Ah, oh, wie wundervollst wunderbar!



Kürzlich hat mir jemand auf Twitter unterstellt, ich würde zur Romantisierung und Verklärung neigen. Da kann ich nur sagen: Jawoll. Das ist so. Meine Deutschlehrerin in der elften Klasse meinte: „Jens, hüten Sie sich vor Übertreibungen!“ Was soll ich sagen. Das habe ich nie getan. Mich vor Übertreibungen gehütet. Im Gegenteil, ich nehme sie, wo ich sie finden kann. Ich bin WERBETEXTER! Ohne Übertreibungen würde ich da nicht weit kommen. Wie banal würden die Dinge ohne das sanfte Einfließen des Superlatives klingen. Und wie langweilig wäre mein Leben, wenn ich nicht ab und an das Banale erheben würde. Gar gleich in den Adelsstand.

Gerade komme ich von einer sehr inspirierenden Reise. Bin von Eisscholle zu Eisscholle gesprungen und habe mit Eisbären um den letzten Proviant kurz vor dem Erreichen des Pols gekämpft. Quatsch. Mit Soße. War mit meinem schwarzen Eisbärn, dem Herrn Cooper meinerseits, äh, an meiner Seite, draußen im tiefen, tiefen Schnee. Und zwar nicht im tiefen, tiefen Wald, sondern oben, oben auf der Wiese. In Verwehungen plumpste mir der Schnee oben in die Stiefel.

Aber was war jetzt so wundervollst wunderbar? Wollt Ihr wissen, ihr Naseweiß, ihr Schelmenpack. Die Luft, die Landschaft, die Liebe, das Leben! Ach. Dort oben stehen. Also bei uns runter ins Tal, dann über die Landstraße, die zur Autobahn führt und dann den Berg rauf. Vorbei an der großen Birke, die jetzt alleine steht. Ihre Freunde sind im Kampf der Holzpreise gefallen. Abgesägt und abtransportiert und vielleicht gerade in diesem Augenblick ist der Stuhl, auf dem ihr sitzt, aus ihnen gemacht. Oh, au. Nich schlimm. Die wachsen nach. Sind die zu groß, haut die nur der Sturm um. Wegen der Klimakatastrophe, die uns den Polarwind geschickt hat. Ich nehme das jetzt mal als Nature-Entertainment.

Die Natur bietet mir einzigartige Schauspiele. Seit Tagen schon. Und eben heute oben auf dem Berg. Himmel in alle Richtungen. 360 Grad Rundum-Blick. Spiel des Lichts, leichte Morgenröte mischt sich ins Wolkengrau. Und mittendrin Herr Cooper und meine Wenigkeit. Ich atme diese kristallklare Luft, erhole mich von der nächtlichen Autofahrt (nachts um ein Uhr auf dem Rückweg von der Nikolaus-Weihnachtsfeier bei Köln). Da lief im Radio dieser Song von Jimmy Somerville von Bronski Beat Smalltown Boy. Könnt ihr euch erinnern?

Wenn ich euch etwas raten darf, was ich jetzt einfach mal mache, dann empfehle ich euch dringendst einen himmlischen Winterspaziergang. Draußen in der Luft ist irgendetwas Gutes. Naturdrogen. Schnee- und Sternenflimmer, der gute Laune zaubert. Und warme Füße. Einmal total durchglühen in Daunenjacke und Wanderschuhen. Dann reinkommen und denken, wie heiß ist es hier denn. Macht mal. Lohnt sich. Jetzt such ich noch eines der Morgenfotos raus. Oder eines von meinem Schneespaziergang gestern mit Ela? Oder mehrere? Ihr werdet sehen. Ciao.

8 Antworten auf „Ah, oh, wie wundervollst wunderbar!“

  1. Hallo Jens,

    wunderbarste Adventskalender-Fotos. Dein Herr Cooper scheint durch den Schnee zu fliegen! Und bei Deinen Fotos fragt man sich, wo ist oben und wo ist unten? Alles scheint miteinander verschmolzen. Schööööööön.
    Bei uns ist der Schnneematsch auf dem Hof und auf den Gehwegen zu gefährlichen Eisbahnen geworden. Der Räum- und Streupflicht wird nur noch selten nachgekommen. Da muß man, wenn man zu Fuß unterwegs ist, schon ein wachsames Auge auf den Boden haben – und natürlich gutes Schuhwerk. Die Krankenhäuser melden vermehrte „Brüche“.

