the italian feeling

Occhio

29 Grad. Auf meinem Bett. Hot nights. What a feeling…

Vor allem, wir leben hier auf dem Land, wo Luft geht, wo es nachts abkühlt. Was mag da gerade in Köln abgehen, wo die Hitze in den Häuserzeilen steht, wo jedes Haus ein Nachtspeicherofen ist, der die Sonne des Tages bis in die Morgenstunden bewahrt. Halali. Peng, Peng. Autsch. Da bleibt nur feiern…

So ist es in Italien im Sommer. Allerdings, nicht drei Tage lang, sondern drei Wochen. Am Stück. Und natürlich länger. Blauer Himmel. Ich freue mich. Über dieses Wettergeschenk momentan und auf die Aussichten. Über die Alpen, die Wetterscheide, in den Süden. Dort ist das Wetter blau. Himmelstechnisch. Mal ein Wölkchen, mal ein Regentröpfchen. Vom Kellner als seltene Delikatesse auf silbernem Tablett serviert.

Mein Barometer hier sagt mir, dass die Stimmung fällt. Es steht irgendwo bei 1020 hPa zwischen Tief und Hoch – noch mit Gute-Laune-Tendenz. Fallend. Leicht. Noch. Bin gespannt, was wird. Meine MacBook Wetter-App spricht von 24, 22, 18, 17, 16 Grad in den nächsten Tagen. Das wird eine Umstellung.

ACDC

Denn tatsächlich kann ich mir kaum etwas besseres vorstellen als dieses Wetter. Ja, es ist heiß. Aber: Das mag ich. Sehr. Das ist das italienische Feeling. Raus auf die Piazza, die Nacht zum Tag gemacht. Nach dem Yoga heute Abend habe ich mich ans Meer gesetzt, also in den grünen, grünen Garten, den ich jetzt mal als Äquivalent sehe. Dort habe ich den Herrn Alex getroffen, der mich auf ein AC/DC-Bier eingeladen hat. Highway to hell. Dort saßen wir, über uns die kreischenden Mauersegler im Formationsflug, dann die Krähen, die kurz vor der allgemeinen Vogelnachtruhe einmal kollektiv aufsteigen, um so richtig Pallaver zu machen.

Ach.

Wenn es hier immer so wäre. Hell bis in die Puppen, das Gras trocken, weil es nicht abkühlt und beschlägt. Ohne T-Shirt, barfuß. Himmlisch. Quatschen. Draußen sein. Midsommer, wie mir die IKEA-Werbung im Radio erzählt hat. Die längsten Nächte des Jahres. Ausnutzen!

Irgendwie ist es am Ende dann doch immer wieder Italien, auch wenn ich die Jungs und Mädels dort nicht immer verstehe. Wenn man in einem so schönen Land mit so guten Voraussetzungen, glücklich zu sein, lebt, weshalb wählt man dann Berlusconi? Paradoxie.

Auf jeden Fall merke ich jetzt schon, wie die Azzurri nach mir rufen und locken. Heute zum Beispiel bin ich mal wieder über eine Seite im Web gestolpert, die versuchte, mich über italienische Schuhe zu verführen. Ich konnte kaum widerstehen. Hätte ich nicht gerade die Lederjacke, für die es jetzt viel zu heiß ist… Ach. Elegante Schuhe für Italien, Levanto, abends, Piazza, die Konzerte des Musikfestivals… Ah. Nun gut.

Es sind immernoch 29 Grad und ich muss noch Fotos suchen, um den Beitrag optisch aufzupeppen. Fast hätte ich geschrieben: Schließlich liest das Auge auch mit. Ups. Ist halt heiß. Viel Spaß wünsche ich euch mit der Nacht der Nächte. Macht was draus. Schnappt euch wen. Amors mio:)

10 Antworten auf „the italian feeling“

  1. Hallo Jens,

    Jens ama l’Italia, sogna l’Italia, lui è un tedesco. Ich glaube, Du bist urlaubsreif. Du siehst nur noch ITALIEN. Nee, nee, nur diese Hitze, drei Wochen am Stück, nicht für mich! Wenn man vom Schwitzen abnehmen würde, wäre ich schon gertenschlank. Mit dem Nachschütten von Flüssigkeit kommt man kaum hinterher. Und mein armer Sohn bekommt selbst im Haus Nesselfieber-Attacken vom Feinsten. Houston, wir haben ein Problem! Schickt die Sonne zu Jens Schönlau. Für uns reichen 20 Grad, ab und zu ein feines, kühles Lüftchen, nachts Regen.

    Addio, vacanziere!

    Annegret

    1. Hi Annegret,

      nein, nicht urlaubsreif, nur sehnsüchtig. Weißt du, ich mag mein Leben und meine Arbeit und es ist für mich nicht so, dass der Urlaub sein muss, um aufzutanken oder Reserven aufzufüllen oder so. Für mich ist es einfach ein schönes Gefühl, in Italien zu sein. Das Meer, die Luft, die Düfte, die Eindrücke, die Farben, die Stimmungen. Sensitives Erleben. Ich liebe Highlights. Kicks. Schöne Momente.

