That’s the way of german Heimat…

home made:)
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Hoch verehrtes Publikum, heute präsentieren wir Ihnen eine Darbietung, die Sie in die tiefen unseres Landes führt und sich mit dem ambivalenten Begriff HEIMAT auseinandersetzt. Heimat ist da, wo ich bin? Oder was?

Heute Früh erreichte mich ein Kommentar aus San Francisco. Von Ute. Herzlichen Dank! Sie ist Weltenbummlerin und Kosmopolitin, die gerade wieder umzieht. Nach Michigan.

„Hallo Jens, leider sehe ich erst heute, dass Du geantwortet hast. Ist ja nicht immer so einfach, mit dem Internet… Auf jeden Fall sei Dir an dieser Stelle für Deine Berichte aus meiner alten Heimat gedankt. Immer wenn ich mal genug habe, vom amerikanischen Lifestyle, schau ich bei Dir vorbei und geniesse Deine Einblicke in den deutschen Alltag. 200 Einwohner? Meine Güte, das ist ja wirklich klein, da kennt dann wohl jeder jeden, oder? Ganz das Gegenteil zu meinem Leben, wo durch die ständigen Umzüge jegliche Bodenhaftung verloren gegangen ist. Manchmal, so wie jetzt z.B. – kurz vor dem grossen Umzug – tut das weh und dann ist es schön, sich zumindest auf seine kulturellen Wurzeln zu besinnen. Tja, und dann bin ich eben zu Besuch in Deinem Dorf :)

P.S. Ha, diesmal habe ich unten auch das kleine Kästchen benutzt, das mich bei weiteren Kommentaren mit einer Email versorgen wird!“

Als ich ihren Kommentar gelesen habe, kam meine alte Heimatfrage hoch. Wo ist meine? Ich werde manchmal gefragt, wo ich eigenlich her komme. Ich frage dann nach der kurzen oder langen Version? Manchmal sage ich: Ich bin in Kaisersesch in der Eifel aufgewachsen. Oder: Ich bin in Meppen an der Ems geboren. Oder: Meppen, Recke, Kaisersesch, Montabaur, Koblenz, Aachen, Mannheim, Köln, Nosbach. Köln kommt immer gut, kennt jeder, mag jeder. Irgendwie.

Nur Ausland fehlt. Komplett. Als wir 2006/2007 in Neuseeland waren, hat es kurz gejuckt. Als dann noch die Wesslings dorthin ausgewandert sind, da kribbelte es schon sehr. Aber, im Grunde habe ich mich längst anders entschieden. Diese alte Schule, dieses kleine Dorf, dieses Leben auf dem Land ist zu meiner Heimat geworden. Seit 15 Jahren lebe ich hier. Und auch, wenn ich für einige noch der Zugezogene aus Köln bin, der Städter, so bin ich doch angekommen. Gehe hier meinen Weg. Täglich ins Tal. Vorbei an den Weinbergschnecken und den Hasen. Den Weg runter ins Maikäfertal, wo mich die Rinder begrüßen und dem Herrn Cooper und mir ein Stück weit folgen, sofern sie nicht gerade auf der anderen Bachseite sind und es scheuen, den Rio Grande zu überqueren.

Heute Morgen war ein sehr schönes Licht. Manchmal blinzelte die Sonne durch die Wolken und leichter Wind ließ Sonnenfelder über die Wiesen wandern. Fast jeden Tag sehe ich dieses Tal und doch ist es immer anders. Im Wechsel der Jahreszeit, im Verlauf der Jahre. Nuancen und auch Einschnitte, wie der Kahlschlag am Hang.

HEIMAT. Ein Wort, dass wir Deutschen reichlich strapaziert haben. Eigentlich ein schönes, warmes Wort, das leider von Idioten diffamiert wurde. Heimatfront, Heimatbrigade. Heimat von Deutsch-Südwest-Afrika über Stalingrad bis zum Atlantikwall. Da hat der Begriff sehr gelitten und wurde mit der Tendenz versehen, Heimat mit Stiefeltritten oder mit Jägerzaunallüren a la Deutsche-Demokratische-Republik-Mauerbau-Heimatvorstellung (mal lieber was drum machen, damit keiner rein kommt, äh, raus kommt) zu kombinieren. Nun kann man ja schmutzige Wäsche waschen und Worte auch wieder zurückholen. HEIMAT gehört ja nicht den Dumpfbacken, die das nationalistisch engstirnig ausgrenzend sehen. Heimat ist ein persönlicher Begriff, der die individuellen Wurzeln beschreibt. Dort, wo man her kommt, wo man gerne ist, wo die Erinnerungen entstanden sind und entstehen. Die wichtigen, wertvollen. Für mich also hier. Nosbach. Für andere sonstwo.

