Und dann doch am Ende billig, billig, viel zu billig drangekommen…

Mann_Hemd

Früher hieß das: Eine Jacke für den Übergang. Ich weiß nicht, wie oft ich in meiner Kindheit diesen Satz gehört habe. Für den Übergang. Wenn es nicht mehr schweinekalt, aber auch noch nicht hundewarm war. „Ach, der Übergang!“ Und umgekehrt. Wie lange dauert das? Wann fängt der Übergang an? Wann hört er auf?

Egal. Auf jeden Fall, ich brauchte so eine Jacke. Kürzlich. Weil die Daunendinger tatsächlich zu dick waren und ich außer meiner Softshell keine dünne Juppe habe. Keine dünnere. Also habe ich geforscht. Online. In die Stadt in die Fußgängerzonen zu ziehen, das schaff ich nicht mehr. So rein mental. Da bekomme ich schlechte Laune, Pickel, Kopfschmerzen, Übelkeit und Zuckungen. Ja, Zuckungen. Zwei Geschäfte mit Saunatemperatur, Bedienstetenparfümschwaden und Unruheatmosphäre wie in einer Einjährigen-Krabbelgruppe. Neeee!!! Kurz: Ich spar mir das.

Also den Finger auf die Maus, durch die Ladentür gesurft, die Pop-up-Verkäufer/innen weggeklickt und entspannt gestöbert. Nun wissen wir ja, das Prism mitstöbert und diese Online-Schweineläden Cookies setzen, die nachschauen, was man so macht. Und später, ganz zufällig, auf einer ganz anderen Seite, taucht so am Rande eine Werbung auf, die genau den Artikel anpreist, den man sich vorher angesehen hat. Wunder über Wunder.

Ich denke dann immer: Reg dich nicht auf. So isses. Auf jeden Fall nahm in dieser Geschichte die Geschichte ihren Lauf. Ich war in diesem Laden, der mich schon kennt und deshalb wusste, dass ich da war. Dort hatte ich eine Lederjacke erspäht. Genau, für den Übergang. So eine, wie ich sie schon lange gut finde. Bingo, mein inneres Kaufzentrum hatte auf Grün geschaltet. Zur Freude der Konsumforscher und aller Konsumindexe war ich also bereit, zu investieren. Geld auszugeben. Leichtsinnig zu verjubeln. Anzukurbeln. Aufschwung.

Moment. Ich bin protestantisch erzogen. Bete und arbeite. Da is nix mit leichtsinnig und mal eben so. Das muss schon ein guter Deal sein. Kurz gesagt: Die Jacke war mir zu teuer. 299 Euro. 300. 600 in Mark. WOW! Aber. Nun hat diese mir bekannte Firma es mit dem generellen Abverkauf der Übergangs- und Sommerware nicht so geschafft. Deshalb begann ein früher SSV. Die Jacke ging auf 219 runter. Hm. Ich zweifelte. Schaute, wartete. Och nö.

Dann meldete sich das Gedächtnis des Ladens. „Hey, der war jetzt schon öfter da, der will doch…“ Also wurde mir die Entscheidung versüßt. Per Mail erhielt ich das Angebot, Einkaufsgutscheine mit 30% Preisreduktion zu kaufen. Kurzfristig. „Warten Sie nicht…“ Durchgerechnet: 220 minus 30%. Etwas über 150. Also habe ich 150 auf die Theke des Hauses Paypal gelegt und gedacht: Gleich kommen die Gutscheincodes per Mail, du tippst die ein und hast ein schönes, feines Schnäppchen gemacht. FIFTYFIFTY:)

HA! Denkste. Es kam eine Bestellbestätigung und Message, dass die Gutscheine in den nächsten Tagen verschickt würden. DIE STRAFE GOTTES. Mindestens. Boah, ey. Als die dann kamen, war die Jacke weg. Klar. In meiner Größe. Ciao, ciao. Was war das Gejammer groß, wie unbedingt ich diese Jacke plötzlich haben wollte, wie gerne ich sie für 220 gekauft hätte. Verzockt, verspielt, rien ne va plus. Menschen sind ziemlich bekloppt. Ich meine, da sieht man doch: Alles selbstgemachtes Theater.

