Happy Birthday.

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Heute wäre mein Papa 79 geworden. Am Wochenende fahre ich zu meiner Mutter und werde das Grab besuchen. Er fehlt mir. Oft muss ich an ihn denken, dann fallen mir Sätze von ihm ein. Ziemlich viele Sätze, die er mir vererbt hat. Seinen Todestag habe ich vorbeiziehen lassen. Das war mir zu traurig – sein Geburtstag ist das nicht.

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Noch jemand hat heute Geburtstag. Ein Sonntagskind, ein Ostersonntagskind wie ich. Am selben Tag geboren wie mein Papa – 26. März. Auch auf diesem Weg: Alles Liebe, alles Gute. Ciao.

and then they are fourteen

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Zur Ruhe kommen. Die Systeme runterfahren. Seele baumeln lassen, sagt man. War nötig. Bin froh, nun hier zu sein. Die Finger vom Rechner lassen kann ich noch nicht. Die Systeme sind noch oben, wollen produzieren. Output. Fotos. Texte.

Bin auf Schiermonnigkoog. Wieder in dieser großen Wohnung mit vielen Menschen. Freunden, Eltern, Jugendlichen, Paaren aller Altersklassen. Zu vierzehnt. Alles gute Leute, alles einfach, easy. Dienste, Gemeinsamkeit. Eine große WG. Gefällt mir sehr. So könnte ich immer leben. Wo wir jetzt eh ein Wohn- und Lebensprojekt sind.

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Die Anreise war etwas hektisch. Eine Baustelle, eine Umleitung zehn Kilometer vor dem Fährhafen. 20 Minuten Umweg. Unser Wohnprojekt zu fünft im Kombi hat es gerade so geschafft. Der Fahrer ist wie der Transporter gefahren. Dann ging eine dieser Brücken hoch. Segelschiff von rechts. Dreimaster. Uhrenvergleich, Zeitvergleich. Sie verstreicht. Wie Nutella bei 40 Grad. Um die Ecke, auf den Parkplatz. Alles muss raus, die Karre ins Parkhaus. Hundenapf, Taschen, Yogamatten purzeln. Wird sind die letzten. Der Fährmann lächelt. Diese Deutschen. Verrückt, si.

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Zimmer beziehen, Fahrräder mieten, Dienstpläne schreiben, Einkaufslisten, durch den Supermarkt, ein erstes Bier im Hotel van de Werff. Meine Lieblingskneipe überhaupt. Neben Gianni in Vernazza. Meine Gedanken fliegen noch durch Jobs. Donnerstagabend aus der Schweiz zurückgekommen, Freitag die Restjobs durchgezogen. Augen zu und durch.

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Nun hier. Die anderen schlafen. Es ist schön. Über Spotify singt Bowie für mich. Kopfhörer. My island in the sun. Große Strandwanderung. Es ist schweinekalt. Minustemperaturen und Sonne. Vorne am Meer Eis. Brrrr. Am Nachmittag habe ich mich zwei Stunden in den Open-Air-Jacuzzi zurückgezogen. Wollmütze, Sonnenbrille, ein Bier. Barfuß durch den Frost. 40 Grad heißes Wasser. Anfangs, als ich den Deckel abgenommen habe. Dampf, Hitze, Kochtopf.

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Nach und nach kamen die anderen. Gespräche. Zeit reflektieren. Menschen sind das Allerschönste auf der Welt. Vor dem Abendessen, ich hatte später Küchendienst (Geschirr spülen, wegräumen, Küche aufräumen), war ich mit Herrn Cooper am Meer. Das schöne Licht nutzen. Der Wind peitschte den Sand über den Strand. Die Sonne ging unter, eine Robbe flüchtete vor uns ins Wasser. Ein gewagter Sprung brachte uns auf die Sandbank und bis ganz vorne ans Meer.

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So. genug. Müde. Spät. Schlafen. Vielleicht morgen mehr. Auf jeden Fall Meer. Vielleicht bin ich dann so weit runter, dass ich nicht mehr schreiben muss:) Dann hören wir später voneinander. Fotos werde ich weiter schießen. Hier schreit alles nach Klicks. Mach ich die frisch geräumte Karte halt voll. Tschüss, ihr Lieben. Bis bald. Oder später.

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Aufs Eis raus

bowie

The pink one
mit Becks

Das Wort Sorge
mit Teppichmessern
das T-Shirt
zerschneiden

Gewichte lösen
Vergangenheitspiercings
von Brustwarzen

Socken aus
Sand zwischen Zehen
Wind im Haar

Hose
Shorts

Draußen
auf dem Eis

Let me fly away with you
For my love is like the wind,
and wild is the wind
wild is the wind

Die Mauer
gone
Bunker gesprengt
dort hinten
dort
hier
darin

Geritzt
geheilt
Tatoos
verblasst
nur ein Kuss
deine Lippen
wie

Berlin

Eis
an den Füßen
Regen
im Nacken
den Körper runter
Mond hinter Wolken
Sterne Fratzen
deine Hand

leg dich zu mir
küsse meine Brust
hinter unverriegelten Türen
verschlungene Augen

märz 2013

David Bowie – the next day


David Bowie — Where Are We Now? – MyVideo

Lieber David, wir kennen uns nicht persönlich, aber ich muss mich bei dir entschuldigen. Ich war arrogant, oberflächlich, tief konventionell. Und das ausgerechnet dir gegenüber. Ich lief durch Köln, nicht allein, neben mir dein größter Fan überhaupt. Wir kamen aus einer Ausstellung, waren auf dem Weg, wollten in ein Café, eine Bar, etwas trinken. Reden, lachen, du weißt.