      Hitze? Kein Problem. Kälte fällt mir schwer. Dunkelheit. Graue Wolken. Da muss ich kämpfen. Aber T-Shirt-Wetter ist perfekt. Den ganzen Tag barfuß.

      Sollte dein Sohn auch Hitzeauschlag bekommen, habe ich einen Tipp. Darf ich? Also es gibt von Weleda eine Salbe, die ist für den wunden Po von Babys gedacht. Da ist Zink und ich glaube auch Calendula mit drin. Die hat in der Vergangenheit manchmal Wunder gewirkt. Zum Beispiel bei einer Frau aus Amsterdam, die in levanto unsere Zeltnachbarin war und einen juckenden Ausschlag hatte. Wenn das bei deinem Sohn nicht der Fall ist, vergiss es. Vielleicht liest hier jemand mit und kann die Info gebrauchen… Bei uns gehört die Salbe zur Standardausrüstung.

      es sind noch 4 Wochen und ein Tag bis Italien. Wir lesen uns also noch…

      Liebe Grüße

      Jens

      1. Danke für den Hinweis. Ist wohl psychosomatisch. Alle sind mit dem Latein am Ende. Geht schon nicht mehr zur Schule.

        Ich verstehe das mit Italien. Nicht nur Arbeit, Auftanken ist auch wichtig.

        Italienische Grüße

        Annegret

  2. Oh ja, bella italia. Da habe ich auch eine Sehnsucht nach. Ich fahre jedes Jahr meine Freundin besuchen, die in der Nähe von Neapel wohnt. Es ist wunderschön wie sie lebt, mit ihren Tieren und ihren Pflanzen. Meine Kinder sprechen schon von ihrer zweiten Heimat. Und Anna würde nie da weg gehen, aber die Voraussetzungen, von denen du sprichst, sind da unten in Süd-Italien alles andere als rosig. Da kann man schon verstehen, warum die Menschen so seltsame Sachen machen und Berlusconi wählen, den schrecklichen Blender. Der Jugend geht es da gar nicht gut. Es gibt keine Jobs und keine Zukunft, Annas Schwester ist Grafikerin und hat seid Jahren keinen Job, obwohl sie sehr schöne Sachen macht. Annas Freunde sind alle Künstler, Musiker oder sozialengagierte Menschen, die sich irgendwie über Wasser halten, aber den Glauben in die Politik verloren haben. Das ist leider die Situation der Jugend im südlichen Europa. Ich wollte hier jetzt allerdings keine düstere Stimmung verbreiten. Auch ich fahre dieses Jahr wieder und freue mich schon sehr, auch auf die herzlichen Menschen, die ja trotzdem immer weitermachen.

    ciao und herzliche grüße
    Patricia

    1. Hi Patricia,

      Neapel ist natürlich noch mal mehr Italien als Malcesine, Mailand, Levanto, Rom… Sehr lebendig.

      Ich war 1990 dort und ja, die Menschen waren ziemlich arm. Verkauf von Bleistiften an Kreuzungen. Fremde Hände in der eigenen Taache in der U-Bahn. Abends Frauen, die uns in den Gassen gewarnt haben: „Haltet eure Taschen fest!“ Das ist die andere Seite eines Landes, das so viele Perspektiven hat und daraus so wenig macht. Die Künstler. Für die ist es auch hier nicht leicht. Passt nicht so in die Philosophie eines globalisierten Wirtschaftsstandorts. Viel Kohle für große Projekte. Prestige, das glitzert und als weicher Standortfaktor zum ganzen beiträgt. Kunst als Motor gesellschaftlicher Weiterentwicklung zählt nicht so richtig. Innovationen müssen sichtbar sein. Technik verkauft sich, Gedanken nicht. Es fallen viele gute Leute durchs Raster. Sie zählen nicht, weil sie im Sinne einer Industrienation als unproduktiv gelten. Kunst ist Ware, nicht mehr Inspiration, Leitbild, Wegweisung. Es sind keine intellektuellen zeiten, in denen wir leben. Das wird später wieder kommen. Wellen. Sehnsüchte. Tiefe. Ich wünschte mir, es entstünden Kräfte des Neuens, die dann auch Italien wieder nach oben spülen. Die alle nach oben spülen. Ich denke, es ist genug für alle da…

      Ciao und liebe Grüße

      Jens

      1. Ja, das wünsche ich mir auch für Italien und für alle zur zeit gebeutelten Länder, wie auch Portugal oder Spanien. In Italien erlebe ich die Menschen, die ich da kenne, als sehr kreativ, bescheiden und dem Gängigen trotzend. Und man versucht Dinge gemeinsam zu machen, mit ganz schönen ideen. Das finde ich bewundernswert und ich wünschte es würde mehr belohnt werden. Es wird sich sicher etwas ändern, überall.

        (Zur zeit) sonnige Grüße patricia

          1. Claro ca si. Und eine neue Liebe ist ja sowieso das beste Mittel bei Italien-Sehnsucht. (eine alte auch).

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