YES!

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Einfach mal JA sagen. Ich meine, is ja nicht so populär, JA zu sagen. JAsager sind Warmduscher. So allgemein genommen. Also ist das NEIN – man muss auch mal NEIN sagen können – irgendwie ein Hauch wertiger. NEINsager sind vermeintlich stärker. Auf den ersten Blick. Oder eben einfach nur wütender oder schlechtgelaunter. Wie mans im Einzelfall nimmt. Eben nicht zu allem JA und Amen sagen. Das impliziert: Wer JA sagt, muss auch B sagen. Quatsch, wieder falsches Sprichwort. Wer JA sagt, ist schwach. Alles Unsinn natürlich, weil das JA-Wort wiederum hoch im Kurs steht. Und letztlich muss man eh entscheiden, in der Situation. Nur auch hier gibt es, das möchte ich eigentlich sagen, den konventionellen JA-NEIN-Reflex, bei dem wir erst einmal automatisch ein wenig zum NEIN tendieren. Abwarten, Tee trinken, JA kann man immernoch sagen.

Für mich ist heute ein JA-Tag. Nicht weil ich im Rewe preiswerte No-Name-Produkte mit dem Namen ja kaufe, sondern weil es ein schöner Tag ist. JA. Und das empfinde ich nicht nur, das wurde mir auch schriftlich bestätigt. Mit einem YES-Törtchen. Das mit der Kerze und dem Geburtstag. In großen LETTERN. Es war lange weg vom Fenster und nun, plötzlich, ist es wieder da. Revival. Totgesagte Törtchen leben länger. Nun, JA, das ist von dieser bösen Firma, die nach Weltherrschaft strebt? Oder so. Wie war das jetzt? Weshalb darf ich das nicht kaufen? Die machen was? Auf Kosten vom wem? Nicht wirklich nett? Ach JA, ist mir entfallen. Ich werde rund um das Thema politische Korrektness müde. Im Laufe der nächsten Woche werde ich 48 Jahre alt und habe dann Jahrzehnte Straßenkampf hinter mir – eher an WG-Tischen ausgetragen, an denen morgens Spuren der Verwüstung zu sehen waren. Leere Bierflschen, volle Aschenbecher, die von hitzigen Weltrettungsdiskussionen zeugten. Schuld waren immer die. Zum Beispiel die oben, weil irgendwer gehört hat, dass die in Afrika… Afrika kam immer gut.

Und nun? Schäferidyll. Ruhe. Draußen singen die Vögel. Heute Morgen war ich mit Herrn Cooper zunächst im Garten und habe eine alte Baumwurzel, die mich schon seit Jahren beim Rasenmähen stört und die auch irgendwie hässlich aussieht, ausgegraben bzw. animalisch martialisch aus dem Boden gerissen. Mit der Spitzhacke. Und meinem Fällheber von Stihl, den ich quasi umfunktioniert habe. Ich musste die Dauenjacke ablegen und die Wollmütze auch. Alles raus. Keine trockene Restwurzel mehr im Boden. Verfüllt, glatt gezogen. Die erste gute Tat. Ein guter Moment. Jackpot.

Dann sind wir runter ins Tal, Herr Cooper war schon ein wenig genervt, weil alles so lange gedauert hat und er kein Freund von Gartenarbeit ist, die mich okkupiert. Also tänzelte er im Garten, versuchte sich wegzuschleichen, tat es auch, kam zurück. Hin und her. Unten im Tal dann fiel mir auf, dass das Zuhauselassen der Kamera ein Fehler war. Die Sonne ging auf. Vorne eine Tautropfen bedeckte Wiese mit einem kleinen Bach und nach hinten hin größer werdenden Weiden. Dahinter ein Fichtenwald, hinter dem es leuchtete – die offizielle Ankündigung eines bevorstehenden Sonnenaufgangs. Das ist etwas, was es nicht wirklich to-go gibt. Muss man dabei sein, am besten live. War ich. Zehn Minuten, Herr Stoiber, stand ich da und blieb, obwohl ich in der Zeit vom Flughafen, also wenn man…

