Leinen Los! Freiheit für Herrn Cooper:)

Flugcooper

arriba, arriba…andale…

Ab und an muss ich mit dem Jäger meines Vertrauens ein kleines morgendliches Gespräch über den Sinn und Unsinn von Leinen führen. Er hätte gerne, dass sich Herr Cooper ausschließlich kontrolliert durch eine uns verbindende Leine durch die Natur bewegt. IMMER! Wegen des Wildes, das Cooper jagen könnte. Ich sage dann: Mein lieber Herr Jäger, mein Hund ist erstens ein Kuschelhund mit Familienanbindung (sehen sie ihm einmal in die Augen), zweitens wurde er als Retriever gezüchtet, wodurch er sich mehr für die ganze Sache nach der Jagd interessiert (Stöckchen bringen und so oder mir seinen Stoffhund – den wir Hasen nennen – vor die Füße legen und wedeln) und drittens hab ich vergessen, ah nä, doch nicht: Also drittens habe ich ihn jetzt seit acht Jahren und in der Zeit habe ich die Erfahrung gemacht, dass er zum Beispiel den Weg vor uns passierende Rehe nicht wahrnimmt. Also. Kein Interesse an Rotwild (was man vom Jäger nicht sagen kann. PENG!)

Also lasse ich ihn weiter frei laufen. Denn es gibt für Herrn Cooper keine generelle Leinenpflicht, weil er kein Kampfhund ist. Irgendwie so gar nicht, obwohl manche Menschen vor ihm Angst haben, weil er schwarz ist und einen recht großen (hübschen) Kopf (mit sanften Augen) hat. Wer Hunde kennt und mag sieht sofort, was für einer er ist. Ein durchaus feiner Kerl (Ich weiß, sagen alle.).

Nun möchte ich aber natürlich niemanden ängstigen und nehme so weit wie möglich Rücksicht. In Köln, im Restaurant oder in Parks nehme ich ihn selbstverständlich an die Leine, was er nicht so gut findet. Er braucht einfach Auslauf. Er läuft immer mindestens die doppelte Strecke, weil er hierhin rennt, dorthin. Schnuppert, markiert, nach Essbarem sucht. So das ganze Hundeprogramm. Das kann ich ihm an der Leine nicht geben, weil ich dann permanent über Zäune und durch Bäche müsste. Oder ich würde ihn einschränken, doch das hätte einen entscheidenden Nachteil. Ich antizipiere: Er würde unglücklich und unzufrieden werden. Und unzufriedene Hunde sind nicht gut (da sind sie dem Menschen sehr ähnlich).

Die Hunde, die dauernd angeleint sind, diese wilden, heiß gemachten Kampfhunde oder auch die gedrillten Jagdhunde (die ja aggressiv sein sollen, weil sie sich zum Beispiel mit Wildschweinen auseinandersetzen), die rasten schier aus, wenn man ihnen im Wald begegnet. Die haben richtig schlechte Laune. Klar: Schnur um Hals, Gefängnis dran. Weil man für die eben einen Waffenschein bräuchte.

Man muss einfach gucken, wie ein Hund drauf ist und welche Gefahren von ihm ausgehen. Neben der natürlichen Veranlagung spielt da die Sozialisation und Erziehung eine große Rolle. Die Zeit hat kürzlich in einem wunderbaren Optimismus-Dossier berichtet, dass die häusliche Gewalt in Deutschland zurückgeht. Weshalb? Unter anderem, weil nicht mehr geschlagen werden darf. Das hat zu einem besseren Verhältnis zwischen den Generationen geführt. Ach nee.

