Und wie war euer Wochenende?

Hattet ihr es schön? Das Wetter war ja nicht so gut:) War ja eher zum Drinbleiben. O.K. – ich denke, ihr möchtet vielleicht wissen, wie die Story hier weitergeht. Es ist verrückt. Teils bizarr, skurril. Wie ein Film mit merkwürdigem Drehbuch. Alle Befürchtungen die ich hatte, alle Annahmen, die in mir herumschwirrten, werden keine Realität. Was hatte ich für eine tiefe Angst vor dem Moment, vor dem Augenblick des Endes. Genau vor einer Woche habe ich oben in der Küche gesessen und habe den entscheidenen Satz gehört. Und was ist danach passiert? Viel und wenig. Die Erde dreht sich weiter. Und bei mir hat sich ein Gefühl von Freiheit, Stimmigkeit, Erlösung eingestellt. Unglaublich.

Am Samstag habe ich mich in Gartenarbeit gestürzt. Ich habe den Wunsch, aufzuräumen. Wegzuräumen. Mein Körper hat plötzlich immense Kräfte und eine große Tatkraft. Ablenkung. Einerseits. Andererseits das schöne Gefühl, dass ich jetzt auftauchen kann. Jim und ich haben Teile des Gartens vom Herbstlaub und -dreck befreit und in den Wald gefahren. Mit dem Traktor. Kerlsarbeit. Irgendwann kam Ela aus Köln zurück und hat die Autos geputzt. Alles ein wenig unwirklich. Sonntagmorgen bin ich um sieben Uhr aufgestanden und zum Bäcker gejoggt. Ins Nachbardorf. Über den Mühlenberg. Anschließend habe ich lange meditiert. Ich kann jetzt, abgesehen von meinen Familienaufgaben, so lange meditieren wie ich will. Und das mache ich. Und das ist gut.

Anschließend habe ich mein Zimmer aufgeräumt. Pläne geschmiedet. Erste Einrichtungslösungen gefunden. Das „Ehebett“ werde ich nun endlich, endlich, endlich ersetzen. Auch das ist ein gutes Gefühl. Befreit. Aufgeräumt, alles Überflüssige rausgebracht. Staub geputzt. Alten Staub weggeputzt. Was sich alles angesammelt hat. Mittags habe ich für die Familie gekocht, danach haben Ela und ich das große Foto fürs Besprechungszimmer aufgezogen. Es bewegt sich was. Wieder. Hier passiert was. Dann hatte ich das skurrilste Erlebnis meines Lebens. Dazu später. Ein Kaffeetrinken mit einem speziellen Gast.

Am Abend war ich mit einem Freund aus. Hat das gut getan. Wir haben so gelacht. Über alles mögliche geredet. Geplaudert. Fernab des Themas. Er hat mir von seiner Lehre als KFZ-Mechaniker erzählt. Wie ihm sein Chef, der nach Jahren in Kenia hier eine Texaco-Tankstelle übernommen hatte, ihm einen kaputten Mini-Cooper geschenkt hat. Er hat ihn repariert und dann sind die beiden Rennen auf Zeit gefahren – um die Zapfsäulen herum. Wilde Jahre. Sein Chef hat ihn zum Fliegen mitgenommen. In einer Cessna. Der Tower meldete „Noch nicht starten, der Wind ist zu stark“. Der Cheft meinte nur „Alles Weicheier hier“ und gab Vollgas. In der Luft merkte er, dass sie die Karten vergessen hatten. Also mussten sie im Tiefflug zur Autobahn runter, um die Verkehrsschilder zu lesen. Gambacher Kreuz. Außerdem, aaaaah, hatte er von britischen Piloten in Afrika gelernt, wie man eine Maschine ins Trudeln bringt und wie man das ins Trudeln geratene Flugzeug wieder abfängt. Ich musste so lachen.

Dann kam die Kellnerin und nahm eine neue Bestellung auf. Ich hatte schon eine Apfelschorle getrunken und einen Pfefferminztee (10. Achte auf dich – unternimm schöne Dinge, iss gute Sachen, meide Alkohol (der befeuert die bösen Dämonen:)). Also fragte ich sie, was sie an Tee zu bieten hätte, der nicht anregt. Das hat sie falsch verstanden und gegrinst. „Äh, also, ich meine…“ Stotterei. „Keinen schwarzen Tee oder Grüntee oder so.“ Dann sagte sie, und sie war sehr jung und sehr hübsch: „Soll ich sie überraschen?“ Und wie sie es sagte. Also wirklich. Überraschungen gibt es. Ein so schöner, lustiger Abend. Ich bin mit einem breiten Grinsen nach Hause, habe Zoe kurz noch eine Gutenacht-Geschichte erzählt und bin dann friedlich in meinem „neuen“ Zimmer, dass irgendwie schon da ist, eingeschlafen.

