World Ocean Review – der Zustand der Meere.

Die letzten Abende war ich damit beschäftigt, die letzten drei Ausgaben der mare – Die Zeitschrift der Meere – zu lesen. Ein schönes Unterfangen. Durch die Intensität des Lesens von gleich drei Ausgaben an einem Stück, stellte sich in meinem Kopf ein allabendlicher Zustand von Meer, Meer, Meer ein. Es schwappt, es brandet, es tost, es säuselt, es erzählt. Während des Eintauchens traf ich auf eine Nachricht: Der World Ocean Review ist erschienen.

So. Erst einmal zur Seite gelegt, irgendwo neben die schönen Fotos und guten Texte (die können schreiben!). Wie das bei vorwitzig neugierigen Textern ist, ließ mir diese Marginalie keine Ruhe. Ich folgte den Spuren ins Internet und klickte mich bis zum Ziel. Dort fand ich, was ich suchte: Den World Ocean Review zum Download und Bestellen. Hab ich gemacht. Denn da steht einiges drin, was mich sehr interessiert.

Die mare hat gemeinsam mit Wissenschaftlern aus Kiel in dreijähriger enger Zusammenarbeit einen allgemein verständlichen Bericht über den Zustand der Meere und über die Rolle des Meeres im globalen Zusammenhang geschrieben. Ein Weckruf. Ein „Schaut hin!“. Das Meer ist so groß, so weit. 70 % unseres Planeten Erde nimmt es ein. Vom Weltall aus gesehen macht es die Erde zum blauen Planeten. Doch leider ist einiges faul im Staate Dänemark. Ein paar Dinge, ihr ahnt es längst, laufen ziemlich schief. Wir alle gemeinsam drohen zu kentern, weil wir in die falsche Richtung navigieren.

Nikolaus Gelpke, Mitgründer und Chefredakteur der mare, hat das Projekt initiiert. Nach dem Abitur war er in Kanada bei Elisabeth Mann Borgese, Tochter von Thomas Mann, gelandet. Sie kämpfte von dort für das Meer. Ja, man muss für es kämpfen, weil es so angreifbar ist wie ein riesiger schutzloser Wal. Sie forschte, kümmerte sich, arbeitete an der Ausarbeitung eines internationalen Seerechts mit. Sie machte, tat. Nikolaus Gelpke schickte sie von Kanada nach Kiel, um Meeresbiologie zu studieren. Das machte er, um etwas für das Meer zu tun. Wie ein Delfin am falschen Ort verstrickte er sich im Netz der Wissenschaft. Zu eng das Korsett, zu träge der Trawler. Er brachte mit Freundinnen – u.a. Zora del Buono – die mare heraus. Um konkret etwas zu tun. Um den Menschen die Schönheit des Meeres zu zeigen. Um ihnen vor Augen zu führen, womit sie so achtlos umgehen. (Hier ein Video von einer Pressekonferenz zur Veröffentlichung des Berichts, in dem Nikolaus Gelpke zusammen mit dem Wissenschaftler Martin Visbeck die Zusammenhänge erläutert.)

Wir sprechen von Verklappungen, von Mülleintrag, von Überfischung und vor allem: Von Übersäuerung durch CO2. CO2 im Meer? Nicht in der Atmosphäre? Das Meer ist gut zu uns. Es versucht zu helfen. Es nimmt CO2 in riesigen Massen auf. Bindet es. Leider entsteht dabei Kohlensäure, wodurch das Meer übersäuert. Auswirkungen auf das Ökosystem? Mit Sicherheit keine guten. Zusätzlich schluckt es auch überschüssige Wärme. Allerdings heizt es sich dabei auf. Langsam. Stetig. Wer jetzt denkt, och schön, besser zum Baden, der… Alarmstufe Rot. Der Unsinn, dass es solche Klimawandel immer schon gegeben hat, ist eine selbstbetrügerische Ausrede. Dann muss ja niemand was tun! War ja schon immer so.

