Zwei Jahre fiftyfiftyblog auf Brigitte woman

Was? Zwei Jahre schon? Ich kann mich erinnern, dass das anfangs für mich ein Projekt war. Eine Spielerei. Ein Ausprobieren. Wollte mal sehen, was das ist: Bloggen. Nun bin ich zwei Jahre schlauer und kann mir ein Leben ohne Bloggen nicht mehr vorstellen.

Abhängig? Süchtig? Nach Aufmerksamkeit, oder was, oder wer, oder wie jetzt? Mit Sicherheit. Bislang habe ich in meinem Leben viele Dinge ausprobiert und bin einen nicht immer linearen Weg gegangen. Wer den Blog regelmäßig liest, kennt so einige Stationen meines Lebens. Die Station Bloggen nun ist eine, die mich täglich, wochentäglich herausfordert und in die Welt des WWW mit ihren eigenen Gestzen zieht.

Gestern habe ich auf Google+ die Rede eines Wissenschaftlers vor der Enquetekommission des deutschen Bundestages zum Thema Internet gesehen. Die dauerte drei Minuten. Ein Redegewitter, dass die ganze Dramatik der Entwicklung auf den Punkt gebracht hat. Das Internet ist nicht weniger als eine REVOLUTION. 1789, 1848, 1917, 2012.

Nie, nie war die Vernetzung der Menschen untereinander so groß wie heute. Web 2.0 ist eine Zäsur. Die Verdrahtung der Bürger/innen untereinander in einem explodierenden, sich selbst schaffenden System. Und genau dort hinein habe ich mich mit meinen Blogs und der gesamten Tumblr-, Google+-, facebook-, Twitter- & Co.-Peripherie begeben.

Anfangs wollte ich meine künstlerische Ader als Gegengewicht zum Texter for money in die Waagschale werfen. Am Anfang stand das Gedicht Kirschblütenblättersehnsucht. Es folgten viele Gedichte, die Veröffentlichung meiner Theaterstücke, der Beginn einer längeren Geschichte (Projekt Elaine). Hier gab es vereinzelt Feedback und Lob, aber die Story „Gedichte und Geschichten schreiben“ scheint out. Der Keks ist gelutscht. 2.0 ist etwas anderes. Eine andere Zeit mit anderen Vorgaben. Meine Vergangenheit zum Beispiel lässt sich da nicht einfach reinintegrieren.

Das ist spannend. Allmählich entwickle ich ein Gespür für diese neue Zeit. Mittlerweile verdiene ich sogar Geld mit meiner Blog- und Social Media-Erfahrung, weil da plötzlich Unternehmen sind, die die gut brauchen können. Hier schreibe ich Konzepte, liefere Strategien und Umsetzungen. Und was soll ich sagen: Das macht ziemlich viel Spaß. Von der Kirschblütenblättersehnsucht zur Social Media-Strategie. Nie weiß man, was passiert, wenn man einen Stein ins Rollen bringt. Was was anstößt.

War ich mir anfangs nicht darüber im Klaren, wie lange dieses Projekt Blog laufen würde, so weiß ich mittlerweile, dass ich weitergehen möchte. Teil dieser REVOLUTION sein. Ich bin dabei, wir sind dabei. Es ist viel Arbeit, sich all das zu erschließen, was Internet heute ist, aber es ist gut, weil es einen Großteil unseres Lebens ausmacht. Das reale Leben hat sich partiell ins Internet verlagert. Unsere Gesellschaft, Politik, Kultur, Meinungsfindung, der Austausch finden auch im Netz statt. Das ist keine Parallelgesellschaft, sondern Teil der Gesellschaft. Und es ist kein virtueller Teil, sondern ein realer Teil. Digitales Leben. Irre. Vielleicht haben wir es noch nicht gemerkt, aber das ist Science Fiction. Das ist Beamen. Wir fliegen bereits durch den Raum und sind in Millisekunden in Afrika oder Asien. Mitten auf dem Tahirplatz oder in New York City.