Aber zum Kaffeetrinken. Wer war da? Jens. Noch ein Jens. Also Jens, ich. Dann ist da der Jens, mit dem ich in der Kneipe war (der nicht beim Kaffeetrinken war) und beim Kaffeetrinken der Jens, der Elas neuer Freund ist. Alles Jens, oder was? Was für ein Chaos. Ela ist mit ihm nach einem Spaziergang am Nachmittag vorbeigekommen. Die beiden hatten sich sehen müssen. Waren mit Cooper eine Runde gelaufen. Vorher hatte Ela Kuchen gebacken und alle gefragt, ob wir ihn kennenlernen möchten. Ja, wollten wir. Und so standen Jens und Jens plötzlich im Wohnungsflur voreinander. Highnoon. Was für eine Szene. Ich dachte, das glaubt mir jetzt keiner. Wir gaben uns die Hand, sahen uns tief in die Augen und zitterten leicht.

Wir wussten beide nicht, wie wir jetzt damit umgehen sollen. Ich meine, das lernt man nicht. Das kommt im Film so nicht vor. Das Klischee wäre gewesen, wir hätten das wie echte Kerle im Faustkampf ausgetragen. Da war kein Funken Aggression oder Wut. Wir haben uns leicht zittrig an den Tisch gesetzt. Ich auf der einen Seite, Jens und Ela auf der anderen Seite. Jens und ich einander gegenübersitzend. Marmorkuchen. Lebensfreude-Tee. Is nich wahr, ne? Doch. Ich sag’s euch. Genauso. Unfassbar. Ich spürte, wie sehr die beiden ineinander verliebt sind und hatte ein gutes Gefühl. Ich weiß, es klingt, als würde ich spinnen. Als wäre ich nicht normal. Als würde ich irgendetwas unterdrücken. Und ich frag mich auch selbst, was mich reitet. Was mich so ruhig sein lässt. Aber es ist so. Es passt. Weiß der Henker, was da los ist. Allein, Ela so glücklich zu sehen, endlich ein Strahlen im Gesicht, im ganzen Körper. So schön. Und ihr Jens passt. Trägt sie mit Wärme.

Ich kann nur sagen: Es ist ein Gefühl von „die Dinge sind in die richtige Ordnung gerutscht.“ Das stimmt irgendwie. Mir geht es gut dabei, ich bin tatsächlich froh, frei zu sein. Jens kann gerne zu uns in die Schule kommen, hier wohnen, wann er will. Ich bin dann gefahren, um den anderen Jens zu treffen. Wir haben uns kurz umarmt. Das wars. Unfassbar. Gut. Komplett anders. Die Geschehnisse von sieben Tagen. Sieben Tage, die die Welt veränderten. Meine Welt. Und doch wurde sie nicht verändert. Ich weiß jetzt, wo mein Platz ist, was ich will und was ich nicht will. Sehr klar. Das ist ein gutes, starkes Gefühl, das trägt. Wir werden sehen, wie es weitergeht.

P.S. Ich hatte Ela und Jens gesagt, sie müssten keine Sorge haben, ich würde nicht darüber im Blog berichten. Sie meinten beide, das sei in Ordnung. Ich solle das ruhig schreiben. O.K.

12 Antworten auf „Und wie war euer Wochenende?“

  1. Hallo Jens,

    wow, mir fehlen die Worte. Großartig, wie Du mit der neuen Situation umgehen kannst. Für mich scheint das einzigartig. So habe ich das noch nie gesehen. Nein, nein, ich stelle Dich nicht auf einen Sockel. Ich meine es so, wie ich es schreibe. Kennst Du ein einziges Paar – oder eine Familie – die so auf eine Trennung reagiert hat? Ich nicht. Du kannst stolz auf Dich sein. Du beweist Größe. In Deinem Herzen steckt ganz viel Liebe für Ela. Vergeß aber bei aller Liebe nicht Deine eigene Seele. Laß sie nicht verkümmern.

