Ziemlich beste Freunde

Früher in der Schule hatten wir als Pubertierende einen ziemlich bösen Joke: „Keine Arme, keine Kekse.“ Ich glaube, das bezog sich auf Menschen mit Contergan-Behinderung. Natürlich ist das ein absoluter No Go!-Witz. Allerdings. Freitagabend waren wir im Kino. Ela, Jim und ich. Es lief die französische Komödie „Ziemlich beste Freunde“. Und darin kam der Spruch umgewandelt vor und das ganze Kino hat gelacht.

Es kamen noch eine ganze Reihe weiterer makaberer Sprüche und Szenen, über die auch herzhaft gelacht wurde. Saßen da nun alles herzlose Idioten im Kinosaal? Denn gelacht wurde mit und über einen Totalgelähmten im Rollstuhl (Philippe) und seinen persönlichen Pfleger (Driss). Philippe kann nur seinen Kopf bewegen. Sonst nichts. Kein Gefühl abwärts. Beim Paragliding abgestürzt, zweiter und dritter Halswirbel gebrochen. Eine ziemlich unschöne Situation, in der er komplett auf Hilfe angewiesen ist. Also sucht er einen Pfleger, der in seine Stadtvilla einzieht und sich um ihn kümmert. Massieren, duschen, füttern, Zeit vertreiben.

In der angeblich wahren Geschichte trifft Philippe auf den arbeitslosen, nach einem gescheiterten Juwelenraub gerade aus dem Gefängnis entlassenen Driss. Ein Schwarzer aus den Pariser Vororten, aus den Banlieu-Ghettos, der als Achtjähriger aus dem Senegal eingewandert ist. Philippe ist extrem reich, mit Maserati und Privatjet, Driss hat nichts, aus seine unbändige Lebensfreude und Vitalität. Und: Er hat das Herz genau dort, wo es hingehört – am rechten Fleck.

Driss wird Philippes persönlicher Pfleger, zieht in die Villa ein und bringt alles auf Trab. Der gutsituierte, mit seiner Behinderung kämpfende Philippe kann kaum fassen, was alles geschieht. Weil Driss keinerlei falsche bürgerliche Moral kennt und komplett im Augenblick lebt, passieren viele lustige Dinge. Eine Freundschaft entsteht. Natürlich wird Philippe von seinem bürgerlichen Umfeld gewarnt. Ein verurteilter Verbrecher! „Die aus der Vorstedt kennen kein Mitleid!“ Da fällt der Schlüsselsatz des Films: „Kein Mitleid. Das ist genau das, was ich will.“ Eine Schlüsselsatz, eine Botschaft.

Driss kennt wirklich kein Mitleid! „Keine Arme, keine Schokolade.“ Philippe weiß oft nicht, ob er lachen oder weinen soll. Er lacht. Entscheidet sich immer wieder, mit Driss zu lachen. Eine gute Entscheidung, die den Film so wirklich wunderschön macht. Einen solch lustigen, menschlichen, gut gemachten Film habe ich lange nicht gesehen. Das Drehbuch hat so viele schöne Szenen und Dialoge zu bieten. Die Schauspieler sind komplett in ihren Rollen. Durchgehend authentisch, die vielen Zwischentöne des Themas werden immer wieder ausgespielt. Nichts wirkt aufgesetzt. Und so tanzen, heizen, fliegen, lachen die beiden Hauptdarsteller durch Paris, durch den Film und nehmen die Zuschauer mit. Prädikat: Besonders lustig und unbedingt empfehlenswert. Solltet ihr euch gönnen.

Meine persönlöiche Lieblingsszene: „Das ist ein Baum. Ein Baum, der singt.“ Im Trailer ganz am Ende:)

9 Antworten auf „Ziemlich beste Freunde“

  1. Guten Morgen, Jens,

    das hört sich gut an. Muß ich auch sehen.

    Wünsche Dir einen guten Wochenstart.

    Viele frostige Grüße

    Annegret

    P.S.: Es ist a….kalt! Und alles weiß gefroren. Biber, biber.

  2. Hallo Jens!

    Ich habe den Film letzte Woche gesehen und möchte mich deiner Meinung anschliessen. Lange nicht mehr so einen schönen Film gesehen. Erzählkino der schönen Art, der dem Zuschauer den Raum läßt sich seine eigenen Gedanken zu machen. Ich kann diesen Film nur empfehlen!

    Liebe Grüße

    Raoul

    1. Hallo Raoul,

      ist doch immer wieder schön, dass es solche Filme gibt, die einfach überraschen und nicht nach einem bekannten Strickmuster funktionieren.

      Liebe Grüße

      Jens

    1. Hi Danièle,

      das sind aber viele :-D’s:) Grins* Freude. Wirklich ein Film, der sich lohnt. Verstörend witzig, mutig grenzwertig, voller lachen. Dieser Driss. Africa, ich glaube das ist nicht der schwarze Kontinent, das ist trotz oder wegen aller Schwierigkeiten der lachende Kontinent. Weiß ich natürtlich nicht genau, denn: Ich war noch nie da.

      Liebe Grüße

      Jens

  3. Hallo Jens,

    etwas verspätet muß ich nun auch meinen Klecks Senf zum Film geben, der einfach nur so wunderschön war. Abgerundet, liebevoll, ein im Grunde schweres Thema auf leichte Weise erzählt, nicht zuletzt beflügelt durch die wunderbare Musik von Einaudi, die ich mir umgehend runtergeladen habe. Heute werde ich sie in meiner Pilatesstunde verwenden…

    Einfach schönes Kino!

    LG Tine

    1. Hi Tine,

      wirklich ein Kino-Highlight. Gar nicht si einfach, som einen Film zu machen und sich auf dem Grat zwischen Humor und Betroffenheit zu bewegen. Ist gelungen, wahrscheinlich, weil eine wahre Geschichte dahinter steckt und die Geschichte passiert ist. Dann kann man das schreiben. Ohne wäre es whrscheinlich schweirig gewesen, abzuschätzen, was geht und was nicht. Ich würde mich nie trauen, soetwas zu schreiben.

      Schön auch, dass dir Einaudi gefällt und du die Musik gleich einsetzt. Wünsche dir viel Spaß in der Pilates Stunde.

      Liebe Grüße

      Jens

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