Zwei Jahre nun auf Brigitte woman. Danke liebe Redaktion, dass ihr mir das ermöglicht habt. Dass ich hier als Mann bloggen darf. Danke an all die Leser/innen, die den Blog unterstützt haben. An euch. Wir haben hier viel Zeit miteinader verbracht. Sind viele Themen durchgegangen, haben manchmal kontrovers diskutiert, manchmal gelacht, geschmunzelt. Ihr habt mich getragen mit euren Klicks und Kommentaren, habt mich ermutigt, habt mir eure Aufmerksamkeit geschenkt. Von daher ist dieser Blog für mich eine äußerst gute Erfahrung.

8 Antworten auf „Zwei Jahre fiftyfiftyblog auf Brigitte woman“

  1. Lieber Jens,

    zu deinem Jubiläum möchte ich dir gratulieren! Auch wenn es still um mich geworden ist, so schaue ich hin und wieder schon mal rein und lese mit!

    Ich wünsche dir weiterhin viel Spass und nun auch Erfolg mit deinem Blog und bin gespannt, wie die Entwicklung – die Revolution weitergeht!

    Liebe Grüße
    Claudia

    1. Hi Claudia,

      vielen Dank. Ja, lange nichts von dir gehört, desto mehr freue ich mich, dass du weiter mitliest. Ich weiß, dass es ganz schön viel Arbeit ist neben allem, so einen Blog zu begleiten und die vielen beiträge zu lesen und zu kommentieren. Also habe ich auch vollstes Verständnis, für ein zurückgezogenes Dabeisein. Ich bin gespannt, wie das alles weitergeht…

      Liebe Grüße

      Jens

  2. Hallo Jens,

    herzliche Gratulation zum 2-Jahres-Blog-Jubiläum. Klingt ja sagenhaft, was sich bei dir da alles in Bewegung gesetzt hat.
    Über Sozial Media und Revolution möchte ich nicht diskutieren; für mich hat diese Revolution zwei Seiten – und du klingst so euphorisch…

    Einen Stich allerdings hat es mir gegeben, als ich las: ‚…die story Geschichten und Gedichte schreiben scheint out‘. Dass „Projekt Elaine“ den Bach runter ist, checkte ich irgendwann einmal; ich kann’s verstehen, obwohl meiner Meinung nach vor allem im Anfang der Geschichte viel Potenzial lag. Aber ‚Gedichte out‘ – da zieht’s mir das Herz zusammen…
    schade.

    Viele liebe Grüße
    filo

    1. Liebe Sabine,

      Gedichte sind out meine ich im gesellschaftlichen Kontext – sie haben keinen großen Stellenwert mehr. Meine aktuellen Erfahrungen mit der Verlagsszene sind kurz zusammengefasst in etwa so, dass es nun einen „Gedichteberg“ wie einst den „Butterberg“ in der EU gibt. Man muss Geld zahlen, um einen Band zu veröffentlichen. Ein Verlag wollte meinen Band drucken, wenn ich 8.000 € zahle. Scheinbar passen sie nicht mehr in die Zeit, diese kleinen Ruhe- und Unruhestifter. Das heißt nict, dass ich mich von ihnen abwende. Ganz und gar nicht. Gedichte sind für mnich nach wie vor die Königsdisziplin. Die wenigen Worte nutzen.

      Zurzeit schaffe ich es nur überhaupt nicht, mich lyrisch zu konzentrieren. Ich arbeite, arbeite, arbeite seit Monaten. Termine über Termine, Konzepte, Strategien, Präsentationen. Alles große Jobs nach dem großen Job mit dem 28 Interviews. Mein Kopf ist voll mit Geldverdiensachen. Da werde ich ein wenig sentimental, wenn ich an den Januar 2010 zurückdenke, als nichts zu tun war und ich Gedichte schreiben konnte. Es wird wieder kommen. Da ist einiges, was wartet. Rund um meinen Vater. Das wird raus wollen und ich spüre jetzt schon, dass sich Worte sammeln. Anmutungen, um auch hier den Weg zu gehen. Bei deinen Nebeln war ich nah dran, konnte aber nicht. Wollte nicht.