Aber. Aber? Ja sicher. Die Story geht weiter. Der bekloppte Typ, also ich, ließ nicht locker. Zunächst kaufte ich mir zwei um 50% reduzierte Sweatshirts in dem Shop, die ich für meine um 30% reduzierten Gutscheine bekam. Dann schaute ich regelmäßig, ob es die Jacke wieder gab. Es gibt ja Rückläufer. 14-tägiges Rückgaberecht. Manch einem gefallen die Sachen nicht oder da kneift was oder die Farbe ist Kacke oder…

Mein inneres Haben-wollen-Konsumzentrum gab keine Ruhe. „Die Jacke, die Jacke, oh Herr…“ Die Jacke verschwand, weil sie komplett ausverkauft war. In allen Größen. Sie kehrte zurück, in einzelnen Größen. Aber nicht in meiner. Noch ein Artikel auf Lager. XXL. Dann gab es mal drei in anderen Größen. Dann war sie wieder weg. Ein heiteres, buntes Hin und Her.

Am Sonntag dann, also an dem Tag, an dem alles ruhen soll, ging der Shop in die Offensive. VIP-SSV-TOTAAL-Aberverkauf. Noch einmal 20%. Und dann. Echt ey. DA! Die Jacke in meiner Größe! 1 Artikel auf Lager. Adrenalin, jubilierende Fischerchöre in allen Organen. Tiefenkaufrausch. Wo sind die Gutscheine? Wie lautet meine Krankenkassennummer? Ach, quatsch. Ich habe bestellt. Ab in den Warenkorb. Husch, husch… Bunkern. MEINS. Finger weg. Das tiefe Habenwollen in allen Farben und Formen. Augenflackern. Das ganze Procedere. Rechner, jetzt nicht abstürzen. Firefox, bleib ruhig, nicht bewegen.

Als erstes musste ich den 20%-VIP-Code eingeben. YES! Funzt. Reduziert auf 119 Euro. Dann die Gutscheincodes (gefühlt 150-stellig) mit Ts und Zahlen und Bindestrichen ablesen und eingeben. DER CODE IST UNGÜLTIG. Ah. Oh. Uh. Den anderen Gutschein. BITTE! Lass das System nicht versagen. Mach, dass sich einer was dabei gedacht hat! Bitte keine Dilettanten-Programmierer. Zweiter Versuch. Angenommen. Weitere Codes. Nur noch ein Klick! Jaaaaaaaaaa…. Herr Schönlauuuu ist Weltmeister!!!!

Nun gut, nicht so ganz. Aber Besitzer einer neuen Jacke, so sie jemals hier ankommt. Vielleicht überlegt sich der arme Online-Ladenbesitzer das noch mal. Denn erst hat er 50% Prozent gegeben. Den Preis hat er um 20% reduziert und dann habe ich mit Gutscheinen bezahlt, auf die ich 30% bekommen hatte. Klar: Macht in der Summe 100%, also war das Ding geschenkt. Nein. Prozent auf Prozent auf Prozent. Ich sags euch: 80 Euro der Preis. Bin gespannt. Ob das alles so hinhaut. Und ja, ein wenig ein schlechtes Gewissen habe ich auch. Diese schäbige Geiz-ist-geil-Mentalität. Da hängt so was Ungutes dran. Aber so weit wollte ich ja gar nicht runter! Das war SCHICKSAL! Echt. Menno.

Wie auch immer. Jetzt heißt es warten. Auf Hans-Jürgen, meinen persönlichen Boten mit der gelben Kutsche, der den Herrn Cooper immer mit Leckerlis verzieht, weshalb der Herr Cooper bei Wetten, dass…! auftreten könnte, weil der das Postauto schon von weitem am Klang erkennt. Dieser Hund ist dermaßen intelligent, nö, verfressen…

Wenn sie da ist, sag ich Bescheid. Foto kriegt ihr aber nicht, sonst schreibt noch jemand, die würde doof aussehen und ich müsste sehen, wie ich damit mental zurecht komme. Ciao, ciao:)

P.S. Aber schön ist sie. Braun. Taschen vorne.

10 Antworten auf „Und dann doch am Ende billig, billig, viel zu billig drangekommen…“

    1. Hi Danièle,

      das Ooooch hört sich ein wenig an wie bei meiner Tochter:) ich verspreche nichts und noch habe ich kein Foto…

      Liebe Grüße

      Jens

  1. Hallo Jens,

    alleine für Deine „Berichterstattung“ müßtest Du noch eine weitere Reduzierung bekommen. Ich bin hin und weg von Deiner Beschreibung. Und – siehe da – auf einmal guckt die Sonne um die Ecke. Ich schwöre, ich war vorhin unterwegs mit Sohn und Auto und es hat leicht geregnet. Jetzt, wo ich lese, kommt die Pseudo-Sonne raus (die heißt so, weil sie uns auf den Balkon lockt – und wir müssen dann feststellen, daß da schon die nächste Wolke antrabt, hinter der sie sich verstecken will.)
    Da hast Du ja ein richtiges Schnäppchen gemacht. Geduld und Ausdauer muß schließlich auch belohnt werden! Ich gönne sie Dir auf jeden Fall.
    Das mit dem Herzeigen ist nicht nötig. Jeder und jede hat einen eigenen Geschmack.