Es war schön. Die Vögel zwischerten kitschig in die Runde. Total aufgeregt. Was tun? Erst Nest baun und dann Partner suchen, oder erst… Oder was? Ein Chor der Verrückten, Liebesgetriebenen. Überall ein wenig Nebel und noch Restschnee in Form von glitzernden Karibikinseln. Die Sonne stieg, lugte hervor, warf mir erste Strahlen ins Gesicht. Unaufhaltsam. In your face. Oh. Das ist aber freundlich von Ihnen, Madame Sunshine. Ich stand, sie stieg, ich schaute, sie strahlte. Immer mehr. Also sie, nicht ich. Ich stand ja unverändert. Dann war sie ganz oben und es kam eine Wolke von rechts. Typ Regenwolke im grauen Anzug – Typ Banker, Spaßverderber. Aber, zunächst brachte die Wolke die Sonne zum Glühen. Aus Gelb wurde Rot. Toller Trick, Mr. Nature-Copperfield. Hat mir gefallen und so ging ich gut gelaunt nach Hause. Diese Sonne ist nun wirklich magisch, was die mit ihrem zauberhaften Lächeln bewirken kann. Chapeau. Zuhause bekam ich das YES-Torty und ich konnte nur sagen: JA. Gerne. Euch wünsche ich auch einen schönen JA-Tag. Viel Spaß und Freude. Let the sun shine.

Morning has broken 3

8 Antworten auf „YES!“

  1. Hallo Du ;) Klingt nach einem tollen Erlebnis. Unglaublich gut geschrieben, gefällt mir :) mach weiter so. Ein Muntermacher, Gedanken -Anreger, einfach klasse. Merci :)

    1. Hi, ja war es:) Eigentlich ist es immer schön draußen, selbst bei Kälte oder regen, aber wenn die Sonne aufgeht, geht die Sonne auf. Gerne geschehen. Wünsche dir einen schönen Tag.

  2. Hallo Jens,

    auf Nestle stehe ich nicht so, nachdem ich einen Bericht über Nestle-Wasser gesehen habe. War ganz schön krass. Dein schöner Post, lieber Jens, hat gleich ein bißchen gute Laune mitgebracht, so wie Du erzählt hast. So was lese ich gerne beim zweiten Kaffee – trotz Nestle. Und schwup-die-wupp tauchen ein paar Sonnenstrahlen auf dem Balkon auf. Kann nur durch Deinen Gute-Laune-Anschubser kommen!

    LG
    Annegret

    1. Hi Annegret,

      ah, das Wasser. Gute Laune dürfen wir uns jetzt – und natürlich immer – gönnen. Langer Winter, der schwer lag. Auf allem. Ab und an strahlt hier die Sonne ins Fenster. Yippie.

      Liebe Grüße

      Jens

    1. Hi Gitta,

      du spannst mich auf die Folter. Ups, was hab ich denn jetzt gemacht? Bin sehr gespannt.

      Wünsche dir ein schönes Wochenende.

      Liebe Grüße

      Jens

  3. Schönen Frühlingsmorgen Jens!

    Also manchmal ist das wirklich sehr lustig mit dir!!!Und das ging mir wirklich schon oft so beim Lesen deiner Welt! Gerade gestern sprachen wir über die Erinnerung an Yes „Törtis“. Ein kleiner Austausch im Garten, bei Sonnenschein.
    Ts, Paralleluniversen scheint es wirklich zu geben. Immer wieder. Haarscharfe Nähe gleicher Geschehnisse, Themen, Gefühlswelten.
    Bin ehrlich beeindruckt und freu mich wieder aufs Lesen deines Blogs. War nämlich, wie schon neulich, fast einmonatig (oder länger?) Internetmäßig im Retreat, sozusagen, unfreiwillig-freiwillig.

    Liebe, liebe Grüße in deine Welt, an dich natürlich auch-:)
    sarah

    1. Hi Sarah,

      das ist wirklich lustig. Also leben wir definitiv in der selben Matrix. Xc-3ü-%67-9xx. Also werden wir wahrscheinlich auch beamen und per Spacetaxi fliegen können. Muss mal gucken, ob ich da was finde:)

      Wünsche dir einen schönen Echt-Frühlings-Anfang.

      Liebe Grüße

      Jens

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