Junggesellenabschied!

Beim Frühstück bin ich ein wenig in die sentimentale Schiene gerutscht. Unsere italienische Kaffeemaschine träufelte mir gerade einen Cappuccino in eine französische Boule, als ich versuchte, das Radio zu starten. Ein wenig Hintergrundmusik. Dabei fiel mir auf, dass der CD-Player keine Lichtzeichen von sich gab. Der spinnt. Sei ihm verziehen, die Anlage habe ich 1989 während des Studiums von meinem in der Getreideernte verdienten Geld gekauft. 21 Jahre, X Umzüge, tausend Jahre abgespielte Musik im Alltag, auf Feten. Neue CDs, die einen nicht loslassen, Songs, die ich auf Random-Play durchgenudelt habe, bis sie tatsächlich durch waren.

Wie das bei alternder Technik ist, hilft manchmal ein wenig mentale Unterstützung per gezieltem Klaps ans Metallgehäuse. Ich kenne die Stelle. Hinten rechts. Ich schäumte die Milch auf, das Radio spielte Pop. Frischkäse gelang noch in Trance auf mein Brötchen. Und darauf wiederum die Gummibärchenmarmelade aus dem letzten Jahr – ich hatte Stachelbeeren mit roten Johannisbeeren und Himbeeren gemischt und dabei kam das raus, was die Kinder den Gummibärchengeschmack nennen. Ihnen schmeckt’s, klar, mir auch. Leider geht gerade das letzte Glas seinen letzten Gang. Ich führte also in Vorfreude auf den besagten Geschmack das Brötchen zum Mund, als ein Wunder geschah. Nein, es stand keine Maria im Raum oder zeichnete sich in mein Marmeladenbrötchen und ich hatte auch keine Brandmale an den Händen, das Brötchen war ja nicht getoastet. Plötzlich lief Musik aus meiner Jugend. Ein Song, den ich damals rauf und runter gehört habe, als ich so 16 war. Eine andere Zeit, eine andere Welt.

Wie schon gesagt, der CD-Player spinnt. Er war plötzlich angesprungen, hatte das Radioprogramm männlich dominant (der CD-Player) zur Seite geschoben und angefangen „Morning has broken“ von Cat Stevens in den Raum zu werfen. Sofort war ich im Zimmer meiner Jugend. Zeitsprung. Let’s do the Timewarp again! Schöne Musik. Immer noch. Immerwährend. Und dann, ich weiß, es ist ein wenig kitschig, kam dann doch große Sehnsucht nach meinen Lieben auf. Mein persönlicher kleiner Junggesellenabschied nach den letzten Tagen des Alleinseins als arbeitender Familienvater. Ela. Jim. Zoe. Cooper. Morgen kommen sie zurück. Heute Abend treffe ich mich noch mit einem Freund. Ein wenig quatschen über Gott und die Welt. Männergespräche, von denen Frauen so überhaupt nicht wissen, was sie enthalten. Wir werden da selbstverständlich, selbstredend und unbedingt 1.000 prozentig verkannt.

Herrje, noch ein Anhängsel. So ist das beim Bloggen, hab ich vergessen, einzubauen. Einen kleinen Ornothologieausflug. Ihr erinnert euch an Boris und Isabel? Während ich meinen Yogitee gekocht habe, sah ich aus dem Küchenfenster in den Garten. Alles voller Raureif. In einem Kieferngehölz saßen einträchtig beieinander die beiden Elstern, die im Frühjahr vor meinem Schlafzimmerfenster gebrütet haben. Und der Hammer: Neben ihnen ein wunderschöner Buntspecht. Morning has broken. Danke, Cat. Der übrigens so heißt wie meine Heldin aus Elaine. Nur so am Rande. Wird nur anders ausgesprochen.

Euch einen schönen Tag. Ciao.

13 Antworten auf „Junggesellenabschied!“

  1. Es ist doch immer wieder erstaunlich, dass man bestimmte Lieder nach vielen Jahren immer noch mit bestimmten Situationen, Umgebungen und Gefühlen in Verbindung bringt.

    Ich habe da auch so welche. Für das Studium, den Ostseestrand, das erste Auto, die ersten Diskobesuche etc.

    1. Hi LuckyJack,

      ich sehe mein Gehirn als ein Archiv mit Regalen. Da liegen die Erinnerungen verpackt in schönes Papier. Kommt von außen ein Signal, eine Bestellung, geht der alte Bibliothekar zu dem Fach, packt die Erinnerung aus und schiebt den Film ein. Manchmal schön, manchmal Horror. Die Disco-Bilder habe ich auch noch alle. Die erste große Liebe und dann kam der Song. Wow! Hormonausschüttungen, Wallungen, Unbeschreiblichkeit. Und das Beste: Alles noch da!