Ich freue mich, eine Heimat zu haben. Heimat in mir. Für mich, der schon fast entwurzelt war, eine gute Entscheidung, sesshaft geworden zu sein. Einen Ort gefunden, kreiert, entwickelt zu haben. Was auch passiert, diese Wurzeln werden bleiben. Die kann ich mitnehmen, wohin auch immer mich die Zukunft bringen wird… Die Fotos zeigen den Weg, den ich heute in der Früh mal wieder mit Herrn Cooper gegangen bin. Erst in den Garten zu Elas Salatbeet, das sie dieses Jahr rund angelegt hat und das gerade mit Salat nur so um sich wirft. Alle Sorten. Ruccola, Lollo Rosso, Bianco, Eichblatt, Rauke… Sehr lecker. Heimat kann man eben auch essen:)

Dann vorbei am kleinen Zoo mit den Schnecken und Hasen ins Tal. Mit kleinen Blümchen am Wegesrand und Sonnenspiel über allem. Süß. Viel Spaß damit. Und jetzt gehe ich Pizza backen für die Familie:)

snail in jail
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white heroe:)
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my way
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flower power
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8 Antworten auf „That’s the way of german Heimat…“

  1. Hallo Jens,

    ich will sofort raus aus der Stadt, wenn ich Deine grünen Bilder sehe. Nein, nicht wirklich. Ich habe um mich herum Grün. Wenn ich mehr haben will, fahre ich zur Schwiegermutter in den Garten oder zu meinen Eltern nach Hause. Ja, Heimat ist da, wo man sich wohlfühlt.

    Danke für die schönen Eindrücke.

    LG
    Annegret

    1. Hi Annegret,

      hier regnets gerade- Und das tut es öfter, weil wir höher liegen und sich hier vorbeiziehende Wolken vom Atlantik erleichtern. Pisswetter, das schön grün macht. Ist nicht alles Gold, was glänzt. Aber dennoch ist es schön und ich für mich kann sagen: Ich liebe es.

      Ich wünsche dir ein schönes Wochenende

      Jens

      1. Hallo Jens,

        bei uns hat es nach der Pseudo-Sonne gestern auch geregnet. Jetzt ist alles ganz frisch, die Luft gereinigt. Nächste Woche soll es heiß werden. Bin gespannt.

        Schönes Wochenende.
        Annegret

        1. Hi Annegret,

          der Regen geht, die Sonne kommt. Zeit für einen schönen Cappuccino draußen auf der Treppe und dann noch letzte Wörter verticken und ab ins Weekend mit Lieblingsbesuch.

          Liebe Grüße

          Jens

  2. Hallo Jens,

    wenn ich diese saftig, unverschämt (nein, nein) grün sprotzenden Bilder sehe, die du so täglich sehen kannst, wenn du es willst bekomme ich: FERNWEH! SEHNSUCHT! Und noch ein anderes, merkwürdiges Gefühl, für das ich gerade kein Wort habe. Es könnte eine Mischung aus: es resoniert ein: das kenne ich genau Gefühl-gepaart mit einem Duft glaube ich, den ein Wind trägt, der nach Erde, Regen, Wolken, Sonne riecht, schmeckt. Ja, und so was wie, das könnte auch meine Heimat sein. Die äussere. Denn die habe ich, glaube ich, gar nicht. Aber so und ähnlich stelle ich sie mir vor.:) Ist da noch ein Meer um die Ecke und ewige sandige Grasdünen? Achja… .
    Also dein Eintrag heute ist Balsam für meine heutige, gefärbte Stadtseele. Eine Wohltat für meine Augen, eine Freude fürs Herz… . Ehrlich! Und das Salatbeet und Schneckenzoo, Häschen in der Grube und natürlich Herr Cooper neben Rindern auf Wiese(!) und zu guter Letzt das lila Blümchen, eingebettet in viele weisse. So schön! Zimmer vermieten. Das wäre doch auch was! ;)

    Einen schönen Abend in der Alten Schule wünsch ich dir/ euch!

    1. Hi Sarah,

      ja, es ist schon mächtig Grün hier. Vor allem nach einem feuchten Frühjahr. Hier kommt viel Wasser runter, das alles Grün macht. Der Atlantik regnet sich ab. Heute hat es sooooo geregnet und es regnet immer noch.