    LG
    Annegret

    1. Hallo Annegret,

      mir fehlen ja irgendwie nie die Worte. Ich wäre gerne auch einmal sprachlos, um einfach mal die Klappe zu halten. Heb mich bitte nicht auf einen Sockel. Wir sind noch nicht durch. lass uns mal in einem Jahr darüber sprechen und ein fazit ziehen. Das ist jetzt sicherlich zu früh. Ich bin froh, dass ich noch stehe. Ich freue mich, dass alles bislang so relativ easy abgelaufen ist. Aber ich weiß natürlich nicht, was mein Unterbewusstsein macht, ob ich unter Adrenalin stehe, ob da irgendwann irgendwas hoch kommt. Mir fehlt schlicht die Erfahrung. Ich weiß es nicht. Iregndwann werde ich schlauer sein und die ganze Geschichte kennen. das ist wie in einem Roman – die ersten seiten geben einen Eindruck, aber dann geht die eigentliche Geschichte erst los. „Es passiert so viel…“

      Natürlich denke ich an meine Seele. Die ganze Zeit. ich bin froh, hier ein leben zu haben. Da bin ich absolut entschieden: Hier an diesem Ort will ich leben. Hier ist meine Zukunft. Ich lebe mein Leben weiter und fülle das, was weggefallen ist, nun mit schöenen Dingen auf. was immer das sein wird. Nach vielen, vielen Jahren habe ich jetzt Platz für Neues. Das ist extrem aufregend. Wir werden sehen.

      Liebe Grüße

      Jens

  2. Ein Wochenende voller Jens, das klingt ja wirklich unglaublich. Es freut mich sehr zu hören, dass ihr diese sehr ungewöhnliche Situation meistern könnt. Alles Gute für dich weiterhin,
    LG, Micha

    1. Ja, das klingt unglaublich. Aber glaub mir, der Alltag kommt, das Adrenalin geht und da gibt es noch einige Klippen zu umschiffen. Klar bleiben, klar im Kopf. Werde wohl öfter meine eigenen Texte lesen müssen, um mich dran zu erinnern. An den Anfang, an das, was ich mir vorgenommen habe. Gesgt ist alles schnell, getan, gelebt… Wir werden sehen. Auf jeden fall ist der Anfang gemacht.

      Liebe Grüße

      Jens

  3. Wow, lieber Jens,
    All die Kraft und der gute Segen von deinen Lesern scheint ja wirklich verblüffendes zu bewirken. Ich wünsche dir,dass du auch weiterhin so stark mit dieser Situation umgehen kannst. Wenn früher oder später doch mal die Tiefe Schlucht der Fassungs- und Kraftlosigkeit vor dir liegen sollte,dann sind wir hier im großen ,weiten Netz immer noch mit guten Gedanken bei dir.
    Bewundernde und staunende Grüße
    Julia

    1. Liebe Julia,

      den Segen konnte ich wirklich spüren. Du kannst dir wahrscheinlich nicht vorstellen, wie wichtig dieser Blog gerade für mich ist. Alles offen erzählen zu können, keine Angst vor Öffentlichkeit und Verurteilung zu haben, so viele positive Unterstützung zu bekommen, so viele Hilfsangebote. Das macht mich stärker. Das trägt. Wir ernten, ernten, ernten, was wir säen, säen. Ich denke, hier im Blog habe ich gutes gesät. Nun werde ich hier beschenkt. Das ist unglaublich. Gerade jetzt in dieser ersten Zeit.

      Die tiefe Schlucht taucht immer wieder auf. getsren hatte ich einen nicht so guten Tag. Da war die Kraft ein wenig eggangen und ich da war so ein Hänger. Morgens ging es noch, im Laufe des Tages dann wich die Kraft. Abends nach dem Fußball war sie wieder da. Die Aggregatzustände nach einer Trennung. Wahrscheinlich gibt es wissenschaftliche Untersuchungen, die die Nachtrennungsphasen beleuchten.

      Bewundern musst du mich nun wirklich nicht. Ich arbeite einfach daran, mein Leben zu behalten. Nichts in diesem schönen Porzellanladen kaputt zu schmeißen. ich will hier weiter leben. Mit den Kindern. Mit Ela, die ich dazu einfach brauche, weil ich möchte, dass wir unseren Job als Eltern zu zu Ende bringen. Das wird jetzt einserseits schwieriger, andererseits vielleicht auch einfacher, weil jetzt mehr Freiheit da ist. Mehr Offenheit. Wir werden sehen.

      Liebe Grüße

      Jens

  4. Hallo Jens,
    ich freue mich, dass Du offensichtlich ein Hoch durchläufst. Ich gestehe, Deine Schilderung klingt nach einer Woche ein wenig surreal, aber nur Ihr kennt ja die ganze Geschichte. Bei allem Erwachsensein, bei allem, was wir bereits transformiert haben – ich wäre innerlich wahrscheinlich Amok gelaufen.