      Schönen Tag, Jack.

      Jens

  2. Ich kenne auch noch die Songs, die wesentliche Phasen der jungen Jahre begleitet haben. Ich höre das Lied und der Spielfilm geht los. Musik verbindet, in diesem Fall mit Ereignissen.
    Cat Stevens und „Morning gas broken“ war eine Wecklied während einer Jungendfreizeit in Österreich Ende der 70 er. Ich habe es um die Uhrzeit gehaßt, es ist aber doch immer mit damit verbunden.

    1. Jetzt fangen wir allmählich an mit damals. Ein gutes Zeichen, die Midlife-Crisis ist überwunden. Nun können wir Part two mit schönen Erinnerungen genießen und die nicht so schönen Erinnerungen weise ad acta legen. Wäre doch schön, mal einen Abend zusammenzusitzen und sich am Lagerfeuer der Vergangenheit bei einem sehr guten Wein die alten Geschichten zu erzählen… Diese Lied, diese Freundschaft, diese erste Liebe.

      1. Die Midlife-Crisis scheint mich tatsächlich verschont zu haben. Und ich finde es schön auch ein Plätzchen für das damals reserviert zu haben. Kenne aber auch genügend Menschen für die das Damals das Gegenwärtige ist. Das läßt keinen Raum für das heute und morgen.

        1. Mir ist das Damals ganz wichtig. Auch das Damals meiner Vorfahren – meiner Eltern und Großeltern. Ich bin auch der Meinung, dass das nicht ausgrenzen sollte. Ich mag nicht über Rap oder Techno oder hängende Hosen schimpfen. Viele Generationenkonflikte sind unnötig. Natürlich brauchen die Kids die Möglichkeit, rebellieren zu können. Schließlich müssen die ja leren, sich für ihre Meinung und ihre Interessen einzusätzen. Aber da muss ja keine Prinzipienreiterei draus werden.

          1. Ganz deiner Meinung, die Wurzeln sind mir auch wichtig und jede Generation lebt die Dinge anders aus, als die vorhergehende. Das ist gut und notwendig.

  3. Guten Morgen, Nachtarbeiter Jens,

    ja, ihr armen Männer! Inwiefern werdet ihr verkannt? Jetzt aber Butter bei die Fische. Und eure Männergespräche werden wahrscheinlich genauso sein wie unsere Frauengespräche – über Gott und die Welt und das andere Geschlecht.

    Frostige Grüße

    Annegret

    1. Hi Annegret,

      ich hoffe, die frostigen Grüße gelten nicht mir. Wer sprach von armen Männern? Es ist ein Reichtum, ohne es in Abgrenzung zu anderen Geschlechtern zu sehen. Eine Tatkraft mit der Möglichkeit, Innerlichkeit zu entdecken. Ich habe mit meiner kleinen Anmerkung auf der Klaviatur des Mann-Frau-Gegensatzes gespielt. Das löst Lächeln oder Proteststürme aus. Ja, ein wenig platt. Aber so funktionieren wir Menschen. Auf Knopfdruck.

      Wärmste Grüße

      Jens

  4. Es st immer wiederverstaunlich was Musik für eine Mahct ausübt. Es wühlt Erinnerungen in einen auf wo mandenkt die wäre vieleicht vergessen,aber sie sind immer da und werden wie ein Impuls im Leben immer wieder aktiviert, mit Guten und mit Schlechten Gefühlen und Erinnerungen,aber ich denke so muss das sein.

    Interessant wie du deinen Morgen um dich herum aufnimmst und beschreibst. Durch die dicke Nebeldecke kommen langsam die herbstlichen Sonnenstrahlen hervor, und die Häuser werden wieder sichtbar, hatte ich doch das Gefühl wir wäre das einzigste Haus heute morgen auf der Welt,weil nichts zu sehen war.

    1. Hi Eifelsternchen,

      eine lustige Anrede. Musik ist ganz schön kraftvoll. Zum Beispiel, wenn man gemeinsam singt. Ich würde gerne in einem Chor singen, bin aber schon so die Woche über „ausgelastet“. Fußball, Muckibude – sonst setze ich als Schreibtischarbeiter an und werde fett. Und wenn dann die alten Songs kommen und ich an dieses gefühl energiereicher Jugend denke, ne, ne.

      Vielen Dank für den Kommentar und einen schönen Tag wünsche ich dir

      Jens

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