Menschen. Hunde. Wenn ich meinen Hund prügele, um ihm Pfötchengeben beizubringen, macht das die Sache natürlich auch nicht besser. Da muss dann später die Leine her, weil der arme Kerl das weitergibt. Und wer Kinder und einen Hund im Haus hat, muss einfach ein paar Dinge wissen. Der Hund fühlt sich im „Rudel“ (so sieht er das) über die Kinder gestellt. Das gibt ihm das vermeintliche Recht, die Kinder zu dominieren. Durch Knuffe oder kleine Bisse. Geht natürlich nicht, weshalb man konsequent zeigen muss, dass die Kinder tabu sind. Das ist eine wichtige Aufgabe für den Anfang. Und dann muss man ihm immer wieder sagen: Ich mag dich, aber du musst dich im Rudel hinten anstellen. Du bist nicht der Boss. Das sind Kleinigkeiten im Alltag – der Hund bekommt mittags als Letzter zu essen. Er geht als Letzter aus der Tür. Das hört sich unfreundlich an, hilft ihm aber, seine Position zu erkennen und sich nicht auf Alphatier-Spielereien mit Provokationen einzulassen. Auch der Herr Cooper hatte da so seine Vorstellungen und Allüren als junger Wilder. Wir haben in der Zeit viel miteinander geredet:)

Man kann einiges tun, dass ein Hund auch ohne Leine in der Welt funktioniert. Ist meine Erfahrung. Und wenn ich im Wald sehe, dass Menschen kommen (was selten der Fall ist), nehme ich ihn am Halsband, damit er nicht freudig auf sie zustürmt – das berühmte „der will doch nur spielen“. Zweimal ist mir das nicht gelungen: Einmal hat er einen Golfball apportiert, was den gut gekleideten Golfer so gar nicht amüsiert hat und einmal hat er bei einem Wanderer in den Bergen Elbas ein Jack Wolfskin-Logo auf der weißen Hose hinterlassen, weil er erst durch eine Pfütze gelaufen ist und dann den werten Herrn angesprungen hat. Beides war ziemlich peinlich! Der Golfer hat seinen vollgesabberten Golfball recht entrüstet entgegengenommen (Sorry!), der Wanderer hat sich kaputtgelacht (Danke!). Herr Cooper liegt jetzt hier und pennt. Leinenlos und völlig tiefenentspannt – der macht nämlich jeden Morgen nach dem Aufstehen Yoga. Downdog. Tatsächlich. Perfekte Haltung.

4 Antworten auf „Leinen Los! Freiheit für Herrn Cooper:)“

  1. Hallo,
    ich lese die Artikel über Herrn Cooper immer sehr gerne. Aber immer öfter denke ich, was macht denn der Herr Schönlau falls Herrn Cooper jemals etwas zustößt…..
    Viele Grüße
    Angelika

    1. Hi Angelika,

      darüber mache ich mir Gedanken, wenn es soweit ist. Aber: Mittlerweile habe ich in meinem Leben erfahren, dass Vergänglichkeit ein Grundmuster irdischen Daseins ist. Am nächsten Tag geht die Sonne auf, du gehst zur Arbeit und hast die Erinnerungen. Cooper ist für mich geschenkte Zeit. Es hätte auch sein können, dass wir gesagt hätten „Och nö, lieber keinen Hund“, dann hätte ich ihn nie kennengelernt und würde morgens nicht meine Waldrunden mit ihm ziehen. Es ist, wie es ist, es kommt, wie es kommt. Ich habe keine Angst, weil sie einen Schatten auf die schöne Zeit werfen würde.

      Liebe Grüße

      Jens

  2. Guten Morgen lieber Jens,
    was für ein schönes Bild vom lebenslustigen Herrn Cooper! :-D
    Danke für die Infos zur Hundeerziehung, vieles habe ich nicht gewußt. Zugegeben ich bin eher der Katzenmensch, jedoch Wissen schadet nicht ;-) Hier scheint !endlich! die Sonne :-))))
    Ein wunderschönes, sonniges und warmes Wochenende wünsch ich dir!
    Liebe Grüsse, Danièle

    1. Hi Danièle,

      jetzt habe ich doch diesen Kommentar übersehen. Sorry!

      Katzen mag ich auch. Als Kind hatte ich eine, die nur mir gehörte. Mit ganz vielen Farben und Mustern. Ich denke, wenn man einen Hund hat, ist es gut, ein wenig über die Kerle zu wissen. das hilft allen.

      Liebe Grüße

      Jens

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.