Essen!

Mangiare!

Es gibt diese Momente, in denen Essen alles ist. Und viel mehr. Am Wochenende überkam mich dieses Gefühl. Es zu tun. Zu kochen. Nicht so, wie man es immer tut. Zutaten, Töpfe, schnippeln, rühren, fertig. Nein. So mit Inspiration und Vorbereitung und Vorfreude.

Ich muss ein wenig ausholen. Mein Freund Andreas würde jetzt sagen: Komm zum Punkt! Muss man ja nicht immer. Nehmen wir es als Vorspeise. Seit einem Jahr wohne ich nun hier. Etwas länger. Für die Chronik: 6. August 2016. Seither hatte ich es nicht geschafft, so richtig für Ordnung zu sorgen. Der Keller war das Sorgenkind. All die Umzugskartons. All die pappverpackte Vergangenheit. Ich mochte nicht. Anfassen, anrühren, öffnen. So standen sie und versperrten den Weg und zogen eine Spur des Hinderns bis rauf in die Wohnung. Die Küchenschränke ließen sich nicht aufräumen, weil es für die überschüssigen Teile keinen Platz gab.

Das sind diese Verkettungen. Der Umstände. Samstag. Ich hatte vorgearbeitet, Schwerlastregale gekauft, aufgebaut, ins Chaos geschoben. Nun musste noch irgendwie eine Ordnung her. Diese spezielle Ordnung für meine Kisten und mein Leben. Kindersachen, meine Erinnerungen. Wie viel haptische Erinnerung braucht man? Aber Freitag ahnte ich schon, dass mir Samstag die Küche wieder ein Stück mehr gehören würde.

So fasste ich neben dem Plan der Kellerordnung einen weiteren. Ravioli. Selbstgemacht. Mit einer irgendwie gearteten Pfifferlingsfüllung. Also warf ich schon einmal die Zutaten für den Nudelteig in eine Schüssel. Wog, rührte, knetete und packte ihn in Folie und in den Kühlschrank. Um Samstagmorgen den Ausritt mit Herrn Cooper für die Pfifferlingsjagd zu nutzen. Denn: YEP! Mittlerweile, fast hatte ich schon aufgeben wollen, habe ich 4 (!) ertragreiche Stellen im Wald gefunden. Zwei in der Nähe, zwei ein Tal weiter. Es reichte. Deutlich. Mein Korb gut gefüllt.

Während ich im Keller räumte, überlegte ich, wie ich vorgehe. Die Füllung. Ich entschied mich zwischen Kistenleeren, Wegschmeißen und Einräumen für Pfifferlinge, Paprika, Frischkäse und Parmesan. Knoblauch, Zwiebeln anschwitzen, Paprika hinzu, die zerbröselten Pfifferlinge. Schön Einkochen. Flüssigkeit reduzieren, weil der Nudelteig die nicht verkraftet. Dann wird alles matschig. Also Geduld und kleine Flamme und irgendwann Frischkäse und Parmesan. Und zwischendurch Kräuter. Das Scharfe der Pfifferlinge mit Pfeffer und Chilli unterstützen. Das Olivenöl, die Zwiebeln und den Knoblauch mit Thymian und Rosmarin unterstützen. Mögen sie Freundschaft schließen. Später frische Petersilie hinzufügen, kurz bevor es so weit ist.

Den Teig durch die Nudelmaschine laufen lassen und zum Trocknen aufhängen. Derweil die frische Tomatensauce kochen. Olivenöl, Zwiebeln, Frühlingszwiebeln, Knoblauch, frische Tomaten, Pfeffer, Chilli, Thymian, Rosmarin, später Oregano und einige andere kleine Freunde aus dem Gewürzregal. Ich hatte noch eine Dose Tomaten aus Italien. Die sind röter, schöner, intensiver, italienischer. Dieses wunderbare Abschmecken. Wie sich der Geschmack entwickelt. Kleine Dosen, Annäherung. Gaumenfreuden. Erwartung, Hoffnung, Entzücken. Das ist Kochen. das ist die Freude. das ist das Überraschende.

Die fertigen Teigflächen auf den Tisch legen. Kleckse mit Füllung drauf verteilen. Mit Teig zudecken. Die Teigflächen ineinander drücken, die Füllung sicher einsperren. Ravioli formen. Mit den Fingern. Das Wasser aufsetzen.

Mein Vater hatte einen Freund, der hieß Pajatz. Mit Spitznamen, nehme ich an. Das war in der Jugend meines Vaters, als er Dolly genannt wurde und kein Fest ausließ. Er spielte Klavier, tanzte, rauchte, soff, verführte, lebte. Und wenn es bei uns etwas leckeres zu essen gab, später, sagte er: „Kinder, wie hat mein Freund Pajatz immer gesagt: Dolly, so ein bisschen was Fressen ist doch was Schönes.“

Ja, das ist es. Die gefüllten Ravioli ins Wasser. Warten. Herausnehmen, servieren, Tomatensauce, ein wenig Parmesan. Ui. Ja. Lecker. Die Füllung, die Sauce. Heijeijei. Feiner Geschmack.

Meinen Kindern sage ich immer, dass es sich lohnt, sich mit dem Kochen zu beschäftigen. Dieses Gefühl zu entwickeln, was passt, was zusammengehört, welche Gewürze die richtigen sind. Welche Temperatur man braucht, wie viel Zeit. Man kann sich selbst verwöhnen und beschenken. Man kann sagen, ja, jetzt koche ich was. Und wenn dann Pfifferlinge da sind. Wie heute nach dem Fußball. Ich hatte den ganzen Tag nichts gegessen. Manchmal mag ich nicht. Und dann. Ein wenig Olivenöl, Pfifferlinge, Kräuter, Eier. Man müsste immer frische Pfifferlinge im Haus haben.

Jetzt bin ich satt, glücklich und gehe schön schlafen. Morgen ist ein neuer Tag. Ein neuer Tag mit aufgeräumtem Keller. Irgendjemand hat einmal gesagt: Der Keller steht für die Vergangenheit, der Speicher für die Zukunft. Okidoki. Ich bin bereit, beides mit offenen Armen anzugehen. Das Leben küssen. Warum nicht. Und Pfifferlingsstellen suchen. Besser: Finden:) Zweifelsohne braucht man frische Pfifferlinge. Zwingend.

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