese Geräusch vorbeisausender LKW. Boah ey, sind die schnell. Jedes Mal wackelt die ganze Karre. Massagesitz. Der Fahrer ruft an. Komme gleich. Der Freund ruft an. Komme gleich. Moment. Wir einigen uns, dass Zoe vom gelben Engel zur nächsten Autobahnabfahrt gebracht wird, um von da mit dem Freund Richtung Schule und auf die Bretter, die die Welt bedeuten, abschwirrt. Lass krachen. Karre drauf, Dreieck weg, Weste aus. Altes Schlabberding. Gummi. Zoe-Übergabe, ab zum heimischen Schrauber, Karre abliefern, mit Cooper zu Fuß nach Hause. Neues Auto. Wie bei Charlie Brown, wenn Lucie mal wieder den Flügel und den Beethoven von Schröder zerstört hat. Schrank auf, Beethoven und Flügel raus. Boxenstopp. Fahrzeugwechsel. Vollgas.

Wo war diese Stelle auf der Autobahn? Was lag da rum? Bitte nicht noch einmal. Die Nummer mit dem Teufel und dem Eichhörnchen. Alles glatt gegangen. Großes Hallo in der Schule. Da war noch ein Stück Pizza aus dem Steinofen für mich. Lecker. So. Langer Tag. Eigentlich sehr gut gelaufen. Bis auf. Egal. Nun bin ich echt tired.

8 Antworten auf „Tired!“

  1. Hallo Jens,

    wenn, dann kommt es immer ganz dicke. In Eile, Schulauftritt, Reifen, Gelber Engel. Ja, ja. So etwas braucht man gar nicht. So ein Superstress Gut, daß noch alles geklappt hat.

    LG
    Annegret

    1. Hi Annegret,

      war eigentlich wieder eine gute lehrstunde, dass alles halb so wild ist. Zoe hat mitgekriegt, dass einen das Leben nicht ausbremst, wenn man weitermacht. Sie hat gespielt und war glücklich. O.K., ich konnte nicht zugucken, aber Shit happens. Es war nur ein reifen, nicht der Motor oder so:)

      Liebe Grüße

      Jens

  2. Au Mann, ein Ford :-)
    Mein dicker alter Escort (sechzehn Jahre und wurde mit einem Schraubenzieher gestartet – anyway,gehört nicht hierher, hoffe der TÜV liest nicht mit) – hat mal in einem Monat mehr neue Schuhe bekommen als ich in einem Jahr. Und einer der alten Schuhe ging auf der Autobahn kaputt, als ich – und das kommt 5mal seltener vor als ich neue Schuhe kaufe – ausgerechnet einen engen Rock trug.
    Ersatzreifen hatte ich, aber auf der „Ich bin unpassend angezogen“ eine glatte 11 auf einer Skala von eins bis zehn…
    Reifen wurde dann auf der raststätte Solingen Ohligs (?) von zwei ungarischen? polnischen? kaukasischen? usbekistanischen? LKW-Fahrern gewechselt, die dafür nicht mal Geld wollten. Dem Löwenkind wurde eine Kiste zum Sitzen hingestellt. Die haben nur 5 Minuten gebraucht und ich fühlte mich wie eine Diva.
    Mittlerweile hab ich auch so ein Pannenset im Auto und bin sehr skeptisch. Habe zwar mal im Rahmen eines Jobs geübt, damit umzugehen, aber…..wenn der Nagel (oder was auch immer) nicht mehr im Reifen ist, blubbert das Zeugs ja IMMER raus. Ist nicht so die Heldenerfindung…(hier Lamentieren einblenden von wegen nicht mal mehr selber Birnchen wechseln können bei neuem Auto jammer jammer).

    Aber gut, dass alles noch geklappt hat und Zoe spielen konnte (die Schule liegt nicht zufällig im Windrather Tal?). Und das mit der Mitgliedsnummer denkst du dir doch aus! :-D (sorry, ich musste so lachen)

    LG, Ela

    PS: Ich will ja nichts sagen, aber du schreibst so…hektisch zur Zeit. Hier passt es, aber auch sonst. Ist irgendwas?

    1. Hi ElaE,

      sagt Harpe Kerkeling doch schon: Ein Mann, ein Ford. Oder so ähnlich. Die Nummer mit den LKW-Fahrern und dem Rock ist natürlich voll der Film. Deutsche Komödie. Hätte ich gerne gesehen. Und du musstest keinen Wodka trinken?

      Dieses Reparaturset ist Mist. Wenn das Loch zu groß ist, repariert das nix. Und dann: ADAC calling und Abschleppen. Ich meine, Reifenwechsel an der Autobahn ist natürlich auch kein Zuckerschlecken. Mal so eben touchiert werden von einem 40 Tonner.

      Zoe war glücklich. Und ich natürlich auch. Die Schule ist in Gummersbach auf einem Berg, nicht in einem Tal.

      Die Mitgliedsnummer ist tatsächlich nicht ausgedacht! Ehrlich. Das ist von Anfang an ein Running-Gag. Wie ich es auch anstelle und sage, es kommt immer die gleiche Antwort. Ich habe da wirklich den Joker gezogen.

      Hektik? Ein wenig. Speed. Michaela ist in Italien, ich schreibe und kümmere mich hier gerade um alles plus zwei Abendveranstaltungen in der Schule mit Kümmern um Essen und Abbauen… Volles Programm. Dazu Termine in Agenturen. Zwischendurch ein Blick in die Autowerkstatt. Und da ist noch ein Hund und die Steuer… Eng gerade. Deshalb Stakkato- und Highspeed-Texten im Blog.

      Liebe Grüße

      Jens

      1. Ah, hatte ich also richtig gelesen ;-) Aber immer schön eins nach dem anderen, okay?
        Nein, kein Wodka – ich musste doch noch fahren!
        Und Schule in Gummersbach beruhigt mich ;-) ….

        LG zurück, ElaE

        1. Step by step. Yes. I’ll do. Der Salat für die Abendveranstaltung ist fertig, die Wäsche hängt, die saubere ist gefalten, der Hund ist bewegt, das Reifenproblem mit dem Mechaniker besprochen, der Text Korrektur gelesen, das Briefing erfolgt, der Blog gefüllt, die Kinder satt, das Angebot raus…

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