      Diesen Geruch gibt es öfter hier. Manchmal ist der auch moosig. Würde ich jetzt rausgehen, hätte ich ihn in der Nase. Ein Foto habe ich noch vergessen. Merle. Allerdings war Merle heute nicht auf der Weide. Habe ich kürzlich fotografiert. Ein Fohlen. Sehr jung, sehr süß, sehr weich, sehr kuschelig, sehr frech. Hat mich ins Bein gezwickt. Da sind wir beide vor Schreck auseinander gestürmt. Autsch! War aber nicht schlimm. Merle hieß vorher Bitte, aber der Name stieß im Dorf auf Kritik, weshalb Gitte nun Merle heißt. Geschmackssache.

      Ich wünsche dir auch einen schönen Abend!

      Liebe Grüße

      Jens

  3. Lieber Jens,

    schöner Artikel. Er entlastet mich ein bisschen – vielleicht werd‘ ich mich auch wieder einmal trauen, das Wort Heimat zu gebrauchen… Auch wir ÖsterreicherInnen sind ja sehr belastet.
    Lange war Heimat für mich ein „du“; ist es heute noch für einen großen Bereich. Mit den Jahren allerdings kommt das Bedürfnis nach einem Verwurzelungsort, der Heimat nicht nur emotional ‚irgendwo/irgendwie‘ festbinden soll, sondern auch räumlich. Nun bin ich vor ungefähr einem Jahr umgezogen, und dieser Ort sollte es dann sein und bleiben. Ich merke, ich beginne ‚diese Insel in der Stadt‘ mir langsam anzueignen. Wurzelchen keimen. Mehr ist es noch nicht.
    Und zu mir gehört wohl auch die Sehnsucht nach dem Land; du erinnerst dich: das alte Haus. Ich vermisse es sehr. Hin und wieder halte ich Ausschau nach so einem Ort; ich finde keinen (sie sind rar geworden; es war damals schon ein kleines Wunder, dass wir so einen besonderen Ort mit diesem wunderbaren „geschichts- und Geschichten-vollen“ Haus gefunden haben).

    Die Ambivalenz Stadt-Land muss ich mit mir ausmachen. Ganz weg würde ich nicht wollen; eine solche Übersiedlung würde bedeuten wieder einen neues soziales Umfeld aufzubauen – aller Flexibilität und neuer Medien zum Trotz – und das will ich nicht noch einmal. Beides: Stadt und Land geht sich leider nicht aus…

    Aber wie gesagt: ein bisschen schau‘ ich dennoch immer wieder. Vielleicht tut sich ja wieder jeder Vernunft doch ein kleines Wunder auf…

    Viele liebe Grüße in deinen Tag
    filo

    1. Hi filo,

      ich habe mir mit der Antwort etwas Zeit gelassen.

      Heimat ist ein wichtiger Begriff, der zu unserer Seele gehört, aber leider entrissen wurde. Für mich bin ich den weg gegenagen, mir das Wort zurückzunehmen und es in seiner schönen Bedeutung zu pflegen.

      Dein Haus, damals, das war ein besonderes Stück Heimat. Es hatte mir so gut gefallen, das ein teil von mir mit eingezogen war. Ciele Bilder deines Blogs, deiner Inszenierungen an dem Ort, habe ich noch im Kopf. Und ich kann mir vorstellen, dass du dort immer noch ein wenig weiter wohnst in langsam verblassenden Erinnerungen.

      Gut. Man muss auch den Cut leben können. Neue Heimat. Anders. Das wird für mich vielleicht eines Tages auch gelten. Aber ich weiß, dass ich alles, was ich hier erlebt und an Ruhe gefunden habe, mitnehmen werde. Wohin es mich auch treibt. Die Bilder sind stark und gut. Der Brunnen im Haus, der immer wasser führt, ist neun Meter tief. In die Erde gemauert. Das ist nur eine metapher dafür, wie viel Tiefe dieses ehrwürdige Gebäude hat, in dem ich ein Teil meines Lebens verbringen darf. Auch wenn wir es gekauft haben, sind wir nur Gäste. Es wird noch stehen, wenn ich lange weg bin.

      Ich wünsche dir, dass sich ein wunder auftut und du ein klein wenig wieder einen solch beflügelnden Ort wie dein altes Haus findest…

      Liebe Grüße

      Jens

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