David Bowie – the next day


David Bowie — Where Are We Now? – MyVideo

Lieber David, wir kennen uns nicht persönlich, aber ich muss mich bei dir entschuldigen. Ich war arrogant, oberflächlich, tief konventionell. Und das ausgerechnet dir gegenüber. Ich lief durch Köln, nicht allein, neben mir dein größter Fan überhaupt. Wir kamen aus einer Ausstellung, waren auf dem Weg, wollten in ein Café, eine Bar, etwas trinken. Reden, lachen, du weißt.

Und dann, an der Wand unter der S-Bahn-Brücke nicht weit vom Saturn: Dein Konterfei. Dein Gesicht. Und ich: Bin vorbeigegangen, habe kaum reagiert. Etwas in mir war ignorant gelangweilt. Hat dich abgetan. Bowie ne neue Platte? In eine Schublade vergangene Zeiten gesteckt, weil du seit zehn Jahren keine Platte mehr gemacht hast. Und jetzt. Plötzlich. Bowie Hype. Ausstellung in London. 50.000 verkaufte Karten. Ausstellung schon vor Ausstellungsbeginn verlängert.

Tja. Damit nicht genug. Du bist ins Studio gegangen, hast Songs eingespielt. Eine neue Platte, mit der niemand gerechnet hat. Genau diese Platte steht jetzt schon in über vierzig Ländern auf Platz 1. Das Radio spielt die neuen Songs. Lobeshymnen sind zu hören. Von einem Lebenswerk wird gesprochen, von Unvergleichbarkeit. DER MANN DER VOM HIMMEL FIEL. Ganz ehrlich? Selbst das hatte mich nicht überzeugt, bis ich „Where are we now?“ hörte. Im Radio, im Hintergrund, nur angespielt. Sie brachten dann „Heroes“.

Zuhause hab ich mich auf Spotify gestürzt, habe die Platte durchgehört. Asche auf mein Haupt. Du bist eben David Bowie, genau der, der du immer warst. Wie habe ich das vergessen können? Meine eigene Jugend verleugnen, wo du doch ein Teil davon warst. Jetzt tauchst du wieder auf und deine Stimme, deine Tiefe, deine Empfindsamkeit machen mich glücklich. Wieder. „Had to get the train. From Potzdamer Platz.“ Du hast mal in Berlin gewohnt. Mit Iggy Pop.

„In der Hauptstraße 155 hatte Bowie seine Wohnung – zusammen mit Kumpel Iggy Pop. Man kann das Domizil zumindest von außen besichtigen, es liegt im Vorderhaus, erster Stock. Ja, dort oben teilten sich David und Iggy sieben Zimmer. Ein Duo Infernale, der eine auf Heroin, der andere dem Kokain zugeneigt.“ (Berliner Zeitung)

Du singst über die Zeit. Was für ein schöner Song. Damals. Zur Feier des Tages schaue ich mir deinen Film „DER MANN DER VOM HIMMEL FIEL“ an. Vorher höre ich noch „Heroes“ und freue mich. Du bist zurück. Ja.

2 Antworten auf „David Bowie – the next day“

    1. Ja, mit der Scheibe habe ich auch nicht gerechnet und bei Bowie hatte ich schon die Schublade „Vergangenes“ offen. Mir gefällt die neue Platte auch ziemlich gut.

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