Die wunderbare Gemeinsamkeit von Colleen Sakurai, Shoichi Sakurai, Helga Mols, David Grasekamp

4 by 4.

4 Künstler*innen, vier Werke, vier Räume. Im Kulturhaus Zanders in Bergisch Gladbach. Die vorletzte Ausstellung, bevor das ehrwürdige Gebäude den Familienbesitz verlässt und anderweitig genutzt wird.

Colleen Sakurai, Shoichi Sakurai, Helga Mols, David Grasekamp.

Gestern Abend war die Eröffnung der Ausstellung. Bis hinten voll das Kulturhaus Zanders. Habe ich schon einmal eine so gut besuchte Vernissage erlebt?

Raum 012, Erkerraum – im Erker Shoichi Sakurais Werk Pieces United

Im Erker hängt eine Metallkonstruktion, ein ehemaliger Flaschentrockner, der nun Garnspindeln aufnimmt. Garn in Blau, Weiß, Rot. Hier laufen die Fäden zusammen, hier trifft sich das Spinnennetz der Welt, hier ist das Zentrum der Gemeinsamkeit. Alles ist verbunden, vernetzt, in Kontakt.

Die Fäden laufen zu dem überwiegend blauen Flickenteppich am Boden. Blaue Baumwollflächen handvernäht, mit Mustern versehen, angeordnet. Alte Stoffe, historisch, aus Japan hierher verbracht. Eine Collage aus Stoffen, eine Geschichte aus der Geschichte. Es geht um Verbundenheit, den Kern dieser Ausstellung.

Nicht die Einzelne, der Einzelne zählt, es ist das Zusammenwirken, die Interaktion des Positiven, das soziale Moment des Seins.

Wie wollen wir leben? Wie wollen Künstler*innen arbeiten? Wie viel Trennung des Ichs möchten wir zulassen?

Am Boden liegen die Geschichten vieler Einzelner. Von arbeitenden Menschen aus Japan. Die haben sich die Knie durchgescheuert, die Ellenbogen und haben Flicken draufgesetzt und ihr Wirken und Arbeiten erhalten, konserviert und Shoichi hat uns diese Geschichten mitgebracht. Ich für mich sehe in meiner naiv entfernten Sicht auf Japan kleine Höfe, Reisfelder, eine Werkstatt.

Die Fäden laufen zart. Nebeneinander. Sie gehen in die Stoffe und ihre Flächen, die Shoichi liebevoll vernäht hat.

Er kniet auf seinem Werk, erläutert die Details, erzählt von den Stoffen.

In dieser Ausstellung wird viel erzählt. Es sind die Geschichten der vier Künstler*innen, die sich auf ein waghalsiges Projekt eingelassen haben. Erst stand der Termin, dann musste gearbeitet werden. Jeder Raum hat ein Signatur-Werk, ein Anker-Werk, ein Thema, auf das die drei anderen reagieren mussten. David gab ein Werk auf seiner Ausstellung DIS-POSITIONEN an gleicher Stelle vor zwei Jahren vor. Colleen, Helga und Shoichi antworteten.

In Helgas Raum musste ich lächeln. Sie ließ ihre Strange Loops wirken. Lächeln musste ich wegen Davids Arbeit. Wir würde er, der so nah dran ist, reagieren?

Wie kann man eine vorgegebene Arbeit aufnehmen, bearbeiten, als Inspirationsquelle nehmen, wenn man so dicht am Werk der Partnerin dran ist? Das gilt natürlich auch für Colleen und Shoichi.

Das ist das, was die Stärke dieser Ausstellung ausmacht. Sie erzählt von Verbundenheit. Von zarten Banden, von Liebe, Freundschaft und Respekt.

Da sind vier erwachsene Künstler*innen, die in ihrem eigenen Werk einen Weg gegangen sind. Die nicht am Anfang stehen. Das Werk ist da, die Handschrift geformt, das Sujet gewählt, der Stil geprägt.

Man muss über seinen eigenen Schatten springen, sich einlassen.

Das haben die Vier getan. Jeder Raum ist voller Kraft und Spannung aus der Diskussion der Werke untereinander heraus.

Colleens Ravens‘ Flight.

Tief Rabenschwarz. 3D. Wellpappe. Feinfühlig lebendig dynamisch. Ja, was an der Wand hängt, fliegt. Der Rabe fliegt. Und vor ihm kniet in Ergebenheit Shoichis fein gebogener Flügel. Eine Blechtür mit Griffen. Zwei Raben miteinander verbunden, was eben auch durchaus ein romantisches Moment der Ausstellung ist. Muss man als Paar hinbekommen, sich so zu spiegeln. Mit der Sprache der Kunst. Liebeserklärungen, Respektbekundungen, die den 4ren wunderbar gelungen sind.

Auch im nicht angekündigten fünften Raum, der erzählt, dass das Prinzip der Ausstellung schon lange gelebt wird und einfach wunderbar funktioniert.

Ich war und bin begeistert. Den Optimismus der zentralen Aussage habe ich gerne mitgenommen. Als wir zum Auto gingen, sah ich dann das Hochhaus, das auf das Kulturhaus Zanders blickt und mir war, als würden Fäden auf mich zukommen. Verbundenheit über alle Grenzen menschlichen Getrenntseins hinweg.

Unbedingt ansehen, Zeit mitbringen und in die Welt der 4 eintauchen. Die Verbindungen suchen, sich die Geschichten erzählen lassen, mit jedem einzelnen Werk Spaß haben. Das alles ist großes Kino.

Finissage ist am 10. November – bis dahin gibt es ein spannendes Rahmenprogramm und viel Gelegenheit, die Künsteler*innen vor Ort zu treffen. Fakten & Infos zur Ausstellung hier!

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