    Heute habe ich in einem Blog „zufällig“ über die männlichen und weiblichen Energien gelesen:

    „…Die Heilung der weiblichen und männlichen Aspekte der Seele sind an diesen Tagen sehr spürbar. Diese lassen sich nicht mehr zurückhalten.
    Es ist an der Zeit hinzuschauen.
    Das Weibliche, das über viele Tausende von Jahren verletzt und unterdrückt worden war, möchte ihre Kraft und Macht wieder zurück. Dieser Aspekt möchte wieder in Harmonie mit dem Männlichen wirken und einfach sein. Der männliche Aspekt möchte die Macht und die Liebe in sich heilen und gemeinsam mit dem Weiblichen in einer Einheit schwingen und wirken….“

    Weiterhin ein ehrliches Umgehen mit Deinen Emotionen und trotz allem einen schönen Start in den Frühling.

    Liebe Grüße aus Berlin
    Tine

    1. Hi Tine,

      spannend. Ela war auch ganz fasziniert, sie hat deinen Kommentar gelesen. Es ist ja nun öfter die Rede vom Zeitalter der Frauen. In Harmonie mit dem Männlichen. Das wäre schön. Ein Ende der Kämpfe.

      Nun durchlebe ich gerade eine Phase, in der ich mit vielen Klischees konfrontiert werde. All die Dinge, die ich nach anderen Trennnungen gehört habe. Der allgemeine Umgang mit solchen Dingen und die entsprechenden Sätze und Phrasen. Ich bin davon bislang fast komplett verschont geblieben. Nur meine Mutter ist leider aus der reihe getanzt: „Jens, mann muss sich auch mal wehren.“ Bravo. Sie hat dann geweint, ich habe sie am telefon getröstet und dann hat sie mich gebeten, einen Flug für sie zu buchen. MAMA. Eine Lehrmeisterin. Eine nicht ganz einfache Aufgabe. Wie kam ich jetzt darauf? Musste wahrscheinlich raus und ist hier ans Tageslich gedrungen.

      Dass ich ein Hoch durchlaufe, klingt so nur in den Texten. Bitte nicht vergessen: Ich bin Werbetexter. Ich finde immer irgendwo einen Krümel Gold und mache daraus Diamanten. Zumindest Svarovski. Bitte mach aus mir keinen Helden oder Heiligen. Das ist nicht gerechtfertigt. Ich denke, ich kämpfe und leide wie alle, die eine solche Zeit erleben. Ich habe das Glück, Mittel für Notfallzeiten zu haben. Ich konnte die in meinem Leben lernen. Es ist nicht die erste schwierige Phase. Und ich lerne wieder und es wird zukünftig wieder besser sein. Wir sind lernende Wesen.

      Einen ganz, ganz, ganz herzlichen Dank für deine spirituelle Unterstützung und diesen speziellen Aspekt.

      Liebe Grüße

      Jens

  5. Lieber Jens,

    Du schreibst mir zu oft, dass alles in Ordnung sei, dass alles gut sei, dass es Dir gut geht. Zu oft. Es geht Dir nicht wirklich gut dabei, noch nicht und Dein Aktionismus spricht Bände :-). Nix für ungut.

    Nachdem die erste Ehe meiner Schwester schief gegangen war, lebte sie mit einem Mann zusammen dessen Frau mit den Kindern und ihrem neuen Freund schräg vis à vis gewohnt haben. Sie alle kannten sich schon bevor die Ehe gescheitert war. Also nix Ungewöhnliches, wenn man sie mit dem Neuen, der Neuen gut versteht. Man kann’s doch eh nicht ändern, oder?

    Kopf hoch Euch allen, ihr schafft das schon, einfach aufpassen, dass niemand irgendwo verloren geht von den Erwachsenen, von den Kindern.

    Herzlich
    Gitta

    1. Hi Gitta,

      natürlich geht es mir den Umständen entsprechend gut. Und natürlich ist da viel Aktionismus, um mich abzulenken. Die Zeit verstreichen zu lassen. Es geht rauf und runter. Es geht mir gut, ich komme ins Trudeln. 20 Jahre. Da lässt sich nicht einfach so ein Schalter umlegen. Aber immerhin, ich habe den Kopf über wasser, sitze hier und arbeite und versinke nicht in Selbstmitleid. Für’s Erste ist das schon ganz angenehm. Natürlich bin ich nicht im siebten Himmel.

      Wir werden aufpassen.

      Liebe Grüße

      Jens

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