Und dann, an der Wand unter der S-Bahn-Brücke nicht weit vom Saturn: Dein Konterfei. Dein Gesicht. Und ich: Bin vorbeigegangen, habe kaum reagiert. Etwas in mir war ignorant gelangweilt. Hat dich abgetan. Bowie ne neue Platte? In eine Schublade vergangene Zeiten gesteckt, weil du seit zehn Jahren keine Platte mehr gemacht hast. Und jetzt. Plötzlich. Bowie Hype. Ausstellung in London. 50.000 verkaufte Karten. Ausstellung schon vor Ausstellungsbeginn verlängert.

Tja. Damit nicht genug. Du bist ins Studio gegangen, hast Songs eingespielt. Eine neue Platte, mit der niemand gerechnet hat. Genau diese Platte steht jetzt schon in über vierzig Ländern auf Platz 1. Das Radio spielt die neuen Songs. Lobeshymnen sind zu hören. Von einem Lebenswerk wird gesprochen, von Unvergleichbarkeit. DER MANN DER VOM HIMMEL FIEL. Ganz ehrlich? Selbst das hatte mich nicht überzeugt, bis ich „Where are we now?“ hörte. Im Radio, im Hintergrund, nur angespielt. Sie brachten dann „Heroes“.

Zuhause hab ich mich auf Spotify gestürzt, habe die Platte durchgehört. Asche auf mein Haupt. Du bist eben David Bowie, genau der, der du immer warst. Wie habe ich das vergessen können? Meine eigene Jugend verleugnen, wo du doch ein Teil davon warst. Jetzt tauchst du wieder auf und deine Stimme, deine Tiefe, deine Empfindsamkeit machen mich glücklich. Wieder. „Had to get the train. From Potzdamer Platz.“ Du hast mal in Berlin gewohnt. Mit Iggy Pop.

„In der Hauptstraße 155 hatte Bowie seine Wohnung – zusammen mit Kumpel Iggy Pop. Man kann das Domizil zumindest von außen besichtigen, es liegt im Vorderhaus, erster Stock. Ja, dort oben teilten sich David und Iggy sieben Zimmer. Ein Duo Infernale, der eine auf Heroin, der andere dem Kokain zugeneigt.“ (Berliner Zeitung)

Du singst über die Zeit. Was für ein schöner Song. Damals. Zur Feier des Tages schaue ich mir deinen Film „DER MANN DER VOM HIMMEL FIEL“ an. Vorher höre ich noch „Heroes“ und freue mich. Du bist zurück. Ja.

Das nächste Top-Model und Alu im Deo

Meine Güte. Kinners, Kinners.

Die letzten beiden Tage war ich wieder in der Schweiz. Jobmäßig. Deshalb Ruhe im Karton und nix im Blog. Anfahrt, Hotel, Meetings. Mitschreiben, mitdenken. Heute Abend kam ich zurück. Business trifft auf Familie. Die Zeiten fliegen, die Orte wechseln. Mails checken, organisieren. Bevor es Freitag los geht, eine Woche Urlaub, ist noch einiges zu tun. Diese letzten Tage sind immer proppenvoll. Und ich bin dran mit kochen nach zwei Tagen Abwesenheit. Vielleicht Frittenbude als Plan B? Wird ein enger Zeitplan, weil ich auch noch packen muss. Tasche auf, Zeugs rein. Stopf. Am Meer muss nix gebügelt sein.

Raus aus dem Auto, rein ins Haus, Sachen ins Büro, Koffer abstellen, Familie begrüßen. Da saßen sie bei Germanys next Top-Model. Per Computer. Livestream. Premiere für mich. Hab mir ein Bier geschnappt und Heidi und Co. bestaunt. Cat Walk, Sexy Walk, Wüsten Walk. Zoe ist Fan. Kennt sie alle, die Mädels. Zittert mit, hofft, dass die Zicken rausfliegen. Also wenn man gerade von der Autobahn kommt, leicht paralysiert ist und das dann sieht, also, wie soll ich das sagen… Tja. Ist schon eine andere Welt. Jim meinte: „Papa, Germanys next Top-Model is sowas wie Fußball für Frauen.“ Ja. Du gewinnst, du verlierst. Gehst als Verliererin vom Platz und fliegst am Ende des Höhenflugs nach Hause. Musste dann mit klar kommen. Oder wirst Weltmeister.

Als dann alle am Ende in ihre Zimmer verschwanden, also nicht die Models, sondern die Herrschaften unseres familiären Wohn- und Lebensprojekts, meinte Jim: „Papa, ab heute sind alle Deos im Haus alufrei.“ „Hä???“ „In Deos ist Alu und Alu ist schlecht.“ „So.“ „Meint Mama. Sie hat alle Alu-Deos beseitigt und neue gekauft. Zumindest hab ich nen Spray bekommen. Also gut riechen tun die nicht.“ „Was ist mit Alu?“ „Da liegt so’n Bericht rum, da steht drin, dass Alu schlecht ist.“ „Gibt es Gründe? Ist da was nachgewiesen oder ist das jetzt so ein Hype?“ „Gibt wohl keine Kohle für Studien. Kannste ja mal nachlesen.“ Nicht heute.

Nee. Die Deos haben schon die Top-Models getoppt. Jetzt is Feierabend. Schluz mit lustig. Ende aus, Mickey Maus. Alu unter den Achseln. Ts. Leichtmetallfelgen unter den Armen. Tiefergelegte Achselhöhlen. Wahrscheinlich sind die Deos dann leichter und der Transport kostet weniger:) Quatsch. Boah ey, bin ich müde. Schlaft gut. Melde mich die Tage. Ciao.