      Die Sache mit der Revolution sehe ich natürliuch auch nicht nur positiv. Dantons Tod. Mein Prof sagte immer „während Revolutionen rollen Köpfe“. Was nun hinwegrollt, sind auch gute Sachen. Keine Frage. Weil alles auf den Kopf gestellt wird, verlieren wir auch. Meine Euphorie erwächst aus den Chancen, die ich sehe und spüre.

      Liebe Grüße

      Jens

  3. Lieber Jens,

    danke für deine ausführliche Antwort. Dass Gedichte publizieren ein Ding der Unmöglichkeit ist, weiß ich leider auch… Schön, dass meine Befürchtung sich allerdings als Irrtum erwiesen hat. Schön, wenn wir – deine kleine feine Fangemeinde – die Gedichte (die Königsdisziplin) auch zukünftig nicht entbehren müssen.

    Wie es ist mit dem Kopf voll und viel Arbeit, erlebe ich selbst zurzeit am eigenen Leib – dass da meistens keine Luft und kein Platz ist für Poesie und schöne und/oder spannende Gedanken in knappen, präzisen Worten bzw. ästhetischen Wendungen… Ich hab‘ sehr Sehnsucht danach, dass diese Welt wieder mehr Raum einnähme in meine Leben – spielt’s momentan nicht…

    Dennoch: seien wir zuversichtlich. Hin und wieder nistet sich in einem ungeahnten Zwischenraum ein lyrischer Gedanke, ein paar Gedichtzeilen ein…

    Viele liebe Grüße
    filo

  4. Liebe filo,

    vielleicht ist es einfach zu viel Eitelkeit meinerseits, unbedingt Gedichte veröffentlichen zu wollen. Am besten bei Suhrkamp wie die Großen. Dabei sollte ich froh sein, sie in der stillen Kammer gut untergebracht zu wissen. Da kann ich sie herzen und abstauben und ab und an nehmen und was neues draus machen.

    Ich bin sicher, es werden neue Gedichte kommen – vielleicht, wenn ich nächste Woche nach London zum Sprachkurs fliege. Lerne, durch die Stadt streife, mit den Leuten in der WG quatsche, in der ich wohnen werde. Freiraum im Kopf. Keine Kapazitäten schluckenden Konzepte.

    Herzliche Grüße

    Jens

  5. Hallo Jens,

    meinen herzlichen Glückwunsch zum Blog-Jubiläum. Deine Ausdauer hat sich, so wie ich lesen kann, gelohnt. Du bist Teil der Revolution und fühlst Dich dort – auf jener Welle – sehr gut. Ich kann mich daran erinnern, daß Du Dich bisweilen fehl am Platze gefühlt hast, von wegen Deines Alters (oder Deinem Alter?). Du surfst auf der Social-Media-Welle. Gratulation, Gratulation.

    Schönes Wochenende.
    Annegret

  6. Hi Annegret,

    danke für die Glückwünsche und dir einen ganz besonderen Dank für deine Unterstützung, deine Geduld mit mir und deine unglaubliche Ausdauer. Du hast ja nun schon viel mitgekriegt und die verscheidensten Seite, Dinge hier erlebt.

    Social Media. Ich denke, ich surfe nicht auf der Welle. Äußerlich ja, innerlich bin ich froh, wenn ich abends analog ein Buch nehmen kann. Aber ja, ich bin froh. Mitgegangen zu sein. Weil das hilft, die welt weiter zu verstehen. Als Geisteswissenschaftler ist es für mich ein ständiges Verlangen, diese Welt verstehen zu wollen. der mikroskopische Blick. Mit dem WWW wird alles neu gemischt. U nd tatsächlich ist iommer dann am spannendsten, wenn die Menschheit eine neue Stufe erklimmt. Das Internet, so bescheuert man facebook finden mag, ist eine solche neue Stufe. Dass duns nicht alles gefällt, dass es Auswüchse gibt, ist klar. In Rom sind die Menschen in die Arena gegenagen, um Menschen mit Löwen kämpfen zusehen. In homo homini lupus. Für mich ist es einfach spannend und im Job eine Chance, eine gute Herausforderung, die hilft, dass ich mich nicht langweile. Momentan ist vieles neu und das inspiriert mich.

    Dir einen herzlichen Dank für alles und liebe Grüße

    Jens

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