    Aber Du hast recht. Die Winterluft hat etwas Besonderes. Gut eingepackt eine halbe Stunde oder mehr draußen zu verbringen, erfrischt Geist und Körper. Und wenn dann noch die Sonne hervorschaut, sammeln wir Vitamin D und bringen die Seele auf Trab, die ja jetzt in der dunklen Jahreszeit ein wenig leiden kann.

    Ich wünsche Dir einen erfüllten Tag.

    Annegret

    1. Hi Annegret,

      danke für das Kompliment. Freut mich. Der Herr Cooper fliegt tatsächlich über den Schnee. Außer Rand und Band, der Verrückte. Oben und unten ist ja nun relativ, gell Albert. Wie im wahren Leben. Mal biste unten, mal biste oben.

      Was mich ja wirklich erschüttert und was einer Revolution gleich kommt: Deutsche kommen Ihrer Sicherungspflicht nicht nach!!! Wie schön. Revolution. Das Volk erhebt sich. Nicht mehr: Während Revolutionen müssen Köpfe rollen, sondern diesmal Knochen brechen. Die Ärmsten, die es trifft und getroffen hat. Aber wenn damikt eine Befreiung einhergeht! Wenn die Menschen keine Angst mehr haben, mit einem Fuß im Knast zu sitzen, wenn sie nicht mehr streuen. Panik, Hektik, Fußpilz. Schnee auf dem gehweg. ich muss raus, sonst qwerde ich verklagt. Bestraft. Die Pflichten, die Pflichten. Jetzt weiß ich, weshalb mancherorts die Menschen Angst vor Multikulti haben. es könnte sich ein südländisches „Später, später“ einschleichen. Wenn schon kein Klimawandel in südlichen ASusmaßen, dann ein Kulturwandel in die Richtung. Entspannen, sich hingeben. Leidenschaft für die wahren Dinge. Oh, grandios.

      Liebe Grüße

      Jens

  2. Hallo Jens,

    mach Dich nur lustig darüber! Der, wer ausrutscht, findet es bestimmt nicht lustig. Und leid tun mir die älteren Herrschaften, die sich nicht vor die Tür trauen.
    Herr Werbetexter, ein bißchen Mäßigung, bitte.

    Lachende Grüße

    Annegret

    1. Hi Annegret,

      das ist selbstverständluich ein zweischneidiges Schwert. Was mir gefällt, ist der zivile Ungehorsam. Das unpreußische. Selbstverständlich möchte ich nicht, dass irgendwem ein Leid geschieht. Deshalb räume ich zum Beispiel selbst schon unsere Zuwegung und die Treppe. Selbstverständlich. Ich freue mich aber, wenn Deutsche Fünfe gerade sein lassen und entspannen. Vielleicht braucht es ein neues Räumkonzept? Alle sprechen von Innvovationen.

      Liebe Grüße

      Jens

  3. Hallo Jens,

    soso, erkenne ich da einen kleinen Revoluzzer, einen Anti-Preußen? Habe gerade das dazu passende Gedicht von Erich Mühsam (welch ein Name ?!) gefunden. Einfach köstlich! (Einfach googlen)

    Schönen Nachmittag.

    Annegret

    1. Hi Annegret,

      du meinst das mit dem Revoluzzer-Lampenputzer. Ja, ja – wahrscheinlich würde ich auch rufen „Och macht das doch nicht kaputt. Das muss doch nun auch wieder nicht sein.“ Ein Salon-Revoluzzer mit einem guten Glas Rotwein und über die Möglichkeiten der Welt sinnieren. Was nur soll ich tun, es schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Die Sache mit der Gewalt will mir einfach nicht gefallen. Die französische Revolution so mit Kopf ab zack, zack, ne, also wirklich. Einfach nicht nett. Querdenken, neu denken. Sanft verändern. Das ist schon eher meine Revolutionsrichtung.

      Liebe Grüße

      vom Kuschel-Revoluzzer

  4. Hallo Jens,

    verkläre und romantisiere nur weiterhin und verwende auch das Superlativ als Stilelement. Hauptsache du schreibst auch weiterhin so schöne Geschichten und verwöhnst mein Auge mit deinen Fotografien.

    Schöne Grüße

    Raoul

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