Dass dem nicht so ist, davon erzählt der World Ocean Review, den ihr doch bitte kostenlos bestellt und abends in Ruhe durchlest. Ist wichtig, um zum Beispiel den Gesamtzusammenhang des Klimawandels zu verstehen. Das Meer spielt hier eine große Rolle. Wie wir in diesem Winter gesehen haben. Eisschmelze im arktischen Meer, Windrichtungswechsel, Nordwind, Schneechaos und wie die Bild-Zeitung wahrscheinlich liebend gerne sagt: gefährliches Blitzeis. Müsste nicht sein. Könnte vielleicht noch anders ausgehen, unsere Geschichte mit dem CO2 und dem Klimawandel. Wenn wir in einem ersten Schritt die 240 für ein nicht wissenschaftliches Publikum geschriebenen Seiten durchackern, damit wir wissen, wovon wir sprechen und was zu tun ist. Macht mal. Bitte. Hat die mare bestimmt schön gestaltet und formuliert…

12 Antworten auf „World Ocean Review – der Zustand der Meere.“

  1. Guten Morgen, Jens,

    ich habe den World Ocean Review angefordert und werde ihn lesen, um zu verstehen, was mit der Welt vor sich geht, wenn wir so schlecht mit ihr umgehen.

    Wir haben nur eine Welt.

    Viele Grüße

    Annegret

    1. Hi Annegret,

      dann sind wir schon zwei. Ich glaube, die meisten Menschen haben keine Lust auf die Auseinandersetzung mit einem solchen Thema. Was ich gut verstehen kann. Aber ich finde, wir sollten uns stellen. Sollten uns die Arbeit machen und uns informieren, um wirklich mitreden zu können. Sehen, was ist. Schön, dass du dabei bist. Muss ich nicht alleine lesen…

      Liebe Grüße

      Jens

        1. Hi Annegret,

          wer weiß, der weiß. Bescheid. Kann einem wenigstens keiner mehr ein X für ein U vormachen. Ne, ne, so ist das nicht. Die Wissenschaft hat festgestellt. Wenn die Zusammenhänge klarer sind und ins Bewusstsein tröpfeln, dann tut sich was.

          Liebe Grüße

          Jens

  2. Lieber Jens,
    danke, dass Du das Thema aufgegriffen hast. Was mich auch sehr beunruhig ist der Plastikmüll, der auf den Meeren herumschwimmt. Eine weitere Zeitbombe unfassbaren Ausmaßes. Die Bestandteile landen dann irgendwann in den menschlichen Organismen und richten auch dort viel an Schaden an. Mein (wahrscheinlich nur naiver) Vorschlag: Jedes Schiff wird verpflichtet, eine bestimmte Menge an Plastikabfall „aufzukehren“, damit er an Land sachgerecht entsorgt werden kann; wer in riesigen Netzen Fische abgrast, kann wenigstens das Genannte tun. Stattdessen werden die Meere überfischt und gleichzeitig vermüllt. Den World-Ocean-Review werde ich mir umgehend bestellen, auch wenn es mich immer eine ungeheure Überwindung kostet, all dieses maßlos Traurige lesen zu müssen.

    Liebe Grüße Eva 2

    1. Hi Eva,

      ich glaube das Gefühl haben wir alle: Herrje, das wird traurig. Weltuntergangsstimmung nach dem Lesen. Hilft nix, müssen wir durch, damit wir weitererzählen können, was Sache ist. Wie die Abläufe und Mechanismen sind. Der erste Schritt ist immer Wissen. Das sollten wir uns aneignen, um mitreden zu können. Um Argumente zu haben, wenn mal wieder einer sagt: Temperaturschwankungen hat es immer schon gegeben.

      In der mare ist auch ein Artikel über Bangladesh, dass tatsächlich bereits absäuft. Meerwasser dringt ins Landesinnere und versalzt die Böden. Mit dem herannahenden Meeresfluten werden Ackerflächen in Shrimpsfarmen umgewandelt. Die nähren nur wenige und die Böden versalzen weiter und werden für Landwirtschaft untauglich. Dumme, dumme Welt. Kaputtmachen, ohne die Folgen abzuschätzen.

      Liebe Grüße

      Jens

  3. Tja, lieber Jens,

    das ist eine unheilvolle Allianz aus Dummheit und maßloser Gier.
    Du weißt sicherlich auch, dass diese Shrimps dort dann, vollgepumpt mit Antibiotika, in ihrer eigenen K…. schwimmen, bevor sie irgendwann auf den Tellern der Verbraucher landen. Hmmm, lecker! Dschungelcamp ist nichts dagegen… .

    Liebe Grüße
    Eva 2

    1. Hi Eva,

      von den Shrimps und ihrer speziellen kulinarischen Situation habe ich gehört. Buh! Bislang habe ich nur gehört, dass Bangladesh eines der ersten vom Klimawandel betroffenen Länder sein würde. Konjunktiv. Dass es das nun schon ist, ist mir neu. Deshalb bin ich sehr gespannt, was in dem World Ocean Review steht.

      Liebe Grüße

      Jens

  4. Pingback: Hanfsamen

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