    Ich wünsche Dir eine schöne Restwoche.

    Annegret

    1. Hi Annegret,

      thanx:) bei mir ist die Sonne auch im Blinkermodus. An. Aus. An. Aus. Sieht aber schön aus und der weg ins Tal war sehr schön. Schönes Licht. Sehr freidlich.

      Liebe Grüße

      Jens

  2. Hallo Jens,

    warum erscheint unter dem Schaufenster-Bild oben auf einmal ein „Deal Finder“? Ich finde das ätzend. Oder kannst Du nichts dafür?

    LG
    Annegret

    1. Hi Annegret,

      ein was? Keine Ahnung. Bei mir erscheint kein „Deal-Finder“ und auch bei mir in der WordPress-Datei ist da nirgends so etwas? Hat da irgendwer was eingeschleust, weil es hier um Kaufen geht? PRISM? America? Mein Online-Dealer, der sich rächt? Keine Ahnung. Kann ich nur sagen: Sorry! Aber ich hab da irgendwie nix mit zu tun…

      Liebe Grüße

      Jens

      P.S. – Hat sonst noch wer ’nen Deal-Finder bei sich unter dem Foto?

      P.S. 2 – Habe mal gegooglet und bin auf diesen Artikel gestoßen: http://www.sicherpc.net/adware/save-as-deal-finder Keine Ahnung, ob das zutrifft…

      1. Der „Deal Finder“ ist wahrscheinlich eines der kleinen Männchen, die mich fortwährend ärgern und meinen Computer abstürzen lassen, seitdem ich einen neuen Bildschirm habe. Ich weiß, daß das technisch nicht geht, aber so ist das eben.

        LG
        Annegret

        1. Hi Annegret,

          ich hab mal rumgefragt und bislang von niemandem gehört, dass da ein „Deal Finder“ wäre. Vielleicht machst du mal einen AdWare-Check?

          Liebe Grüße

          Jens

  3. Lieber Jens,

    ich bin ja nun ein ganzes Stückchen älter als Du, aber ich erkläre Dir das mal mit dem Übergang:

    Von Ostern bis 1. November war Sommer und vom 1. November bis Ostern war Winter. Die Übergänge waren da fließend nicht genau definiert. Ab Ostern gab es Muttern und die Omas die weiße Handtasche und am 1. November kam dann die schwarze aus dem Schrank, natürlich die Schuhe in gleicher Farbe auch und wenn alles klappte dann wurde am 1. November der Pelzmantel zum Lüften über den Friedhof getragen. Für uns Kinder bedeutete dies ab. 1 Ostern gab es Kniestrümpfe, dann abgestuft Söckchen und wenn das zu warm war Holzgaloschen. umgekehrt bedeutete das im Oktober kamen die Kniestrümpfe und ab 1. November die Strumpfhosen, auf die absolut niemand in meiner Familie versessen war. Ich müsste lügen, aber so richtig Übergangsjacke??? Vielleicht für die Regentage. Aber es gab ja Strickjacken, dicke und dünne. Kann man sich heute nicht mehr vorstellen, aber das hatte etwas.

    Schönen Abend,
    Herzlich
    Gitta

    1. Hi Gitta,

      das klingt nach anderer Zeit. Omas, Handtaschen, Nerzmäntel. Utah. Kniestrümpfe, Strumpfhosen. Wie schön, dass die Kinder heute tragen können, was sie wollen. Von Funktionskleidung bis Second Hand. Freiheit auf der Haut.

      Ich habe hetzte eine ÜBERGANGSJACKE. Meine neue Lederjacke. Wunderbar! Heute sind die Temperaturen gestürzt, da hat sie mir gute Dienste erwiesen. genau richtig. Leicht wärmend. Schutz vor kaltem Wind. Das hat sonst meine Softshell übernommen. Gar nicht so einfach, sich dem Wetter immer anzupassen.

      Liebe Grüße

      Jens

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